Grüner Tee

Grüner Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt. Als ungesüßtes Getränk ist er nahezu energiefrei und liefert vor allem Polyphenole, Koffein und die Aminosäure L-Theanin. Regelmäßiger Grünteekonsum kann Bestandteil einer gesundheitsfördernden Ernährungsweise sein. Die in klinischen Studien nachweisbaren Effekte sind jedoch überwiegend gering und rechtfertigen weder die Einstufung als Arzneimittel noch den Ersatz etablierter Präventions- oder Therapiemaßnahmen.

Bei der Interpretation der Studien muss konsequent zwischen traditionell aufgebrühtem Grüntee und konzentrierten Grünteeextrakten unterschieden werden. Zahlreiche Interventionsstudien wurden mit Extrakten oder isolierten Catechinen durchgeführt. Deren Dosierung, Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung eines Wirkstoffs im Körper) und Sicherheitsprofil sind nicht unmittelbar auf das Getränk übertragbar.

Herstellung und Abgrenzung zu anderen Teesorten

Grüner, schwarzer, weißer und Oolong-Tee stammen grundsätzlich von derselben Pflanzenart. Unterschiede ergeben sich insbesondere aus Pflanzensorte, Anbaubedingungen, Erntezeit und Verarbeitung.

Nach der Ernte werden die Blätter für Grüntee durch Dämpfen oder Erhitzen thermisch stabilisiert. Dadurch werden pflanzeneigene Enzyme weitgehend inaktiviert und die enzymatische Oxidation der Catechine begrenzt. Anschließend werden die Blätter gerollt und getrocknet. Eine ältere deutschsprachige Übersicht beschreibt traditionelle Verarbeitungs- und Zubereitungsformen [1].

Bei schwarzem Tee werden die Blätter dagegen vor der Trocknung gezielt oxidiert. Dabei entstehen aus Catechinen unter anderem Theaflavine und Thearubigine. Die häufig verwendete Bezeichnung „Fermentation“ ist biochemisch unpräzise, da es sich überwiegend um eine enzymatische Oxidation und nicht um eine mikrobielle Fermentation handelt.

Schwarzer Tee ist nicht grundsätzlich ernährungsphysiologisch minderwertiger als grüner Tee. Beide Teearten enthalten unterschiedliche Gemische bioaktiver Substanzen. Die im Ausgangstext enthaltene Behauptung, bei der Schwarzteeherstellung gingen die meisten gesundheitsrelevanten Inhaltsstoffe verloren, ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Relevante Inhaltsstoffe

Die Zusammensetzung von Grüntee variiert erheblich. Einflussfaktoren sind insbesondere Pflanzensorte, Boden, Klima, Beschattung, Blattalter, Erntezeit, Verarbeitung, Lagerung, verwendete Teemenge, Wassertemperatur und Ziehdauer.

  • Catechine: Zu den wichtigsten Catechinen gehören Epigallocatechingallat (EGCG), Epigallocatechin, Epicatechingallat und Epicatechin. EGCG ist quantitativ und wissenschaftlich besonders relevant. Catechine zeigen in experimentellen Systemen antioxidative und zellbiologisch regulatorische Eigenschaften. Aus diesen Laborbefunden lassen sich jedoch keine klinischen Präventions- oder Therapieeffekte ableiten.
  • Koffein: Das Koffein des Tees ist chemisch identisch mit dem Koffein aus Kaffee. „Teein“ bezeichnet keine eigenständige Substanz. Der Koffeingehalt schwankt in Abhängigkeit von Teesorte, Blattmenge, Ziehdauer und Zubereitungsform. Eine übliche Tasse Grüntee enthält häufig etwa 20-50 mg Koffein; Matcha und stark konzentrierte Aufgüsse können deutlich höhere Mengen liefern [2].
  • L-Theanin: L-Theanin ist eine charakteristische, nichtproteinogene Aminosäure der Teepflanze. In Kombination mit Koffein kann sie kurzfristig einzelne Aspekte der Aufmerksamkeit und Vigilanz (Wachheit) beeinflussen [3].
  • Weitere Polyphenole: Grüntee enthält unter anderem Flavonole, Phenolsäuren und weitere bioaktive Pflanzenstoffe. Deren Konzentrationen sind geringer oder weniger umfassend charakterisiert als die der Catechine.
  • Mikronährstoffe: Aufgebrühter Grüntee ist keine relevante oder verlässliche Quelle für Vitamin B12, Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E oder die meisten Mineralstoffe. Die im Ausgangstext aufgeführten allgemeinen physiologischen Wirkungen zahlreicher Vitamine und Mineralstoffe sind nicht als spezifische Wirkungen des Grünteekonsums zu interpretieren.

Kognitive Leistungsfähigkeit und Wachheit

Die akut wahrnehmbare stimulierende Wirkung von Grüntee beruht vor allem auf Koffein. Koffein antagonisiert Adenosinrezeptoren und kann vorübergehend Wachheit, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit verbessern.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter Studien zeigt, dass Tee beziehungsweise die Kombination aus L-Theanin und Koffein geringe kurzfristige Effekte auf einzelne Aufmerksamkeits-, Stimmungs- und Vigilanzparameter haben kann [3]. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch nach Dosierung, untersuchtem Endpunkt und Zeitpunkt der Messung.

Ein belastbarer Nachweis, dass Grüntee langfristig die Intelligenz, das Urteilsvermögen, die psychische Belastbarkeit oder die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit steigert, liegt nicht vor. Ebenso ist eine Prävention neurodegenerativer Erkrankungen (Erkrankungen mit fortschreitendem Verlust von Nervenzellen) bislang nicht hinreichend belegt.

Blutdruck und kardiometabolische Risikofaktoren (Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen)

Systematische Reviews und Metaanalysen randomisierter Studien zeigen, dass Grüntee oder Grünteeextrakte einzelne kardiometabolische Risikoparameter geringfügig beeinflussen können [4-6].

  • Blutdruck: Eine 2025 publizierte, GRADE-bewertete Metaanalyse randomisierter Studien fand eine durchschnittliche Abnahme des systolischen (oberen) und diastolischen (unteren) Blutdrucks um jeweils ungefähr 1 mmHg [6]. Dieser Effekt ist statistisch nachweisbar, für den einzelnen Patienten jedoch gering.
  • LDL-Cholesterin: Metaanalysen zeigen eine geringe mittlere Abnahme des LDL-Cholesterins. Die Größenordnung liegt überwiegend bei wenigen mg/dl und variiert zwischen den Studien [4, 5].
  • Gesamtcholesterin: Auch für das Gesamtcholesterin wurden geringe mittlere Reduktionen beschrieben [4, 5].
  • HDL-Cholesterin und Triglyceride: Die Ergebnisse sind uneinheitlich; klinisch relevante Veränderungen sind nicht konsistent belegt.
  • Nüchternglucose und HbA1c: Einzelne Metaanalysen berichten geringe Verbesserungen. Die Ergebnisse sind jedoch heterogen und nicht ausreichend, um Grüntee als antidiabetische Intervention zu empfehlen [4, 5].

Ein erheblicher Anteil der Interventionsstudien untersuchte konzentrierte Extrakte. Dosierungen, Studiendauer, Ausgangsrisiko und Zusammensetzung der Präparate waren heterogen. Grüntee ersetzt daher weder eine antihypertensive (blutdrucksenkende) noch eine lipidsenkende (blutfettsenkende) oder antidiabetische (blutzuckersenkende) Behandlung.

Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und Mortalität (Sterblichkeit)

Prospektive Kohortenstudien berichten Assoziationen zwischen regelmäßigem Teekonsum und einer geringeren Gesamt- oder kardiovaskulären Mortalität. Eine Metaanalyse von 38 prospektiven Datensätzen mit insgesamt rund 1,96 Millionen Teilnehmern fand bei moderatem Teekonsum inverse Assoziationen mit der Gesamtmortalität sowie der kardiovaskulären und der Krebsmortalität [7]. Die Analyse umfasste jedoch unterschiedliche Teearten und erlaubt keine spezifische Aussage ausschließlich zu Grüntee.

Im China-PAR-Projekt war habitualer Teekonsum bei mehr als 100.000 chinesischen Erwachsenen mit einem geringeren Risiko für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen (durch Gefäßverkalkung bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und Gesamtmortalität assoziiert [8]. Die beobachteten Zusammenhänge waren bei dauerhaftem Teekonsum stärker ausgeprägt.

Bei diesen Ergebnissen handelt es sich um Beobachtungsdaten. Restkonfundierungen durch Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchverhalten, sozioökonomische Faktoren und weitere Lebensstilmerkmale können nicht ausgeschlossen werden. Ein kausaler Nachweis, dass Grüntee Herzinfarkte, Schlaganfälle oder vorzeitige Todesfälle verhindert, liegt nicht vor.

Körpergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit)

Catechine und Koffein können den Energieumsatz und die Fettoxidation (Fettverbrennung) kurzfristig geringfügig erhöhen. Kontrollierte klinische Studien zeigen jedoch keine klinisch relevante Gewichtsabnahme.

Der Cochrane-Review zu übergewichtigen und adipösen Erwachsenen bewertete die beobachteten Gewichtsveränderungen als gering und klinisch nicht bedeutsam. Ein verlässlicher Effekt auf die langfristige Gewichtsstabilisierung wurde nicht nachgewiesen [9].

Grüntee ist daher kein „Schlankmacher“. Ungesüßter Grüntee kann allerdings zuckerhaltige oder energiereiche Getränke ersetzen und dadurch indirekt die Energiebilanz verbessern. Dieser Substitutionseffekt ist ernährungsmedizinisch relevanter als eine mögliche thermogene Wirkung (Steigerung der Wärmebildung) der Catechine.

Grünteeextrakte sind aufgrund der fehlenden klinisch relevanten Gewichtsreduktion und ihres potenziellen hepatotoxischen Risikos nicht als unkritische Mittel zur Gewichtsabnahme einzustufen.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und metabolisches Syndrom (Kombination mehrerer Stoffwechselrisiken)

Metaanalysen zeigen teilweise geringe Veränderungen von Nüchternglucose, HbA1c, Blutdruck oder Lipidparametern [4, 5]. Die Effektstärken sind klein und die Studienergebnisse heterogen.

Ungesüßter Grüntee kann Bestandteil einer Ernährung bei Diabetes mellitus sein. Eine spezifische Empfehlung zur Prävention oder Behandlung des Diabetes mellitus beziehungsweise des metabolischen Syndroms lässt sich aus der gegenwärtigen Evidenz nicht ableiten.

Krebserkrankungen

Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Catechine Signalwege beeinflussen können, die an Zellproliferation, Apoptose (programmiertem Zelltod), Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) und Entzündungsprozessen beteiligt sind. Diese präklinischen Befunde haben sich jedoch nicht konsistent in klinisch relevante Präventionseffekte übertragen.

Der Cochrane-Review zur Krebsprävention durch Grüntee bewertete die epidemiologischen und interventionellen Ergebnisse als widersprüchlich. Für einzelne Tumorarten wurden inverse, fehlende oder vereinzelt positive Assoziationen berichtet. Die Evidenz reicht nicht aus, um Grüntee zur Prävention von Krebserkrankungen zu empfehlen [10].

Aussagen, Grüntee verhindere gezielt Mamma- (Brustkrebs), Magen- (Magenkrebs), Ösophagus- (Speiseröhrenkrebs), Leber- (Leberkrebs), Bronchial- (Lungenkrebs), Prostata- (Prostatakrebs), Cervix- (Gebärmutterhalskrebs), Haut- (Hautkrebs) oder Kolonkarzinome (Dickdarmkrebs), sind daher nicht ausreichend belegt. Grüntee und Grünteeextrakte dürfen insbesondere nicht als Alternative zu Krebsfrüherkennung, leitliniengerechter Prävention oder onkologischer Therapie eingesetzt werden.

Nierensteine

Tee enthält Oxalat; zugleich erhöht die Flüssigkeitsaufnahme das Urinvolumen. Ein systematischer Review fand insgesamt keinen belastbaren Hinweis, dass üblicher Tee- oder Grünteekonsum das Risiko für Nephrolithiasis (Nierensteinleiden) erhöht. Einige Beobachtungsdaten sprechen sogar für eine inverse Assoziation, insbesondere bei Grüntee [11].

Aufgrund der überwiegend beobachtenden Evidenz kann Grüntee jedoch nicht als spezifische Maßnahme zur Prävention oder Therapie von Harnsteinen empfohlen werden. Entscheidend bleiben Steinart, 24-Stunden-Urinbefund, Gesamttrinkmenge und die individuell angepasste ernährungsmedizinische Behandlung.

Zubereitung und Verzehr

Eine medizinisch erforderliche Mindestmenge oder eine evidenzbasierte optimale Zahl von Tassen pro Tag ist nicht definiert. Grüntee kann nach individueller Verträglichkeit als Bestandteil der täglichen Flüssigkeitszufuhr konsumiert werden.

  • Teemenge: Häufig werden etwa 2-3 g lose Teeblätter pro 200 ml Wasser verwendet. Die geeignete Menge hängt von Sorte und gewünschter Geschmacksintensität ab.
  • Wassertemperatur: Temperaturen von ungefähr 70-80 °C ergeben bei vielen Grüntees einen weniger bitteren Geschmack. Höhere Temperaturen extrahieren Koffein und Polyphenole stärker, führen aber häufig auch zu mehr Bitterkeit und Adstringenz.
  • Ziehdauer: Eine längere Ziehdauer erhöht im Allgemeinen die Extraktion von Koffein und Polyphenolen. Die Behauptung, Tee wirke nach kurzer Ziehzeit anregend und nach mehr als fünf Minuten grundsätzlich beruhigend, ist nicht hinreichend belegt.
  • Weitere Aufgüsse: Ein zweiter oder weiterer Aufguss ist grundsätzlich möglich. Zusammensetzung und Geschmack verändern sich; eine gesundheitsschädliche „Gerbstoffauslösung“ ist bei üblicher Zubereitung nicht belegt.
  • Milch: Milchproteine können mit Polyphenolen interagieren. Es ist jedoch nicht belegt, dass Milch sämtliche potenziellen gesundheitlichen Wirkungen von Grüntee aufhebt.
  • Zucker und Honig: Beide erhöhen den Zucker- und Energiegehalt. Für die metabolische Prävention ist ungesüßter Tee zu bevorzugen.
  • Matcha: Bei Matcha wird das pulverisierte Teeblatt vollständig aufgenommen. Dadurch können Koffein- und Catechinzufuhr höher und variabler sein als bei einem filtrierten Aufguss.
  • Trinktemperatur: Grüntee sollte nicht sehr heiß getrunken werden. Getränke mit einer Konsumtemperatur über etwa 65 °C werden aufgrund wiederholter thermischer Schleimhautschädigungen als wahrscheinlich karzinogen (krebserregend) für den Menschen eingestuft. Entscheidend ist die Temperatur und nicht die Teesorte [16].

Sicherheit des aufgebrühten Grüntees

Traditionell aufgebrühter Grüntee gilt bei üblicher Verzehrmenge für gesunde Erwachsene im Allgemeinen als sicher [12]. Mögliche unerwünschte Wirkungen beruhen vor allem auf Koffein.

  • Koffeinempfindlichkeit: Möglich sind Schlafstörungen, innere Unruhe, Tremor (Zittern), Angstgefühl, Palpitationen (Herzklopfen), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden).
  • Schlaf: Aufgrund der mehrstündigen Halbwertszeit von Koffein sollte koffeinhaltiger Tee bei Schlafstörungen insbesondere am Nachmittag und Abend begrenzt werden.
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit: Koffein und größere Flüssigkeitsmengen können bei einzelnen Patienten Beschwerden verstärken.
  • Herzrhythmusstörungen (Störungen des regelmäßigen Herzschlags) und Angststörungen (krankhafte Angstzustände): Die individuell verträgliche Koffeinmenge kann deutlich unter den allgemeinen Sicherheitsgrenzen liegen.

Nach der EFSA gelten für gesunde Erwachsene Einzeldosen bis 200 mg Koffein und eine tägliche Gesamtzufuhr bis 400 mg aus allen Quellen im Allgemeinen als gesundheitlich unbedenklich. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Gesamtzufuhr 200 mg Koffein pro Tag nicht überschreiten [2]. Kaffee, Tee, Matcha, Cola, Energy-Drinks, Schokolade, Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sind gemeinsam zu berücksichtigen.

Einfluss auf die Eisenresorption (Eisenaufnahme im Darm)

Polyphenole aus Tee können bei gleichzeitiger Aufnahme die Resorption von Nicht-Hämeisen (Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln) vermindern [15]. Die klinische Relevanz hängt von Eisenstatus, Ernährungsweise, konsumierter Teemenge und dem zeitlichen Abstand zu eisenhaltigen Mahlzeiten ab.

Bei normalem Eisenstatus und ausgewogener Mischkost ist moderater Grünteekonsum in der Regel unproblematisch. Bei Eisenmangel, erhöhtem Eisenbedarf, überwiegend pflanzlicher Ernährung oder Einnahme oraler Eisenpräparate ist ein zeitlicher Abstand zu Grüntee sinnvoll. Tee sollte in diesen Situationen vorzugsweise zwischen den Mahlzeiten und nicht zusammen mit dem Eisenpräparat konsumiert werden.

Grünteeextrakte und EGCG

Die Sicherheitsbewertung von aufgebrühtem Grüntee darf nicht auf konzentrierte Grünteeextrakte übertragen werden. Bei hoch dosierten Extrakten können innerhalb kurzer Zeit EGCG-Mengen aufgenommen werden, die mit traditionell zubereiteten Getränken kaum erreicht werden.

Die EFSA stellte fest, dass EGCG-Dosen ab etwa 800 mg pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln mit einem Anstieg von Leberenzymen verbunden sein können. Eine allgemein sichere Höchstdosis für Grüntee-Catechine aus Nahrungsergänzungsmitteln konnte nicht abgeleitet werden [12].

Auch die AASLD führt Grünteeextrakte als mögliche Auslöser einer durch pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel verursachten Leberschädigung auf [13]. Das Risiko scheint insbesondere bei hochdosierter Einnahme, Nüchterneinnahme, intermittierender Spitzenexposition und individueller Suszeptibilität (Anfälligkeit) erhöht zu sein.

Besondere Zurückhaltung gegenüber hochdosierten Grünteeextrakten ist angezeigt bei:

  • Vorbekannter Lebererkrankung
  • Erhöhten Leberenzymen unklarer Genese (Ursache)
  • Gleichzeitiger Einnahme potenziell hepatotoxischer (leberschädigender) Arzneimittel oder weiterer konzentrierter Pflanzenextrakte
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Fehlender medizinischer Indikation (Behandlungsgrund) oder fehlender Qualitätskontrolle des Präparats

Bei neu auftretender Übelkeit, ausgeprägter Müdigkeit, Oberbauchschmerzen, dunklem Urin, hellem Stuhl, Pruritus (Juckreiz) oder Ikterus (Gelbsucht) ist das Präparat abzusetzen und eine zeitnahe ärztliche Abklärung einschließlich Leberdiagnostik erforderlich.

Arzneimittelinteraktionen (Wechselwirkungen mit Medikamenten)

Grüntee-Catechine können die Löslichkeit von Arzneistoffen sowie intestinale Transportproteine und Arzneimittel metabolisierende Enzyme beeinflussen. Eine aktuelle systematische Übersicht klinischer pharmakokinetischer Untersuchungen beschreibt für mehrere Arzneimittel eine verminderte systemische Exposition bei gleichzeitiger Aufnahme von Grüntee oder Grüntee-Catechinen [14].

Besonders ausgeprägt und wiederholt beschrieben ist die Interaktion mit Nadolol. Grüntee kann durch Hemmung intestinaler Transportmechanismen die Resorption und damit die systemische Exposition erheblich reduzieren. Interaktionssignale bestehen unter anderem auch für weitere kardiovaskuläre Arzneimittel, wobei klinische Bedeutung und Reproduzierbarkeit substanzspezifisch unterschiedlich sind [14].

Bei Einnahme von Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite, komplexer Polymedikation (gleichzeitiger Einnahme vieler Arzneimittel), Antiarrhythmika, bestimmten Betablockern, Stimulanzien oder potenziell hepatotoxischen Arzneimitteln sollte ein hoher Grünteekonsum beziehungsweise die Einnahme konzentrierter Grünteeextrakte ärztlich oder pharmazeutisch geprüft werden.

Fazit

Ungesüßter Grüntee ist ein nahezu energiefreies Getränk und kann sinnvoll in eine ausgewogene Ernährung integriert werden. Nachgewiesen sind vor allem die akuten Wirkungen des enthaltenen Koffeins sowie geringe mittlere Veränderungen einzelner kardiometabolischer Risikoparameter.

Beobachtungsstudien zeigen günstige Assoziationen zwischen Teekonsum und kardiovaskulären Erkrankungen beziehungsweise Mortalität. Aufgrund möglicher Restkonfundierungen erlauben diese Daten jedoch keine sicheren kausalen Schlussfolgerungen.

Nicht ausreichend belegt sind eine klinisch relevante Gewichtsreduktion, eine spezifische Krebsprävention, eine Behandlung von Diabetes mellitus, Infektionen, Osteoporose, Nierensteinen oder gastrointestinalen Erkrankungen sowie eine „entgiftende“ Wirkung.

Aufgebrühter Grüntee ist bei üblichem Konsum überwiegend sicher. Konzentrierte Grünteeextrakte stellen dagegen pharmakologisch hoch dosierte Produkte dar und können insbesondere bei hoher EGCG-Zufuhr hepatotoxisch wirken sowie klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen verursachen.

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