MCT-Fette, enterale und parenterale Ernährung bei Colitis ulcerosa
Bei Colitis ulcerosa ist die künstliche enterale oder parenterale Ernährung eine medizinisch indizierte Maßnahme zur Sicherstellung einer adäquaten Energie‑ und Nährstoffzufuhr. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn eine ausreichende orale Ernährung vorübergehend oder dauerhaft nicht möglich ist oder wenn eine ausgeprägte Mangelernährung vorliegt. Internationale Leitlinien betonen übereinstimmend, dass der Fokus bei Colitis ulcerosa auf der Ernährungsunterstützung, perioperativen Optimierung und Prävention ernährungsassoziierter Komplikationen liegt [1-3].
Der grundlegende therapeutische Leitsatz lautet: Enterale Ernährung hat Vorrang vor parenteraler Ernährung, solange der Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) funktionell nutzbar ist [1, 2].
Enterale Ernährung bei Colitis ulcerosa
Die künstliche enterale Ernährung ist bei Colitis ulcerosa die bevorzugte Form der medizinischen Ernährungstherapie, wenn die orale Nahrungsaufnahme nicht ausreicht. Sie nutzt den funktionell intakten Magen‑Darm‑Trakt und unterstützt damit die Aufrechterhaltung der Darmfunktion sowie der mukosalen Integrität [1, 4].
Typische Indikationen sind:
- Ausgeprägte Mangelernährung oder drohende Mangelernährung
- Deutlicher Gewichtsverlust oder negative Energiebilanz
- Stark eingeschränkte orale Nahrungsaufnahme im aktiven Schub
- Prä‑ und postoperative Phase, insbesondere vor elektiven Eingriffen
- Geriatrische oder pädiatrische Patient:innen mit erhöhtem Ernährungsrisiko
Zum Einsatz kommen bilanzierte Trink‑ oder Sondennahrungen, die eine vollständige Versorgung mit Energie, Proteinen (Eiweiß), Fetten, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen gewährleisten. Die Applikation erfolgt oral als Trinknahrung oder – bei unzureichender Aufnahme – über eine enterale Sonde (z. B. nasogastral/über die Nase in den Magen oder perkutan/durch die Haut). Auswahl und Zusammensetzung der Formuladiät richten sich nach individuellem Bedarf, Krankheitsaktivität, Verträglichkeit und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) [1, 4].
Im Unterschied zum Morbus Crohn dient die enterale Ernährung bei Colitis ulcerosa primär der Ernährungssicherung und funktionellen Stabilisierung, nicht der direkten Beeinflussung der Entzündungsaktivität. Eine eigenständige Remissionsinduktion durch enterale Ernährung ist für Colitis ulcerosa nicht belegt [2, 3].
Bei Kindern und Jugendlichen kann enterale Ernährung bei Wachstumsverzögerung oder ausgeprägter Mangelernährung sinnvoll eingesetzt werden, ebenfalls mit dem Ziel der Sicherstellung des Energie‑ und Nährstoffbedarfs [1].
Totale parenterale Ernährung bei Colitis ulcerosa
Die totale parenterale Ernährung (TPE) stellt bei Colitis ulcerosa eine zeitlich begrenzte Ultima‑Ratio‑Maßnahme dar. Sie ist indiziert, wenn eine ausreichende enterale Ernährung nicht möglich oder medizinisch kontraindiziert ist [1, 2].
Mögliche Indikationen umfassen:
- Schwerste Krankheitsverläufe mit intestinalem Versagen (Darmversagen)
- Nicht beherrschbare gastrointestinale Blutungen
- Drohendes oder bestehendes toxisches Megakolon (schwere, lebensbedrohliche Komplikation einer ausgeprägten Dickdarmentzündung mit massiver Darmerweiterung und systemischer Entzündungsreaktion)
- Postoperative Situationen mit fehlender enteraler Toleranz
- Schwere Mangelernährung bei Unmöglichkeit enteraler Ernährung
Die parenterale Ernährung erfolgt über einen zentralvenösen Zugang und ermöglicht die vollständige Zufuhr von Energie, Aminosäuren, Glucose, Fettemulsionen, Elektrolyten, Vitaminen und Spurenelementen. Sie kann den Ernährungszustand effektiv stabilisieren und perioperative Risiken reduzieren, ist jedoch mit relevanten Risiken wie Katheterinfektionen, metabolischen Komplikationen und Thrombosen verbunden und erfordert eine engmaschige ärztliche Überwachung [1, 2].
Sobald es der klinische Zustand erlaubt, sollte eine schrittweise Rückführung auf enterale und anschließend orale Ernährung erfolgen, da diese der parenteralen Ernährung hinsichtlich Sicherheit, Darmfunktion und Langzeitverträglichkeit überlegen ist.
Monitoring und praktische Umsetzung
Unabhängig von der Ernährungsform sind bei künstlicher Ernährung regelmäßige Kontrollen erforderlich:
- Körpergewicht und klinischer Ernährungsstatus
- Elektrolyt‑ und Flüssigkeitshaushalt
- Relevante Mikronährstoffe (z. B. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D)
- Entzündungsparameter im Verlauf [1, 5]
Die Umsetzung erfolgt in der Regel ärztlich geplant und interdisziplinär begleitet, häufig im stationären Setting zu Beginn, bei stabilen Verhältnissen auch ambulant.
Fazit
Bei Colitis ulcerosa ist die künstliche enterale Ernährung die bevorzugte Form der medizinischen Ernährungstherapie, wenn normale Kost nicht ausreicht. Sie dient der Sicherstellung der Energie‑ und Nährstoffzufuhr sowie der perioperativen Unterstützung, ersetzt jedoch keine medikamentöse Therapie. Die parenterale Ernährung bleibt auf schwere Ausnahmefälle beschränkt und sollte nur zeitlich begrenzt und unter enger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden [1, 3].
Literatur
- Biesalski HK, Bischoff SC, Pirlich M, Weimann A (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 5. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2017.
- Bischoff SC et al.: ESPEN guideline on Clinical Nutrition in inflammatory bowel disease. Clin Nutr. 2023 Mar;42(3):352-379. doi: 10.1016/j.clnu.2022.12.004.
- Hashash JG, Elkins J, Lewis JD et al.: AGA Clinical Practice Update on Diet and Nutritional Therapies in Patients With Inflammatory Bowel Disease. Gastroenterology. 2024 Mar;166(3):521-532. doi: 10.1053/j.gastro.2023.11.303.
- Hahn A, Ströhle A, Wolters M: Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. 4. Auflage. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2023.
- Biesalski HK: Vitamine, Spurenelemente und Minerale. Indikationen, Diagnostik, Therapie. 3. Auflage. München: Georg Thieme Verlag; 2024.