Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Dysmenorrhoe (Regelschmerzen) mitbedingt sein können:

Bei der Bewertung möglicher Folgeerkrankungen ist zwischen primärer Dysmenorrhoe (Regelschmerzen ohne organische Ursache) und sekundärer Dysmenorrhoe (Regelschmerzen aufgrund einer organischen Erkrankung) zu unterscheiden. Endometriose (Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter), Adenomyosis uteri (Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe in der Gebärmuttermuskulatur), uterine Fehlbildungen (Fehlbildungen der Gebärmutter) und andere organische Erkrankungen sind Ursachen einer sekundären Dysmenorrhoe und keine Folgen der Dysmenorrhoe. Die nachfolgend dargestellten Auswirkungen betreffen vor allem rezidivierende (wiederkehrende) oder unzureichend behandelte menstruationsassoziierte Schmerzen (mit der Monatsblutung verbundene Schmerzen). Da ein großer Teil der Evidenz aus Beobachtungsstudien stammt, ist bei mehreren Assoziationen die Kausalitätsrichtung nicht abschließend geklärt [1-7, LL1, LL2].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angst- und depressive Symptomatik (Anzeichen von Angst und Niedergeschlagenheit) – die Schwere der Dysmenorrhoe ist mit stärker ausgeprägten Angst- und depressiven Symptomen sowie einer erhöhten allgemeinen psychischen Belastung assoziiert. Die gepoolten Zusammenhänge sind klein bis moderat; eine direkte Kausalität sowie die Richtung der Beziehung sind nicht abschließend geklärt [1].
  • Chronische Schmerzsyndrome (lang anhaltende Schmerzerkrankungen) – rezidivierende Dysmenorrhoe ist mit chronischen pelvinen (im Beckenbereich auftretenden) und extrapelvinen Schmerzen (außerhalb des Beckens auftretenden Schmerzen) assoziiert. Eine populationsbasierte Längsschnittstudie zeigte bei moderater bzw. schwerer Dysmenorrhoe im Alter von 15 Jahren ein erhöhtes Risiko für chronische Schmerzen im Alter von 26 Jahren; es bestand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zur Schmerzintensität [2, 3]. Bei anhaltenden Schmerzen können periphere und zentrale Sensibilisierungsmechanismen (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit in Nerven und Gehirn) sowie eine chronische Schmerzstörung (lang anhaltende Schmerzerkrankung) entstehen [LL1].
  • Schlafstörungen (Störungen des Schlafes) – Dysmenorrhoe ist mit verminderter Schlafqualität, Ein- und Durchschlafstörungen (Problemen beim Einschlafen oder nächtlichem Erwachen), verkürzter Schlafdauer sowie erhöhter Tagesmüdigkeit (Müdigkeit am Tag) assoziiert. Die Beziehung kann bidirektional sein; überwiegend querschnittliche Daten erlauben keine sichere Kausalaussage [4].

Weiteres

  • Arbeits-, Schul- und Studienausfall – eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse ergab, dass 20,1 % der untersuchten jungen Frauen aufgrund der Dysmenorrhoe der Schule oder Universität fernblieben. Auch Arbeitsunfähigkeit und wiederkehrende Fehltage sind bei stärkerer Dysmenorrhoe häufiger [5, 7].
  • Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – insbesondere körperliche Funktionsfähigkeit, Vitalität, psychisches Wohlbefinden und soziale Teilhabe können vermindert sein. Das Ausmaß korreliert im Allgemeinen mit Schmerzintensität und funktioneller Beeinträchtigung [1, 6, 7].
  • Einschränkung körperlicher und sozialer Aktivitäten – moderate und schwere Dysmenorrhoe können zur Reduktion sportlicher und alltäglicher Aktivitäten, zum Rückzug aus sozialen Kontakten sowie zur verminderten Teilnahme am gesellschaftlichen Leben führen [6, 7].
  • Präsentismus und Leistungsabfall – trotz Anwesenheit in Schule, Studium oder Beruf können Konzentration, Lernfähigkeit und Produktivität vermindert sein. In der Metaanalyse berichteten 40,9 % eine Beeinträchtigung der schulischen bzw. akademischen Leistung oder Konzentration [5, 7].

Prognosefaktoren

  • Anhaltende oder zunehmende Beschwerden – eine über mehrere Zyklen persistierende (fortbestehende) bzw. progrediente Dysmenorrhoe (zunehmende Regelschmerzen) erhöht die Wahrscheinlichkeit einer relevanten funktionellen Beeinträchtigung und erfordert die Abklärung einer sekundären Ursache [LL1, LL2].
  • Hohe Schmerzintensität – moderate und schwere Dysmenorrhoe sind mit stärkerem Aktivitätsverlust, vermehrtem Absentismus, größerer psychischer Belastung und einem erhöhten späteren Risiko für chronische Schmerzen verbunden [1, 3, 5, 6].
  • Psychische Belastung und ungünstige Schmerzverarbeitung – Angst, depressive Symptomatik, Schmerzkatastrophisieren (stark bedrohliche Bewertung von Schmerzen) und psychosoziale Belastungsfaktoren können die subjektive Schmerzintensität, funktionelle Einschränkung und Schmerzchronifizierung (dauerhafte Verfestigung der Schmerzen) verstärken. Angst- und depressive Symptome vermitteln einen kleinen Anteil des Zusammenhangs zwischen schwerer Dysmenorrhoe im Jugendalter und späteren chronischen Schmerzen [1, 3, LL1].
  • Sekundäre Dysmenorrhoe – bei Endometriose, Adenomyosis uteri oder anderen organischen Ursachen wird die Langzeitprognose wesentlich durch Art, Ausmaß und rechtzeitige Behandlung der Grunderkrankung bestimmt [LL1, LL2].
  • Unzureichendes Therapieansprechen – fehlende Besserung trotz leitliniengerechter und adhärenter Behandlung über drei bis sechs Monate ist ein prognostisch ungünstiges Zeichen und erfordert die erneute Prüfung der Diagnose, der Therapieadhärenz und möglicher sekundärer Ursachen [LL2].

Red Flags (Warnzeichen) bei Dysmenorrhoe

  • Akut einsetzender, ungewohnt starker oder einseitiger Unterbauchschmerz, Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Abwehrspannung (harte, schmerzhaft angespannte Bauchdecke) oder Fieber – sofortige Abklärung eines akuten Abdomens (plötzlich auftretende schwere Erkrankung im Bauchraum) bzw. gynäkologischen Notfalls
  • Azyklische Unterbauchschmerzen (Unterbauchschmerzen außerhalb der Monatsblutung) oder progrediente Unterbauchschmerzen (zunehmende Schmerzen im Unterbauch), tiefe Dyspareunie (Schmerzen beim tiefen Geschlechtsverkehr), Dyschezie (Schmerzen beim Stuhlgang), Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Hämatochezie (sichtbares Blut im Stuhl), Hämaturie (Blut im Urin) oder Sterilität (ungewollte Kinderlosigkeit) – Verdacht auf Endometriose oder eine andere organische Ursache [LL1]
  • Dysmenorrhoe ab der Menarche (ersten Monatsblutung), zunehmende Beschwerden, auffällige Blutungen, pathologischer Fluor (krankhafter Scheidenausfluss) oder ein auffälliger gynäkologischer Untersuchungsbefund (auffälliger Befund bei der frauenärztlichen Untersuchung) – Verdacht auf sekundäre Dysmenorrhoe [LL1, LL2]
  • Fehlende klinische Besserung nach drei bis sechs Monaten leitliniengerechter empirischer Therapie – Abklärung sekundärer Ursachen, insbesondere einer Endometriose [LL1, LL2]
  • Neu aufgetretene Dysmenorrhoe nach zuvor schmerzfreien Menstruationen – zeitnahe organische Abklärung

Abkürzungsverzeichnis

  • ACOG – American College of Obstetricians and Gynecologists
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • bzw. – beziehungsweise
  • LL – Leitlinie
  • S2k – konsensbasierte Leitlinie der Entwicklungsstufe S2k

Literatur

  1. Rogers SK et al.: Dysmenorrhea and psychological distress: a meta-analysis. Arch Womens Ment Health. 2023;26(6):719-735. https://doi.org/10.1007/s00737-023-01365-6
  2. Li R et al.: Association between dysmenorrhea and chronic pain: a systematic review and meta-analysis of population-based studies. Am J Obstet Gynecol. 2020;223(3):350-371. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2020.03.002
  3. Reid-McCann R et al.: Longitudinal association between dysmenorrhoea in adolescence and chronic pain in adulthood: a UK population-based study. Lancet Child Adolesc Health. 2025;9(11):766-775. https://doi.org/10.1016/s2352-4642(25)00213-5
  4. Jeon B, Baek J: Menstrual disturbances and its association with sleep disturbances: a systematic review. BMC Womens Health. 2023;23(1):470. https://doi.org/10.1186/s12905-023-02629-0
  5. Armour M et al.: The Prevalence and Academic Impact of Dysmenorrhea in 21,573 Young Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Womens Health (Larchmt). 2019;28(8):1161-1171. https://doi.org/10.1089/jwh.2018.7615
  6. Donayeva A et al.: The impact of primary dysmenorrhea on adolescents’ activities and school attendance. J Med Life. 2023;16(10):1462-1467. https://doi.org/10.25122/jml-2023-0247
  7. MacGregor B, Allaire C, Bedaiwy MA, Yong PJ, Bougie O: Disease Burden of Dysmenorrhea: Impact on Life Course Potential. Int J Womens Health. 2023;15:499-509. https://doi.org/10.2147/ijwh.s380006

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Endometriose. (AWMF-Registernummer: 015 - 045), März 2025 Langfassung [LL1]
  2. American College of Obstetricians and Gynecologists: ACOG Committee Opinion No. 760: Dysmenorrhea and Endometriosis in the Adolescent. Obstet Gynecol. 2018;132(6):e249-e258. https://doi.org/10.1097/aog.0000000000002978 [LL2]