Nährstoffverteilung und Kalorienüberschuss – wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine die Gewichtszunahme unterstützen

Eine nachhaltige Gewichtszunahme setzt mehr voraus als eine bloße Erhöhung der Kalorienzufuhr. Entscheidend ist die gezielte Verteilung der Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Proteine, da diese unterschiedliche metabolische Funktionen erfüllen. Nur wenn ein moderater Kalorienüberschuss mit einer ausgewogenen Nährstoffverteilung kombiniert wird, kann Körpergewicht vorwiegend in Form von funktioneller Körpermasse aufgebaut werden.

Kalorienüberschuss als physiologische Grundlage der Gewichtszunahme

Ein Kalorienüberschuss liegt vor, wenn die Energiezufuhr den Energieverbrauch übersteigt. Diese positive Energiebilanz ist Voraussetzung für eine Gewichtszunahme, unabhängig von der Zusammensetzung der Nahrung. Physiologisch wird überschüssige Energie zunächst zur Auffüllung der Glykogenspeicher (Kohlenhydratspeicher in Leber und Muskulatur) genutzt. Erst bei dauerhaftem Überschuss erfolgt eine Einlagerung in Fettgewebe oder – bei ausreichender Proteinversorgung und muskulärem Reiz – in Muskelmasse.

Ein moderater Überschuss von etwa 300-500 kcal pro Tag gilt als praktikabel, um eine schrittweise Gewichtszunahme zu fördern und unerwünschte metabolische Effekte zu vermeiden.

Kohlenhydrate: zentrale Energiequelle für Gewichtszunahme

Kohlenhydrate stellen die bevorzugte Energiequelle des Körpers dar. Sie erhöhen die Verfügbarkeit von Glukose (Traubenzucker), die für Gehirn, Muskeln und viele Stoffwechselprozesse essenziell ist.

Ihre Rolle bei der Gewichtszunahme beruht vor allem auf folgenden Mechanismen:

  • Auffüllung der Glykogenspeicher, was bereits zu einer initialen Gewichtszunahme durch Wasserbindung führt
  • Stimulation der Insulinfreisetzung, wodurch der Aufbau von Energie- und Nährstoffreserven begünstigt wird
  • Schonung von Proteinen, da weniger körpereigenes Eiweiß zur Energiegewinnung herangezogen wird

Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Kartoffeln oder Hülsenfrüchten liefern zusätzlich Ballaststoffe, die die Darmfunktion unterstützen, ohne die Energiedichte übermäßig zu senken.

Fette: höchste Energiedichte für effizienten Kalorienüberschuss

Fette liefern mit etwa 9 kcal pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Proteine. Dadurch eignen sie sich besonders gut, um die Kalorienzufuhr zu steigern, ohne das Nahrungsvolumen stark zu erhöhen – ein wichtiger Aspekt bei Menschen mit geringem Appetit.

Physiologisch erfüllen Fette mehrere Funktionen:

  • Bereitstellung essenzieller Fettsäuren, die für Zellmembranen und Entzündungsregulation notwendig sind
  • Unterstützung der Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K)
  • Beitrag zur hormonellen Regulation, unter anderem von Sexual- und Stresshormonen

Pflanzliche Öle, Nüsse, Samen und fettreicher Seefisch liefern überwiegend ungesättigte Fettsäuren, die aus ernährungsphysiologischer Sicht bevorzugt werden sollten.

Proteine: Schlüsselrolle für qualitatives Gewichtswachstum

Proteine sind für den Aufbau und Erhalt von Körperstrukturen unverzichtbar. Sie liefern Aminosäuren, die als Baustoffe für Muskulatur, Enzyme, Hormone und Immunsystem dienen.

Bei Gewichtszunahme ist eine ausreichende Proteinzufuhr entscheidend, um eine Zunahme der fettfreien Masse (Muskelmasse) zu ermöglichen und eine reine Fettzunahme zu begrenzen. Empfohlen wird in der Regel eine Zufuhr von etwa 1,2-1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, abhängig von Gesundheitszustand und körperlicher Aktivität.

Proteine besitzen zudem eine höhere thermogene Wirkung (Energieverbrauch bei der Verdauung), weshalb sie allein weniger stark zur Kalorienbilanz beitragen, jedoch für die Qualität der Gewichtszunahme unverzichtbar sind.

Optimale Nährstoffverteilung zur Unterstützung der Gewichtszunahme

Für die Praxis hat sich eine ausgewogene Makronährstoffverteilung bewährt, die sowohl den Energiebedarf als auch die physiologischen Funktionen berücksichtigt:

  • Kohlenhydrate: etwa 45-55 % der Gesamtenergie
  • Fette: etwa 30-40 % der Gesamtenergie
  • Proteine: etwa 15-20 % der Gesamtenergie

Diese Verteilung ermöglicht einen stabilen Kalorienüberschuss, unterstützt den Muskelaufbau und stellt die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen sicher.

Fazit

Eine erfolgreiche Gewichtszunahme erfordert mehr als „mehr essen“. Entscheidend ist ein moderater Kalorienüberschuss in Kombination mit einer gezielten Nährstoffverteilung. Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie, Fette erhöhen effizient die Kaloriendichte und Proteine sichern den Aufbau funktioneller Körpermasse. Erst das Zusammenspiel dieser Makronährstoffe ermöglicht eine physiologisch sinnvolle und langfristig stabile Gewichtszunahme.

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Literatur

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