Fett-weg-Spritze – Injektionslipolyse

Bei der Injektionslipolyse (Synonyme: Fett-weg-Spritze; Phosphatidylcholin-Lipolyse; Lipolyse; Injektions-Lipolyse) handelt es sich um eine nichtinvasive Methode zur selektiven Reduzierung kleiner bis mittlerer Fettdepots am gesamten Körper. Im Zuge einer Gewichtsreduktion durch eine Diät ist es hingegen nicht möglich, die betroffenen Körperstellen auszuwählen, an denen das Körperfett abgebaut werden soll. Ursprünglich stammt die Lipolysemethode aus Brasilien und hat seit einigen Jahren in Europa kontinuierlich an Bedeutung gewonnen.

Zielsetzung und Wirkungsweise der Injektionslipolyse

Zielsetzung

  • Ästhetische Verbesserung: Die Behandlung zielt darauf ab, die Körperkonturen zu verbessern und unerwünschte Fettansammlungen zu beseitigen, die oft als ästhetisch störend empfunden werden.
  • Zielgerichtete Fettreduktion: Im Gegensatz zu allgemeinen Gewichtsverlustmethoden ermöglicht die Injektionslipolyse eine gezielte Behandlung spezifischer Bereiche wie Doppelkinn, Bauch, Oberschenkel und Hüften.
  • Nicht-chirurgische Alternative: Sie bietet eine nicht chirurgische Alternative zu Liposuktion, die weniger Risiken und Nebenwirkungen birgt und eine kürzere Erholungszeit erfordert.
  • Verbesserung der Hauttextur: Neben der Reduktion von Fett kann die Behandlung auch zur Verbesserung der Hauttextur in den behandelten Bereichen beitragen, indem sie eine straffere und glattere Haut fördert.

Wirkungsweise

Die Injektionslipolyse arbeitet durch das direkte Einbringen eines Wirkstoffgemisches in die Fettdepots, was folgende Effekte bewirkt:

  • Zelluläre Auflösung: Phosphatidylcholin, der Hauptwirkstoff, fördert die Auflösung der Fettzellen durch die Zerstörung der Zellmembran.
  • Fettmetabolismus: Das freigesetzte Fett wird durch natürliche Stoffwechselprozesse des Körpers abgebaut und ausgeschieden.
  • Langfristige Fettreduktion: Die Behandlung führt zu einer dauerhaften Entfernung der Fettzellen in den behandelten Bereichen, da sich die zerstörten Fettzellen nicht regenerieren.
  • Kollagenstimulation: Die mechanische Stimulation durch die Injektion kann zusätzlich die Produktion von Kollagen fördern, was zu einer verbesserten Hauttextur führt.

Diese Methode ist besonders effektiv bei der Behandlung von Fettdepots, die auf traditionelle Gewichtsverlustmaßnahmen nicht ansprechen, und bietet eine gezielte Lösung zur Verbesserung der Körperästhetik.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Injektions-Lipolyse wird bei den folgenden Körperregionen durchgeführt:

  • Achselfalten
  • Außenschenkel
  • Cellutitebehandlung am Oberschenkel
  • Doppelkinn
  • Fettwulste an den Schulter-Arm-Gelenken
  • Hängebäckchen
  • Hüften
  • Innenschenkel
  • Knie
  • Lipome (Fettgeschwulst)
  • Oberarme
  • Oberbauch
  • Oberschenkel, innen
  • Oberer Kniebereich
  • Reiterhosen
  • Rückenrolle
  • Rückenpartie
  • Tränensäcke
  • Übergang zum Oberschenkel
  • Unterbauch
  • Unteres Gesäß
  • Wangen

Bei weniger als einem von 100 Patienten ist die Lipolyse erfolglos, da in solchen Fällen häufig bestehende Grunderkrankungen (z. B. Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), die zur Gewebsvermehrung in der Halsregion führen kann) das Erreichen des Therapieziels verhindern.

Des Weiteren ist weiches Fettgewebe leichter durch diese Therapie zu behandeln als schon verhärtetes, wie es häufiger bei älteren Patienten vorkommt. Somit ist das Risiko einer Therapieresistenz (kein Ansprechen auf die Behandlung) bei älteren Patienten wahrscheinlicher.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Allgemeinzustand und chronische Erkrankungen
    • Schwere Leberschäden: Der vermehrte Fettabbau kann die Leber überfordern und so eine Progression (Fortschreiten) der Erkrankung begünstigen.
    • Chronische Infektionskrankheiten: Tuberkulose, Malaria, AIDS etc.
    • Patienten mit einer Vorgeschichte von schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Einschließlich Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Autoimmunerkrankungen 
    • Patienten mit Autoimmunerkrankungen: Wie Pemphigus vulgaris, systemischer Lupus erythematodes (SLE) etc.
  • Blutgerinnungsstörungen
    • Patienten mit Blutgerinnungsstörungen: Einschließlich solcher, die Antikoagulanzien (Blutverdünner) einnehmen.
  • Akute und lokale Bedingungen
    • Akute oder chronische Hauterkrankungen im Behandlungsgebiet: Wie Ekzeme, Psoriasis (Schuppenflechte) oder Infektionen.
  • Spezifische Patientengruppen
    • Schwangere oder stillende Frauen: Die Sicherheit der Injektionslipolyse während Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht ausreichend belegt.
    • Kinder und Jugendliche: Die Sicherheit und Wirksamkeit der Injektionslipolyse bei Personen unter 18 Jahren sind nicht nachgewiesen.
  • Spezifische medizinische Bedingungen
    • Diabetiker mit Mikroangiopathien: Mikroangiopathien (Erkrankung der kleinen Blutgefäße) können in seltenen Fällen durch die Injektion verstärkt werden.
    • Allergien gegen Inhaltsstoffe der Injektionslösung: Eine bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Bestandteilen der verwendeten Lösung stellt eine absolute Kontraindikation dar.

Vor der Behandlung

Vor der Behandlung sollte ein intensives Anamnesegespräch durchgeführt werden, das die Krankengeschichte und die Motivation zu dem Eingriff einschließt. Die Durchführung, eventuelle Nebenwirkungen und die Folgen der Operation sollten ausführlich erörtert werden.
Beachte: Die Anforderungen der Aufklärung sind strenger als üblich, da Gerichte im Bereich der ästhetischen Chirurgie eine „schonungslose“ Aufklärung fordern.

Des Weiteren sollten Sie vor der Behandlung für die Dauer von sieben bis zehn Tagen weder Acetylsalicylsäure (ASS) noch Schlafmittel oder Alkohol zu sich nehmen. Acetylsalicylsäure (Thrombozytenaggregationshemmung) und auch andere Analgetika verzögern die Blutgerinnung.
Raucherinnen sollten vier Wochen vor der Operation beginnen, den Nikotinkonsum so stark wie möglich zu verringern, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden.

Das Verfahren

Das Prinzip der Injektionslipolyse ist die Lipolyse durch Injektion des Phospholipids Phosphatidylcholin. Bei Phosphatidylcholin handelt es sich um eine Substanz, die im Fettgewebe eine Lyse (Lösung/Auflösung) der Fettzellen bewirkt. Die Lyse der Zellen konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, sodass die Wirkung der Lipolyse in der Medizin als unumstritten gilt. Der Wirkstoff Phosphatidylcholin der Lipolyse wird aus Sojabohnen gewonnen. Um ihn allerdings injizieren zu können, bedarf es eines Lösungsmittels, welches ebenfalls oberflächenaktive Eigenschaften (Stoffgruppe, die sich an der Oberfläche von Flüssigkeiten ansammeln kann) enthält. Eine solche Substanz stellt die Desoxycholsäure (spezielle Gallensäure) dar. In dieser Verbindung kann die "Auflösung des Fettes" erreicht werden.

Zum Ablauf der Behandlung:

  • Als erster Behandlungsschritt wird eine Kühlung des zu behandelnden Körpergewebes vorgenommen, sodass sowohl eine Hypoalgesie (vermindertes Schmerzempfinden) im Einstichareal vorliegt als auch die Bildung von Hämatomen ("blauen Flecken") seltener auftritt.
  • Im Anschluss hieran wird im Bedarfsfall eine zusätzliche lokale Sprühanästhesie (Auftragen bzw. Aufsprühen einer Flüssigkeit mit betäubender Wirkung) durchgeführt.
  • Ist die Anästhesie (Betäubung) der Einstichstelle erfolgt, kann die Wirkstoffverbindung durch eine kleine Spritze 1 bis 1,5 cm unter die Haut in das subkutane Fettgewebe (Depotfett) injiziert werden. Die Menge des Wirkstoffes ist direkt abhängig von dem Volumen des zu entfernenden Fettgewebes. Allerdings besteht Uneinigkeit über die zu wählende Dosierung des Phosphatidylcholins bei diversen Experten.
  • In der Regel sind je nach Ausmaß des zu behandelnden Areals 2 bis 4 Behandlungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen notwendig. Schon nach 10 Tagen sind erste Erfolge der Therapie sichtbar.
  • Das Phosphatidylcholin bewirkt innerhalb weniger Wochen einen dauerhaften Abbau des Fettes in der unterspritzten Region. Das Fett wird dabei vom Körper auf natürlichem Wege abgebaut.

Das sich die Anwendung der Lipolyse nicht nur auf die Reduzierung von Fettpolstern beschränkt, sondern auch in der Cellulitetherapie einsetzt werden kann und sich hier der Behandlungsablauf verändert, sind die folgenden Aspekte dieser Behandlung mit der Fettwegspritze hervorzuheben:

  • Die Lipolysetherapie in der Cellulitebehandlung folgt einem 3-Stufen-Plan. Als erste Stufe ist die bereits beschriebene Lipolysebehandlung durchzuführen. Im Vergleich zur herkömmlichen Lipolysebehandlung wird zur Cellulitereduktion eine großflächigere Anwendung durchgeführt.
  • Nach einer achtwöchigen Behandlungspause ist die zweite Behandlungsstufe durchzuführen. Diese zeichnet sich durch ein besonderes Injektionsverfahren aus, bei dem in einer Tiefe von 4 bis 5 mm durch verschiedene Bewegungsmanöver die Nadel unter der Haut zu tasten ist und erst dann die Wirkstofffreigabe ins Gewebe erfolgt. Aufgrund der geringeren Tiefe im Vergleich zur subkutanen Fettreduktion wird hier eine Fetteinschmelzung oberhalb der subkutanen Schicht erreicht, sodass eine Straffung der Haut als Resultat zu erkennen ist.
  • Nach einer weiteren achtwöchigen Behandlungszeit wird in der dritten Stufe der Behandlung nur eine sehr geringe Menge Phosphatidylcholin gespritzt, um eine länger anhaltende Wirkung zu ermöglichen.

Ein weiteres Verfahren zur nichtinvasiven selektiven Reduzierung kleinerer bis mittlerer Fettdepots ist die Kryolipolyse (kosmetische Kälteanwendung zur Verminderung von Fettgewebe) mit anschließender manueller Massage. Alternativ zur Massage kann im Anschluss eine dreiminütige Stoßwellentherapie erfolgen.

Anästhesieverfahren: Lokalanästhesie (örtliche Betäubung)
Operationsdauer: 30-60 Minuten

Nach der Behandlung

Unmittelbar nach der Behandlung

  • Kühlung: Eine leichte Kühlung der behandelten Bereiche kann helfen, Schwellungen und Unbehagen zu reduzieren.
  • Vermeidung von Druck: Vermeiden Sie Druck auf die behandelten Bereiche, um Reizungen und Schwellungen zu minimieren.
  • Kein intensives Training: Vermeiden Sie intensive körperliche Aktivitäten für einige Tage nach der Behandlung.
  • Hydratation: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Abbau und Ausscheidung der gelösten Fettzellen zu unterstützen.

In den folgenden Tagen und Wochen

  • Beobachtung von Reaktionen: Achten Sie auf Anzeichen einer Infektion oder anderer ungewöhnlicher Reaktionen und kontaktieren Sie bei Bedenken Ihren Arzt.
  • Vermeidung von Sonnenexposition: Schützen Sie die behandelten Bereiche vor starker Sonneneinstrahlung, um Pigmentveränderungen zu vermeiden.
  • Regelmäßige Bewegung: Leichte bis moderate Bewegung kann die Durchblutung fördern und den Abbau der Fettzellen unterstützen.
  • Hautpflege: Halten Sie die Haut sauber und hydratisiert, vermeiden Sie jedoch aggressive Hautpflegeprodukte in den behandelten Bereichen.

Langfristige Pflege

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt das langfristige Ergebnis der Behandlung.
  • Gewichtskontrolle: Vermeiden Sie signifikante Gewichtsschwankungen, um das Behandlungsergebnis zu erhalten.
  • Folgeuntersuchungen: Bei Bedarf sind Folgebehandlungen möglich, um das Ergebnis zu optimieren.

Mögliche Komplikationen 

  • Schwellungen
  • Rötung
  • Juckreiz
  • Schmerzen
  • Kreislaufprobleme – diese treten gehäuft bei Hypotonikern – Personen mit niedrigem Blutdruck – auf
  • Brennendes Gefühl an der Einstichstelle
  • Hämatome (Bluterguss)
  • Druckempfindlichkeit
  • Zysten

Ihr Nutzen

Die Injektionslipolyse stellt ein sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren zur Reduktion kleiner und mittlerer Fettpolster in den diversen aufgeführten Körperregionen dar. Besonders der Effekt der Hautstraffung ohne den Bedarf einer Hautentfernung macht es zu einer Therapie der ersten Wahl.

Literatur

  1. Krutmann J: Hautalterung: Grundlagen – Prävention – Therapie. Springer Verlag 2008
  2. Kardoff B: Selbstzahlerleistung in der Dermatologie und der ästhetischen Medizin. Springer Verlag 2005
  3. Kardoff B: Gesunde Haut: Ratgeber von A-Z. Springer Verlag 2004