Speichelsteinleiden (Sialolithiasis) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

Extraorale Untersuchung (Untersuchung außerhalb der Mundhöhle)

  • Inspektion (Betrachtung) von Gesicht, Kieferwinkelregion und Hals
    • Seitendifferenz und Kontur der großen Kopfspeicheldrüsen (großen Speicheldrüsen im Kopfbereich) [einseitige Schwellung der betroffenen Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse) bzw. Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse)]
    • Haut über der betroffenen Speicheldrüse [Rötung und Schwellung bei sekundärer akuter Sialadenitis (Speicheldrüsenentzündung)]
  • Palpation (Abtasten) der großen Kopfspeicheldrüsen
    • Seitenvergleich von Glandula submandibularis und Glandula parotis [Vergrößerung, Induration (Verhärtung) und Druckdolenz (Druckschmerzhaftigkeit) der betroffenen Drüse bei obstruktiver (durch Verlegung bedingter) bzw. sekundär entzündlicher Veränderung]
    • Bimanuelle Palpation (Abtasten mit beiden Händen) der Glandula submandibularis mit intraoraler (innerhalb der Mundhöhle erfolgender) und extraoraler (außerhalb der Mundhöhle erfolgender) Gegenpalpation [derber bzw. steinharter Sialolith (Speichelstein) im Hilus (Eintritts- bzw. Austrittsbereich der Drüse) oder proximalen (körpernahen) Ductus submandibularis (Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse) palpierbar]
    • Regionäre zervikale (zum Hals gehörende) und submandibuläre (unterhalb des Unterkiefers gelegene) Lymphknoten
  • Neurologischer Status (Untersuchung des Nervensystems) bei entsprechendem Befund
    • Funktion des Nervus facialis (Gesichtsnerv) bei Erkrankung der Glandula parotis
    • Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) im Versorgungsgebiet des Nervus lingualis (Zungennerv) bei Erkrankung der Glandula submandibularis

Intraorale Untersuchung (Untersuchung innerhalb der Mundhöhle)

  • Inspektion des Mundbodens und der Ausführungsgangpapillen (Mündungsstellen der Speicheldrüsengänge)
    • Ductus submandibularis (Wharton-Gang), insbesondere Papilla sublingualis (Mündungsstelle des Unterkieferspeicheldrüsengangs unter der Zunge) [distal (von der Drüse entfernt) gelegener Sialolith als weißlich-gelbliche bzw. harte Vorwölbung im Gangverlauf oder an der Gangmündung sichtbar]
    • Ductus parotideus (Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse) (Stenon-Gang), insbesondere Papilla parotidea (Mündungsstelle des Ohrspeicheldrüsengangs) gegenüber dem zweiten oberen Molaren (Backenzahn) [Schwellung bzw. Rötung der Papille bei sekundärer Sialadenitis]
    • Mundboden [lokalisierte Vorwölbung entlang des Ductus submandibularis bei oberflächlich gelegenem Sialolith]
  • Palpation der Ausführungsgänge (Speicheldrüsengänge)
    • Ductus submandibularis bimanuell vom Hilus in Richtung Papilla sublingualis ausstreichen und palpieren [derber bzw. steinharter, umschriebener Sialolith im Gangverlauf palpierbar]
    • Ductus parotideus entlang seines intraoralen Verlaufs palpieren [oberflächlich bzw. distal gelegener Sialolith als umschriebene harte Struktur palpierbar]
    • Palpationsdolenz (Schmerz beim Abtasten) [Druckschmerz entlang des betroffenen Ausführungsgangs bzw. der Drüse bei obstruktiver Sialadenitis]
  • Beurteilung des Speichelflusses durch Ausstreichen der Drüse
    • Seitenvergleich des Sekretflusses (Speichelflusses) an der jeweiligen Papille [verminderter bzw. fehlender Speichelfluss aus dem Ausführungsgang der betroffenen Drüse]
    • Beschaffenheit des Sekrets (Speichels) [trübes bzw. eitriges Sekret bei sekundärer bakterieller Sialadenitis]
    • Kompletter Sekretstau (vollständiger Speichelstau) [auch nach Ausstreichen kein Sekretaustritt aus dem betroffenen Ausführungsgang]
  • Sondierung (Untersuchung mit einer dünnen Sonde) des Ausführungsgangs im Einzelfall
    • Vorsichtige Sondierung durch einen erfahrenen Untersucher [umschriebener harter Widerstand bzw. fehlende Passage (Durchgängigkeit) bei distal gelegenem Sialolith]

Red Flags (Warnzeichen) bei Sialolithiasis 

  • Rasch progrediente (fortschreitende) Schwellung des Mundbodens bzw. der Submandibularregion (Region unterhalb des Unterkiefers) mit Zungenverlagerung, Dysphagie (Schluckstörung), Trismus (Kieferklemme), Dyspnoe (Atemnot) oder Stridor (pfeifendes Atemgeräusch) als Hinweis auf eine fortgeleitete tiefe Halsweichteilinfektion (Infektion der tieferen Weichteile des Halses) mit möglicher Atemwegsgefährdung
  • Fluktuierende (weich und nachgiebig tastbare), ausgeprägt druckdolente (stark druckschmerzhafte) Speicheldrüsenschwellung mit deutlicher lokaler Entzündungsreaktion als Hinweis auf eine Abszedierung (Eiteransammlung)
  • Systemische Infektionszeichen (den gesamten Körper betreffende Infektionszeichen) mit Fieber, Tachykardie (beschleunigtem Herzschlag), Hypotonie (niedrigem Blutdruck) bzw. reduziertem Allgemeinzustand als Hinweis auf eine schwere bakterielle Infektion bzw. Sepsis (Blutvergiftung)
  • Derbe, schlecht verschiebliche oder persistierende (anhaltende) Raumforderung (tastbare Gewebevermehrung) bzw. neu aufgetretene Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs) bei Parotisveränderung (Veränderung der Ohrspeicheldrüse) als Hinweis auf eine alternative, insbesondere neoplastische (durch eine Neubildung bedingte) Ursache und Anlass zur dringlichen weiterführenden Abklärung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.