Streptokokken-Antikörper
Streptokokken-Antikörper sind serologische Marker (Blutwerte zum Nachweis von Antikörpern) einer vorausgegangenen Infektion (Infektionskrankheit) mit Streptococcus pyogenes beziehungsweise Gruppe-A-Streptokokken (bestimmte Bakteriengruppe). In der klinischen Labordiagnostik (medizinische Laboruntersuchung) werden vor allem Antistreptolysin O (ASO) und Anti-DNase B bestimmt.
Die Untersuchung dient nicht der Routinediagnostik (Standarduntersuchung) einer akuten Streptokokken-Pharyngitis (Rachenentzündung durch Streptokokken), sondern vor allem dem Nachweis einer zurückliegenden Gruppe-A-Streptokokken-Infektion (Infektionskrankheit) bei Verdacht auf immunologisch vermittelte Folgeerkrankungen (durch das Immunsystem verursachte Folgekrankheiten) wie akutes rheumatisches Fieber (entzündliche Systemerkrankung nach Infektion) oder poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion) [1-5].
Synonyme
- Antistreptokokkale Serologie
- Streptokokken-Serologie
- ASO, ASLO, Antistreptolysin O
- Anti-DNase B, Antideoxyribonuclease B
- ggf. weitere antistreptokokkale Antikörper, z. B. Antihyaluronidase
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Serum
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Störfaktoren
- Interpretationslimitierung (eingeschränkte Auswertbarkeit) bei Einzelbestimmung ohne Verlaufskontrolle, da Antikörpertiter (Höhe der Antikörperkonzentration) eine zurückliegende und nicht zwingend eine aktuelle Infektion abbilden [1-4]
- Falsch erhöhte ASO-Werte sind unter anderem bei Lipämie (erhöhte Blutfette), Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), Lebererkrankungen oder methodenspezifischen Interferenzen (Messstörungen) beschrieben [5]
- Die Höhe des Titers ist alters-, populations- und methodenabhängig; pädiatrische Referenzbereiche (Normbereiche bei Kindern) liegen häufig über Erwachsenenwerten [3,4]
- Nach Hautinfektionen kann ASO weniger sensitiv (weniger empfindlich) sein; Anti-DNase B ist hier häufig aussagekräftiger [2,5]
- Methode
- Immunoturbidimetrie, Nephelometrie, Latexagglutination oder enzymatische/neutralisationsbasierte Verfahren, laborabhängig
- Bestimmt werden vor allem ASO und Anti-DNase B; die Kombination beider Parameter erhöht die Sensitivität (Empfindlichkeit) für den Nachweis einer vorausgegangenen Gruppe-A-Streptokokken-Infektion [2,4,5]
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Test | Referenzbereich |
| Erwachsene – ASO | häufig ≤ 200 IU/ml |
| Erwachsene – Anti-DNase B | laborabhängig, z. B. ≤ 120 U/ml oder ≤ 300 U/ml |
| Kinder/Jugendliche – ASO | deutlich alters- und populationsabhängig; teils höhere Obergrenzen als bei Erwachsenen |
| Kinder/Jugendliche – Anti-DNase B | deutlich altersabhängig; aktuelle Referenzintervalle müssen laborspezifisch verwendet werden |
| Verlauf | Ein Titeranstieg in gepaarten Seren im Abstand von etwa 2-4 Wochen ist aussagekräftiger als eine isolierte Einzelmessung |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für Anti-DNase B und ASO bestehen teils erhebliche Unterschiede zwischen Herstellern, Populationen und Altersgruppen [3-5].
Indikationen
- Verdacht auf akutes rheumatisches Fieber (entzündliche Systemerkrankung nach Infektion) als Nachweis einer vorausgegangenen Gruppe-A-Streptokokken-Infektion im Rahmen der Jones-Kriterien (diagnostische Kriterien) [1,2]
- Verdacht auf poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion) nach vorausgegangener Pharyngitis (Rachenentzündung) oder Hautinfektion (Infektion der Haut) [2,5]
- Abklärung poststreptokokkaler immunologischer Folgeerkrankungen (durch das Immunsystem verursachte Folgekrankheiten) bzw. entsprechender Differenzialdiagnosen (Abgrenzung zu anderen Erkrankungen)
- Serologische Ergänzung (ergänzende Antikörperuntersuchung) bei klinischem Verdacht auf zurückliegende Gruppe-A-Streptokokken-Infektion bei negativer Kultur (Erregeranzucht im Labor) oder zeitlich zurückliegendem Infekt (Infektionskrankheit)
- Nicht empfohlen zur Routinediagnostik (Standarduntersuchung) einer akuten Streptokokken-Pharyngitis (Rachenentzündung durch Streptokokken); hierfür sind Rachenabstrich (Abstrich aus dem Rachen), Schnelltest oder Kultur indiziert [1]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Hinweis auf vorausgegangene Infektion (Infektionskrankheit) mit Gruppe-A-Streptokokken, nicht Beweis einer akuten Infektion [1,2,4]
- ASO steigt typischerweise etwa 1 Woche nach Infektion (Infektionskrankheit) an und erreicht den Gipfel meist nach 3-5 Wochen; Anti-DNase B erreicht den Gipfel typischerweise später, etwa nach 6-8 Wochen [2,4]
- Bei akuten oder zurückliegenden Hautinfektionen (Infektionen der Haut) kann Anti-DNase B sensitiver (empfindlicher) sein als ASO [2,5]
- Ein einzelner erhöhter Titer ist ohne Klinik (Beschwerden und Befunde) und Verlauf nur eingeschränkt interpretierbar (auswertbar), da erhöhte Werte noch Monate persistieren (bestehen bleiben) können [2,4]
- Erniedrigte oder unauffällige Werte
- Schließen eine vorausgegangene Gruppe-A-Streptokokken-Infektion (Infektionskrankheit) nicht sicher aus
- Normales ASO trotz poststreptokokkaler Folgeerkrankung (Folgekrankheit nach Infektion) ist möglich; in solchen Fällen kann Anti-DNase B zusätzlich hilfreich sein [2,5]
- Spezifische Konstellationen
- Verdacht auf akutes rheumatisches Fieber (entzündliche Systemerkrankung nach Infektion): serologischer Nachweis (Antikörpernachweis im Blut) einer zurückliegenden Gruppe-A-Streptokokken-Infektion ist diagnostisch relevant, aber nur im klinischen Gesamtkontext (Gesamtbewertung aller Befunde) verwertbar [1,2]
- Verdacht auf poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion): Kombination aus Streptokokken-Serologie (Antikörperuntersuchung im Blut), Komplementfaktoren (Bestandteile des Immunsystems), Urinbefund (Urinuntersuchung) und Nierenfunktionsdiagnostik (Untersuchung der Nierenfunktion) ist zielführend [2,5]
Weiterführende Diagnostik
- Mikrobiologischer Erregernachweis (Nachweis von Krankheitserregern) bei akuter Symptomatik (Beschwerden), z. B. Rachenabstrich (Abstrich aus dem Rachen) mit Schnelltest und/oder Kultur (Erregeranzucht im Labor) [1]
- Verlaufskontrolle (Kontrolle im zeitlichen Verlauf) mit gepaarten Seren (mehrere Blutproben zu unterschiedlichen Zeitpunkten) bei unklarer Einzelbestimmung
- Bei Verdacht auf akutes rheumatisches Fieber (entzündliche Systemerkrankung nach Infektion): Entzündungsparameter, kleines Blutbild, Elektrokardiogramm (EKG; Herzstromkurve), Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens)
- Bei Verdacht auf poststreptokokkale Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion): Urinstatus (Urinuntersuchung), Urinsediment (mikroskopische Untersuchung des Urins), Albuminurie/Proteinurie (Eiweiß im Urin), Kreatinin, Harnstoff, Komplement C3/C4, Blutdruckkontrolle
- Ggf. weitere antistreptokokkale Antikörper, laborabhängig
Literatur
- Robinson JL. Paediatrics: how to manage pharyngitis in an era of increasing antimicrobial resistance. Drugs Context. 2021;10:2020-11-6. https://doi.org/10.7573/dic.2020-11-6
- Salie MT, Rampersadh K, Muhamed B, Engel KC, Zühlke LJ, Dale JB, Engel ME. Utility of Human Immune Responses to GAS Antigens as a Diagnostic Indicator for ARF: A Systematic Review. Front Cardiovasc Med. 2021;8:691646. https://doi.org/10.3389/fcvm.2021.691646
- Pinheiro SVB, de Freitas VB, de Castro GV, Madeiro BCR, de Araújo SA, Ribeiro TFS, Simões e Silva AC. Acute Post-Streptococcal Glomerulonephritis in Children: A Comprehensive Review. Curr Med Chem. 2022;29(34):5543-5559. https://doi.org/10.2174/0929867329666220613103316
- Pulle J, Ndagire E, Atala J, Fall N, Okello E, Oyella LM, Rwebembera J, Sable C, Parks T, Sarnacki R, Nakitto M, de Loizaga SR, Wirth S, Carapetis J, Beaton A. Specificity of the Modified Jones Criteria. Pediatrics. 2024;153(3):e2023062624. https://doi.org/10.1542/peds.2023-062624
- Tsoi SK, Choo S, Lee LY, Monagle P, Hearps S, Karlaftis V, Attard C, Burgess J, Tran C, Bazeley S, Challen N, Steer AC, Osowicki J; HAPPI Kids Study Team. Streptococcal Serology Reference Intervals in an Australian Pediatric Cohort. J Pediatric Infect Dis Soc. 2025;14(7):piaf054. https://doi.org/10.1093/jpids/piaf054