Rippenfellschmerzen (Pleurodynie) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung der Schmerzen und Ermöglichung einer ausreichend tiefen Atmung.
  • Gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung nach gesicherter Diagnose.

Therapieempfehlungen

Pleurodynie bezeichnet zunächst ein Schmerzsymptom und begründet keine einheitliche ursachenbezogene Arzneimitteltherapie. Davon zu unterscheiden ist die Pleurodynia epidemica beziehungsweise Bornholm-Krankheit (virusbedingte Erkrankung mit anfallsartigen Brust- oder Bauchmuskelschmerzen), eine meist durch Coxsackie-B-Viren verursachte Erkrankung mit schmerzhafter Beteiligung der Rumpfmuskulatur [1, 3].

Vor beziehungsweise parallel zur Analgesie (Schmerzlinderung): Bei neu aufgetretenen oder ungeklärten atemabhängigen Thoraxschmerzen (Brustkorbschmerzen) müssen insbesondere Lungenembolie (Verschluss eines Lungengefäßes durch ein Blutgerinnsel), Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand), Pneumonie (Lungenentzündung) und akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) berücksichtigt werden. Ausgeprägte Atemnot, Kreislaufinstabilität, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) oder anhaltende starke Schmerzen erfordern eine sofortige Notfallabklärung. Eine Besserung unter Analgetika schließt eine gefährliche Ursache nicht aus [LL1].

  • Symptomatische Analgesie: Bei entzündlich bedingten Schmerzen kann kurzfristig ein nichtsteroidales Antirheumatikum eingesetzt werden, sofern keine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) bestehen. Paracetamol kommt als Alternative bei leichten bis mäßig starken Schmerzen infrage. Auswahl und Behandlungsdauer richten sich nach Schmerzintensität, Begleiterkrankungen und Begleitmedikation [1, FI1, FI2].
  • Pleurodynia epidemica beziehungsweise unkomplizierte enterovirale Erkrankung (durch Enteroviren verursachte Erkrankung): Symptomatische Behandlung; eine etablierte spezifische antivirale Standardtherapie besteht nicht. Antibiotika sind ohne zusätzliche bakterielle Infektion nicht angezeigt. Systemische Glukokortikoide gehören nicht zur Routinebehandlung [1, 2].
  • Bakterielle Ursache: Bei bakterieller Pneumonie oder pleuraler Infektion (Infektion im Bereich des Rippen- und Lungenfells) ist eine erkrankungs- und erregergerechte Antibiotikatherapie erforderlich. Bei Pleuraempyem (Eiteransammlung zwischen Lunge und Brustwand) reicht eine Arzneimitteltherapie allein häufig nicht aus; siehe „Pneumonie“, „Pleuritis (Rippenfellentzündung)“ und „Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand)“ [3].
  • Autoimmunbedingte Pleuritis (durch eine Fehlreaktion der körpereigenen Abwehr verursachte Rippenfellentzündung): Behandlung entsprechend der gesicherten Grunderkrankung. Glukokortikoide oder weitere immunmodulierende Arzneimittel nur bei entsprechender krankheitsspezifischer Indikation und nach Bewertung möglicher infektiöser Ursachen; siehe das jeweilige Erkrankungskapitel.
  • Andere Ursachen: Bei Lungenembolie, malignen Erkrankungen (bösartigen Erkrankungen) oder traumatischen Veränderungen (verletzungsbedingten Veränderungen) erfolgt die Behandlung nach dem jeweiligen Erkrankungskapitel. Eine Antikoagulation (Hemmung der Blutgerinnung), Tumortherapie oder andere spezifische Therapie wird nicht allein aufgrund des Symptoms Pleurodynie begonnen.

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die folgenden Dosierungen gelten für Erwachsene ohne relevante Organfunktionsstörungen. Für Kinder und Jugendliche sind gewichtsbezogene Dosierungen und geeignete Darreichungsformen erforderlich. Grundsätzlich die niedrigste wirksame Dosis über den kürzest erforderlichen Zeitraum anwenden.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Nicht mit weiteren NSAR kombinieren. Blutungs- und Nierenrisiko sowie Begleitmedikation berücksichtigen [FI1].
  • Wirkweise: Prostaglandinsynthesehemmung; analgetisch (schmerzlindernd), antiphlogistisch (entzündungshemmend) und antipyretisch (fiebersenkend).
  • Indikation: Kurzfristige symptomatische Behandlung entzündlicher Schmerzen.
  • Kontraindikationen: Insbesondere NSAR-Überempfindlichkeit, rezidivierende gastrointestinale Ulzera (wiederholt auftretende Magen-Darm-Geschwüre) oder Blutungen, frühere NSAR-bedingte Blutung beziehungsweise Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Herz), erhebliche Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und drittes Schwangerschaftstrimenon (letztes Schwangerschaftsdrittel). Ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender ärztlicher Indikation.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) und Blutungen, Nierenfunktionsverschlechterung, Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung), Überempfindlichkeitsreaktionen; erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) insbesondere bei hoher Dosierung [FI1].

Nichtopioide Analgetika: Paracetamol

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Keine Doppelmedikation durch paracetamolhaltige Kombinationspräparate. Bei Untergewicht, Mangelernährung, Dehydratation, chronischem Alkoholkonsum oder Organfunktionsstörungen individuelle Dosisanpassung [FI2].
  • Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch; keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung.
  • Indikation: Leichte bis mäßig starke Schmerzen, insbesondere wenn NSAR ungeeignet sind.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Bei schwerer Lebererkrankung nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und unter Beachtung der präparatespezifischen Fachinformation.
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Hepatotoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung; selten schwere Überempfindlichkeits- oder Hautreaktionen und Blutbildveränderungen [FI2].

Beachte

  • Unzureichende Schmerzkontrolle: Diagnose und mögliche Komplikationen erneut prüfen, bevor die Analgesie ausgeweitet wird.
  • Keine pauschale Therapieeskalation: Opioide, systemische Glukokortikoide und Antibiotika sind keine Standardmedikation bei ungeklärter Pleurodynie.
  • Verlauf: Bei fehlender Besserung, erneutem Fieber oder neuen Beschwerden zeitnahe ärztliche Reevaluation; bei Warnzeichen sofortige Notfallabklärung.

Abkürzungen

  • FI: Fachinformation.
  • LL: Leitlinie.
  • NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika.
  • mg: Milligramm.

Literatur

  1. Messacar K: Epidemic Pleurodynia (Bornholm Disease). MSD Manual Professional Edition. Stand: September 2024. Volltext.
  2. Centers for Disease Control and Prevention: About Non-Polio Enteroviruses. 11. April 2024. Volltext.
  3. Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Thoraxchirurgie: Rippenfellerkrankungen. Volltext. Zugriff: 20.10.2026.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Brustschmerz - DEGAM-Leitlinie für die primärärztliche Versorgung. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. (AWMF-Registernummer: 053-023), Stand Juni 2024, Version 2.2. Langfassung [LL1]

Fachinformationen

  1. ratiopharm GmbH: IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Fachinformation [FI1]
  2. ratiopharm GmbH: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand: Dezember 2024, Version 8. Fachinformation [FI2]