Hepatitis-A-Diagnostik

Das Hepatitis-A-Virus (Erreger der Hepatitis A) (HAV) gehört zur Familie der Picornaviridae, zum Genus Hepatovirus, und ist ein unbehülltes einzelsträngiges RNA-Virus [1-4]. Hepatitis A (Leberentzündung A) verursacht keine chronische Infektion (dauerhafte Infektion) [1-4].

Übertragung

Die Übertragung des Erregers (Infektionsweg) erfolgt überwiegend fäkal-oral über kontaminiertes Wasser, kontaminierte Lebensmittel und engen Personenkontakt [1-4]. Selten sind parenterale Übertragungen (Übertragungen über Blut), z. B. durch gemeinsam benutzte Injektionsutensilien, sowie sexuelle Übertragungen, insbesondere bei anal-oralen Kontakten [1-4].

Risikogruppen

Zu den Risikogruppen zählen vor allem Reisende in Endemiegebiete (Regionen mit gehäuftem Auftreten), Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, Personen mit Drogenkonsum, enge Kontaktpersonen Infizierter sowie Personen mit erhöhtem beruflichem Expositionsrisiko (beruflich bedingtem Ansteckungsrisiko), z. B. in Gemeinschaftseinrichtungen, im Gesundheitsdienst oder bei Abwasserkontakt [3, 4].

Seroprävalenz

In Ländern mit hohem Hygienestandard sind heute viele Jugendliche und Erwachsene seronegativ (ohne nachweisbare Antikörper), sodass im Erwachsenenalter häufiger symptomatische Verläufe (Verläufe mit Beschwerden) auftreten können [3].

Synonyme

  • Hepatitis-A-Virus (HAV)
  • HAV
  • Hepatovirus A

Charakteristische Laborbefunde

  • Anti-HAV-IgM im Serum (Blutflüssigkeit) – beweisend für eine frische bzw. kürzlich zurückliegende HAV-Infektion bei passender Klinik (passendem Krankheitsbild) [1-4]
  • Anti-HAV-IgG – zu Symptombeginn meist bereits nachweisbar; nach durchgemachter Infektion oder Impfung Hinweis auf Immunität (Schutz) [1-4]
  • HAV-RNA im Blut oder Stuhl – direkter Nachweis einer frischen Infektion, insbesondere in frühen Phasen oder Spezialkonstellationen (besonderen Situationen) [1-3]
  • Transaminasen – häufig deutlich erhöht, insbesondere Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT) und Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT) [1-4]
  • Bilirubin – häufig erhöht [1-4]
  • Ggf. Cholestasekonstellation (Befund bei gestörtem Galleabfluss) mit Erhöhung von alkalischer Phosphatase (AP) und Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT) [1-3]

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Serologie – Anti-HAV-IgM [1-4]
  • Serologie – Anti-HAV-IgG [1-4]
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin [1-4]
  • Gerinnungsparameter – Quick, INR [1-3]
  • Bei klinischem Verdacht in früher Phase oder bei spezieller epidemiologischer Fragestellung (Frage nach der Verbreitung einer Erkrankung): HAV-RNA mittels Nukleinsäureamplifikationstechnik im Blut oder Stuhl [1-3]

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • HAV-RNA qualitativ, ggf. quantitativ, in Spezialkonstellationen [1-3]
  • Weitere Virusserologien – HBV, HCV, HEV, ggf. EBV, CMV [1-3]
  • Albumin zur Beurteilung der hepatischen Syntheseleistung (Bildungsleistung der Leber) [1-3]
  • Kleines Blutbild einschließlich Thrombozyten (Blutplättchen) [1-3]
  • Autoimmunserologie – ANA, SMA, LKM-Antikörper bei differentialdiagnostischem Verdacht auf Autoimmunhepatitis (durch das Immunsystem verursachte Leberentzündung) [1-3]
  • Ammoniak bei schwerem Verlauf bzw. Verdacht auf akutes Leberversagen (plötzliches schweres Versagen der Leber) [1-3]
  • Sequenzierung des HAV-Genoms nur in Spezialfällen, insbesondere zur Ausbruchsabklärung und Klärung von Infektionsketten (Ansteckungswegen) [2, 3]

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum für Anti-HAV-IgM und Anti-HAV-IgG [1-4]
    • EDTA-Blut oder Serum/Plasma für HAV-RNA [1-3]
    • Stuhl für HAV-RNA [1-3]
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich [1-3]
  • Störfaktoren
    • Anti-HAV-IgM kann kurzzeitig auch nach Hepatitis-A-Impfung nachweisbar sein [1-3]
    • In sehr früher Phase kann die Serologie noch negativ sein [1-3]
    • Präanalytische Verzögerungen (Verzögerungen bei der Probenverarbeitung) können den direkten Virusnachweis aus Stuhl beeinträchtigen [1-3]
    • Methodenspezifische Unterschiede der Assays können die Vergleichbarkeit limitieren [1-3]
  • Methode
    • Immunoassay für Anti-HAV-IgM und Anti-HAV-IgG [1-4]
    • Nukleinsäureamplifikationstechnik, z. B. RT-PCR, für HAV-RNA [1-3]
    • Genomsequenzierung nur in Speziallaboratorien [2, 3]

Normbereiche (je nach Labor)

Parameter Referenzbereich
Anti-HAV-IgM Negativ
Anti-HAV-IgG Negativ
HAV-RNA Nicht nachweisbar

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Ein positiver Anti-HAV-IgG-Nachweis spricht nach Impfung oder durchgemachter Infektion für Immunität und ist daher nicht per se pathologisch [1-4].

Indikationen

  • Verdacht auf akute Virushepatitis (akute Leberentzündung durch Viren) [1-4]
  • Ikterus (Gelbsucht) oder akute Transaminasenerhöhung [1-4]
  • Reiseanamnese in Endemiegebiete [3, 4]
  • Exposition (Kontakt mit einer möglichen Ansteckungsquelle) im Rahmen eines Ausbruchs oder enger Kontakt zu einem Indexfall (erster erkannter Krankheitsfall) [2-4]
  • Verdacht auf lebensmittelassoziierte HAV-Infektion [2-4]
  • Abklärung bei Risikogruppen [3, 4]
  • Ausbruchsuntersuchungen und Public-Health-Abklärung [2-4]

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Anti-HAV-IgM positiv – akute oder kürzlich zurückliegende HAV-Infektion [1-4]
    • Anti-HAV-IgG positiv – zurückliegende Infektion oder Impfimmunität [1-4]
    • HAV-RNA positiv – frische HAV-Infektion [1-3]
    • Deutlich erhöhte Transaminasen – akute hepatozelluläre Schädigung (akute Schädigung von Leberzellen) [1-4]
  • Erniedrigte Werte
    • Negativer Anti-HAV-IgM-Nachweis – kein Hinweis auf akute HAV-Infektion [1-4]
    • Negativer Anti-HAV-IgG-Nachweis – keine serologische Immunität [1-4]
  • Spezifische Konstellationen
    • Anti-HAV-IgM positiv bei kürzlich erfolgter Impfung – Befund nur im klinischen Kontext interpretieren [1-3]
    • Anti-HAV-IgM negativ, HAV-RNA positiv – sehr frühe Infektionsphase möglich [1-3]
    • Anti-HAV-IgG positiv, Anti-HAV-IgM negativ – abgelaufene Infektion oder Impfung [1-4]
    • Hepatitis A chronifiziert nicht [1-4]

Weiterführende Diagnostik

  • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane) zur Beurteilung der Leber und zum Ausschluss anderer Ursachen [1-3]
  • Verlaufsbeurteilung von Bilirubin, Transaminasen und Gerinnungsparametern [1-3]
  • Bei schwerem Verlauf Monitoring auf akutes Leberversagen [1-3]
  • Hygienische und infektionsepidemiologische Abklärung von Kontaktpersonen bzw. Ausbruchsgeschehen [2-4]

Weitere Hinweise

  • Hepatitis A ist nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtig [3]
  • Anti-HAV-IgM ist der zentrale serologische Akutmarker [1-4]
  • Eine Impfung ist für exponierte und definierte Risikogruppen präventiv empfohlen [3, 4]
  • Nach Exposition wird bei nicht immunen Kontaktpersonen eine postexpositionelle Impfung möglichst innerhalb von 14 Tagen empfohlen [3, 4]

Literatur

  1. Van Damme P, Pintó RM, Feng Z, Cui F, Gentile A, Shouval D. Hepatitis A virus infection. Nat Rev Dis Primers. 2023;9(1):51. https://doi.org/10.1038/s41572-023-00461-2
  2. Kanda T, Sasaki R, Masuzaki R et al.: Recent advances in hepatitis A virus research and clinical practice guidelines for hepatitis A virus infection in Japan. Hepatol Res. 2024;54(1):4-23. https://doi.org/10.1111/hepr.13983
  3. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hepatitis A. Epidemiologisches Bulletin. 2023;6. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HepatitisA.html
  4. World Health Organization. Hepatitis A. Fact sheet. Updated 12 February 2025. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hepatitis-a