Praenatest
PraenaTest® ist ein nicht-invasiver pränataler Screeningtest (Untersuchung zur Risikoabschätzung vor der Geburt) auf der Grundlage zellfreier fetaler DNA (Erbmaterial des ungeborenen Kindes; cell-free fetal DNA, cfDNA) im mütterlichen Blut. Er dient der Risikobewertung häufiger fetaler Chromosomenstörungen (Störungen der Erbanlagen des ungeborenen Kindes), insbesondere der Trisomien 21, 18 und 13. Der Test ist ein Verfahren der nicht-invasiven Pränataldiagnostik (vorgeburtliche Untersuchung ohne Eingriff) (NIPT, non-invasive prenatal testing) und ist ein Screeningtest, kein diagnostischer Test.
Synonyme
- NIPT
- NIPS (non-invasive prenatal screening)
- cfDNA-Test
- Nicht-invasive Pränataldiagnostik
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Maternales venöses Blut
- In der Regel spezielles Blutentnahmeröhrchen zur Stabilisierung zellfreier DNA
- Vorbereitung des Patienten
- Keine Nüchternheit erforderlich
- Vor Durchführung obligate ärztliche Aufklärung
- Genetische Beratung (Beratung zu erblichen Erkrankungen) nach Gendiagnostikgesetz und entsprechend der klinischen Konstellation
- Vor Testdurchführung sollte eine qualifizierte sonographische Untersuchung (Ultraschalluntersuchung) erfolgt sein
- Störfaktoren
- Niedriger fetaler DNA-Anteil, insbesondere bei früher Schwangerschaft, Adipositas (starkes Übergewicht) oder Mehrlingsschwangerschaft
- Vanishing twin (Absterben eines Zwillings in der Frühschwangerschaft)
- Placenta-Mosaik (unterschiedliche Chromosomenausstattung in der Plazenta)
- Maternale Chromosomenvarianten oder Mosaike
- Maternale maligne Erkrankungen (bösartige Erkrankungen der Mutter)
- Vorangegangene Bluttransfusion, Organtransplantation oder Stammzelltransplantation
- Eingeschränkte Aussagekraft in bestimmten Mehrlingskonstellationen
- Methode
- Analyse zellfreier fetaler DNA aus mütterlichem Plasma (flüssiger Bestandteil des Blutes)
- Massiv parallele Sequenzierung (gleichzeitige Analyse vieler DNA-Abschnitte) oder gezielte Sequenzierungsverfahren mit bioinformatischer Auswertung
- Risikoberechnung für numerische Chromosomenanomalien (Veränderungen der Anzahl von Chromosomen)
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Untersuchung | Referenzbereich |
|---|---|
| Trisomie 21, 18, 13 | Kein erhöhtes Risiko nachweisbar |
| Gonosomen-Aneuploidien (Veränderungen der Anzahl der Geschlechtschromosomen) | Kein erhöhtes Risiko nachweisbar |
| Fetaler DNA-Anteil | Ausreichend für Auswertung, methodenabhängiger Mindestanteil |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen
- Schwangerschaft mit Wunsch nach nicht-invasiver Risikobewertung für häufige fetale Trisomien
- Erhöhtes Risiko im Ersttrimester-Screening (Untersuchung im ersten Schwangerschaftsdrittel)
- Erhöhtes maternales Alter
- Vorangegangene Schwangerschaft mit Aneuploidie (Chromosomenstörung)
- Auffälliger oder grenzwertiger sonographischer Befund (auffälliger Ultraschallbefund) ohne unmittelbaren Nachweis einer strukturellen Fehlbildung (körperlichen Fehlbildung)
- Abklärung der Trisomien 21, 18 und 13
- Je nach Testumfang zusätzlich Risikobewertung für Gonosomen-Aneuploidien
- Klinefelter-Syndrom
- Turner-Syndrom
- Triple-X-Syndrom
- XYY-Syndrom
- Je nach rechtlichem und klinischem Rahmen Bestimmung des fetalen Geschlechts
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Ein auffälliger oder „high-risk“-Befund spricht für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der jeweils getesteten Chromosomenstörung
- Die höchste Testgüte besteht für Trisomie 21
- Die Aussagekraft ist für Trisomie 18 und 13 sowie für Gonosomen-Aneuploidien geringer als für Trisomie 21
- Ein auffälliger Befund muss durch invasive Diagnostik (Untersuchung mit Eingriff) bestätigt werden, z. B. Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Gewebe aus der Plazenta) oder Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)
- Erniedrigte Werte
- Ein unauffälliger oder „low-risk“-Befund macht die getesteten Aneuploidien unwahrscheinlicher, schließt sie aber nicht sicher aus
- Ein unauffälliger Befund schließt strukturelle Fehlbildungen, viele andere Chromosomenstörungen, Mosaike, Mikrodeletionen (kleine Verluste von Erbmaterial) oder monogene Erkrankungen (Erkrankungen durch Veränderung eines einzelnen Gens) nicht aus
- Spezifische Konstellationen
- Ein nicht auswertbarer Befund ist abklärungsbedürftig
- Bei ergebnislosem Test kann das Risiko für Chromosomenstörungen erhöht sein
- Bei auffälligem Ultraschallbefund sollte die Indikation zur invasiven Diagnostik direkt geprüft werden
Klinische Hinweise
- Der PraenaTest® ist ein Screeningtest und ersetzt keine invasive Bestätigungsdiagnostik (sichernde Untersuchung mit Eingriff) mittels Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Gewebe aus der Plazenta) oder Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)
- Die Indikationsstellung zum Schwangerschaftsabbruch darf nicht auf einem isolierten NIPT-Befund beruhen
- Der Test erlaubt keine verlässliche Beurteilung struktureller Fehlbildungen (körperlicher Fehlbildungen); diese machen einen wesentlichen Teil perinatal relevanter Anomalien (Entwicklungsstörungen rund um die Geburt) aus
- Eine qualifizierte Ultraschalldiagnostik (Ultraschalluntersuchung) bleibt obligater Bestandteil der Pränataldiagnostik (vorgeburtlichen Untersuchung)
- Bei Zwillingsschwangerschaften, nach assistierter Reproduktion (künstlicher Befruchtung) und bei Adipositas ist die Versagerquote höher und die Evidenzlage (wissenschaftliche Datenlage) eingeschränkter
- Die zusätzliche Untersuchung seltener autosomaler Aberrationen (Veränderungen anderer Chromosomen), Mikrodeletionen oder anderer genomweiter Auffälligkeiten (Veränderungen im gesamten Erbgut) ist nicht Bestandteil der standardmäßigen evidenzbasierten Basisanwendung
Weiterführende Diagnostik
- Ersttrimester-Screening
- Detaillierte sonographische Fehlbildungsdiagnostik (Ultraschalluntersuchung zur Suche nach Fehlbildungen)
- Humangenetische Beratung
- Chorionzottenbiopsie
- Amniozentese
- Karyotypisierung (Darstellung der Chromosomen), Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung oder molekulare Chromosomenanalyse in Abhängigkeit von der Fragestellung
Literatur
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