Morbus Menière – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verringerung von Häufigkeit und Schwere der Schwindelattacken sowie Linderung von Übelkeit und Erbrechen.
- Möglichst Erhalt des Hörvermögens und der vestibulären Funktion (Funktion des Gleichgewichtsorgans); Verringerung von Sturzrisiko, Alltagsbeeinträchtigung und krankheitsbedingter Belastung.
- Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung insbesondere vor einer vestibulär ablativen Behandlung. Eine gesicherte kausale oder zuverlässig hörerhaltende medikamentöse Therapie steht nicht zur Verfügung [10-13, LL1].
Therapieempfehlungen
Die Behandlung des Morbus Menière (Innenohrerkrankung mit wiederkehrendem Drehschwindel und Hörbeschwerden) erfolgt individuell nach Krankheitsaktivität, Attackenbelastung, Hörvermögen beider Ohren, vestibulärer Reserve (verbleibender Leistungsfähigkeit des Gleichgewichtsorgans) und Patientenpräferenz. Ein starres vierstufiges Behandlungsschema ist nicht sachgerecht. Die folgenden Empfehlungen beziehen sich auf Erwachsene. Vor einer dauerhaften oder invasiven Behandlung ist die Diagnose fachärztlich zu überprüfen; insbesondere eine vestibuläre Migräne (Migräne, die Schwindel verursacht) kann ähnliche Beschwerden verursachen [LL1].
Akutbehandlung einer Schwindelattacke
- Vestibulär suppressive Arzneimittel und Antiemetika, beispielsweise Dimenhydrinat, ausschließlich kurzzeitig während belastender Attacken einsetzen. Die Dauer auf die akute Symptomphase begrenzen; eine regelmäßige Einnahme im beschwerdearmen Intervall verhindert keine Progression und kann die zentrale vestibuläre Kompensation (Anpassung des Gehirns an eine Störung des Gleichgewichtsorgans) beeinträchtigen [LL1, FI1].
- Bei ausgeprägtem Erbrechen die geeignete Darreichungsform wählen. Bei fehlender Flüssigkeitsaufnahme, Exsikkose (Flüssigkeitsmangel) oder Kreislaufproblemen sind ärztliche Behandlung und gegebenenfalls parenteraler Flüssigkeitsersatz erforderlich.
- Unter sedierenden Arzneimitteln kein Fahrzeug führen und keine gefährlichen Maschinen bedienen. Alkohol und zusätzliche zentral dämpfende Arzneimittel erhöhen die Risiken [FI1].
Intervalltherapie und Verlaufskontrolle
- Betahistin kann als individueller Therapieversuch angeboten werden; eine gesicherte Überlegenheit gegenüber Placebo besteht nicht. Die BEMED-Studie zeigte weder für 48 mg noch für 144 mg Betahistindihydrochlorid täglich einen Vorteil hinsichtlich der Attackenhäufigkeit. Die systematische Evidenz ist überwiegend von niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit. Betahistin deshalb nicht als nachweislich wirksames „Mittel der ersten Wahl“ bezeichnen und eine Hochdosisbehandlung nicht routinemäßig empfehlen [2, 10].
- Diuretika können nach Aufklärung über die unsichere Wirksamkeit erwogen werden. Ein verlässlicher Nutzen für Attackenkontrolle oder Hörerhalt ist nicht belegt. Ältere überwiegend unkontrollierte Studien begründen keinen gesicherten Therapieeffekt. Auswahl und Fortführung nach individueller Verträglichkeit, Begleiterkrankungen und dokumentiertem Verlauf; bei Morbus Menière in Deutschland in der Regel Off-Label-Anwendung [1, 10, LL1, FI3].
- Vor Beginn eines Therapieversuchs Attackenhäufigkeit, Attackenschwere, Hörvermögen und Beeinträchtigung dokumentieren. Eine zeitlich vereinbarte Verlaufskontrolle mit Attackentagebuch und Audiometrie ermöglicht die Entscheidung über Fortführung, Änderung oder Beendigung. Spontane Schwankungen und Remissionen (Zeiten, in denen die Beschwerden nachlassen) erschweren die Zuordnung einer Besserung zum Arzneimittel [2, 10].
- Über mögliche individuelle Auslöser und einen regelmäßigen Tagesablauf beraten. Eine mäßige Anpassung des Salzkonsums kann besprochen werden; eine strikte Salz- oder Flüssigkeitsrestriktion ist keine gesichert wirksame Standardtherapie. Eine zusätzliche Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme unter Diuretika kann unerwünschte Wirkungen begünstigen [LL1, FI3].
Intratympanale Behandlung bei weiterhin aktiver Erkrankung
- Intratympanale Glukokortikoide: Dexamethason oder Methylprednisolon können bei fortbestehenden belastenden Attacken trotz nichtinvasiver Behandlung angeboten werden. Sie sind eine nichtablative Option, insbesondere wenn der Erhalt nutzbaren Gehörs wichtig ist. Eine zuverlässige Wiederherstellung der Innenohrfunktion oder Verhinderung weiterer Hörverluste ist nicht nachgewiesen [3, 7-9, 11, LL1].
- Einordnung vor Gentamicin: Bei nutzbarem Gehör wird wegen des günstigeren ototoxischen (für das Innenohr schädlichen) Risikoprofils in der Regel zunächst ein intratympanaler Glukokortikoidversuch erwogen. Bei beidseitiger Erkrankung, einem einzigen hörenden Ohr oder eingeschränkter Funktion des Gegenohres sind hör- und funktionserhaltende Strategien besonders wichtig. Die Reihenfolge bleibt eine gemeinsame Entscheidung; nicht jeder Patient muss jedes orale Arzneimittel und jedes lokale Schema durchlaufen [7, LL1].
- Intratympanales Gentamicin: Bei weiterhin aktiver, erheblich belastender Erkrankung nach unzureichendem Ansprechen auf nichtablative Maßnahmen anbieten beziehungsweise an ein spezialisiertes Zentrum überweisen. Gentamicin wirkt durch Schädigung vestibulärer Sinneszellen und ist eine chemisch ablative Behandlung. Es ist kein gleichwertig hörschonender Ersatz für Glukokortikoide [7, 12, LL1].
- Vor Gentamicin ausdrücklich aufklären: bleibende Hörverschlechterung bis zur Ertaubung, anhaltende vestibuläre Unterfunktion (verminderte Funktion des Gleichgewichtsorgans), chronische Gangunsicherheit und möglicher Rehabilitationsbedarf. Ein erhaltenes Restgehör schließt Gentamicin nicht grundsätzlich aus, erhöht aber das Gewicht der Hörgefährdung. Bei beidseitiger Erkrankung oder eingeschränkter vestibulärer Funktion des Gegenohres besteht ein besonders ungünstiges Risikoprofil [7, LL1].
- Vor und nach lokalen Behandlungen Hörvermögen und klinischen Verlauf kontrollieren; vor ablativer Behandlung zusätzlich die vestibuläre Funktion beider Seiten beurteilen. Wiederholungen nach Wirkung und Nebenwirkungen statt nach einem starren Injektionsplan [7, LL1].
Evidenz zu lokalen Behandlungen
- In einer randomisierten Vergleichsstudie mit 60 Patienten mit therapierefraktärem unilateralem (einseitigem) Morbus Menière nahm die Attackenhäufigkeit unter Methylprednisolon und Gentamicin über 2 Jahre deutlich ab; ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen wurde nicht gezeigt. Wegen fehlender Placebogruppe und begrenzter Stichprobe beweist dies weder eine sichere Gleichwertigkeit noch eine verlässliche Hörschutzwirkung [3].
- Die Cochrane-Reviews von 2023 bewerten die placebokontrollierte Evidenz für intratympanale Glukokortikoide und Gentamicin als niedrig beziehungsweise sehr niedrig sicher. Dies ist von der leitliniengestützten klinischen Option beziehungsweise Empfehlung zu unterscheiden. Fehlende belastbare Nebenwirkungsdaten in kleinen Studien widerlegen das bekannte ototoxische Risiko von Gentamicin nicht [11, 12, LL1].
- Vergleichende Metaanalysen und ein Umbrella-Review von 2026 sprechen für eine Schwindelkontrolle insbesondere unter Gentamicin bei ungünstigerem Hörschädigungsrisiko. Unterschiedliche Schemata und häufig geringe Studienqualität begrenzen pauschale Aussagen zu Überlegenheit und Erfolgswahrscheinlichkeit [8, 13].
Weitere Maßnahmen und Abgrenzungen
- Mittelohr-Überdrucktherapie: nicht als regelhafte Behandlungsstufe einsetzen; die AAO-HNSF-Leitlinie empfiehlt, sie bei Morbus Menière nicht zu verordnen [LL1].
- Operative Verfahren: bei therapierefraktären Beschwerden individuelle Beratung im spezialisierten Zentrum; Saccotomie und ablative Operationen bilden keine verpflichtenden aufeinanderfolgenden Stufen. Eine vestibuläre Neurektomie ist von einer Durchtrennung des gesamten Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnervs) zu unterscheiden. Eine Labyrinthektomie kommt insbesondere bei nicht mehr nutzbarem Gehör nach Versagen weniger definitiver Maßnahmen infrage; siehe „Operative Therapie“ [7, LL1].
- Bei chronischer Gleichgewichtsstörung vestibuläre Rehabilitation anbieten; diese dient nicht der Behandlung einer akuten Menière-Attacke. Bei bleibender Schwerhörigkeit über Hörrehabilitation beraten [LL1].
- Systemische Glukokortikoide, Acetazolamid, Chlortalidon, Sulpirid sowie Mannitol oder Glycerol werden nicht als regelhafte medikamentöse Standardtherapie aufgenommen. Für einen routinemäßigen Einsatz bei Morbus Menière fehlt ein belastbarer Nutzenbeleg; individuelle Sonderindikationen sind gesondert zu begründen [10].
Wirkstoffe (Hauptindikationen)
Die Dosierungen gelten für Erwachsene. Präparatespezifische Fachinformationen, Begleiterkrankungen und Wechselwirkungen beachten. Für intratympanale Anwendungen bestehen keine einheitlichen, allgemein verbindlichen Dosierungsschemata; die genannten Schemata sind fachärztliche Beispiele, keine Anleitung zur Selbstbehandlung.
H1-Antihistaminika: symptomatische Akutbehandlung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dimenhydrinat | Nur während belastender Attacken. Bei Erbrechen alternative Darreichungsform nach deren eigener Fachinformation wählen; Dosierungen nicht ungeprüft zwischen Präparaten übertragen. Bei älteren Menschen erhöhtes Risiko für Stürze und anticholinerge Nebenwirkungen [FI1]. |
- Wirkweise: zentrale H1-Rezeptorblockade mit anticholinergen, antiemetischen und vestibulär suppressiven Effekten.
- Indikation: kurzzeitige Linderung von Übelkeit, Erbrechen und belastendem Schwindel im Anfall; keine krankheitsmodifizierende Intervalltherapie [LL1, FI1].
- Kontraindikationen: unter anderem Überempfindlichkeit, akuter Asthmaanfall, Engwinkelglaukom (Augenerkrankung durch erhöhten Augeninnendruck bei verengtem Abfluss), Phäochromozytom (seltener hormonbildender Tumor, meist in der Nebenniere), Prostatahyperplasie mit Restharnbildung (vergrößerte Prostata, durch die nach dem Wasserlassen Urin in der Blase zurückbleibt), Krampfanfälle und bestimmte Herzrhythmusstörungen; weitere Gegenanzeigen der Fachinformation beachten. Nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern anwenden. Bei QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen sowie Leber- oder Nierenfunktionsstörungen besondere Vorsicht [FI1].
- Nebenwirkungen: insbesondere Schläfrigkeit, Benommenheit, Mundtrockenheit, Sehstörungen, Obstipation (Verstopfung) und Harnverhalt (Unfähigkeit, die Blase zu entleeren); außerdem Verwirrtheit, paradoxe Erregung und Herzrhythmusstörungen möglich. Bei längerem Gebrauch Toleranz- und Abhängigkeitsrisiko [FI1].
Histaminanalogon: fakultative Intervalltherapie
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Betahistin | Unsichere Wirksamkeit; kein gesicherter Hörerhalt. Salzform beachten: Milligrammangaben für Dihydrochlorid und Dimesilat sind nicht gleichzusetzen. Keine routinemäßige Eskalation auf nicht zugelassene Hochdosen [2, 10, FI2]. |
- Wirkweise: partieller H1-Rezeptoragonist und H3-Rezeptorantagonist; aus pharmakologischen Wirkungen lässt sich kein gesicherter klinischer Nutzen ableiten [FI2].
- Indikation: zugelassene Behandlung von Schwindelzuständen im Rahmen des Menière-Symptomenkomplexes; nach Aufklärung optionaler individueller Therapieversuch [LL1, FI2].
- Kontraindikationen: Phäochromozytom und Überempfindlichkeit. Asthma bronchiale und peptische Ulzera (Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm) sind beim hier zugrunde gelegten Präparat Vorsichtsmaßnahmen mit Überwachungsbedarf, keine pauschalen absoluten Gegenanzeigen. Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach präparatespezifischer Bewertung; unter 18 Jahren mangels ausreichender Daten nicht empfohlen [FI2].
- Nebenwirkungen: insbesondere Kopfschmerzen, Übelkeit und Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden); Überempfindlichkeitsreaktionen möglich. Antihistaminika können die Wirkung theoretisch abschwächen; MAO-Hemmer können den Abbau vermindern [FI2].
Thiaziddiuretika mit kaliumsparendem Diuretikum: fakultative Intervalltherapie
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Hydrochlorothiazid, gegebenenfalls kombiniert mit Triamteren | Off-Label-Anwendung bei Morbus Menière; Nutzen ungewiss. Vor Beginn und im Verlauf Blutdruck, Nierenfunktion und Elektrolyte kontrollieren. Dosisanpassung nach Nierenfunktion und Fachinformation [1, 10, FI3]. |
- Wirkweise: Hydrochlorothiazid hemmt den Natrium-Chlorid-Kotransporter im distalen Tubulus; Triamteren hemmt epitheliale Natriumkanäle und vermindert die Kaliumausscheidung. Eine klinisch relevante Besserung des endolymphatischen Hydrops (Flüssigkeitsansammlung im Innenohr) ist damit nicht zuverlässig belegt.
- Indikation: ausgewählter, kontrollierter Therapieversuch zur Attackenprophylaxe nach gemeinsamer Entscheidung; keine obligate Vorstufe intratympanaler Therapie [10, LL1].
- Kontraindikationen: bei der Kombination unter anderem schwere Nierenfunktionsstörung mit Kreatinin-Clearance < 30 ml/min, Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumgehalt im Blut), schwere Hyponatriämie (zu niedriger Natriumgehalt im Blut), therapierefraktäre Hypokaliämie (zu niedriger Kaliumgehalt im Blut), Hypovolämie (vermindertes Blutvolumen im Kreislauf), schwere Leberfunktionsstörung mit Bewusstseinsstörung, Gicht, Schwangerschaft und Stillzeit sowie relevante Überempfindlichkeit. Präparatespezifische Gegenanzeigen beachten [FI3].
- Nebenwirkungen: Hypotonie (niedriger Blutdruck), Exsikkose, Hyponatriämie, Hypokaliämie unter Hydrochlorothiazid beziehungsweise Hyperkaliämie unter Triamteren, Hypomagnesiämie (zu niedriger Magnesiumgehalt im Blut), Hyperurikämie (zu hoher Harnsäuregehalt im Blut) und Nierenfunktionsverschlechterung. Unter langfristiger Hydrochlorothiazid-Anwendung erhöhtes Risiko für nichtmelanozytären Hautkrebs (weißen Hautkrebs); Sonnenschutz und Hautbeobachtung besprechen. Vorsicht bei zusätzlicher Kaliumzufuhr und weiteren kaliumsteigernden Arzneimitteln [FI3].
Glukokortikoide: intratympanale nichtablative Behandlung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dexamethason | Off-Label-Anwendung. Konzentration, Injektionszahl und Abstände sind nicht einheitlich standardisiert; höhere Konzentrationen sind nicht gesichert überlegen [7, 11, LL1]. |
| Methylprednisolon | Off-Label-Anwendung. Auswahl einer geeigneten Zubereitung durch das behandelnde Zentrum; kein gesicherter Wirksamkeitsvorteil gegenüber Dexamethason [3, 7, LL1]. |
- Wirkweise: lokale glukokortikoide Rezeptorwirkung; antientzündliche und weitere Effekte im Innenohr werden angenommen. Keine beabsichtigte Zerstörung des Gleichgewichtsorgans.
- Indikation: aktive Erkrankung mit anhaltenden belastenden Attacken trotz nichtinvasiver Maßnahmen; insbesondere bei Wunsch nach einer nichtablativen Behandlung mit geringerem Hörschädigungsrisiko als Gentamicin [LL1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile; lokale Infektionen und weitere Risiken des Trommelfelleingriffs sind vorab zu beurteilen. Die intratympanale Eignung lässt sich nicht allein aus der Zulassung einer Injektionslösung für andere Applikationswege ableiten.
- Nebenwirkungen: Ohrschmerzen, vorübergehender Schwindel, Otitis media (Mittelohrentzündung) und persistierende Trommelfellperforation (dauerhaftes Loch im Trommelfell); systemische Glukokortikoidwirkungen sind gegenüber systemischer Gabe geringer, aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Keine typische aminoglykosidbedingte Cochleo- oder Vestibulotoxizität (Schädigung des Hör- oder Gleichgewichtsorgans); dennoch keine Garantie für Hörerhalt [7, 11].
Aminoglykoside: intratympanale chemisch ablative Behandlung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Gentamicin | Off-Label-Anwendung ausschließlich durch erfahrene Fachärzte. Dosis, Volumen und Wiederholung individuell festlegen. Keine pauschale Vorgabe von 12 mg pro Sitzung und keine unkritische Gabe von 1-2 ml. Auch niedrige Dosierungen schließen bleibende Hörschäden nicht aus [7, 12, LL1]. |
- Wirkweise: vestibulotoxische Schädigung der Sinneszellen des behandelten Innenohres zur Verminderung der Attacken; zugleich cochleotoxisches Potenzial. Die Behandlung ist keine operative Neurektomie.
- Indikation: therapierefraktäre aktive Erkrankung nach unzureichender nichtablativer Behandlung und sorgfältiger Abwägung von Attackenkontrolle, Restgehör und Gleichgewichtsfunktion [LL1].
- Kontraindikationen: Aminoglykosidüberempfindlichkeit. Beidseitige vestibuläre Funktionsstörung, eingeschränkte Funktion des Gegenohres oder Behandlung des einzigen hörenden Ohres sprechen gegen ein routinemäßiges Vorgehen und erfordern eine besonders strenge spezialisierte Einzelfallentscheidung. Schwangerschaft und weitere arzneimittelbezogene Risiken berücksichtigen [7, LL1].
- Nebenwirkungen: irreversible sensorineurale Hörverschlechterung (Hörverschlechterung durch eine Störung im Innenohr oder Hörnerv) bis zur Ertaubung, vestibuläre Unterfunktion, anhaltender Schwankschwindel, Gangunsicherheit und Oszillopsien (Eindruck, dass die Umgebung wackelt oder springt); zusätzlich lokale Eingriffsrisiken wie Schmerzen, Infektion und Trommelfellperforation. Bei persistierender Gleichgewichtsstörung vestibuläre Rehabilitation veranlassen [7, LL1].
Weitere Hinweise
- Die VIRTUOSO-Beobachtungsstudie sowie ältere Betahistin-Metaanalysen bleiben als Literatur erhalten, sind aber wegen fehlender Kontrollgruppe beziehungsweise gemischter Schwindelursachen und eingeschränkter Studienqualität kein Beleg einer gesicherten Wirksamkeit bei eindeutig diagnostiziertem Morbus Menière [4-6, 10].
- Die Studie zu Dexamethason gegenüber intratympanalem Lidocain begründet keine Aufnahme von Lidocain in die Standardtherapie. Sie ersetzt keinen belastbaren placebokontrollierten Wirksamkeitsnachweis [9, 11].
Red Flags (Warnzeichen bei Morbus Menière)
- Neu aufgetretener Schwindel mit Doppelbildern, Dysarthrie (undeutlicher oder erschwerter Aussprache), Lähmung, Gefühlsstörung, ausgeprägter Stand- oder Gangunfähigkeit oder neuem starkem Kopfschmerz: umgehende Notfallabklärung einer zentralen Ursache (Ursache im Gehirn oder zentralen Nervensystem); nicht automatisch als Menière-Attacke behandeln.
- Plötzlicher zusätzlicher Hörverlust, insbesondere am einzigen hörenden Ohr: dringliche HNO-ärztliche Beurteilung.
- Wiederholte Stürze, Bewusstseinsverlust oder anhaltendes Erbrechen mit Exsikkose: zeitnahe beziehungsweise notfallmäßige Abklärung.
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für den Energiestoffwechsel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), L-Carnitin)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- AAO-HNSF: American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery Foundation; US-amerikanische Fachgesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- CoQ10: Coenzym Q10.
- FI: Fachinformation.
- H1: Histaminrezeptor vom Typ 1.
- H3: Histaminrezeptor vom Typ 3.
- HCT: Hydrochlorothiazid.
- HNO: Hals-Nasen-Ohren.
- IT: intratympanal.
- LL: Leitlinie.
- MAO: Monoaminoxidase.
- QT: Bezeichnung eines Zeitabschnitts der elektrischen Herzaktion zwischen der Q-Zacke und dem Ende der T-Welle.
- S2k: Leitlinienklasse mit strukturierter Konsensfindung.
Literatur
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- Adrion C et al.: Efficacy and safety of betahistine treatment in patients with Meniere's disease: primary results of a long term, multicentre, double blind, randomised, placebo controlled, dose defining trial (BEMED trial). BMJ. 2016;352:h6816. doi: 10.1136/bmj.h6816.
- Patel M et al.: Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Ménière's disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial. Lancet. 2016;388(10061):2753-2762. doi: 10.1016/S0140-6736(16)31461-1.
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- Chun WB et al.: Intervention Outcomes for Meniere's Disease: An Umbrella Review. Laryngoscope. 2026; online 8. Juli. doi: 10.1002/lary.70736.
Leitlinien
- Basura GJ et al.: Clinical Practice Guideline: Ménière's Disease. American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery Foundation. Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;162(2 Suppl):S1-S55. doi: 10.1177/0194599820909438 [LL1]
- S2k-Leitlinie: Vestibuläre Funktionsstörungen. (AWMF-Registernummer: 017 - 078), März 2021, Version 1.0. Langfassung. Gültigkeit im März 2026 abgelaufen; Überarbeitung angemeldet. Historische Referenz, keine aktuelle Leitlinienfassung [LL2]
Fachinformationen
- Klinge Pharma GmbH: Vomex A Dragees, 50 mg Dimenhydrinat. Fachinformation, Stand Dezember 2020; ergänzend Vomex A Suppositorien, Fachinformation, Stand Februar 2025 [FI1]
- Viatris Healthcare GmbH: Vasomotal 24 mg, Betahistindihydrochlorid. Fachinformation, Stand März 2026 [FI2]
- ALIUD PHARMA GmbH: Triamteren/HCT AL, 50 mg/25 mg. Fachinformation, Stand November 2021 [FI3]