Respiratorische – atmungsbedingte – Alkalose – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (Asthma) – insbesondere im akuten Anfall durch Hyperventilation (übermäßig verstärkte Atmung); ein normaler oder ansteigender PaCO2 bei schwerem Asthmaanfall kann dagegen auf respiratorische Erschöpfung (Erschöpfung der Atmung) hinweisen
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD; chronische Atemwegserkrankung mit verengten Bronchien), akute Exazerbation (akute Verschlechterung) – bei gesteigertem Atemantrieb initial mit Hypokapnie (vermindertem Kohlendioxidgehalt im Blut) und respiratorischer Alkalose (durch verstärkte Atmung verursachte Übersäuerungs-Gegenstörung des Blutes) möglich
  • Interstitielle Lungenerkrankungen (Erkrankungen des Lungenzwischengewebes), insbesondere Lungenfibrose (Vernarbung des Lungengewebes) – Hyperventilation infolge Hypoxämie (vermindertem Sauerstoffgehalt im Blut)
  • Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge) – gesteigerter Atemantrieb infolge Hypoxämie
  • Pneumonie (Lungenentzündung) – Hyperventilation infolge Hypoxämie und inflammatorischer Stimulation (entzündungsbedingter Anregung)
  • Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand) – insbesondere bei relevanter Hypoxämie mit kompensatorischer Hyperventilation

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut), schwergradige – gesteigerter Atemantrieb bei ausgeprägter Verminderung der Sauerstofftransportkapazität (Fähigkeit des Blutes zum Sauerstofftransport)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – gesteigerter Stoffwechsel und erhöhter zentraler Atemantrieb können eine chronische Hyperventilation verursachen

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) – wichtige und potenziell lebensbedrohliche Ursache einer akuten respiratorischen Alkalose; eine Hypokapnie kann auch ohne ausgeprägte Hypoxämie auftreten

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (schwere Infektionsreaktion des Körpers) – frühe respiratorische Alkalose durch zentral gesteigerten Atemantrieb und Hyperventilation; nicht auf gramnegative Erreger beschränkt

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Leberinsuffizienz (Leberversagen) – zentral gesteigerter Atemantrieb mit Hyperventilation, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung
  • Leberzirrhose (narbiger Umbau der Leber) – chronische Hyperventilation und Hypokapnie sind insbesondere bei fortgeschrittener Zirrhose möglich

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Intrakranielle Tumoren (Tumoren innerhalb des Schädels) – insbesondere bei Beeinflussung zentraler Strukturen der Atemregulation mit zentraler neurogener Hyperventilation (durch das Nervensystem verursachter übermäßig verstärkter Atmung)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angst- und Panikstörungen (Angst- und Panikerkrankungen) – psychogene Hyperventilation (seelisch bedingte übermäßig verstärkte Atmung) als häufige Ursache einer akuten respiratorischen Alkalose
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung) – zentrale Stimulation des Atemzentrums mit Hyperventilation möglich
  • Meningitis (Hirnhautentzündung) – Hyperventilation durch zentrale inflammatorische Stimulation, Fieber und Schmerzen
  • Zerebrovaskulärer Insult (Schlaganfall) – insbesondere bei Beteiligung zentraler Strukturen der Atemregulation mit zentraler Hyperventilation

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaft – physiologische chronische respiratorische Alkalose durch progesteronvermittelt gesteigerte alveoläre Ventilation (verstärkte Belüftung der Lungenbläschen)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Fieber – Steigerung des Atemantriebs mit Hyperventilation
  • Schmerzen – insbesondere akute starke Schmerzen können durch sympathoadrenerge Aktivierung (Aktivierung des Stressnervensystems) eine Hyperventilation auslösen

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Iatrogene Hyperventilation (durch medizinische Maßnahmen verursachte übermäßig verstärkte Atmung) bei maschineller Beatmung – zu hohe alveoläre Ventilation mit Abfall des PaCO2

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT; Verletzung von Schädel und Gehirn) – zentrale neurogene Hyperventilation bei Schädigung der zentralen Atemregulation möglich

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Höhenexposition (Aufenthalt in großer Höhe) – hypobare Hypoxie (Sauerstoffmangel durch niedrigen Luftdruck) führt über periphere Chemorezeptoren (Messfühler für Veränderungen der Blutgase) zur Hyperventilation und typischerweise zur respiratorischen Alkalose
  • Salicylatintoxikation (Vergiftung mit Salicylaten) – früh direkte Stimulation des Atemzentrums mit respiratorischer Alkalose; bei fortgeschrittener Intoxikation typischerweise Mischstörung mit zusätzlicher metabolischer Azidose (stoffwechselbedingter Übersäuerung des Blutes)