Leistungsverhalten unter Hitze- und Kältebedingungen / oder unter extremen Temperaturen

Die körperliche Leistungsfähigkeit unter Hitze- und Kältebedingungen wird nicht allein von der Lufttemperatur bestimmt. Entscheidend ist das Zusammenwirken von metabolischer Wärmeproduktion, Luftfeuchtigkeit, Wärmestrahlung, Luftbewegung, Niederschlag bzw. Nässe, Bekleidung und Schutzausrüstung sowie individuellen Faktoren wie Trainingszustand, Körperzusammensetzung, Akklimatisation, Hydratationsstatus, Energieverfügbarkeit, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme. Daher lassen sich weder Hitze- noch Kälterisiken durch einen einzelnen Grenzwert der Umgebungstemperatur zuverlässig beurteilen [7, 8, LL1-LL3].

Unter körperlicher Belastung beeinflussen extreme Temperaturen sowohl die Ausdauer- und Kraftleistungsfähigkeit als auch die Koordination, Reaktionsfähigkeit, Entscheidungsqualität und gesundheitliche Sicherheit. Die wirksamsten Gegenmaßnahmen sind eine an die Umweltbedingungen angepasste Belastungssteuerung, eine gezielte Hitze- bzw. Kälteakklimatisation, geeignete Kleidung, individualisiertes Flüssigkeits- und Kohlenhydratmanagement sowie die bedarfsgerechte Versorgung mit Elektrolyten und Mikronährstoffen [1-3, 7, 12, LL1-LL6].

Grundlagen der Thermoregulation

Die Körperkerntemperatur wird unter Ruhebedingungen in einem engen, individuell und tageszeitlich variablen Bereich um etwa 37 °C reguliert. Sie ist kein unveränderlicher Sollwert. Während intensiver körperlicher Belastung kann die Körperkerntemperatur physiologisch deutlich ansteigen, sofern Wärmebildung und Wärmeabgabe weiterhin kontrolliert bleiben.

  • Temperaturerfassung: Zentrale Thermorezeptoren, insbesondere im Hypothalamus, erfassen die Temperatur des Körperkerns. Periphere Thermorezeptoren der Haut registrieren Veränderungen der Haut- und Umgebungstemperatur. Der Hypothalamus integriert diese Informationen und steuert autonome, endokrine und verhaltensbezogene Reaktionen.
  • Wärmebildung: Bei körperlicher Arbeit werden lediglich etwa 20-25 % der umgesetzten metabolischen Energie in äußere mechanische Arbeit überführt. Der überwiegende Anteil wird als Wärme freigesetzt. Mit zunehmender Belastungsintensität steigt daher die Wärmeproduktion erheblich an [LL4].
  • Wärmeabgabe: Wärme wird durch Strahlung, Konvektion, Konduktion und Verdunstung abgegeben. Sobald die Umgebungstemperatur in die Nähe der Hauttemperatur gelangt oder diese überschreitet, wird die Verdunstung von Schweiß zum entscheidenden Wärmeabgabemechanismus.
  • Reaktion auf Hitze: Eine Vasodilatation der Hautgefäße steigert den Wärmetransport vom Körperkern zur Haut. Gleichzeitig erhöht sich die Schweißsekretion. Beide Reaktionen belasten den Kreislauf, da Hautdurchblutung und arbeitende Muskulatur um das verfügbare Herzzeitvolumen konkurrieren.
  • Reaktion auf Kälte: Eine Vasokonstriktion der Hautgefäße begrenzt den Wärmeverlust. Bei stärkerer Abkühlung steigen Muskeltonus und Stoffwechselaktivität; zusätzlich kann Kältezittern die Wärmeproduktion erhöhen. Verhalten, Bekleidung und Bewegung sind für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur mindestens ebenso bedeutsam wie autonome Reaktionen [7, 8, LL3].

Die thermische Gesamtbilanz lässt sich vereinfacht darstellen als:

Wärmespeicherung = metabolische Wärmeproduktion – äußere Arbeit ± Strahlung ± Konvektion ± Konduktion – Verdunstung.

Eine Zunahme der Wärmespeicherung erhöht die Körperkerntemperatur. Eine negative Wärmebilanz führt zur fortschreitenden Abkühlung. Insbesondere hohe Luftfeuchtigkeit bei Hitze sowie Wind, Nässe und Kaltwasserexposition bei Kälte können die thermische Belastung erheblich verstärken [7, LL1-LL3].

Leistungsverhalten unter Hitzebedingungen

Auswirkungen der Hitze auf die Leistungsfähigkeit

Ausdauerleistungen werden durch Hitze besonders beeinträchtigt. Die Leistungsminderung nimmt grundsätzlich mit der Belastungsdauer, der metabolischen Wärmeproduktion und der thermischen Belastung zu. Hohe Luftfeuchtigkeit vermindert die Verdunstungseffizienz des Schweißes; direkte Sonnenstrahlung und wärmeisolierende Kleidung erhöhen die äußere bzw. gespeicherte Wärmelast zusätzlich [1, 3, LL1, LL2].

  • Kardiovaskuläre Beanspruchung: Die Verlagerung von Blutvolumen zur Haut und der Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen vermindern das zentrale Blutvolumen und häufig das Schlagvolumen. Zur Stabilisierung des Herzzeitvolumens steigt die Herzfrequenz im Belastungsverlauf an.
  • Thermische Beanspruchung: Mit zunehmender Körperkern- und Hauttemperatur steigen subjektive Anstrengung und thermisches Unbehagen. Die mögliche Wärmeabgabe zwischen Körperkern, Haut und Umgebung nimmt ab.
  • Neuromuskuläre und zentrale Effekte: Hohe thermische Belastung kann die zentrale Aktivierung, die motorische Kontrolle, die Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung einer vorgegebenen Belastungsintensität beeinträchtigen.
  • Substratstoffwechsel: Hitze kann die Kohlenhydratoxidation und den Glykogenverbrauch erhöhen. Gleichzeitig kann eine ausgeprägte thermische und gastrointestinale Belastung die Aufnahme größerer Flüssigkeits- und Kohlenhydratmengen erschweren [5].
  • Kognitive Leistungsfähigkeit: Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen und Entscheidungsqualität können insbesondere bei hoher Körperkerntemperatur, Dehydratation (Austrocknung), Schlafmangel oder kumulativer Belastung abnehmen [LL1, LL2].

Beurteilung der thermischen Umweltbelastung

Für Sportveranstaltungen und Trainingseinheiten im Freien ist die Feuchtkugel-Globe-Temperatur (Wet Bulb Globe Temperature; WBGT) zweckmäßiger als die alleinige Lufttemperatur. Sie berücksichtigt näherungsweise Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Wärmestrahlung. Die Bewertung muss jedoch sportartspezifisch erfolgen und zusätzlich Belastungsintensität, Bekleidung, Wind, direkte Sonneneinstrahlung sowie die Möglichkeit von Trink- und Kühlpausen berücksichtigen [LL1, LL2].

Einflussfaktor Bedeutung bei Hitze Praktische Konsequenz
Luftfeuchtigkeit Vermindert die Verdunstung des Schweißes Belastungsintensität reduzieren, Kühlmaßnahmen und zusätzliche Pausen einplanen
Direkte Sonnenstrahlung Erhöht die äußere Wärmezufuhr Schatten, helle Bekleidung, Kopfbedeckung und angepasste Startzeiten nutzen
Wind bzw. Luftbewegung Kann Konvektion und Verdunstung fördern; bei sehr heißer Luft ist der Nutzen begrenzt Streckenführung und Belüftung berücksichtigen
Schutzkleidung und Ausrüstung Behindert Wärmeabgabe und Verdunstung Arbeits- und Pausenzeiten stärker anpassen
Hohe Belastungsintensität Steigert die metabolische Wärmeproduktion Tempo bzw. Leistung frühzeitig und nicht erst bei Symptomen reduzieren
Fehlende Akklimatisation Verstärkt thermische und kardiovaskuläre Beanspruchung Gezielte Hitzeakklimatisation durchführen

Hitzeakklimatisation

Eine systematische Hitzeakklimatisation ist die wichtigste spezifische Maßnahme zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und thermischen Sicherheit in warmer bzw. heißer Umgebung. Sie kann die Herzfrequenz und Körperkerntemperatur bei standardisierter Belastung senken, das thermische Empfinden verbessern und die Schweißreaktion anpassen [1, 2, LL1, LL2].

  • Dauer: Erste Anpassungen können innerhalb von 4-7 Tagen auftreten. Für eine umfassendere Anpassung werden meistens 8-14 Tage mit wiederholter, kontrollierter Wärmeexposition benötigt [1, 2, LL1, LL2].
  • Belastung: Häufig werden täglich etwa 60-90 Minuten körperliche Belastung unter ausreichend hoher, jedoch kontrollierter thermischer Beanspruchung eingesetzt. Intensität und Dauer müssen an Trainingszustand, Sportart und Gesundheitsstatus angepasst werden.
  • Kontrollierte Hyperthermie (kontrollierte Überwärmung des Körpers): Besonders wirksam sind Protokolle, bei denen durch Anpassung der Belastungsintensität eine wiederholbare thermische Beanspruchung erreicht wird. Eine maximale Ausbelastung ist nicht erforderlich.
  • Erhalt der Anpassung: Nach Beendigung der Hitzeexposition gehen Anpassungen über mehrere Wochen schrittweise zurück. Kurze wiederholte Hitzeeinheiten können den Erhalt unterstützen; eine erneute Akklimatisation verläuft häufig schneller als die Erstanpassung [10].
  • Frauen: Auch bei Sportlerinnen verbessert eine Hitzeanpassung thermoregulatorische und leistungsbezogene Parameter. Die verfügbare Evidenz rechtfertigt jedoch kein für alle Frauen einheitlich abweichendes Protokoll. Belastungsreaktion, hormoneller Status, Menstruationszyklus, Körperzusammensetzung und individuelle Verträglichkeit sollten berücksichtigt werden [2].
  • Passive Wärmeanwendung: Heiße Bäder oder Sauna nach dem Training können als ergänzende Maßnahme eingesetzt werden. Die Evidenz für eine eigenständige Leistungsverbesserung ist bislang unsicher; passive Verfahren ersetzen keine belastungsspezifische Hitzeakklimatisation [9].

Flüssigkeitsmanagement unter Hitze

Das Flüssigkeitsmanagement soll sowohl eine leistungsrelevante Hypohydratation (Flüssigkeitsmangel) als auch eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme verhindern. Starre Trinkmengen sind nicht sachgerecht. Grundlage ist die individuelle Schweißrate unter vergleichbaren Umwelt-, Bekleidungs- und Belastungsbedingungen [4, 6, 11, 12, LL4].

Berechnung der Schweißrate:

Schweißrate in l/h = (Körpermasse vor Belastung – Körpermasse nach Belastung + aufgenommene Flüssigkeit – ausgeschiedener Urin) / Belastungsdauer in Stunden.

Die Körpermassendifferenz wird in kg und die aufgenommene bzw. ausgeschiedene Flüssigkeit in l eingesetzt; 1 kg Körpermassenverlust entspricht näherungsweise 1 l Flüssigkeit [LL4].

  • Vor der Belastung: Das Training bzw. der Wettkampf sollte mit ausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt begonnen werden. Eine über den Bedarf hinausgehende Flüssigkeitsaufnahme ist nicht erforderlich.
  • Während der Belastung: Etwa 0,4-0,8 l/h können bei längeren Belastungen als orientierender Ausgangsbereich dienen. Tatsächlich erforderlich sind individuelle Anpassungen an Schweißrate, Körpergröße, Belastungsdauer, Trinkmöglichkeiten und Umgebung [LL4].
  • Vermeidung von Übertrinken: Während einer Belastung sollte keine Zunahme der Körpermasse durch Flüssigkeitsaufnahme auftreten. Übermäßiges Trinken erhöht das Risiko einer belastungsassoziierten Hyponatriämie (zu niedrige Natriumkonzentration im Blut unter Belastung) [LL4, LL7].
  • Trinken nach Durst: Bei vielen kürzeren bis mittellangen Ausdauerbelastungen unter moderaten Bedingungen kann ein durstorientiertes Vorgehen ausreichen. Bei langen Wettkämpfen, hohen Schweißraten, begrenzten Trinkmöglichkeiten oder extremen Bedingungen ist ein zuvor erprobter Trinkplan zweckmäßig [6, LL4].
  • Nach der Belastung: Wenn innerhalb von weniger als etwa 12 Stunden eine vollständige Wiederherstellung erforderlich ist, können ungefähr 1,5 l Flüssigkeit je kg verlorener Körpermasse aufgenommen werden. Natriumhaltige Getränke und Mahlzeiten verbessern die Flüssigkeitsretention [LL4].

Eine gezielte Hyperhydratation (übermäßige Flüssigkeitszufuhr) vor der Belastung kann das Plasmavolumen vorübergehend vergrößern. Metaanalytisch wurden kleine bis moderate Vorteile für einzelne Ausdauerleistungsmaße beschrieben; die Übertragbarkeit ist jedoch wegen der geringen Zahl und Heterogenität der Studien, der Unterrepräsentation von Frauen und Eliteathleten sowie fehlender konsistenter Effekte auf Herzfrequenz und Körpertemperatur begrenzt. Sie ist daher keine allgemeine Routineempfehlung und kommt allenfalls bei langen Belastungen mit eingeschränkter Flüssigkeitsverfügbarkeit nach individueller Erprobung infrage [4, 11].

Kohlenhydrat- und Elektrolytversorgung unter Hitze

Belastungssituation Kohlenhydratzufuhr Flüssigkeit und Elektrolyte
Bis etwa 60 Minuten Bei hoher Intensität können kleine Mengen oder eine Kohlenhydrat-Mundspülung zweckmäßig sein Je nach Ausgangshydratation und Hitze häufig Wasser ausreichend
Etwa 1-2,5 Stunden Meistens 30-60 g Kohlenhydrate pro Stunde Individualisierte Trinkmenge; bei ausgeprägtem Schwitzen natriumhaltiges Getränk

Mehr als 2,5

-3 Stunden

Bis zu 90 g Kohlenhydrate pro Stunde aus mehreren resorbierbaren Kohlenhydratarten bei trainierter gastrointestinaler Verträglichkeit Trinkmenge nach Schweißrate; Natriumkonzentration und Gesamtzufuhr individuell anpassen
Sehr hohe Hitze bzw. eingeschränkte gastrointestinale Verträglichkeit Kleinere, häufigere Portionen; Konzentration und Zufuhr im Training erproben Getränketemperatur, Geschmack und Konzentration auf eine gute freiwillige Aufnahme abstimmen

Für längere Belastungen können Getränke mit etwa 4-8 % Kohlenhydraten und ungefähr 400-1.100 mg Natrium pro Liter zweckmäßig sein. Die benötigte Natriummenge hängt von Schweißvolumen, Schweißnatriumkonzentration, Belastungsdauer, Ernährung und individueller Verträglichkeit ab [12, LL4, LL6].

Natrium ist mengenmäßig der wichtigste mit dem Schweiß verlorene Elektrolyt. Kalium, Magnesium und Calcium gehen ebenfalls verloren, erfordern bei ausgewogener Ernährung jedoch meistens keine isolierte Zufuhr während einer üblichen Trainingseinheit. Bei sehr langen Belastungen, außergewöhnlich hohen Schweißverlusten oder wiederholt auftretenden Versorgungsproblemen ist eine individualisierte Beurteilung sinnvoll [LL5].

Kühlstrategien

Kühlmaßnahmen können die Hitzebelastung vor oder während einer Ausdauerleistung vermindern. Die Wirkung hängt von Sportart, Umgebungsbedingungen, Kühlmethode, Dauer und praktischer Umsetzbarkeit ab [3, LL1, LL2].

  • Vorkühlung: Kalte Getränke, Eisbrei, Kühlwesten, kalte Handtücher oder eine Kombination mehrerer Verfahren können die anfängliche Wärmespeicherung reduzieren.
  • Kühlung während der Belastung: Kalte Getränke, äußere Kühlung von Kopf, Gesicht und Nacken sowie Wasseranwendung auf der Haut können das thermische Empfinden und unter geeigneten Bedingungen die Leistung verbessern.
  • Nachkühlung: Nach intensiver Hitzeexposition unterstützen Schatten, Belüftung, kalte Getränke und das Ablegen wärmeisolierender Kleidung die Normalisierung der Körpertemperatur.
  • Menthol: Menthol kann das subjektive Kälteempfinden im Mund- und Rachenraum verstärken, senkt jedoch nicht zuverlässig die Körperkerntemperatur. Eine günstigere Temperaturwahrnehmung darf daher nicht zu einer unangemessenen Belastungssteigerung führen.

Leistungsverhalten unter Kältebedingungen

Auswirkungen der Kälte auf die Leistungsfähigkeit

Kälte beeinträchtigt vor allem die Muskelfunktion, Nervenleitgeschwindigkeit, Feinmotorik und Gelenkbeweglichkeit. Das Ausmaß hängt stärker von Haut- und Muskeltemperatur als von der Lufttemperatur allein ab. Wind, Nässe, direkter Kontakt mit kalten Oberflächen und Kaltwasserexposition beschleunigen den Wärmeverlust erheblich [7, 8, LL3].

  • Muskelfunktion: Eine erniedrigte Muskeltemperatur kann Kontraktionsgeschwindigkeit, maximale Leistungsentwicklung und Explosivkraft vermindern.
  • Koordination: Abnehmende Sensibilität und Feinmotorik beeinträchtigen technische Bewegungsabläufe, Materialbedienung und Reaktionsfähigkeit.
  • Atemwege: Kalte und trockene Luft kann insbesondere bei disponierten Sportlern eine belastungsinduzierte Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien durch körperliche Belastung) begünstigen.
  • Kreislauf: Periphere Vasokonstriktion erhöht den zentralen Blutvolumenanteil und kann eine Kältediurese (vermehrte Harnausscheidung durch Kälte) fördern. Bei vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) kann die hämodynamische Belastung relevant sein.
  • Substratverbrauch: Kältezittern und zusätzliche Muskelarbeit durch schwere Bekleidung, Schnee, Steigungen oder Lastentransport erhöhen den Energieumsatz. Bei ausreichender Isolierung und kontinuierlicher Bewegung muss Kälte allein den Energiebedarf jedoch nicht wesentlich steigern [8].

Kälteakklimatisation und Belastungsvorbereitung

Die physiologischen Anpassungen an wiederholte Kälteexposition sind weniger einheitlich und für die sportliche Leistung weniger verlässlich als die Hitzeakklimatisation. Eine schrittweise Gewöhnung kann Kälteempfinden und Verhaltensstrategien verbessern, ersetzt jedoch keine ausreichende Isolation und keinen Schutz vor Nässe [7, LL3].

  • Aufwärmen: Das Aufwärmprogramm sollte die Muskeltemperatur erhöhen, ohne bereits vor dem Start starkes Schwitzen hervorzurufen.
  • Erhalt der Wärme: Zwischen Aufwärmen und Wettkampfbeginn sollten Wartezeiten minimiert und isolierende Kleidungsschichten beibehalten werden.
  • Mehrschichtige Bekleidung: Ein feuchtigkeitsableitendes Basismaterial, eine isolierende Zwischenschicht und eine wind- bzw. wasserabweisende Außenschicht ermöglichen eine Anpassung an Belastungsintensität und Wetter.
  • Schutz der Extremitäten: Kopf, Hände, Füße, Ohren und Gesicht benötigen bei ausgeprägter Kälte besonderen Schutz.
  • Feuchtigkeitskontrolle: Durch frühzeitiges Öffnen oder Ablegen einzelner Schichten sollte übermäßiges Schwitzen vermieden werden. Nasse Bekleidung erhöht den Wärmeverlust deutlich.

Ernährungs- und Flüssigkeitsmanagement unter Kälte

Das Durstgefühl kann bei Kälte vermindert sein, obwohl Flüssigkeit über Atmung, Schweiß und Kältediurese verloren geht. Eine regelmäßige, geplante Flüssigkeitsaufnahme ist daher insbesondere bei längeren Belastungen sinnvoll [7, 12, LL3, LL4].

  • Energieverfügbarkeit: Eine ausreichende Energiezufuhr unterstützt Wärmeproduktion, Trainingsanpassung, Immunfunktion und Regeneration. Bei mehrstündigen Kälteexpositionen sollte eine negative Energiebilanz möglichst begrenzt werden.
  • Kohlenhydrate: Regelmäßige Kohlenhydratzufuhr unterstützt Muskelarbeit und Kältezittern. Die stündlichen Zielmengen orientieren sich primär an Belastungsdauer und -intensität, nicht an der Lufttemperatur allein [8, 12, LL6].
  • Protein: Die Kälte begründet keinen eigenständigen pauschalen Proteinmehrbedarf. Für sportlich aktive Personen sind je nach Trainingsziel und Energieverfügbarkeit meistens etwa 1,2-2,0 g Protein/kg Körpermasse und Tag angemessen [12, LL6].
  • Warme Getränke und Speisen: Sie erleichtern häufig die Flüssigkeits- und Energieaufnahme und verbessern den thermischen Komfort. Ihr Einfluss auf die Körperkerntemperatur bleibt gegenüber Kleidung, Bewegung und Umweltbedingungen begrenzt.
  • Praktische Lebensmittelauswahl: Unter Feld- und Wettkampfbedingungen sind leicht verzehrbare, energiedichte und gegen Einfrieren geschützte Lebensmittel vorteilhaft.

Mikronährstoffmedizinische Einordnung

Weder Hitze noch Kälte rechtfertigen eine pauschale hoch dosierte Mikronährstoffsupplementierung. Relevant sind individuelle Verluste, Ernährungsweise, Energieverfügbarkeit, Trainingsumfang, Laborbefunde und klinische Risikofaktoren. Eine gezielte Supplementierung ist bei nachgewiesener oder mit hoher Wahrscheinlichkeit unzureichender Versorgung sinnvoll [LL5].

Mikronährstoff Bedeutung bei Hitze bzw. Kälte Fachliche Einordnung
Natrium Wichtigster akuter Elektrolytverlust über den Schweiß Bei langen Belastungen, hoher Schweißrate oder natriumreichem Schweiß gezielte Zufuhr über Getränke und Lebensmittel; Bedarf individualisieren
Kalium Geringere Schweißverluste als bei Natrium; relevant für Membran- und Muskelfunktion Bei ausgewogener Ernährung meistens ausreichend; keine routinemäßige hoch dosierte Zufuhr während kurzer Belastungen
Magnesium Beteiligt an Energiestoffwechsel und neuromuskulärer Funktion Supplementierung bei nachgewiesener Unterversorgung oder spezifischer Indikation; kein gesicherter hitze- oder kältespezifischer Leistungseffekt bei ausreichendem Status
Calcium Bedeutung für Knochenstoffwechsel und Muskelkontraktion Ausreichende Versorgung besonders bei geringer Energiezufuhr, eingeschränktem Milchkonsum und erhöhtem Risiko für Knochenstressverletzungen (Überlastungsschäden des Knochens) sicherstellen
Eisen Relevant für Sauerstofftransport und oxidativen Energiestoffwechsel Statuskontrolle insbesondere bei Ausdauersportlern, menstruierenden Sportlerinnen, vegetarischer bzw. veganer Ernährung, niedriger Energieverfügbarkeit oder Leistungsknick; Supplementierung befundabhängig
Vitamin D In sonnenarmen Monaten und bei überwiegendem Hallentraining erhöhtes Unterversorgungsrisiko Risikobezogene Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D und gezielte Korrektur einer Unterversorgung; kein akuter kältespezifischer leistungssteigernder Effekt
Antioxidativ wirksame Mikronährstoffe Intensive Belastung und Hitze erhöhen vorübergehend oxidative Stoffwechselprozesse Vorrangig Versorgung über Gemüse, Obst, Nüsse und weitere pflanzliche Lebensmittel; hoch dosierte Langzeitsupplementierung nur bei definierter Indikation

Praktisches Vorgehen bei Training und Wettkampf

Situation Kernmaßnahmen Ernährung und Flüssigkeit Monitoring
Vor Belastung in Hitze 7-14 Tage Akklimatisation, Startzeit und Tempo anpassen, Kühlstrategie testen Ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt, ausreichende Kohlenhydratverfügbarkeit, keine routinemäßige Überhydratation Körpermasse, Urinfarbe, Wetter bzw. WBGT, Gesundheitszustand
Während Belastung in Hitze Frühe Temposteuerung, Schatten und Kühlung nutzen, Pausen ermöglichen Trinkmenge an Schweißrate anpassen; bei längerer Belastung Kohlenhydrate und Natrium zuführen Herzfrequenz, subjektive Anstrengung, thermisches Empfinden, neurologische Symptome
Nach Belastung in Hitze Abkühlen, trockene Kleidung, Regeneration in kühler Umgebung Flüssigkeit, Natrium, Kohlenhydrate und Protein zuführen; bei kurzer Erholungszeit etwa 1,5 l/kg Körpermassenverlust Körpermasse, anhaltende Beschwerden, Urinproduktion und Erholungsstatus
Vor Belastung in Kälte Aufwärmen, mehrschichtige Kleidung, Extremitäten schützen, Wartezeit minimieren Ausreichende Energie- und Kohlenhydratverfügbarkeit; warme Getränke nach Verträglichkeit Wind, Nässe, gefühlte Temperatur, Zustand der Kleidung
Während Belastung in Kälte Kleidung an Belastungsintensität anpassen, Durchnässung verhindern, regelmäßige Bewegung Geplante Flüssigkeits- und Kohlenhydratzufuhr; Lebensmittel vor Einfrieren schützen Feinmotorik, Koordination, Hautsensibilität, Kältezittern und mentale Veränderungen
Nach Belastung in Kälte Nasse Kleidung entfernen, kontrolliert erwärmen, windgeschützte Umgebung aufsuchen Warme Flüssigkeit und bedarfsgerechte Regenerationsmahlzeit Fortbestehendes Zittern, Verwirrtheit, Hautveränderungen und verzögerte Wiedererwärmung

Warnzeichen und Abbruchkriterien

  • Belastungsbedingter Hitzschlag (lebensbedrohliche Überhitzung unter körperlicher Belastung): Zentralnervöse Störungen (Störungen von Gehirn und Rückenmark) wie Desorientierung, Verhaltensänderung, Kollaps (Kreislaufzusammenbruch), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) oder Krampfanfälle bei ausgeprägter Hyperthermie sind als Notfall zu behandeln. Die rektale Temperaturmessung (Temperaturmessung im Enddarm) ist im Akutfall die zuverlässigste Feldmethode. Die sofortige Ganzkörper-Kaltwasserimmersion (Eintauchen des gesamten Körpers in kaltes Wasser) ist das bevorzugte Kühlverfahren; die Kühlung darf durch den Transport nicht unnötig verzögert werden [LL1, LL2].
  • Belastungsassoziierte Hyponatriämie: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder Krampfanfälle nach hoher Flüssigkeitsaufnahme können auf eine Hyponatriämie hinweisen. Eine weitere hypotone Flüssigkeitszufuhr ist zu vermeiden. Aufgrund der klinischen Überschneidung mit Hitzeerschöpfung und Hitzschlag sind eine unverzügliche notfallmedizinische Abklärung und, sofern verfügbar, eine Point-of-Care-Natriumbestimmung erforderlich; die spezifische Therapie richtet sich nach Symptomschwere und Natriumkonzentration [LL4, LL7].
  • Hypothermie (Unterkühlung des Körpers): Eine Körperkerntemperatur unter 35 °C definiert eine Hypothermie. Warnzeichen sind ausgeprägtes Zittern, Koordinationsverlust, verwaschene Sprache, Apathie (Teilnahmslosigkeit), Verwirrtheit und im weiteren Verlauf nachlassendes Zittern. Exposition beenden, nasse Kleidung entfernen, isolieren und medizinische Hilfe veranlassen [LL3].
  • Lokale Kälteschädigung (örtliche Gewebeschädigung durch Kälte): Taubheit, blasse oder wachsartige Haut und zunehmender Sensibilitätsverlust (Verlust des Hautgefühls) sprechen für eine lokale Kälteschädigung. Betroffene Areale dürfen nicht gerieben und nur dann kontrolliert erwärmt werden, wenn ein erneutes Einfrieren ausgeschlossen ist [LL3].

Fazit

Die Leistungsfähigkeit unter extremen Temperaturen lässt sich durch ein kombiniertes Vorgehen aus Akklimatisation, Belastungssteuerung, geeigneter Kleidung, Kühl- bzw. Wärmeerhaltungsmaßnahmen sowie individualisierter Ernährungs- und Flüssigkeitsplanung verbessern. Unter Hitze stehen Schweißrate, Flüssigkeit, Natrium und Kohlenhydratverfügbarkeit im Vordergrund. Unter Kälte sind eine ausreichende Energie- und Kohlenhydratzufuhr, geplantes Trinken sowie der Schutz vor Wind und Nässe entscheidend. Ein pauschaler Mehrbedarf sämtlicher Vitamine und Mineralstoffe lässt sich weder für Hitze noch für Kälte ableiten. Mikronährstoffe sollten bedarfs-, risiko- und befundorientiert eingesetzt werden [12, LL4-LL6].

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