Bluttransfusion – Checkliste für Blutspender und -empfänger

Für Blutspender

Vor der Reise

  • Überprüfung der eigenen Reisetauglichkeit und des Impfstatus
  • Übertragung von Impfkeimen nach Impfung mit Lebendimpfstoffen möglich:
    • Blutspende zeitlich begrenzt zurückstellen (gemäß aktuellen transfusionsmedizinischen Vorgaben):
      • Lebendimpfstoffe: Rückstellung der Blutspende für 4 Wochen
      • (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Varizellen (Windpocken); auch Tetanus bei Gabe von Tetagam)
      • Hepatitis-B-Impfung: Rückstellung für 1 Woche (wegen möglicher Laborwertverfälschungen)
      • Tot-/Toxoid-Impfstoffe: Keine Rückstellung notwendig, sofern beschwerdefrei; dennoch sollten mindestens 2 Tage Abstand zwischen Impfung und Spende liegen
  • Relevante Vorbereitung:
    • Eigene Blutgruppe kennen und Blutgruppenkarte mitführen
    • Information über Qualität und Sicherheit der Blutversorgung im Reiseland
    • Bevorzugt Spende in Ländern mit etablierten Qualitätsstandards (z. B. EU, Nordamerika, Australien)

Nach der Reise

Infektionen/Erkrankungen

Gefahr/Ereignis Vorgehen (Rückstellung)
Nach unkompliziertem Infekt Für 1 Woche
Nach kompliziertem Infekt (mit Antibiotika) Für 14 Tage nach Ende der Therapie; insgesamt mindestens 4 Wochen nach vollständigem Abklingen
Nach fieberhaften Erkrankungen oder Diarrhoe (Durchfall) unklarer Ursache Für 4 Wochen
Nach Hepatitis-A-Infektion/-Erkrankung Für 4 Monate
Nach Tollwut-Postexpositionsprophylaxe oder Gabe tierischer Sera (Blutbestandteile, die aus dem Blut von Tieren gewonnen wurden) Für 12 Monate
Nach Hepatitis-B-Infektion/-Erkrankung Für 5 Jahre*
Nach Malaria Für 4 Jahre nach dokumentierter Heilung

Nach Reisen in Malaria-Endemiegebiete:

  • Afrika: Ägypten, Ghana, Kenia, Mauritius, Namibia, Südafrika, Tansania/Tanzania (inkl. Sansibar)
  • Asien/Südostasien: Brunei (→ siehe Malaysia), China, Indien, Indonesien (u. a. Bali, Java, Lombok), Kambodscha (Cambodia), Malaysia (inkl. Borneo), Pakistan (→ siehe Indien), Singapur, Sri Lanka, Thailand (u. a. Koh Samui, Phuket, Koh Chang)
  • Weitere Länder in Mittelamerika/Karibik/Südamerika sind ebenfalls betroffen.
Für mindestens 6 Monate nach Rückkehr
Personen, die in Malariagebieten geboren/aufgewachsen sind bzw. Personen, die dort gelebt haben Für 4 Jahre nach Verlassen der Region + Ausschluss der Infektion

Nach Aufenthalt in West-Nil-Fieber-Gebieten

  • in tropischen als auch in gemäßigten Gebieten:
    • Afrika
    • Israel
    • Mittlerer Osten
    • Zentralasiens
    • Europa: sporadische Fälle in Rumänien, Italien und Frankreich
    • Indien
    • Teile Südostasiens
    • Australien
    • Nord- und Mittelamerika
Für 4 Wochen oder bis negativer PCR-Test
Nach Langzeitaufenthalt in Hochrisikogebieten für Hepatitis B/C, HIV, Humanes T-Lymphotropes Virus Typ I bzw. Typ II Für 4 Monate nach letztem Aufenthalt
Nach Intimkontakt mit Personen mit hohem Risiko für Hepatitis B/C, HIV Für 4 Monate
Nach Empfang von Blut/Blutbestandteilen Für 4 Monate
Nach möglicher invasiver Exposition im Blut (Tätowierung, Piercing, Branding, Ohrlochstechen, Akupunktur) Für 4 Monate
Nachweis von Hepatitis B/C (ohne gesicherte Ausheilung), HIV, Humanes T-Lymphotropes Virus Typ I bzw. Typ II, Babesiose, Brucellose, Leishmaniose, Lepra, Melioidose, Rickettsiosen, Rückfallfieber, Syphilis, Trypanosomiasis, Tularämie Dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen
  • Drogenabhängigkeit
  • Alkoholabhängigkeit (Alkoholabusus)
  • Lebensumstände/Sexualverhalten mit erhöhtem Risiko für schwere Infektionserkrankungen
Dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen
Personen, die 1980-1996 > 6 Monate in Großbritannien lebten oder dort operiert/transfundiert wurden (BSE-Risiko) Dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen

*Wenn die Virologie eine erloschene Infektion bestätigt.

Für Empfänger von Blutprodukten

  • Bluttransfusionen im Ausland sind mit erhöhten Risiken verbunden – besonders in tropischen und subtropischen Regionen, wo Screeningstandards oft unzureichend sind.
  • Bluttransfusionen nur in qualifizierten Einrichtungen mit kontrollierter Labordiagnostik durchführen lassen.
  • Bei planbaren Eingriffen oder chronischem Transfusionsbedarf:
    Transfusion möglichst in Deutschland oder spezialisierten Zentren im Ausland organisieren.
  • Blutgruppe vor der Reise bestimmen lassen und Blutgruppenkarte mitführen.
  • In manchen Ländern existieren sogenannte lebende Blutbanken (freiwillige Spendergruppen) – deren Qualität variiert erheblich.
  • Nach einer unvermeidbaren Transfusion im Ausland:
    umfassendes Infektions-Screening nach Rückkehr (HIV, Hepatitis B, Hepatitis C, Syphilis, regionale Erreger inkl. Malaria, West-Nil-Virus usw.).
  • Aktuelle Hämotherapie-Richtlinie 2023:
    • Die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität darf nicht mehr als Ausschlusskriterium gewertet werden.
    • Entscheidend ist allein das individuelle Risikoverhalten.

Literatur

  1. Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie) (2023), Bundesärztekammer/Paul-Ehrlich-Institut
  2. WHO: Blood transfusion safety
  3. Aktuelle Malaria-Threats-Maps der WHO

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Prävention blutübertragbarer Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 029 - 026), November 2017 Langfassung