Harntransportstörung/Harnstau (Obstruktive Uropathie und Refluxuropathie) – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Angeborene Ureterozele (Aussackung des Harnleiterendes) – kann den ipsilateralen Harnabfluss behindern und mit einer Doppelanlage des oberen Harntrakts assoziiert sein
- Angeborene Ureterstenose (angeborene Harnleiterverengung) – einschließlich Stenose des ureteropelvinen Übergangs (Verengung am Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter); wichtige Ursache einer angeborenen Hydronephrose (Nierenstauung)
- Angeborener Megaureter (angeboren erweiterter Harnleiter) – insbesondere der primär obstruktive Megaureter kann eine Hydroureteronephrose (Erweiterung von Harnleiter und Nierenbecken durch Harnstau) verursachen
- Hintere Harnröhrenklappen (angeborene Schleimhautfalten der hinteren Harnröhre) – relevante angeborene infravesikale Obstruktion (Abflussbehinderung unterhalb der Harnblase) bei Jungen mit möglicher bilateraler Hydroureteronephrose
- Spina bifida (offener Rücken) – kann über eine neurogene Blasenfunktionsstörung (nervenbedingte Blasenfunktionsstörung) zu sekundärem vesikoureteralem Reflux (Rückfluss von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter) und Schädigung des oberen Harntrakts führen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – autonome Neuropathie (Schädigung unwillkürlicher Nerven) kann eine diabetische Zystopathie (diabetesbedingte Blasenfunktionsstörung) mit Restharn (in der Harnblase verbleibender Urin), Harnverhalt (Unfähigkeit zur Blasenentleerung) und sekundärer Harnstauung verursachen
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Urogenitaltuberkulose (Tuberkulose der Harn- und Geschlechtsorgane) – bei entsprechender Epidemiologie mögliche Ursache multipler Ureterstrikturen (Harnleiterverengungen) mit Hydronephrose
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Retroperitonealfibrose (Bindegewebsvermehrung hinter dem Bauchfell) (Morbus Ormond) – kann durch Ummauerung und Kompression der Ureteren eine meist beidseitige obstruktive Uropathie (Harnwegsschädigung durch Abflussbehinderung) verursachen
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Gynäkologische Malignome (bösartige Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane) – insbesondere Zervix-, Endometrium- und Ovarialkarzinome können durch Infiltration oder extrinsische Kompression eine Ureterobstruktion (Harnleiterverlegung) verursachen
- Kolorektales Karzinom (Dick- und Enddarmkrebs) – fortgeschrittene pelvine Tumoren können die Ureteren infiltrieren oder komprimieren
- Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) – retroperitoneale oder pelvine Lymphadenopathie (Vergrößerung von Lymphknoten) kann eine ein- oder beidseitige Ureterobstruktion verursachen
- Prostatakarzinom (Prostatakrebs) – lokal fortgeschrittene Tumoren können eine infravesikale oder distale ureterale Obstruktion verursachen
- Urothelkarzinom (Krebs der Harnwegsschleimhaut) – Tumoren des Nierenbeckens, Ureters oder der Harnblase können den Harnabfluss intraluminal oder infiltrativ behindern
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Schwangerschaftsbedingte Hydronephrose (schwangerschaftsbedingte Nierenstauung) – physiologische Dilatation des oberen Harntrakts, meist rechtsbetont; wichtige Abgrenzung gegenüber einer pathologischen mechanischen Obstruktion
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Makrohämaturie (sichtbares Blut im Urin) mit Koagelobstruktion (Abflussbehinderung durch Blutgerinnsel) – Blutkoagel können insbesondere im Nierenbecken, Ureter oder Blasenauslass eine akute Harnabflussstörung verursachen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Beckenorganprolaps (Senkung von Beckenorganen) – ausgeprägte Formen können durch Abknickung oder Kompression der Ureteren eine Hydronephrose verursachen
- Benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) (BPH) – häufige Ursache einer infravesikalen Obstruktion mit Restharn, Harnverhalt und gegebenenfalls bilateraler Harnstauung
- Endometriose des Ureters (Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe am Harnleiter) – intrinsische oder extrinsische Ureterbeteiligung kann eine häufig klinisch stumme Hydroureteronephrose verursachen
- Harnröhrenstriktur (Harnröhrenverengung) – mechanische infravesikale Obstruktion mit möglichem Harnverhalt und sekundärer Dilatation des oberen Harntrakts
- Neuromuskuläre Dysfunktion der Harnblase (nerven- und muskelbedingte Blasenfunktionsstörung) (neurogene Blase) – hohe Speicherdrücke, Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (gestörtes Zusammenspiel von Blasenmuskel und Schließmuskel) oder unvollständige Entleerung können vesikoureteralen Reflux und eine Schädigung des oberen Harntrakts verursachen
- Postprozedurale Ureterobstruktion (Harnleiterverlegung nach medizinischem Eingriff) – insbesondere nach Becken-, gynäkologischen oder urologischen Eingriffen durch Ligatur, Abknickung, Ischämie oder nachfolgende Striktur
- Urolithiasis (Harnsteinleiden) – Nieren- und insbesondere Uretersteine (Harnleitersteine) sind eine häufige Ursache einer akuten oder intermittierenden obstruktiven Uropathie
- Ureterstriktur, erworben (erworbene Harnleiterverengung) – insbesondere postoperativ, postentzündlich oder postradiogen; mögliche Ursache einer ein- oder beidseitigen Hydronephrose
Medikamente
- Arzneimittelinduzierter Harnverhalt (durch Medikamente ausgelöste Unfähigkeit zur Blasenentleerung) – insbesondere durch anticholinergisch wirksame Arzneimittel, Opioide oder α-Sympathomimetika; kann bei prädisponierten Patienten zu sekundärer Harnstauung führen
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