Zyanose – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung des Allgemeinzustands und der Bewusstseinslage (Wachheitszustand)
- Inspektion (Betrachtung) bei ausreichender, möglichst natürlicher Beleuchtung
- Haut, Lippen, Zunge, Mundschleimhaut, Nagelbetten und Akren (Körperenden) [bläulich-livide (bläulich-violette) Verfärbung]
- Beurteilung der Verteilung der Zyanose (Blauverfärbung von Haut bzw. Schleimhäuten)
- Zentrale Zyanose – Beteiligung der Zunge und der oralen Schleimhäute (Mundschleimhäute) [bläulich-livide Verfärbung der Zunge und der oralen Schleimhäute; meist auch der Lippen und der Haut]
- Periphere Zyanose – vorwiegend akrale (die Körperenden betreffende) Verteilung bei ausgesparten zentralen Schleimhäuten [bläulich-livide Verfärbung der Finger- und Zehenendglieder bzw. anderer Akren bei rosiger Zunge und oraler Schleimhaut; kühle Extremitäten (Arme und Beine); verlängerte Kapillarfüllungszeit (verzögerte Wiederauffüllung kleinster Blutgefäße)]
- Differentialzyanose (unterschiedlich verteilte Blauverfärbung) – unterschiedliche Ausprägung an oberen und unteren Extremitäten [Zyanose der unteren Extremitäten bei fehlender bzw. deutlich geringerer Zyanose der oberen Extremitäten]
- Reversed Differential Cyanosis – umgekehrtes Verteilungsmuster [stärkere Zyanose der oberen als der unteren Extremitäten]
- Finger- und Zehenendglieder sowie Nägel – Suche nach Trommelschlegelfingern (kolbenförmig verdickten Fingerendgliedern) und Uhrglasnägeln (stark gewölbten Nägeln) als Hinweis auf eine chronische Hypoxämie (lang anhaltende Sauerstoffunterversorgung)
- Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung)
- Hauttemperatur, Kapillarfüllungszeit sowie Qualität und Seitengleichheit der peripheren Pulse
- Untersuchung des Herzens
- Inspektion und Palpation (Abtasten) – insbesondere Halsvenenfüllung, Herzspitzenstoß (tastbare Herzbewegung an der Brustwand) und periphere Ödeme (Wassereinlagerungen)
- Auskultation (Abhören) – Beurteilung der Herztöne sowie Suche nach Herzgeräuschen als Hinweis auf eine kardiale (vom Herzen ausgehende) Ursache der Zyanose
- Untersuchung der Lunge
- Inspektion – Atemfrequenz, Atemtiefe, Thoraxexkursion (Bewegung des Brustkorbs beim Atmen) und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (zusätzliche Atemmuskeln); Suche nach Zeichen erhöhter Atemarbeit
- Palpation – Seitengleichheit der Thoraxexkursion und Stimmfremitus (fühlbare Übertragung der Stimme auf den Brustkorb)
- Perkussion (Abklopfen) – Beurteilung des Klopfschalls im Seitenvergleich
- Auskultation – Beurteilung des Atemgeräuschs und Suche nach pathologischen (krankhaften) Atemnebengeräuschen
Die klinisch (durch ärztliche Untersuchung) sichtbare Zyanose ist als Zeichen einer Hypoxämie weder ausreichend sensitiv (empfindlich) noch spezifisch (eindeutig). Bei vermuteter zentraler Zyanose bzw. klinischem Verdacht auf Hypoxämie ist deshalb eine objektive Bestimmung der Sauerstoffsättigung (Sauerstoffbeladung des Blutes) erforderlich. Eine Anämie (Blutarmut) kann die Sichtbarkeit einer Zyanose vermindern, eine Polyglobulie (Vermehrung der roten Blutkörperchen) sie verstärken; auch ungünstige Beleuchtungsverhältnisse und eine stärkere Hautpigmentierung (Hautfärbung) können die visuelle Beurteilung erschweren.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.