Leistungssport und Bedarf an Vitaminen
Vitamine sind essenzielle Mikronährstoffe (lebensnotwendige Nährstoffe, die der Körper nur in kleinen Mengen benötigt) und als Coenzyme (Hilfsstoffe von Enzymen), Cofaktoren (für Enzymreaktionen notwendige Hilfsstoffe) oder hormonähnlich wirkende Regulatoren (Stoffe mit hormonähnlicher Steuerungswirkung) an der mitochondrialen Energiegewinnung (Energieerzeugung in den Kraftwerken der Zellen), Hämatopoese (Blutbildung), neuromuskulären Funktion (Zusammenspiel von Nerven und Muskeln), Immunantwort (Reaktion des Abwehrsystems), Kollagensynthese (Bildung von Kollagen als Strukturprotein des Bindegewebes), antioxidativen Regulation (Steuerung des Schutzes vor schädigenden Sauerstoffverbindungen) und am Knochenstoffwechsel (Auf- und Abbauvorgänge im Knochen) beteiligt. Eine bedarfsdeckende Versorgung ist daher eine Voraussetzung für Gesundheit, Belastbarkeit, Regeneration und die physiologische Anpassung (normale körperliche Anpassung) an Training [1-4].
Leistungssport verursacht jedoch keinen pauschalen Mehrbedarf an sämtlichen Vitaminen. Zwar erhöhen intensive und umfangreiche Trainingsbelastungen den Energie- und Substratumsatz und können den Umsatz einzelner vitaminabhängiger Stoffwechselwege steigern. Bei einer ausgewogenen Ernährung, die den erhöhten Energiebedarf deckt, werden die Referenzwerte für die Vitaminzufuhr in der Regel jedoch erreicht [1-3].
Auch Verluste wasserlöslicher Vitamine über Schweiß und Urin sind grundsätzlich möglich. Ihr Ausmaß ist interindividuell variabel (zwischen einzelnen Menschen unterschiedlich), häufig gering und bislang nicht so zuverlässig quantifizierbar, dass daraus allgemeingültige sportartspezifische Zuschläge für Vitamin C oder die B-Vitamine abgeleitet werden könnten [1, 2]. Die im Rohtext enthaltene pauschale Aussage, Leistungssportler verlören regelhaft große Vitaminmengen über Schweiß und Urin, ist daher wissenschaftlich nicht haltbar.
Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Vitaminversorgung entsteht vor allem dann, wenn der Energie- und Nährstoffbedarf nicht durch die Ernährung gedeckt wird. Besonders relevant sind eine niedrige Energieverfügbarkeit, restriktive Ernährungsformen, wiederholte Gewichtsreduktionsphasen, eine geringe Lebensmittelvielfalt, eine vegane Ernährung ohne Vitamin-B12-Supplementierung, unzureichende Sonnenexposition sowie Erkrankungen mit gestörter Verdauung oder Resorption [1-5].
Vitaminversorgung und sportliche Leistungsfähigkeit
Ein klinisch relevanter Vitaminmangel kann die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit (geistige Leistungsfähigkeit) beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Muskelschwäche, hämatologische Veränderungen (Veränderungen des Blutes und der Blutbildung), neurologische Funktionsstörungen (Störungen des Nervensystems), Beeinträchtigungen des Knochenstoffwechsels, verzögerte Regeneration und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und erlauben ohne Ernährungsanamnese (systematische Erfassung der Ernährungsgewohnheiten) und gezielte Diagnostik (gezielte medizinische Untersuchungen) keine sichere Zuordnung zu einem Vitaminmangel [2-4].
Die Korrektur eines nachgewiesenen Mangels kann Gesundheit und Leistungsfähigkeit verbessern bzw. wiederherstellen. Eine über die Bedarfsdeckung hinausgehende Vitaminsupplementierung (ergänzende Einnahme von Vitaminen) steigert die Leistungsfähigkeit bereits ausreichend versorgter Athleten dagegen im Allgemeinen nicht [2-4]. Der Nutzen einer Supplementierung hängt somit wesentlich vom Ausgangsstatus ab.
Ursachen einer unzureichenden Vitaminversorgung im Leistungssport
- Niedrige Energieverfügbarkeit: Eine dauerhaft zu geringe Energieaufnahme im Verhältnis zum trainingsbedingten Energieverbrauch reduziert zugleich die Zufuhr zahlreicher Vitamine. Sie kann Bestandteil des Relative Energy Deficiency in Sport-Syndroms (Syndrom des relativen Energiemangels im Sport) sein und mit Störungen des Knochenstoffwechsels, der endokrinen Regulation (hormonelle Steuerung), Immunfunktion (Funktion des Abwehrsystems), Proteinsynthese (Eiweißbildung), Regeneration und Leistungsfähigkeit einhergehen [5].
- Gewichtsklassen und ästhetisch geprägte Sportarten: Besonders gefährdet sind Athleten mit wiederholten Gewichtsreduktionen oder einem anhaltend niedrigen Körpergewicht, etwa in Ausdauer-, Gewichts-, Turn-, Tanz- und Eiskunstlaufsportarten [1, 5].
- Restriktive Ernährung: Der Ausschluss ganzer Lebensmittelgruppen, einseitige Diäten und nicht fachgerecht geplante vegetarische oder vegane Ernährungsformen können die Aufnahme einzelner Vitamine begrenzen [2, 3, 12].
- Vegane Ernährung: Vitamin B12 kann durch eine ausschließlich pflanzliche Ernährung nicht zuverlässig in bedarfsdeckender Menge zugeführt werden. Eine dauerhafte Supplementierung ist deshalb erforderlich [12, 13].
- Geringe Sonnenexposition: Indoor-Training, Winterhalbjahr, nördliche Breitengrade, bedeckende Kleidung und dunklere Hautpigmentierung erhöhen das Risiko eines niedrigen Vitamin-D-Status [6].
- Gastrointestinale Erkrankungen: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (langfristig verlaufende entzündliche Erkrankungen des Darms), Zöliakie (glutenbedingte Erkrankung des Dünndarms), chronische Diarrhö (anhaltender Durchfall), Pankreasinsuffizienz (unzureichende Funktion der Bauchspeicheldrüse), bariatrische Eingriffe (Operationen zur Behandlung starken Übergewichts) und andere Malabsorptionssyndrome (Erkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme aus dem Darm) können die Vitaminaufnahme vermindern.
- Wettkampf- und Reisephasen: Eingeschränkte Lebensmittelauswahl, ungewohnte Mahlzeitenrhythmen, gastrointestinale Beschwerden (Beschwerden des Magen-Darm-Trakts) und eine hohe Trainingsdichte können vorübergehend Versorgungslücken begünstigen [2, 3].
- Mehrfachsupplementierung: Die parallele Einnahme von Multivitaminpräparaten, Sportgetränken, Riegeln und angereicherten Pulvern kann dagegen zu unnötig hohen Gesamtzufuhren einzelner Vitamine führen [15, 16].
Rauchen, hoher Alkoholkonsum und Schlafmangel können Gesundheit, Regeneration und Leistungsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen. Die pauschale Formulierung, diese Faktoren erhöhten einen eindeutig quantifizierbaren „Vitalstoffbedarf“, ist jedoch nicht evidenzbasiert und wird daher nicht übernommen.
B-Vitamine
Vitamin B1, Vitamin B2, Niacin, Pantothensäure, Vitamin B6 und Biotin sind Bestandteile oder Vorstufen zahlreicher Coenzyme des Kohlenhydrat-, Fett- und Aminosäurenstoffwechsels (Verwertung von Kohlenhydraten, Fetten und Aminosäuren). Folat und Vitamin B12 sind darüber hinaus für die Desoxyribonukleinsäure-Synthese (Bildung des Erbmaterials), Zellteilung, Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) und neurologische Funktion erforderlich [2-4].
Mit zunehmendem Energieumsatz steigt der Stofffluss durch B-Vitamin-abhängige Reaktionswege. Daraus folgt jedoch kein belegter pauschaler Bedarf an hochdosierten B-Vitaminpräparaten. Bei einer ausreichenden Energieaufnahme steigt gewöhnlich auch die absolute Nahrungsaufnahme und damit die Zufuhr dieser Vitamine [1-3].
Eine gezielte Supplementierung ist sinnvoll:
- bei nachgewiesener Unterversorgung oder diagnostiziertem Mangel
- bei längerfristig hypokalorischer (kalorienreduzierter) oder stark eingeschränkter Ernährung
- bei Erkrankungen oder Medikamenten, die Aufnahme oder Stoffwechsel beeinträchtigen
- bei veganer Ernährung für Vitamin B12
- vorübergehend bei erheblich eingeschränkter Lebensmittelauswahl während Reisen oder Wettkampfphasen
Vitamin B12 nimmt bei veganer Ernährung eine Sonderstellung ein. Pflanzliche Lebensmittel einschließlich fermentierter Lebensmittel und Algen sind keine zuverlässigen Quellen für biologisch verfügbares Vitamin B12. Vegan lebende Athleten benötigen daher dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat oder eine anderweitig zuverlässig dosierte Zufuhr über angereicherte Lebensmittel sowie regelmäßige Verlaufskontrollen [12, 13].
Bei grenzwertigen Vitamin-B12-Konzentrationen kann die Diagnostik durch funktionelle Biomarker (Laborwerte, die eine Körperfunktion abbilden) ergänzt werden. Eine isolierte, hoch dosierte Folsäuregabe (Verabreichung von Folsäure) sollte nicht ohne Berücksichtigung des Vitamin-B12-Status erfolgen, da sie hämatologische Veränderungen eines Vitamin-B12-Mangels teilweise maskieren kann.
Hochdosiertes Vitamin B6 ist nicht als leistungssteigerndes Supplement geeignet. Eine längerfristig überhöhte Zufuhr kann dosisabhängig eine periphere sensorische Neuropathie (Schädigung empfindungsleitender Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) verursachen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat für Erwachsene eine tolerierbare Gesamtzufuhr (gesundheitlich noch als unbedenklich geltende tägliche Gesamtmenge) von 12 mg pro Tag festgelegt [16]. Besonders zu beachten ist die Addition mehrerer Vitamin-B6-haltiger Präparate.
Vitamin C
Vitamin C ist an der Kollagensynthese, Wundheilung, Carnitinbiosynthese (körpereigene Bildung von Carnitin), Immunfunktion und Regeneration von Vitamin E beteiligt. Zudem verbessert es die intestinale Resorption (Aufnahme aus dem Darm) von Nicht-Häm-Eisen (vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenes Eisen) und kann daher insbesondere bei überwiegend pflanzlicher Ernährung oder einer indizierten oralen Eisensubstitution (Einnahme eines Eisenpräparats) gezielt genutzt werden.
Intensive körperliche Belastungen erhöhen vorübergehend die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen). Diese sind nicht ausschließlich schädlich, sondern wirken in physiologischer Konzentration als Signalmoleküle (Botenstoffe) für mitochondriale Biogenese (Neubildung der Kraftwerke der Zellen), antioxidative Enzymsysteme (körpereigene Enzyme zum Schutz vor Schäden durch reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen) und weitere Trainingsanpassungen [4, 11]. Die im Rohtext enthaltene Gleichsetzung von belastungsinduzierten freien Radikalen mit einem Vitamin- oder Antioxidantienmangel ist deshalb nicht korrekt.
Aktuelle systematische Reviews und Metaanalysen zeigen keinen konsistenten leistungssteigernden oder regenerationsfördernden Nutzen einer routinemäßigen Vitamin-C-Supplementierung bei ausreichend versorgten Sportlern. Eine 2026 publizierte Metaanalyse fand bei insgesamt geringer bis sehr geringer Evidenzsicherheit keine konsistente Veränderung postexerzitiver Entzündungs- oder Oxidationsmarker (Messwerte für Entzündung oder oxidative Belastung nach körperlicher Anstrengung) [9].
Eine Vitamin-C-Supplementierung kann dennoch gezielt sinnvoll sein:
- bei nachgewiesener unzureichender Zufuhr
- bei sehr geringer Aufnahme von Obst und Gemüse
- während zeitlich begrenzter Phasen mit eingeschränkter Lebensmittelauswahl
- bei Malabsorption (Störung der Nährstoffaufnahme aus dem Darm) oder erhöhtem medizinischem Bedarf
- zur Unterstützung der Resorption von therapeutisch zugeführtem Nicht-Häm-Eisen
Pauschale Hochdosen sind nicht erforderlich. Vitamin-C-reiche Lebensmittel wie Beeren, Zitrusfrüchte, Paprika, Kohlgemüse und Kartoffeln liefern neben Vitamin C weitere bioaktive Pflanzenstoffe und sollten die Basis der Versorgung bilden.
Vitamin E und antioxidative Supplementierung
Vitamin E schützt als fettlösliches Antioxidans (fettlöslicher Schutzstoff gegen oxidative Zellschäden) insbesondere mehrfach ungesättigte Fettsäuren biologischer Membranen (Zellhüllen) vor Lipidperoxidation (oxidative Schädigung von Fetten). Wichtige Quellen sind pflanzliche Öle, Nüsse und Samen.
Eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zeigte, dass Vitamin C und Vitamin E weder die Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme (größtmögliche Sauerstoffmenge, die der Körper unter Belastung verwerten kann) und Ausdauerleistung noch die Zunahme von Muskelmasse oder Muskelkraft konsistent verbesserten. Gleichzeitig ergab sich in dieser Auswertung keine statistisch gesicherte generelle Hemmung funktioneller Trainingsanpassungen [10]. Mechanistische und aktuelle sporternährungswissenschaftliche Bewertungen sprechen dennoch gegen eine unkritische Einnahme supraphysiologischer Antioxidantiendosen (Antioxidantienmengen oberhalb des normalen körperlichen Bedarfs), da hohe Dosierungen redoxabhängige Trainingssignale (von Oxidations- und Reduktionsprozessen abhängige Anpassungssignale) verändern können [4, 11].
Für den Leistungssport gilt daher: Eine antioxidative Hochdosistherapie (Behandlung mit hohen Dosen antioxidativ wirkender Stoffe) sollte nicht routinemäßig unmittelbar vor oder nach jeder Trainingseinheit erfolgen. Vorrang haben Lebensmittel mit einem natürlichen Verbund aus Vitaminen, Polyphenolen (sekundäre Pflanzenstoffe), Carotinoiden (gelbliche bis rötliche Pflanzenfarbstoffe) und weiteren bioaktiven Substanzen. Eine Supplementierung ist vor allem bei dokumentiertem Mangel, sehr eingeschränkter Ernährung oder einer medizinisch begründeten Indikation (medizinischer Grund für eine Maßnahme) sinnvoll [4, 9-11].
Vitamin D
Vitamin D besitzt aufgrund seiner überwiegend kutanen Bildung (Bildung in der Haut) unter dem Einfluss von Ultraviolett-B-Strahlung (kurzwelliger Anteil des Sonnenlichts) eine Sonderstellung. Es reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel (Regulation der Mineralstoffe Calcium und Phosphat) und ist für Knochenmineralisation (Einlagerung von Mineralstoffen in den Knochen), neuromuskuläre Funktion und Muskelstoffwechsel relevant.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigte, dass etwa ein Drittel der untersuchten erwachsenen und jugendlichen Eliteathleten eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration (Blutwert zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung) unter 50 nmol/l aufwies [6]. Besonders gefährdet sind Athleten mit überwiegendem Indoor-Training, geringer Sonnenexposition, Training im Winterhalbjahr oder dunklerer Hautpigmentierung.
Die Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D ist insbesondere bei folgenden Konstellationen sinnvoll:
- geringe oder fehlende Sonnenexposition
- Indoor-Sport und Wintertraining
- wiederholte Stressfrakturen (Ermüdungsbrüche) oder verminderte Knochenmineraldichte (Mineralgehalt und Festigkeit des Knochens)
- Muskelschwäche oder ungeklärte Leistungsminderung
- niedrige Energieverfügbarkeit
- Malabsorption oder chronische gastrointestinale Erkrankung
- bereits dokumentierter Vitamin-D-Mangel
Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung spricht eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration von mindestens 50 nmol/l für eine hinsichtlich der Knochengesundheit ausreichende Versorgung. Konzentrationen unter 30 nmol/l entsprechen einem Vitamin-D-Mangel. Bei fehlender endogener Synthese (körpereigene Bildung) beträgt der Schätzwert für eine angemessene Zufuhr bei Jugendlichen und Erwachsenen 20 µg pro Tag, entsprechend 800 Internationalen Einheiten [14].
Eine Vitamin-D-Supplementierung sollte statusorientiert erfolgen. Bei unzureichender Sonnenexposition kann eine Einnahme in Höhe des Referenzwertes zur Sicherung der Versorgung beitragen. Ein diagnostizierter Mangel kann vorübergehend höhere therapeutische Dosierungen erforderlich machen. Diese sollten nach Ausgangswert, Körpergewicht, Begleiterkrankungen und vorgesehenem Kontrollintervall individuell festgelegt werden.
Die Daten zur direkten Leistungssteigerung sind uneinheitlich. Eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zeigte keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt einer Vitamin-D-Supplementierung auf Maximalkraft oder Schnellkraft [7]. Einzelne Studien und ein systematischer Review berichten mögliche Vorteile bei Athleten mit niedrigem Ausgangsstatus, die Heterogenität der Interventionen und Endpunkte erlaubt jedoch keine allgemeine ergogene Empfehlung (Empfehlung zur Leistungssteigerung) [8].
Vitamin D ist daher kein unspezifisches Leistungssteigerungsmittel. Der klinische Nutzen liegt primär in der Vermeidung und Behandlung einer Unterversorgung sowie in der Unterstützung von Knochen- und Muskelfunktion.
Vitamin A
Vitamin A ist für Sehfunktion, Genregulation (Steuerung der Genaktivität), Zelldifferenzierung (Entwicklung von Zellen zu spezialisierten Zelltypen), Epithelintegrität (Unversehrtheit der Haut- und Schleimhautoberflächen) und Immunfunktion erforderlich. Eine unzureichende Versorgung ist bei einer abwechslungsreichen Ernährung selten, kann jedoch bei ausgeprägter Fettmalabsorption (Störung der Aufnahme von Nahrungsfetten), chronischen Leber- oder Darmerkrankungen und sehr restriktiver Lebensmittelauswahl auftreten.
Eine sportartspezifische leistungssteigernde Wirkung einer Vitamin-A-Supplementierung ist nicht belegt [1, 3, 4]. Hochdosierte Retinolpräparate (Präparate mit einer Form von Vitamin A) können bei längerfristiger Einnahme toxisch (giftig) wirken. Eine Supplementierung sollte daher nur bei diagnostizierter Unterversorgung oder einer spezifischen medizinischen Indikation erfolgen.
Vitamin K
Vitamin K ist für die Aktivierung verschiedener Gerinnungsfaktoren (Eiweißstoffe der Blutgerinnung) und von Proteinen des Knochenstoffwechsels erforderlich. Wichtige Quellen für Vitamin K1 sind grünes Blattgemüse, Kohlarten und pflanzliche Öle.
Für eine routinemäßige Vitamin-K-Supplementierung zur Verbesserung von Leistungsfähigkeit, Regeneration oder Knochenstabilität bei ausreichend versorgten Athleten besteht keine belastbare Evidenz [3, 4]. Eine Substitution (gezielte Zufuhr des fehlenden Vitamins) kann bei Malabsorption oder dokumentiertem Mangel medizinisch angezeigt sein. Bei Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (Medikamente, die die Wirkung von Vitamin K hemmen) muss jede wesentliche Änderung der Vitamin-K-Zufuhr ärztlich abgestimmt werden.
Diagnostik des Vitaminstatus
Eine sinnvolle Diagnostik erfolgt nicht als ungerichtete Bestimmung sämtlicher Vitamine, sondern auf Grundlage von Ernährungsanamnese, klinischer Fragestellung und individuellen Risikofaktoren [2-4].
Die Anamnese sollte insbesondere erfassen:
- Trainingsumfang, Trainingsintensität und Wettkampfkalender
- Gesamtenergieaufnahme und Hinweise auf niedrige Energieverfügbarkeit
- Gewichtsverlauf und geplante Gewichtsreduktionen
- ausgeschlossene Lebensmittelgruppen und Ernährungsform
- Menstruationsfunktion (Funktion der Regelblutung) bei Athletinnen
- gastrointestinale Beschwerden und mögliche Malabsorption
- Medikamente und Vorerkrankungen
- sämtliche Nahrungsergänzungsmittel und angereicherten Sportprodukte
- Sonnenexposition und Trainingsumgebung
- Infekt-, Verletzungs- und Stressfrakturanamnese
Laboruntersuchungen sind gezielt auszuwählen:
- 25-Hydroxyvitamin D bei entsprechenden Risikofaktoren
- Blutbild (Laborübersicht der Blutzellen) und Vitamin-B12-Status (Versorgungszustand mit Vitamin B12) bei veganer Ernährung, hämatologischen Auffälligkeiten oder neurologischen Symptomen
- Folat bei begründetem klinischem oder ernährungsmedizinischem Verdacht
- weitere vitaminbezogene Parameter bei Malabsorption, Lebererkrankungen oder spezifischen Mangelsymptomen
Die Laborwerte sind unter Berücksichtigung des Entzündungsstatus (Ausmaß einer Entzündungsreaktion), der Hydratation (Flüssigkeitsversorgung des Körpers), der letzten intensiven Trainingseinheit und möglicher präanalytischer Einflüsse (Einflüsse vor der eigentlichen Laboranalyse) zu interpretieren.
Gezielte Vitaminsupplementierung
Eine evidenzbasierte Supplementierungsstrategie folgt einem individualisierten Vorgehen [2-4, 15]:
- Risikokonstellation identifizieren: Ernährung, Energieverfügbarkeit, Trainingsphase, Erkrankungen und Umweltbedingungen beurteilen.
- Versorgungsstatus überprüfen: Bei begründetem Verdacht geeignete Laborparameter (Laborwerte) bestimmen.
- Ernährung optimieren: Energie- und nährstoffdichte Lebensmittel sowie eine sportartspezifische Mahlzeitenplanung einsetzen.
- Versorgungslücke gezielt schließen: Einzelpräparat oder physiologisch dosiertes Kombinationspräparat entsprechend der Indikation auswählen.
- Dosis und Dauer festlegen: Ausgangsstatus, Gesamtzufuhr, Wechselwirkungen und Sicherheitsgrenzen berücksichtigen.
- Verlauf kontrollieren: Klinische Entwicklung und geeignete Biomarker nach einem vitaminabhängigen Intervall erneut beurteilen.
Ein physiologisch dosiertes Multivitaminpräparat kann zeitlich begrenzt sinnvoll sein, wenn eine bedarfsdeckende Ernährung während längerer Reisen, Trainingslager, Reduktionsphasen oder Erkrankungen vorübergehend nicht zuverlässig möglich ist [2, 15]. Es ersetzt jedoch weder eine ausgewogene Ernährung noch die spezifische Behandlung eines diagnostizierten Mangels.
Eine gezielte Einzelsupplementierung ist vorzuziehen, wenn ein klarer Risikofaktor oder Laborbefund vorliegt, insbesondere Vitamin B12 bei veganer Ernährung oder Vitamin D bei unzureichender endogener Synthese und niedrigem 25-Hydroxyvitamin-D-Status.
Produktsicherheit und Antidopingaspekte
Nahrungsergänzungsmittel können durch Kreuzkontaminationen (unbeabsichtigte Verunreinigungen bei der Herstellung), fehlerhafte Deklarationen oder nicht ausgewiesene pharmakologisch wirksame Substanzen (arzneilich wirksame Stoffe) ein Gesundheits- und Dopingrisiko darstellen. Eine Produktangabe wie „natürlich“, „pflanzlich“ oder „für Sportler geeignet“ gewährleistet keine Reinheit [15].
Leistungssportler sollten deshalb bevorzugt Präparate verwenden:
- mit transparenter Deklaration sämtlicher Inhaltsstoffe und Dosierungen
- ohne proprietäre Mischungen mit unbekannten Einzelmengen
- mit chargenbezogener Prüfung durch ein unabhängiges, im Leistungssport anerkanntes Prüfsystem
- ohne unnötige Überschneidungen mit weiteren Supplementen oder angereicherten Sportprodukten
- die bereits im Training auf Verträglichkeit geprüft wurden
Fazit
Eine bedarfsdeckende Vitaminversorgung ist für Gesundheit, Trainingsanpassung, Belastbarkeit und Regeneration unverzichtbar. Aus dem hohen Energieumsatz des Leistungssports lässt sich jedoch kein pauschaler Mehrbedarf an allen Vitaminen ableiten. Bei einer ausgewogenen und ausreichend energiereichen Ernährung werden die Referenzwerte in der Regel erreicht.
Das Risiko einer Unterversorgung steigt vor allem bei niedriger Energieverfügbarkeit, restriktiven Ernährungsformen, wiederholten Gewichtsreduktionsphasen, veganer Ernährung ohne Vitamin-B12-Supplementierung, geringer Sonnenexposition sowie bei Malabsorption oder erheblich eingeschränkter Lebensmittelauswahl.
Eine gezielte Vitaminsupplementierung ist evidenzbasiert und sinnvoll, wenn sie eine konkrete Versorgungslücke schließt. Besonders klar begründet sind die dauerhafte Vitamin-B12-Supplementierung bei veganer Ernährung, die statusorientierte Vitamin-D-Supplementierung bei unzureichender Versorgung sowie eine zeitlich begrenzte Absicherung in Phasen, in denen eine bedarfsdeckende Ernährung nicht zuverlässig möglich ist.
Eine routinemäßige Einnahme hochdosierter Vitamin- oder Antioxidantienpräparate verbessert die Leistungsfähigkeit bereits ausreichend versorgter Athleten nicht konsistent und kann vermeidbare Risiken verursachen. Das optimale Vorgehen verbindet eine nährstoffdichte Ernährung mit gezielter Diagnostik, indikationsgerechter Supplementierung, Verlaufskontrolle und qualitätsgesicherten Produkten.
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