Einleitung
Heuschnupfen (Allergische Rhinitis)

Die allergische Rhinitis (AR; Synonyme: allergische Rhinopathie; allergischer Schnupfen; pollenbedingte allergische Rhinitis, Heuschnupfen, Heufieber oder Pollinose bzw. Pollinosis von lat. pollen = feines Mehl; Gräserpollenallergie; Heuallergie; Jakobs-Kreuzkraut-Pollenallergie; Kräuterpollenallergie; Pollenallergie; Roggenallergie; Rosenpollenallergie; Rhinitis allergica; Sommerkatarrh; ICD-10 J30.1: Allergische Rhinopathie durch Pollen) ist eine symptomatische Überempfindlichkeitsreaktion der Nase, die infolge Allergenexposition durch eine IgE-vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) induziert wird [1]. 

Die Erkrankung ist mit einem Anteil von über 50 % die häufigste Manifestation der Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis (Atopie).

Heuschnupfen wird im Wesentlichen durch den Blütenstaub (Pollen) von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide oder Kräutern ausgelöst.

Die allergische Rhinitis (AR) wird nach dem ARIA-Dokument der WHO (2003) wie folgt klassifiziert:

  • Milde allergische AR:
    • Symptome vorhanden, aber nicht lästig
    • Keine Verschlechterung der Lebensqualität (Schlaf; schulische oder berufliche Leistungen; tägliche und sportliche Aktivitäten)
  • Moderate bis schwere AR
    • Symptome vorhanden, im Regelfall auch lästig
    • Verschlechterung der Lebensqualität (Schlaf; schulische oder berufliche Leistungen; tägliche und sportliche Aktivitäten)
  • Intermittierende allergische AR: Symptome < 4 Tagen pro Woche oder < 4 aufeinanderfolgende Wochen 
  • Persistierende AR: > 4 Tagen pro Woche oder > 4 Wochen

Des Weiteren kann wie folgt eingeteilt werden:

  • Saisonale allergische Rhinitis – tritt nur zu bestimmten Jahreszeiten auf
  • Perenniale allergische Rhinitis – hier handelt es sich sind im Vergleich zur saisonalen allergischen Rhinitis um andere Allergene (Substanzen, die eine allergische Reaktion auslösen) wie beispielsweise Tierhaare, Milben oder Schimmelpilze, die ganzjährig über in der Umwelt vorkommen
  • Beruflich bedingte allergische Rhinitis

Geschlechterverhältnis: Männer (+ 28 %) [2]

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt vorwiegend im frühen Kindesalter auf; 80 % der Fälle brechen vor dem 30. Lebensjahr aus; zunehmend auch Erstmanifestationen bei Älteren.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 16 % (in Deutschland). Der Anteil an Kindern und Jugendlichen wird auf 15-39 % geschätzt.
In Europa leiden ca. 23 % der Bevölkerung an einer allergischen Rhinitis, 50 % sind ganzjährig erkrankt.

Verlauf und Prognose: Eine persistierende allergische Rhinitis hat ohne kausale Therapie (medizinische Behandung, welche versucht die Ursachen einer Erkrankung zu beseitigen) eine ungünstige Prognose und macht zudem ein ständige konservative Therapie (hier: medikamentöse Therapie) erforderlich!

Die Therapie der allergischen Rhinitis umfasst die Allergenkarenz (Maßnahmen, durch die man die Exposition gegenüber Allergenen teilweise oder vollständig vermeidet) soweit möglich, die Pharmakotherapie (z. B. mit Antihistaminika) sowie ggf. eine spezifische Immuntherapie (SIT; Hyposensibilisierung; Besserung bei Pollen- und Milbenallergie ca. 60-75 %). Durch eine möglichst frühzeitig begonnene Therapie kann z. B. die Entwicklung von Asthma bronchiale ("Etagenwechsel") verhindert werden.
Im weiteren Verlauf können die Betroffenen allergische Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel entwickeln. Man spricht dann von sogenannten Kreuzallergien. Beispielsweise ist für eine Birkenpollenallergie eine später auftretende Allergie gegen Haselnüsse und Kernobst typisch. 

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Die allergische Rhinitis kann mit Asthma bronchiale, einem atopischen Ekzem (atopische Dermatitis, Neurodermitis) und Rhinosinusitis (gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“) und der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen ("Sinusitis")) vergesellschaftet sein. Des Weiteren kann die Krankheit von gastrointestinalen Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Nahrungsmittelallergie, Insomnie (Schlafstörungen) und Konzentrationsstörungen begleitet sein.
Patienten mit allergischer Rhinitis entwickeln doppelt so häufig ein Cholesteatom (Einwucherung von mehrschichtigem verhornendem Plattenepithel in das Mittelohr mit nachfolgender chronisch-eitriger Entzündung) [3].

Literatur

  1. DGAI: Leitlinie Allergische Rhinokonjunktivitis: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Allergo J 2003; 12:182-194
  2. Grabenhenrich LB et al.: Prediction and prevention of allergic rhinitis: A birth cohort study of 20 years. J Allergy Clin Immunol 2015; online 11. Mai; doi: 10.1016/j.jaci.2015.03.040
  3. Kuo CL et al.: Increased Risk of Cholesteatoma Among Patients With Allergic Rhinitis: A Nationwide Investigation. Laryngoscope 2017 Aug 3. doi: 10.1002/lary.26220.

Leitlinien

  1. DGAI: Leitlinie Allergische Rhinokonjunktivitis: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Allergo J 2003; 12:182-194
  2. S1-Leitlinie: In-vitro-Allergiediagnostik. (AWMF-Registernummer: 061 - 017), Januar 2009 Langfassung
  3. S3-Leitlinie: Allergieprävention. (AWMF-Registernummer: 061-016), Juli 2014 Langfassung

     
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