Morbus Menière – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Morbus Menière mitbedingt sein können:

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Am betroffenen Ohr:
    • Chronischer Tinnitus (Ohrgeräusche) [1, 3]
    • Fluktuierender, im Verlauf häufig progredienter sensorineuraler Hörverlust (Schallempfindungsschwerhörigkeit); langfristig teils bleibende, auch höhergradige Hörminderung [1, 3]
    • Vestibuläre Hypofunktion (verminderte Funktion des Gleichgewichtsorgans) bis zum weitgehenden Funktionsverlust des Gleichgewichtsorgans im Spätverlauf [3]
  • Bilaterale Beteiligung:
    • Das Risiko einer bilateralen Manifestation (Auftreten an beiden Ohren) ist klinisch relevant; in der aktuellen systematischen Übersichtsarbeit/Metaanalyse zeigte sich eine substanzielle Langzeit-Konversionsrate [4]
    • Übergang von initial unilateralem (einseitigem) zu bilateralem Morbus Menière im Langzeitverlauf möglich [1, 4]
  • Verlauf:
    • Im Langzeitverlauf nimmt die Häufigkeit der klassischen Schwindelattacken (Drehschwindelanfälle) bei vielen Betroffenen ab [3]
    • Residuelle Hörstörung und chronische vestibuläre Beschwerden (anhaltende Gleichgewichtsbeschwerden) können trotz Rückgang der Attacken fortbestehen [3]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen bzw. ausgeprägte Erwartungsangst (Angst vor erneuten Anfällen) vor erneuten Anfällen sind gehäuft [3]
  • Depressive Symptome bzw. depressive Störungen (Niedergeschlagenheit/Depression) treten gehäuft auf und tragen wesentlich zur Minderung der Lebensqualität bei [3]
  • Kognitive Einschränkungen (Beeinträchtigung von Denken und Konzentration) sind möglich, insbesondere Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen; diese sollten derzeit als mögliche Begleit-/Folgeerscheinung und nicht als obligate Kernkomplikation gewertet werden [3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Gangunsicherheit (unsicherer Gang), insbesondere zwischen Attacken oder bei fortgeschrittener vestibulärer Schädigung (Schädigung des Gleichgewichtsorgans) [3]
  • Fatigue (anhaltende Erschöpfung) bzw. anhaltende Erschöpfung im chronischen Verlauf [3]
  • Persistierender Schwindel bzw. Dauerschwankschwindel (anhaltendes Schwindelgefühl) zwischen den Attacken bei einem Teil der Betroffenen [3]
  • Übelkeit und Erbrechen während akuter Attacken [1]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Sturzbedingte Verletzungen (Verletzungen durch Hinfallen) im Rahmen von Schwindelattacken oder vestibulären Drop-Attacken (plötzliche Sturzanfälle ohne Bewusstseinsverlust) [1, 3]

Weiteres

  • Berufliche Einschränkungen bei Tätigkeiten mit Absturz-, Fahr- oder Maschinenrisiko [1]
  • Deutlich verminderte Lebensqualität (allgemeines Wohlbefinden), körperlich wie psychosozial [1, 3]
  • Einschränkung der Fahreignung bei unvorhersehbaren Attacken bzw. unzureichend kontrollierter Symptomatik [1]

Prognosefaktoren

  • Bilaterale Beteiligung (beidseitiges Auftreten) – ungünstiger Langzeitfaktor für Hör- und Gleichgewichtsfunktion [4]
  • Früher Erkrankungsbeginn – in neueren Langzeitdaten mit höherem Risiko der bilateralen Ausbreitung (Ausbreitung auf beide Ohren) assoziiert [3, 4]
  • Hörverlust (vermindertes Hörvermögen) – stärkere Hörminderung ist mit reduzierter Lebensqualität assoziiert [3]
  • Konstanter Schwindel statt rein episodischer Attacken – mit stärkerer Alltagsbeeinträchtigung sowie kognitiven und psychosozialen Beschwerden (Beeinträchtigungen von Denken und sozialem Leben) assoziiert [3]
  • Vestibuläre Drop-Attacken (plötzliche Sturzanfälle ohne Bewusstseinsverlust) – Marker eines komplizierteren Verlaufs und klinisch relevant wegen des Sturzrisikos [3]

Literatur

  1. Basura GJ, Adams ME, Monfared A, Schwartz SR, Antonelli PJ, Burkard R et al.: Clinical Practice Guideline: Ménière’s Disease. Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;162(2_suppl):S1-S55. https://doi.org/10.1177/0194599820909438
  2. van Esch BF, van der Zaag-Loonen HJ, Bruintjes T, Kuijpers T, van Benthem PPG. Interventions for Ménière’s disease: an umbrella systematic review. BMJ Evid Based Med. 2022;27(4):235-245. https://doi.org/10.1136/bmjebm-2020-111410
  3. Pyykkö I, Zou J, Vetkas N. Changes in symptom pattern in Meniere’s disease by duration: the need for comprehensive management. Front Neurol. 2024;15:1496384. https://doi.org/10.3389/fneur.2024.1496384
  4. Hudson TJ, Tan LSH, Phillips V, Muzaffar J, Bance M. Long-Term Risk of Progression From Unilateral to Bilateral Ménière’s Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. Otol Neurotol. 2025;46(5):485-493. https://doi.org/10.1097/MAO.0000000000004491