Übermäßiger Durst (Polydipsie) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung von Allgemeinzustand, Vigilanz (Wachheitsgrad) und Hydratationsstatus (Flüssigkeitszustand des Körpers)
- Inspektion von Haut und Schleimhäuten sowie Prüfung des Hautturgors (Hautspannung) [trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor bzw. stehende Hautfalten bei Exsikkose (Austrocknung) infolge unzureichend kompensierter Wasserverluste]
- Prüfung der Kreislaufregulation im Liegen und Stehen [orthostatischer Blutdruckabfall (Blutdruckabfall beim Aufstehen) bzw. Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) bei Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel im Kreislauf)]
- Vergleich des Körpergewichts mit Vorwerten, insbesondere bei Verdacht auf primäre Polydipsie (krankhaft gesteigertes Trinken ohne primär gesteigerten Wasserverlust) [rasche Gewichtszunahme innerhalb weniger Stunden bei ausgeprägter Wasseraufnahme mit Wasserretention (Wassereinlagerung)]
- Bei Kindern zusätzlich Beurteilung von Wachstum und Gedeihen [Gedeih- bzw. Wachstumsstörung bei chronischem Polyurie-Polydipsie-Syndrom (Krankheitsbild mit vermehrtem Wasserlassen und gesteigertem Trinken), insbesondere bei angeborener Arginin-Vasopressin-Resistenz (fehlender Wirkung des Wasserhaushaltshormons)]
- Inspektion der Mundhöhle und Speicheldrüsen – Beurteilung von Mundschleimhaut, Zunge und Speichelsekretion zum Nachweis einer Xerostomie (Mundtrockenheit) als möglichem Auslöser einer gesteigerten Flüssigkeitsaufnahme
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – orientierende Untersuchung einschließlich Bewusstseinslage, Hirnnerven (Nerven des Gehirns), Motorik (Bewegungsfunktion), Koordination (Bewegungsabstimmung) und konfrontativer Gesichtsfeldprüfung (orientierender Prüfung des Sehbereichs)
- Gezielte Suche nach Gesichtsfeldausfällen (Ausfällen im Sehbereich), Augenmuskelparesen (Lähmungen der Augenmuskeln) bzw. anderen fokal-neurologischen Defiziten (umschriebenen Ausfällen des Nervensystems) als Hinweis auf eine hypothalamisch-hypophysäre (Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse betreffende) bzw. intrakranielle (innerhalb des Schädels gelegene) Grunderkrankung
- Beurteilung auf neurologische Manifestationen (Erscheinungen des Nervensystems) einer schweren Dysnatriämie (Störung des Natriumgehalts im Blut), insbesondere Verwirrtheit, Somnolenz (ausgeprägte Schläfrigkeit), Krampfanfälle bzw. Koma (tiefe Bewusstlosigkeit)
- Endokrinologische Untersuchung (Untersuchung des Hormonsystems) – gezielte Suche nach klinischen Hinweisen auf eine zugrunde liegende endokrine (hormonelle) bzw. hypothalamisch-hypophysäre Erkrankung
- Beurteilung von Haut, Behaarung und Habitus (körperlichem Erscheinungsbild) sowie Inspektion und Palpation (Abtasten) der Schilddrüse
- Suche nach klinischen Zeichen einer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Unterfunktion des Vorderlappens der Hirnanhangsdrüse) bei Verdacht auf eine strukturelle hypothalamisch-hypophysäre Erkrankung mit Arginin-Vasopressin-Mangel (Mangel des Wasserhaushaltshormons)
- Psychischer Befund (Beurteilung des seelischen Zustands) – Beurteilung von Orientierung, Antrieb, Affekt (Gefühlslage) sowie formalen und inhaltlichen Denkstörungen (Störungen des Denkablaufs bzw. der Denkinhalte) und Beobachtung des Trinkverhaltens
- [wiederholtes, auffälliges bzw. zwanghaftes Trinken während der Untersuchung bei primärer/psychogener Polydipsie (seelisch bedingtem übermäßigem Trinken)]
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.