Nerve Fiber Analyzer

Der Nerve Fiber Analyzer (Synonyme: GDx, GDX Analyse, GDX Nerve Fiber Analyzer, GDX Optic Nerve Fiber Analysis, Retinal nerve fiber analysis, GDx®) stellt ein Verfahren der bildgebenden Diagnostik in der Augenheilkunde dar und dient der Untersuchung der Nervenfaserdicke an der Retina (Netzhaut). Besonders in der Früherkennung von Glaukomen (grüner Star), bei dem es sich um eine Erkrankung handelt, die mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks assoziiert ist, ist der Nerve Fiber Analyzer von großer Bedeutung.

Die Drucksteigerung im Augeninnern kann entweder Folge einer erhöhten Produktion oder eines verminderten Abflusses des Kammerwassers sein. Des Weiteren unterscheidet man ein akutes Glaukom (plötzlicher schmerzhafter Anfall) und ein chronisches Glaukom (häufig unbemerkte Erhöhung des Augeninnendrucks). Ein unbehandeltes Glaukom kann langfristig, sofern keine Behandlung mit bspw. einem Parasympathomimetikum wie Pilocarpin (bewirkt eine Verbesserung des Kammerwasserabflusses) erfolgt, zu Gesichtsfeldausfällen (Einschränkung des Sehens durch punktuelle Ausfälle im Sehbereich) führen. Gemessen wird der Augeninnendruck mit dem Verfahren der Tonometrie.

Die Nervenfaseranalyse ermöglicht als moderne Untersuchungsmethode, als computergestütztes Verfahren mittels Lasertechnik die Dicke der Nervenfasern der Retina zu bestimmen. Die Bedeutung des Nerve Fiber Analyzers GDx nimmt weiter zu, da:

  • Nervenschädigungen durch Glaukome weitaus früher als in der Perimetrie (Gesichtsfeldbestimmung) erkennbar sind, da Gesichtsfeldausfälle erst ab einem Nervenfaserverlust von ca. 25-30 % auftreten
  • Papillenrandblutungen (Blutung im Bereich des Punktes, an dem sich die einzelnen Nervenfasern des Auges zu einem gemeinsamen Sehnerv zusammenschließen) als eindeutiger Glaukomhinweis in der GDx sicher erkannt werden
  • Mit dieser Methode auch die Unterscheidung zwischen einerseits diffusen (großflächig verteilten) und andererseits lokal umschriebenen (auf einen kleinen Bereich begrenzten) Nervenfaserdefekten erreicht werden kann.

Zielsetzung des Nerve Fiber Analyzers (GDx)

Der Nerve Fiber Analyzer (GDx) zielt darauf ab, durch die präzise Messung der Dicke der Nervenfasern in der Retina (Netzhaut) frühzeitig Schädigungen zu erkennen, die durch Erkrankungen wie Glaukom verursacht werden. Dieses Verfahren ermöglicht es, potenzielle Sehstörungen zu identifizieren, bevor tatsächliche Symptome wie Gesichtsfeldausfälle auftreten, und bietet daher eine wichtige Grundlage für frühzeitige therapeutische Maßnahmen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verlaufskontrolle bei Patienten mit einem Glaukom (grüner Star)
  • Vorsorgeuntersuchung von Personen, die ein hohes Risiko haben, an einem Glaukom zu erkranken. Besonders gefährdet sind Menschen mit:
    • Hypertonie (Bluthochdruck)
    • erhöhten Augeninnendruck
    • genetischer Veranlagung für ein Glaukom
    • Myopie (Kurzsichtigkeit) oder Hypermetropie (Weitsichtigkeit)
    • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Vasospasmen (zeitlich begrenzter und somit diskontinuierlicher Verschluss der Blutgefäße im Auge aufgrund einer erhöhten Sympathikusstimulation – vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Stressreaktion –, die mit einer Glaukomentwicklung in Verbindung stehen kann)

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Überempfindlichkeit gegen die verwendeten Medikamente wie Atropin.
  • Akute Entzündungen oder Infektionen des Auges, die durch die Untersuchung verschlimmert werden könnten.
  • Patienten, die nicht in der Lage sind, während der Untersuchung stillzuhalten, z. B. aufgrund neurologischer Erkrankungen.

Vor der Untersuchung

  • Aufklärung des Patienten über den Ablauf und mögliche Unannehmlichkeiten der Untersuchung.
  • Anwendung pupillenerweiternder Medikamente zur Optimierung der Sichtbarkeit der Retina.
  • Sicherstellen, dass der Patient keine Augenmedikamente verwendet, die die Messung beeinträchtigen könnten.

Das Verfahren

Die Dauer der Untersuchung beträgt nur wenige Minuten. Nach der Gabe von Atropin (pupillenerweiternde Augentropfen) setzt sich der Patient dem Untersucher gegenüber und fixiert blinkende Linien im Nerve Fiber Analyzer. Anschließend wird mithilfe eines für den Patienten nicht sichtbaren Laserstrahls die Dicke der Nervenfaser bestimmt. Die Darstellung der Messung erfolgt auf einer Karte, bei der man sich die doppeltbrechende Charakteristik der Retinafasern zunutze macht und so die Faserdicke anhand von Farbwerten in einem zweidimensionalen Bild abbilden kann. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften erscheinen dicke Fasern in der Abbildung heller als dünne Fasern. Im Anschluss erfolgt der Vergleich mit im Computer gespeicherten Normalwerten.

Die Verwendung des Nerve Fiber Analyzers GDx ermöglicht als erste und einzige Methode in der Augenheilkunde die gezielte Vermessung und Beurteilung der Nervenzellschicht der Retina.
Durch den GDx kann eine Erfassung des Glaukoms schon vor Beeinträchtigung der Sehfähigkeit realisiert werden.

Mögliche Befunde des Nerve Fiber Analyzers (GDx)

  • Normalbefund: Keine Abweichungen von der Norm; die Nervenfasern zeigen eine gesunde Dicke.
  • Pathologischer Befund: Verminderte Dicke der Nervenfasern, was auf einen frühen oder bestehenden Nervenfaserschaden durch Glaukom hinweisen kann.
  • Grenzbefund: Werte, die nahe an der Grenze zu pathologischen Befunden liegen und engmaschige Kontrollen erfordern.

Nach der Untersuchung

  • Beratung des Patienten über die Ergebnisse und die Bedeutung für seine weitere Augengesundheit.
  • Planung von Folgeuntersuchungen oder weiterführenden diagnostischen Maßnahmen je nach Befund.
  • Empfehlungen für präventive oder therapeutische Maßnahmen, falls notwendig.

Mögliche Komplikationen

  • Reaktionen auf die pupillenerweiternden Medikamente wie erhöhte Lichtempfindlichkeit oder vorübergehende Sehstörungen.
  • Mechanische Irritationen durch das Kontaktverfahren können zu vorübergehenden Beschwerden führen.

Literatur

  1. Krieglstein GK: Glaukom 2007: Die Papille beim Glaukom. Springer Verlag 2008
  2. Augustin AJ: Augenheilkunde. Springer Verlag 2007
  3. Klinke R, Silbernagl S: Lehrbuch der Physiologie. Georg Thieme Verlag 2005