Wurzelresorption – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Wurzelresorption (Abbau der Zahnwurzel) mitbedingt sein können:
Gemeint ist die pathologische Wurzelresorption permanenter Zähne. Die physiologische Resorption (natürlicher Abbau) der Milchzahnwurzeln im Rahmen des Zahnwechsels ist hiervon abzugrenzen [1, LL1].
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Fortschreitender Verlust dentaler Hartsubstanz (Verlust harter Zahnsubstanz) – die pathologische Wurzelresorption permanenter Zähne ist in der Regel irreversibel. Bei progressiven Formen können zunehmende Wurzelverkürzung bzw. Defektvergrößerung die strukturelle Integrität, Restaurierbarkeit und langfristige Erhaltungsfähigkeit des betroffenen Zahns beeinträchtigen [1, LL1].
- Wurzelkanalperforation (Durchbruch des Wurzelkanals) – bei fortgeschrittener interner Wurzelresorption (Abbau der Zahnwurzel von innen) sowie bei ausgeprägter externer Oberflächen-, zervikaler oder entzündlicher Wurzelresorption (Abbau der Zahnwurzel von außen) möglich. Durch die Verbindung zwischen Wurzelkanalsystem und Parodont (Zahnhalteapparat) werden die endodontische (den Zahnnerv und Wurzelkanal betreffende) und restaurative Versorgung deutlich erschwert und die Prognose verschlechtert [1, LL1].
- Pulpale Beteiligung (Beteiligung des Zahnmarks) – insbesondere bei fortgeschrittener externer zervikaler Resorption (äußerer Abbau der Zahnwurzel im Zahnhalsbereich) kann die zunächst geschützte Pulpa (Zahnmark) erreicht werden; möglich sind irreversible Pulpitis (nicht rückbildungsfähige Zahnmarkentzündung) und Pulpanekrose (Absterben des Zahnmarks). Bei der internen entzündlichen Wurzelresorption (entzündlicher Abbau der Zahnwurzel von innen) kann gleichzeitig eine Nekrose der koronalen Pulpa (Absterben des Zahnmarks im Bereich der Zahnkrone) vorliegen [1, 4, LL1].
- Sekundäre endodontische bzw. periradikuläre Infektion (nachfolgende Infektion des Wurzelkanals bzw. des Gewebes um die Zahnwurzel) – erreicht ein fortgeschrittener Resorptionsdefekt (Abbaudefekt) das Wurzelkanalsystem bzw. kommt es zur sekundären bakteriellen Kontamination und Pulpanekrose, können eine apikale bzw. periradikuläre Parodontitis (Entzündung des Gewebes an bzw. um die Wurzelspitze) und periradikuläre Osteolyse (Knochenabbau um die Zahnwurzel) entstehen. Klinisch sind Schmerzen, Perkussionsempfindlichkeit (Klopfempfindlichkeit), Schwellung und bei chronischem Verlauf ein odontogener Fistelgang (vom Zahn ausgehender Eitergang) möglich [1, LL1].
- Lokale gingivale und parodontale Defekte (örtliche Schäden an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat) – insbesondere bei externer zervikaler Resorption sind lokale Gingivitis (Zahnfleischentzündung), Blutung bei Sondierung, pathologisch vertiefte parodontale Taschen (krankhaft vertiefte Zahnfleischtaschen) und Attachmentverlust (Verlust der Zahnverankerung) möglich. Parodontale Folgezustände können sowohl durch den zervikalen Hartsubstanzdefekt selbst als auch im weiteren Behandlungsverlauf bedingt sein [2, 4, 7].
- Dentoalveoläre Ankylose (Verwachsung des Zahns mit dem Kieferknochen) mit externer Ersatzresorption (Ersatz der Zahnwurzel durch Knochen) – bei der externen Ersatzresorption gehen Anteile des physiologischen Parodontalspalts (natürlicher Spalt zwischen Zahnwurzel und Kieferknochen) verloren; resorbierte Wurzelsubstanz wird fortschreitend durch alveolären Knochen (Knochen des Zahnfachs) ersetzt und der Zahn wird ankylotisch in den Knochen integriert. Diese Form tritt insbesondere nach schweren Zahntraumata (Zahnverletzungen) und nach Replantation (Wiedereinsetzen) avulsierter Zähne (vollständig ausgeschlagener Zähne) auf und kann auch nach ausgedehnter infektionsbedingter entzündlicher Wurzelresorption entstehen [1, 10, LL1, LL2].
- Bei Patienten mit noch nicht abgeschlossenem Kieferwachstum kann ein ankylosierter Zahn zu progressiver Infraokklusion (zunehmendem Zurückbleiben des Zahns gegenüber der Kauebene) führen; hieraus können ästhetische Beeinträchtigungen sowie Störungen der vertikalen Entwicklung des Alveolarfortsatzes (zahntragender Kieferknochen) resultieren [LL1, LL2].
- Zahn- bzw. Wurzelfraktur (Bruch des Zahns bzw. der Zahnwurzel) – ausgedehnte Resorptionsdefekte vermindern die verbleibende Zahnhartsubstanz und können die mechanische Belastbarkeit des Zahns reduzieren. Wurzelfrakturen sind insbesondere bei fortgeschrittenen internen oder zervikalen Resorptionsdefekten beschrieben und können die Erhaltungsfähigkeit des Zahns entscheidend einschränken [7].
- Persistenz bzw. Progression der Wurzelresorption (Fortbestehen bzw. Fortschreiten des Zahnwurzelabbaus) – insbesondere die externe zervikale Resorption kann trotz konservativer oder chirurgischer Behandlung weiter fortschreiten bzw. erneut radiologisch nachweisbar werden. Eine vollständige Kontrolle ist bei ausgedehnten, schwer zugänglichen oder nicht vollständig erfassbaren Defekten weniger wahrscheinlich [2-4, 6-8].
- Zahnlockerung bzw. funktionelle Beeinträchtigung (eingeschränkte Funktion des Zahns) – bei erheblicher Wurzelverkürzung oder Verlust parodontal abgestützter Wurzeloberfläche kann die funktionelle Stabilität des Zahns abnehmen. Klinisch relevant ist dies vor allem bei ausgeprägter Resorption in Kombination mit reduziertem alveolärem Knochenangebot [1].
- Zahnverlust (Verlust des Zahns) – fortgeschrittene oder progrediente Wurzelresorption kann durch Verlust restaurierbarer Zahnhartsubstanz, Wurzelkanalperforation, endodontisch-parodontale Folgeerkrankungen, Fraktur oder ankylotische Ersatzresorption zum vorzeitigen Verlust bzw. zur notwendigen Extraktion (Zahnentfernung) des betroffenen Zahns führen [1-4, 6-8, LL1].
Prognosefaktoren
- Resorptionstyp (Art des Zahnwurzelabbaus) – oberflächliche, selbstlimitierende Resorptionen besitzen grundsätzlich eine günstigere Prognose als progressive interne entzündliche Resorptionen, externe zervikale Resorptionen, infektionsbedingte externe entzündliche Resorptionen oder fortschreitende Ersatzresorptionen [1, LL1].
- Ausdehnung des Resorptionsdefekts – einer der wichtigsten prognostischen Faktoren. Eine größere kranioapikale und insbesondere zirkumferentielle Ausdehnung der externen zervikalen Resorption ist mit einer schlechteren Zahnerhaltung verbunden. In einer multizentrischen Kohortenstudie war eine zirkumferentielle Beteiligung von mehr als 180° mit einem erhöhten Extraktionsrisiko (Risiko einer notwendigen Zahnentfernung) assoziiert [5, 8].
- Pulpabeteiligung und Wurzelkanalkommunikation (Verbindung zum Wurzelkanal) – eine Beteiligung der Pulpa bzw. eine Perforation zum Wurzelkanalsystem kennzeichnen einen fortgeschrittenen Defekt, erhöhen die Behandlungskomplexität und sind mit einer ungünstigeren Langzeitprognose verbunden [5, LL1].
- Dreidimensionale Defektausdehnung (räumliche Ausdehnung des Defekts) – bei externer zervikaler Resorption waren in der Kegelstrahl-Computertomographie (dreidimensionales Röntgenverfahren) neben einer Pulpabeteiligung insbesondere eine größere Oberflächenausdehnung und die Beteiligung mehrerer Wurzelflächen mit einer ungünstigeren prognostischen Einschätzung assoziiert [5].
- Heithersay-Klassifikation (Einteilung nach Ausmaß der Wurzelresorption) bei externer zervikaler Resorption – ältere Kohortendaten zeigen für Klassen I und II überwiegend günstigere Ergebnisse, während Klasse IV mit ungünstigeren Erhaltungs- und Erfolgsraten assoziiert wurde. Neuere multizentrische Daten zeigen jedoch keine unabhängige signifikante Assoziation der Heithersay-Klassifikation mit dem Zahnüberleben, sodass ihre prognostische Aussagekraft begrenzt ist [3, 8, 9].
- Patel-Klassifikation (dreidimensionale Einteilung der Wurzelresorption) bei externer zervikaler Resorption – die dreidimensionale Klassifikation ermöglicht eine präzisere Beschreibung von Höhe, zirkumferentieller Ausdehnung und Nähe zum Wurzelkanal. Neuere multizentrische Daten zeigen eine stärkere Assoziation der dreidimensionalen Patel-Klassifikation mit dem Zahnüberleben als für die zweidimensionale Heithersay-Klassifikation; insbesondere eine zirkumferentielle Ausdehnung von mehr als 180° war mit einem erhöhten Extraktionsrisiko assoziiert [8, 9].
- Aktivität und Reparationsanteil des Defekts (Ausmaß der körpereigenen Reparatur) – eine radiologisch bzw. klinisch stabile oder reparative Läsion (Gewebeveränderung) ist prognostisch günstiger als eine eindeutig aktive, fortschreitende Resorption. Bei externer zervikaler Resorption beeinflussen neben der Ausdehnung insbesondere Zugänglichkeit, Beschwerden und der Nachweis reparativer hartgewebiger Strukturen die Therapieentscheidung [2, 8].
- Endodontische Infektion (Infektion des Zahnmarks bzw. Wurzelkanals) – bei der externen entzündlichen Wurzelresorption ist eine infizierte nekrotische Pulpa (infiziertes abgestorbenes Zahnmark) ein wesentlicher Stimulus für die Progression. Eine rechtzeitige und suffiziente Infektionskontrolle kann die entzündliche Resorption zum Stillstand bringen; nach ausgedehnten Läsionen kann dennoch eine Ersatzresorption folgen [1, LL1].
- Ausmaß der traumatischen Schädigung des Parodontalligaments (Schädigung der Haltefasern des Zahns) – nach schwerem Zahntrauma, insbesondere Intrusion (Hineindrücken des Zahns in den Kieferknochen) oder Avulsion (vollständiges Ausschlagen des Zahns), steigt mit zunehmender Schädigung bzw. Nekrose des Parodontalligaments das Risiko einer entzündlichen oder ankylotischen Ersatzresorption [10, LL1, LL2].
- Extraorale Trockenzeit nach Avulsion (Trockenzeit des ausgeschlagenen Zahns außerhalb des Mundes) – bei einer Trockenlagerung von mehr als etwa 60 Minuten ist das Parodontalligament in der Regel nicht mehr regenerationsfähig; eine ankylotische Ersatzresorption ist dann ein erwartbarer Langzeitverlauf. Die Geschwindigkeit der Resorption ist individuell erheblich variabel [LL2].
- Alter und Wachstumsstatus bei Ersatzresorption – bei Kindern und Jugendlichen mit relevantem Restwachstum hat eine dentoalveoläre Ankylose wegen der zunehmenden Infraokklusion und der Beeinträchtigung der Entwicklung des Alveolarfortsatzes größere funktionelle und ästhetische Konsequenzen als nach Abschluss des Wachstums [LL1, LL2].
- Restaurierbarkeit des Zahns (Möglichkeit des dauerhaften Wiederaufbaus des Zahns) – die verbleibende Menge belastbarer Zahnhartsubstanz, die Lage des Defekts, die Möglichkeit einer suffizienten Defektexkavation (vollständige Entfernung krankhaft veränderten Gewebes) und -restauration (Wiederherstellung) sowie der parodontale Zustand bestimmen wesentlich, ob ein langfristiger Zahnerhalt realistisch ist [2-4, 7, 8].
Die prognostische Evidenz ist insgesamt heterogen und stark vom Resorptionstyp abhängig. Insbesondere für die externe zervikale Resorption beruhen die verfügbaren Daten überwiegend auf retrospektiven Kohorten, Fallserien und Fallberichten; randomisierte kontrollierte Studien fehlen. Systematische Reviews bewerten die Evidenz für die Überlegenheit einzelner Therapieverfahren als niedrig bzw. aufgrund der verfügbaren Studiendesigns als nicht ausreichend. Eine allgemeingültige, vom Resorptionstyp und Läsionsausmaß unabhängige Überlebensrate kann daher nicht angegeben werden [4, 6].
Literatur
- Patel S, Saberi N, Pimental T et al.: Present status and future directions: Root resorption. Int Endod J. 2022;55(Suppl 4):892-921. doi:10.1111/iej.13715.
- Mavridou AM, Rubbers E, Schryvers A et al.: A clinical approach strategy for the diagnosis, treatment and evaluation of external cervical resorption. Int Endod J. 2022;55:347-373. doi:10.1111/iej.13680.
- Irinakis E, Haapasalo M, Shen Y et al.: External cervical resorption - Treatment outcomes and determinants: A retrospective cohort study with up to 10 years of follow-up. Int Endod J. 2022;55:441-452. doi:10.1111/iej.13717.
- Bardini G, Orrù C, Ideo F et al.: Clinical management of external cervical resorption: A systematic review. Aust Endod J. 2023;49:769-787. doi:10.1111/aej.12794.
- Suhr Villefrance J, Kirkevang LL, Wenzel A et al.: Long-term prognosis for teeth with external cervical resorption based on periapical images and cone beam CT: A clinical study. Int Endod J. 2024;57:1596-1607. doi:10.1111/iej.14122.
- Sousa J, Azevêdo AB, Santos R et al.: Survival of teeth with external cervical resorption after Internal and External Repair: A Systematic Review. J Clin Exp Dent. 2024;16:e1555-e1563. doi:10.4317/jced.62050.
- Pannkuk TF: External Cervical Resorption Treatment: A Single-Center Retrospective Cohort Study of Cases Treated Over a 20-Year Period. Dent Traumatol. 2026;42:446-460. doi:10.1111/edt.70050.
- Patel S, Walsh R, Villa P et al.: The Survival and Success of Teeth With External Cervical Resorption: A Multi-Centre, Retrospective Study. Int Endod J. 2026;59:1841-1857. doi:10.1111/iej.70172.
- Rossi-Fedele G, Doğramacı EJ, Heithersay GS: Prognostication of External Cervical Resorption Based on Heithersay's and Patel et al. Classifications: A Narrative Review. Int Endod J. 2026;59:1376-1383. doi:10.1111/iej.70119.
- Souza BDM, Dutra KL, Kuntze MM et al.: Incidence of Root Resorption after the Replantation of Avulsed Teeth: A Meta-analysis. J Endod. 2018;44:1216-1227. doi:10.1016/j.joen.2018.03.002.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Patel S, Krastl G, Weiger R et al.: ESE position statement on root resorption. Int Endod J. 2023;56:792-801. doi:10.1111/iej.13916. [LL1]
- Fouad AF, Abbott PV, Tsilingaridis G et al.: International Association of Dental Traumatology guidelines for the management of traumatic dental injuries: 2. Avulsion of permanent teeth. Dent Traumatol. 2020;36:331-342. doi:10.1111/edt.12573. [LL2]