Mikronährstoffmängel bei Untergewicht – typische Defizite, Symptome und Risiken

Untergewicht ist nicht zwangsläufig mit einer Mangelernährung gleichzusetzen. Dennoch geht ein dauerhaft zu niedriges Körpergewicht häufig mit einer unzureichenden Versorgung essenzieller Mikronährstoffe einher. Mikronährstoffe, darunter Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, sind für zahlreiche enzymatische Prozesse, hormonelle Regulationen und die zelluläre Energiegewinnung unverzichtbar. Bereits moderate Defizite können relevante funktionelle Störungen verursachen und langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen.

Pathophysiologische Zusammenhänge bei Untergewicht

Bei untergewichtigen Personen ist die Gesamtenergiezufuhr häufig reduziert. Dadurch sinkt nicht nur die Zufuhr von Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Proteine), sondern auch die absolute Aufnahme von Mikronährstoffen. Zusätzlich können mehrere Mechanismen zur Entstehung von Defiziten beitragen:

  • verminderte Nahrungsvielfalt und eingeschränkte Lebensmittelauswahl
  • reduzierte Fettzufuhr mit eingeschränkter Aufnahme fettlöslicher Vitamine
  • gestörte Resorptionsprozesse im Gastrointestinaltrakt (z. B. bei Malabsorption)
  • erhöhter Bedarf durch Stress, Infektionen oder chronische Erkrankungen

Physiologisch führen Mikronährstoffdefizite zu einer Beeinträchtigung zentraler Stoffwechselwege, insbesondere der mitochondrialen Energieproduktion, der Immunfunktion und der Gewebeerneuerung.

Typische Mikronährstoffdefizite bei Untergewicht

Eisen

  • Eisen ist essenziell für die Hämoglobinsynthese und den Sauerstofftransport. Bei Untergewicht kommt es häufig zu einer negativen Eisenbilanz durch geringe Zufuhr oder eingeschränkte Resorption.
  • Mögliche Folgen sind eine Eisenmangelanämie (Blutarmut), verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsstörungen.

Zink

  • Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt eine Schlüsselrolle für Immunfunktion, Zellteilung und Wundheilung. Ein Zinkmangel kann bei Untergewicht durch geringe Protein- und Vollwertkostzufuhr entstehen.
  • Typische Symptome sind Infektanfälligkeit, verzögerte Regeneration und Appetitminderung.

Magnesium

  • Magnesium wirkt als Cofaktor zahlreicher Enzyme im Energiestoffwechsel und ist für die neuromuskuläre Erregbarkeit relevant.
  • Eine unzureichende Zufuhr kann zu Muskelkrämpfen, innerer Unruhe und erhöhter Stressanfälligkeit führen.

Vitamin D

  • Vitamin D reguliert den Calciumstoffwechsel und beeinflusst die Muskel- und Immunfunktion. Bei Untergewicht besteht häufig eine Kombination aus geringer Zufuhr, niedriger Fettmasse und eingeschränkter Speicherung.
  • Ein Mangel kann das Risiko für Knochendichteverluste und Muskelschwäche erhöhen.

B-Vitamine (insbesondere B1, B6, B12, Folat)

  • B-Vitamine sind zentral für den Energiestoffwechsel, die Nervenfunktion und die Blutbildung. Bei kalorienarmer oder einseitiger Ernährung treten Defizite gehäuft auf.
  • Mögliche Folgen sind neurologische Symptome, Müdigkeit und hämatologische Veränderungen.

Klinische Symptome und Risiken

Mikronährstoffmängel äußern sich oft unspezifisch und werden daher bei Untergewicht nicht immer frühzeitig erkannt. Häufige klinische Hinweise sind:

  • chronische Müdigkeit und reduzierte Belastbarkeit
  • Infektanfälligkeit und verzögerte Rekonvaleszenz
  • Muskelschwäche und funktionelle Leistungseinbußen
  • Haut-, Haar- und Schleimhautveränderungen

Langfristig können unbehandelte Defizite das Risiko für Osteopenie (verminderte Knochendichte), Anämien, neuromuskuläre Störungen und eine eingeschränkte Lebensqualität erhöhen.

Diagnostische und therapeutische Aspekte

Die Diagnostik sollte gezielt anhand von Anamnese, Ernährungsanalyse und laborchemischer Bestimmung relevanter Parameter erfolgen. Therapeutisch steht eine bedarfsgerechte, ausgewogene Ernährung im Vordergrund, die sowohl Energie- als auch Mikronährstoffzufuhr sicherstellt. In ausgewählten Fällen kann eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein, insbesondere bei nachgewiesenen Defiziten oder eingeschränkter Resorption.

Fazit

Mikronährstoffmängel sind bei Untergewicht häufig und betreffen insbesondere Eisen, Zink, Magnesium, Vitamin D und B-Vitamine. Die zugrunde liegenden Mechanismen reichen von reduzierter Zufuhr bis zu gestörter Resorption und erhöhtem Bedarf. Eine frühzeitige Identifikation und gezielte Korrektur sind entscheidend, um funktionelle Einschränkungen und langfristige gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

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Literatur

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