Ursachen
Klimakterium/Wechseljahre (Menopause)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Die Synthese (Produktion) der Sexualhormone nimmt mit Beginn des Klimakteriums zunehmend ab. Erst sinkt die ovarielle (eierstockzugehörig) Synthese von Progesteron ab, danach die der Östrogene (17-β-Östradiol) und abschließend der Androgene. Nach der Menopause werden Östrogene nicht mehr durch die Ovarien, sondern ausschließlich durch das Fettgewebe gebildet. Daher kann die Östrogenbildung bei übergewichtigen Frauen in der Menopause gleich der von jungen Frauen in der fruchtbaren Phase sein! Es handelt sich dann aber mehr um Estron (Östron) als um Estradiol. In der Postmenopause fällt auch die Androgenproduktion.
 
Die wichtigsten Östrogene sind Estradiol (17-β-Östradiol), Estron und Estriol (Östriol) diese sind unter anderem neben dem Progesteron wichtig für die Fertilität (Fruchtbarkeit) und damit für die Fortpflanzung. Des Weiteren schützen Östrogene vor Knochenschwund (Osteoporose) und vor Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung), erhalten die Spannkraft der Haut und stärken das Immunsystem. Die nachlassende Tätigkeit der Eierstöcke führt so zunehmend zu einem bleibenden Hormonmangel, welcher sich in Wechseljahresbeschwerden (klimakterische Beschwerden; klimakterisches Syndrom) äußert und zudem Erkrankungen wie Osteoporose und Atherosklerose fördern kann.

Ätiologie (Ursachen) des Klimakterium praecox (vorzeitige Wechseljahre)

Biographische Ursachen

  • Genetische Ursachen – familiäre Häufung
    • Genetische Erkrankungen
      • Turner-Syndrom (Synonyme: Ullrich-Turner-Syndrom, UTS) – genetische Erkrankung, die meist sporadisch auftritt; Mädchen/Frauen mit dieser Besonderheit haben lediglich ein funktionsfähiges X-Chromosom statt der üblichen zwei (Monosomie X); u. a. mit Anlagestörung der Aortenklappe (33 % dieser Patienten haben ein Aneurysma/krankhafte Aussackung einer Arterie); sie ist die einzige lebensfähige Monosomie beim Menschen und kommt ungefähr einmal bei 2.500 weiblichen Neugeborenen vor.

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Vegetarische Ernährung
  • Genussmittelkonsum
    • Tabak (Rauchen) – eine vorzeitige Menopause (vor dem 45. Lebensjahr; ca. 5-10 % der Frauen) ist bei Raucherinnen hinsichtlich des Nikotinabusus dosisabhängig [2]

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Autoimmunerkrankungen – diese führen zur "autoaggressiven Verdauung" der Eierstöcke
  • Diabetes mellitus
  • Virusinfektionen – zum Beispiel Mumps in der Kindheit

Medikamente

  • Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)

Röntgenstrahlen

  • Strahlentherapie (Radiotherapie, Radiatio)

Operationen 

  • Operative Eingriffe, die die Blutversorgung der Eierstöcke stören, wie beispielsweise eine Sterilisation durch Koagulation, das heißt "Verkochung" der Eileiter, Uterusexstirpation (Gebärmutterentfernung)

Weitere Ursachen

  • Konsumierende Allgemeinerkrankungen, Tumorkachexie

Die Häufigkeit klimakterischer Beschwerden wird mit 50 bis 85 Prozent aller Frauen im Klimakterium angegeben. In 25 Prozent sind die Beschwerden sehr heftig, in 40 Prozent mittelstark. In fünf Prozent der Fälle ist die Befindlichkeitsstörung so stark, dass Arbeitsunfähigkeit eintritt.

Ätiologie (Ursachen) späterer Menopause

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas) – erhöhter BMI ist mit einer späteren Menopause assoziiert [1]

Ätiologie (Ursachen) verstärkter klimakterische Beschwerden

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Niedrige Östrogen-Serumspiegel mit gleichzeitig starken Schwankungen im Tagesablauf

Weitere Ursachen

  • Gesteigerte individuelle Empfindsamkeit des vegetativen Nervensystems
  • Körperbau und Konstitution – schlechte Gesamtverfassung des Organismus
  • Mangelhafte seelische Verarbeitung der klimakterischen Symptome
  • Negative psychische Einstellung zum Klimakterium und zur Sexualität allgemein

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Tao X, Jiang A, Yin L, Li Y, Tao F, Hu H: Body mass index and age at natural menopause: a meta-analysis. Menopause. 2015 Apr;22(4):469-74. doi: 10.1097/GME.0000000000000324
  2. Whitcomb BW et al.: Cigarette smoking and risk of early natural menopause. Am J Epidemiol 2018;187:696-704 https://doi.org/10.1093/aje/kwx292
     
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