Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße bzw. Body-Mass-Index; des Weiteren:
- Anthropometrische Untersuchung (Untersuchung von Körpermaßen)
- Messung des Halsumfangs
- Messung des Taillen- bzw. Hüftumfangs bei klinischer Relevanz
- Beurteilung der Fettverteilung bzw. einer abdominellen Adipositas (Fettleibigkeit im Bauchbereich)
- Inspektion (Betrachtung)
- Allgemeinzustand und Ernährungszustand
- Habitus (Körpererscheinungsbild) sowie Hals- und Kopfprofil
- Orientierende Beurteilung auf klinische Zeichen prädisponierender Erkrankungen, z. B. Akromegalie (krankhafte Vergrößerung von Körperendgliedern) oder Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Kardiovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Herz und Kreislauf)
- Blutdruckmessung
- Herzfrequenz und Herzrhythmus
- Auskultation (Abhören) des Herzens
- Beurteilung auf Zeichen einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bzw. anderer kardiovaskulärer Begleiterkrankungen
- Pulmonale Untersuchung (Untersuchung der Lunge)
- Inspektion der Atmung und Atemmechanik
- Auskultation der Lunge
- Beurteilung auf Hinweise für pulmonale bzw. neuromuskuläre (Nerven und Muskeln betreffende) Begleiterkrankungen
- Anthropometrische Untersuchung (Untersuchung von Körpermaßen)
- HNO-ärztliche bzw. oropharyngeale Untersuchung (Untersuchung des Mundrachenraums)
- Nase und Nasenatmung
- Beurteilung der Nasenatmung und der äußeren Nase
- Rhinoskopische Untersuchung auf strömungsrelevante Veränderungen, insbesondere Nasenseptumdeviation (Verkrümmung der Nasenscheidewand), Nasenmuschelhyperplasie (Vergrößerung der Nasenmuscheln), Nasenpolypen (Schleimhautwucherungen in der Nase), entzündliche Schleimhautveränderungen bzw. Nasenklappenstenose (Verengung der Nasenklappe)
- Endoskopische Untersuchung der Nase bei unklarer nasaler Obstruktion (Verengung bzw. Blockierung der Nase) bzw. auffälligem klinischen Befund
- Mundhöhle und Oropharynx (Mundrachen)
- Beurteilung der Einsehbarkeit des Oropharynx, vorzugsweise mittels modifiziertem Mallampati-Score bzw. Friedman-Tongue-Position
- Beurteilung von Zungengröße und Zungenposition
- Beurteilung der Tonsillengröße (Größe der Gaumenmandeln)
- Beurteilung von weichem Gaumen und Uvula (Gaumenzäpfchen) hinsichtlich Größe, Länge und Morphologie (Form und Gestalt)
- Beurteilung der lateralen Pharynxwände (seitlichen Rachenwände) und der oropharyngealen Weite
- Beurteilung des harten Gaumens hinsichtlich Form und transversaler Enge (seitlicher Verengung)
- Flexible Nasopharyngoskopie bzw. Laryngoskopie bei anamnestischen Beschwerden, auffälligem klinischen Befund oder vor geplanter operativer Therapie zur Beurteilung von Nasopharynx (Nasenrachen), Zungengrund, lingualen Tonsillen (Zungenmandeln), Hypopharynx (unterem Rachen), Larynx (Kehlkopf) und Epiglottis (Kehldeckel)
- Nase und Nasenatmung
- Kraniofaziale, zahnärztliche bzw. kieferorthopädische Untersuchung (Untersuchung von Gesichtsschädel, Zähnen und Kieferstellung)
- Orientierende Beurteilung der skelettalen Morphologie (knöcherne Form und Gestalt) des Gesichtsschädels, insbesondere der sagittalen (von vorne nach hinten verlaufenden) und transversalen (seitlichen) Kieferrelationen
- Beurteilung auf Retrognathie (zurückliegender Kiefer) bzw. Mikrognathie (zu kleiner Kiefer) sowie maxilläre (den Oberkiefer betreffende) oder mandibuläre (den Unterkiefer betreffende) Enge
- Beurteilung von Okklusion (Zusammenbiss der Zähne) und sagittaler Frontzahnstufe (Abstand der oberen zu den unteren Frontzähnen)
- Zahnstatus und parodontaler Status (Zustand des Zahnhalteapparats), insbesondere bei möglicher Therapie mit einer Unterkieferprotrusionsschiene (Schiene zur Vorverlagerung des Unterkiefers)
- Prüfung der möglichen Unterkieferprotrusion (Vorverlagerung des Unterkiefers) bei geplanter Unterkieferprotrusionsschiene
- Orientierende neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems)
- Bewusstseinslage und neurologischer Status
- Beurteilung auf neuromuskuläre Schwäche bei entsprechendem klinischen Verdacht
- Erweiterte neurologische Untersuchung bei Hinweisen auf eine zentrale Schlafapnoe (Atemaussetzer durch vorübergehend fehlenden Atemantrieb) bzw. eine neurologische oder neuromuskuläre Differentialdiagnose (andere mögliche Erkrankungsursache)
Hinweis: Einzelne körperliche Befunde können die Prätestwahrscheinlichkeit (Wahrscheinlichkeit vor weiterer Diagnostik) für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (schlafbezogene Atemstörung durch wiederholte Verengung oder Verschluss der oberen Atemwege) erhöhen und anatomische Obstruktionsfaktoren (körperlich bedingte Verengungsfaktoren) identifizieren; ein körperlicher Untersuchungsbefund allein kann die Diagnose jedoch weder sichern noch ausschließen. Die Diagnosesicherung und Schweregradbestimmung erfordern eine objektive schlafmedizinische Untersuchung.