Latexallergie – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) anderer Genese – insbesondere bei Pollen-, Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergie; entscheidend ist der fehlende reproduzierbare Zusammenhang der Beschwerden mit Latexexposition
  • Asthma bronchiale (Asthma) anderer Genese – insbesondere berufsbedingtes Asthma durch andere inhalative Allergene oder irritative Arbeitsstoffe; Abgrenzung durch den spezifischen Expositionsbezug
  • Irritative Rhinitis (reizbedingter Schnupfen) – nichtimmunologische Schleimhautreizung, z. B. durch Reinigungs- oder Desinfektionsmittel; kann arbeitsplatzbezogene nasale Beschwerden einer Latexallergie klinisch imitieren

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Allergische Konjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) anderer Genese – insbesondere bei Pollen-, Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergie; bei isolierten okulären Beschwerden ist eine Latexallergie ohne entsprechenden Expositionsbezug weniger wahrscheinlich

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische Kontaktdermatitis (allergische Kontaktentzündung der Haut) durch Gummizusatzstoffe – Typ-IV-Reaktion (verzögerte allergische Reaktion) insbesondere gegen Thiurame, Dithiocarbamate oder Mercaptobenzothiazole; verzögert auftretendes Ekzem (entzündliche Hautveränderung) und immunologisch von der IgE-vermittelten Soforttypallergie (unmittelbar auftretende Allergie) gegen Naturkautschuklatex-Proteine zu unterscheiden
  • Atopisches Ekzem (Neurodermitis) – insbesondere bei chronischem Handekzem (lang andauernde entzündliche Hautveränderung der Hände); kann durch Okklusion und häufiges Händewaschen aggraviert werden und eine handschuhassoziierte Latexreaktion vortäuschen
  • Dyshidrotisches Ekzem (Bläschenekzem an Händen und Füßen) – bei stark juckenden Vesikeln (Bläschen) an Handflächen und Fingerseiten wichtige Differentialdiagnose handschuhassoziierter Hautveränderungen
  • Irritative Kontaktdermatitis (reizbedingte Kontaktentzündung der Haut) – häufigste nichtallergische Hautreaktion im Zusammenhang mit Handschuhgebrauch; begünstigt durch Okklusion, Schwitzen, Reibung sowie häufiges Händewaschen und Desinfizieren
  • Kontakturtikaria (Kontakt-Nesselsucht) anderer Genese – unmittelbar auftretende Quaddelbildung nach Kontakt mit anderen Allergenen oder physikalischen Reizen; bei fehlendem spezifischem Latexexpositionsbezug von der IgE-vermittelten Latexallergie abzugrenzen

Medikamente

  • Arzneimittelinduzierte Soforttypreaktion (unmittelbar auftretende allergische Reaktion)/Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) – insbesondere durch Antibiotika oder neuromuskuläre Blocker; bei perioperativen Reaktionen wichtige alternative Ursache einer vermeintlichen Latexanaphylaxie
  • Chlorhexidinallergie (Allergie gegen das Desinfektionsmittel Chlorhexidin) – wichtiger alternativer Auslöser einer perioperativen Soforttypreaktion bzw. Anaphylaxie bei gleichzeitig möglicher Latexexposition

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Reinigungs- und Desinfektionsmittel – können insbesondere bei beruflich Exponierten irritative Haut- und Atemwegsbeschwerden verursachen und dadurch eine Latexallergie klinisch imitieren