Mukoviszidose – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verbesserung der CFTR-Funktion bei geeignetem Genotyp sowie Verminderung pulmonaler Exazerbationen (plötzliche deutliche Verschlechterungen der Lungenerkrankung) und Erhalt der Lungenfunktion.
  • Verbesserung der Sekretmobilisation (das Lösen und Abhusten von Schleim), Kontrolle bronchopulmonaler Infektionen (Infektionen der Bronchien und der Lunge) und Verringerung der Krankheitslast.
  • Behandlung der exokrinen Pankreasinsuffizienz (unzureichende Bildung von Verdauungssäften durch die Bauchspeicheldrüse) und weiterer Organmanifestationen; Sicherung von Wachstum, Ernährungszustand und Lebensqualität.

Therapieempfehlungen

Die Behandlung erfolgt langfristig in einem spezialisierten CF-Zentrum. Pharmakotherapie, Atemphysiotherapie, körperliche Aktivität und individualisierte Ernährungstherapie ergänzen sich. Auch unter hochwirksamer CFTR-Modulation sind regelmäßige klinische, lungenfunktionelle und mikrobiologische Verlaufskontrollen erforderlich [LL1, LL2].

CFTR-Modulatoren: alters- und genotypbezogene Auswahl

  • Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor plus zusätzliches Ivacaftor (Kaftrio plus Kalydeco): zugelassen ab 2 Jahren bei mindestens einer Nicht-Klasse-I-Mutation im CFTR-Gen. Eine F508del-Mutation ist nicht mehr zwingend erforderlich. Die Wirksamkeit bei F508del-Minimalfunktionsgenotypen wurde bereits in der pivotalen Studie belegt [3]. Für Kinder von 2 bis unter 6 Jahren steht Granulat zur Verfügung; ab 6 Jahren werden Filmtabletten eingesetzt [FI1, FI3].
  • Vanzacaftor/Tezacaftor/Deutivacaftor (Alyftrek): zugelassen ab 6 Jahren bei mindestens einer Nicht-Klasse-I-Mutation. Einmal tägliche Einnahme; kein zusätzliches abendliches Ivacaftor. Die SKYLINE-Studien zeigten gegenüber Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor Nichtunterlegenheit hinsichtlich der Lungenfunktion und eine stärkere Senkung des Schweißchlorids. Daraus folgt keine nachgewiesene Überlegenheit hinsichtlich Überleben oder sämtlicher klinischer Langzeitendpunkte [5, FI2].
  • Ivacaftor als Monotherapie (Kalydeco): ab 1 Monat und mindestens 3 kg Körpergewicht bei R117H oder einer der zugelassenen Gating-Mutationen. Die Wirkung ist nicht auf G551D beschränkt [FI3].
  • Lumacaftor/Ivacaftor (Orkambi): ab 1 Jahr ausschließlich bei F508del-Homozygotie. Tezacaftor/Ivacaftor plus zusätzliches Ivacaftor (Symkevi plus Kalydeco): ab 6 Jahren bei F508del-Homozygotie oder F508del in Kombination mit einer der 14 zugelassenen Restfunktionsmutationen [FI4, FI5].
  • Vor Therapiebeginn Genotyp und gesicherte CF-Diagnose überprüfen. Bei seltenen Varianten sind die aktuellen Fachinformationen einschließlich der Angaben zum erwartbaren Ansprechen maßgeblich. Bei zwei Klasse-I-Nullmutationen ohne CFTR-Proteinproduktion ist ein Ansprechen auf die verfügbaren Modulatoren nicht zu erwarten [FI1, FI2].
  • Die Auswahl berücksichtigt Wirksamkeit, Verträglichkeit, Alter, Leberfunktion, Wechselwirkungen und individuelle Therapieziele. Unterschiedliche Modulatorregime werden nicht miteinander kombiniert. Die symptomatische Therapie darf nach Beginn einer Modulatorbehandlung nicht pauschal abgesetzt werden [LL1, FI1-FI5].

Sekretmobilisation und Bronchodilatation

  • Dornase alfa und hypertone Kochsalzlösung sind etablierte inhalative Behandlungsoptionen. Mannitol ist eine zusätzliche Option für Erwachsene nach bestandenem Verträglichkeitstest. Auswahl und Kombination richten sich nach klinischem Nutzen und Verträglichkeit [LL1, LL3, FI6, FI7].
  • Orales N-Acetylcystein oder Ambroxol sind kein evidenzgleichwertiger Ersatz für diese inhalativen Behandlungen. Inhalatives Amilorid und Cromoglicinsäure gehören nicht zur routinemäßigen CF-Therapie [LL3].
  • Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika bei nachgewiesener reversibler Atemwegsobstruktion (Verengung oder Blockierung der Atemwege) oder zur Vorbehandlung vor bronchokonstriktorischen Inhalationen einsetzen. Eine ungezielte Dauerbehandlung mit Bronchodilatatoren ist nicht für alle CF-Patienten begründet [LL1, LL3].

Inhalative und systemische Glukokortikoide

  • Keine routinemäßige ICS-Therapie allein wegen CF, chronischer Bronchitis (lang anhaltende Entzündung der Bronchien mit Husten) oder chronischer Atemwegsinfektion. Eine zusätzliche Asthmadiagnose kann eine ICS-Therapie begründen. Eine isolierte bronchiale Hyperreagibilität (überempfindliche Atemwege, die sich leicht verengen) beweist kein Asthma (eine Erkrankung mit anfallsweise verengten Atemwegen) [LL1, LL3].
  • Bei allergischer bronchopulmonaler Aspergillose (einer allergischen Reaktion der Atemwege auf einen Schimmelpilz) sind ICS keine ausreichende Behandlung. Die aktive ABPA erfordert eine spezifische Therapie, insbesondere systemische Glukokortikoide oder ein geeignetes Azolantimykotikum. ICS werden nur bei zusätzlicher entsprechender Atemwegsindikation eingesetzt [LL5].
  • Systemische Glukokortikoide sind weder routinemäßige Dauertherapie der CF-Lungenerkrankung noch Standardbehandlung jeder infektiösen Exazerbation [LL3, LL4].

Antiinfektive Therapie

  • Atemwegsproben regelmäßig und bei klinischer Verschlechterung mikrobiologisch untersuchen. Einen erstmaligen oder erneuten Nachweis von Pseudomonas aeruginosa frühzeitig mit einem Eradikationsschema (Behandlungsschema zur vollständigen Beseitigung eines Krankheitserregers) behandeln; chronische Infektion und akute pulmonale Exazerbation benötigen unterschiedliche Strategien [LL2, LL4].
  • Bei chronischer Pseudomonas-Infektion inhalative Antibiotika zur Suppression (Hemmung oder Unterdrückung) einsetzen. Auswahl anhand von Alter, Vorbehandlung, Verträglichkeit und klinischem Ansprechen; ein Antibiogramm allein bildet das Ansprechen einer chronischen Biofilminfektion nicht vollständig ab [LL2].
  • Exazerbationen erregerspezifisch behandeln; bei schwerem Verlauf intravenöse Antibiotika. Pseudomonas-Wirksamkeit bedeutet nicht automatisch eine ausreichende Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus; insbesondere Ceftazidim ist für dessen gezielte Behandlung ungeeignet. Für MSSA und MRSA jeweils gezielte Regime wählen [LL2, LL4].
  • Azithromycin kann insbesondere bei chronischer Pseudomonas-Infektion als zusätzliche Langzeittherapie erwogen werden. Vor Beginn und im Verlauf auf nichttuberkulöse Mykobakterien untersuchen; bei entsprechendem Nachweis keine unkontrollierte Makrolidmonotherapie fortführen [LL3].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

CFTR-Potentiatoren und CFTR-Korrektoren

Die folgenden Angaben beschreiben Standardschemata bei fehlenden dosisrelevanten Wechselwirkungen und ohne relevante Leberfunktionsstörung (eine Beeinträchtigung der Leber). Die Reihenfolge der Wirkstoffe in den Dosierungsangaben entspricht jeweils der ersten Tabellenspalte. Pädiatrische Präparate sind nicht beliebig austauschbar [FI1-FI5].

Wirkstoff Besonderheiten
Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor plus Ivacaftor Kaftrio plus Kalydeco; ab 2 Jahren bei mindestens einer Nicht-Klasse-I-Mutation. Morgens und abends mit fetthaltiger Nahrung, etwa 12 Stunden Abstand [FI1, FI3].
Vanzacaftor/Tezacaftor/Deutivacaftor Alyftrek; mindestens eine Nicht-Klasse-I-Mutation. Mit fetthaltiger Nahrung; keine zusätzliche Ivacaftor-Dosis. Die EU-Dosierung richtet sich auch ab 12 Jahren nach dem Körpergewicht [FI2].
Ivacaftor als Monotherapie R117H oder G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N oder S549R; Granulat ab mindestens 3 kg. R117H im klinischen und genetischen Kontext einschließlich Poly-T-Konstellation beurteilen [FI3].
Lumacaftor/Ivacaftor Orkambi; ausschließlich F508del-homozygot; Granulat für Kinder unter 6 Jahren. Lumacaftor ist ein starker CYP3A-Induktor; hormonelle Kontrazeption (hormonelle Empfängnisverhütung) ist während der Behandlung nicht zuverlässig [FI4].
Tezacaftor/Ivacaftor plus Ivacaftor Symkevi plus Kalydeco; F508del-homozygot oder F508del plus P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G oder 3849+10kbC→T [FI5].
  • Wirkweise: Ivacaftor und Deutivacaftor verstärken die Funktion vorhandener CFTR-Kanäle. Elexacaftor, Tezacaftor, Lumacaftor und Vanzacaftor verbessern je nach Variante Verarbeitung und Verfügbarkeit des CFTR-Proteins.
  • Indikation: gesicherte CF innerhalb der jeweiligen Alters- und Genotypzulassung; keine Anwendung allein aufgrund eines positiven Trägernachweises [FI1-FI5].
  • Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen: Überempfindlichkeit; bei schwerer Leberfunktionsstörung Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor und Alyftrek nicht anwenden. Bei mittelschwerer Leberfunktionsstörung nur unter den substanzspezifischen Einschränkungen der Fachinformation. Starke CYP3A-Induktoren wie Rifampicin oder Johanniskraut vermeiden; bei CYP3A-Hemmern, insbesondere Azolantimykotika und Clarithromycin, Dosisanpassungen prüfen [FI1-FI5].
  • Nebenwirkungen: unter anderem Transaminasenerhöhungen, potenziell schwere Leberschädigung, Exanthem (Hautausschlag), Kopfschmerzen und gastrointestinale Beschwerden (Beschwerden des Magens oder Darms); mögliche psychische Veränderungen beachten. Bei Lumacaftor/Ivacaftor zusätzlich initiale Atembeschwerden und Blutdruckanstieg. Bei Kindern augenärztliche Kontrollen wegen möglicher Linsentrübungen [FI1-FI5].

Sicherheitsüberwachung unter CFTR-Modulatoren

  • ALT, AST und Bilirubin vor Beginn, im ersten Jahr mindestens alle 3 Monate, anschließend mindestens jährlich kontrollieren; bei vorbestehender Lebererkrankung oder auffälligen Werten engmaschiger. Präparatespezifische Vorgaben beachten [FI1-FI5].
  • Bei ALT oder AST über dem 5-Fachen der oberen Normgrenze beziehungsweise über dem 3-Fachen zusammen mit Bilirubin über dem 2-Fachen Therapie unterbrechen und Ursache klären; ebenso bei klinischen Zeichen einer Leberschädigung [FI1, FI2, FI4, FI5].
  • Wechselwirkungen bei jeder Änderung der Begleitmedikation prüfen. Schwangerschaft und Stillzeit individuell im CF-Zentrum abwägen; Modulatoren nicht eigenständig absetzen. Eine verbesserte Fertilität (Fruchtbarkeit) unter Therapie bei der Kontrazeptionsberatung berücksichtigen [LL1, FI1-FI5].

Inhalative Mukolytika und osmotisch wirksame Substanzen

Wirkstoff Besonderheiten
Dornase alfa Rekombinante humane DNase; Fachinformation zur Alters- und Lungenfunktionsgrenze beachten. Anwendung unterhalb der zugelassenen Altersgrenze nur begründet im CF-Zentrum; nicht mit anderen Lösungen im Vernebler mischen [FI6].
Hypertone Natriumchloridlösung Erste Anwendung mit Prüfung auf Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien); gegebenenfalls vorher Bronchodilatator. Isotone Kochsalzlösung ist hinsichtlich der Wirksamkeit nicht gleichzusetzen [LL1, LL3].
Mannitol als Trockenpulver Ab 18 Jahren als Zusatztherapie; nur nach bestandenem ärztlich überwachtem Initialdosis-Test [FI7].
  • Wirkweise: Dornase alfa spaltet extrazelluläre DNA im Atemwegssekret. Hypertone Kochsalzlösung und Mannitol erhöhen osmotisch den Wassergehalt des Sekrets.
  • Indikation: Verbesserung der Sekretmobilisation im individuellen CF-Behandlungskonzept [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; für Mannitol bronchiale Hyperreagibilität im Initialdosis-Test. Bei relevanter Hämoptyse (Abhusten von Blut) oder ausgeprägtem Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Atemwege) Behandlung überprüfen [FI6, FI7].
  • Nebenwirkungen: Husten, Heiserkeit, Rachenreizung und Bronchospasmus; bei Mannitol auch Hämoptysen [FI6, FI7].

Inhalative Antibiotika bei chronischer Pseudomonas-Infektion

Wirkstoff Besonderheiten
Tobramycin; Aminoglykosid Produktabhängig ab 6 Jahren; unterschiedliche Darreichungsformen und Inhalationssysteme beachten. Eradikation nach Erstnachweis ist ein gesondertes Behandlungskonzept [LL2, FI8].
Aztreonam-Lysin; Monobaktam Ab 6 Jahren; nur mit dem vorgesehenen Verneblersystem; Bronchodilatator vorher [FI9].
Colistimethat-Natrium; Polymyxin Trockenpulver ab 6 Jahren; Verneblerpräparate mit eigener Zulassung. I.E., mg Colistimethat und mg Colistin-Basenaktivität dürfen nicht verwechselt werden [LL2, FI10].
Levofloxacin; Fluorchinolon Für Erwachsene; Kontraindikationen und Warnhinweise für Fluorchinolone berücksichtigen [FI11].
  • Wirkweise: lokale antibakterielle Wirkung durch Hemmung von Proteinsynthese, Zellwandsynthese oder DNA-Replikation beziehungsweise Schädigung der bakteriellen Membran; Mechanismus abhängig von der Wirkstoffgruppe.
  • Indikation: Suppression einer chronischen Pseudomonas-Infektion. Kontinuierliche oder alternierende Regime nur nach individuellem Zentrumskonzept und unter Beachtung des Zulassungsstatus [LL2].
  • Kontraindikationen: substanzspezifische Überempfindlichkeit; weitere Einschränkungen gemäß Fachinformation. Bei Aminoglykosiden Nierenfunktion, Hörstörungen und gleichzeitige nephro- oder ototoxische Arzneimittel berücksichtigen [FI8-FI11].
  • Nebenwirkungen: Husten, Dysphonie (Heiserkeit oder eine veränderte Stimme), Bronchospasmus und Geschmacksstörungen; systemische Toxizität ist trotz inhalativer Anwendung möglich. Fluorchinolone können schwerwiegende Sehnen- und neurologische Nebenwirkungen verursachen [FI8-FI11].

Systemische Antibiotika bei pulmonaler Exazerbation

Beispieldosen für Erwachsene mit normaler Nierenfunktion; keine pädiatrischen Dosierungsschemata. Auswahl, Kombination, Infusionsdauer und Behandlungsdauer sind an Erreger, Vorbefunde und klinisches Ansprechen anzupassen. Bei schwerer Pseudomonas-Exazerbation werden häufig zwei unterschiedliche Wirkstoffklassen kombiniert; eine generelle Überlegenheit jeder Kombination ist nicht gesichert [LL2, LL4].

Wirkstoff Besonderheiten
Piperacillin/Tazobactam; Acylaminopenicillin plus Betalaktamasehemmer Pseudomonas-wirksam; Nierenfunktion berücksichtigen; verlängerte Infusion nach Zentrumsschema [LL2].
Ceftazidim; Cephalosporin Pseudomonas-wirksam; keine geeignete gezielte Monotherapie gegen S. aureus [LL2].
Meropenem; Carbapenem Resistenz- und indikationsgerechter Einsatz; Nierenfunktion und Wechselwirkung mit Valproat beachten [LL2].
Tobramycin; Aminoglykosid CF-spezifische Pharmakokinetik; Nierenfunktion und Hörvermögen überwachen. Einmal tägliche Gabe wird gegenüber aufgeteilten Tagesdosen bevorzugt [LL4].
Ciprofloxacin; Fluorchinolon Option bei geeigneter Empfindlichkeit und klinisch vertretbarer oraler Behandlung; keine Monotherapie schwerer Exazerbationen. Einnahmeabstand zu mehrwertigen Kationen [LL2].
  • Wirkweise: Betalaktame hemmen die Zellwandsynthese, Tobramycin die bakterielle Proteinsynthese und Ciprofloxacin bakterielle Topoisomerasen.
  • Indikation: klinisch relevante bakterielle Exazerbation; frühere Erregernachweise zusätzlich zur aktuellen Kultur berücksichtigen [LL2, LL4].
  • Kontraindikationen: substanzspezifische Allergien und Organfunktionsstörungen; Ciprofloxacin nicht mit Tizanidin kombinieren. Bei Niereninsuffizienz Dosen beziehungsweise Intervalle anpassen.
  • Nebenwirkungen: allergische Reaktionen, gastrointestinale Beschwerden und Clostridioides-difficile-Infektion; Betalaktame können bei Akkumulation neurotoxisch wirken. Tobramycin ist nephro- und ototoxisch. Fluorchinolone können unter anderem Tendinopathien, periphere Neuropathien (Schäden an Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) und zentrale Nebenwirkungen auslösen.

Makrolide zur zusätzlichen Langzeitbehandlung

Wirkstoff Besonderheiten
Azithromycin CF-Langzeitbehandlung in der Regel off-label; Indikation regelmäßig überprüfen. NTM-Screening vor Beginn und im Verlauf; QT-Risiko und Hörvermögen berücksichtigen [LL3].
  • Wirkweise: Hemmung bakterieller Proteinsynthese; zusätzliche immunmodulatorische Effekte. Keine direkte antipseudomonale Eradikation.
  • Indikation: ausgewählte Patienten, insbesondere mit chronischer Pseudomonas-Infektion und relevanter Exazerbationslast [LL3].
  • Kontraindikationen: Makrolidallergie; erhebliche QT-Verlängerung beziehungsweise relevante proarrhythmische (Herzrhythmusstörungen begünstigende) Begleitmedikation; keine unkontrollierte Monotherapie einer NTM-Infektion.
  • Nebenwirkungen: gastrointestinale Beschwerden, Leberwerterhöhungen, QT-Verlängerung, Hörstörungen und Resistenzselektion.

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Bronchodilatatoren und inhalative Glukokortikoide bei zusätzlicher Indikation

Wirkstoff Besonderheiten
Salbutamol; kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum Bei reversibler Obstruktion oder zur Bronchospasmusprophylaxe; keine automatische Dauerindikation durch CF [LL1, LL3].
Budesonid, Beclometason oder Fluticason; ICS Nur bei zusätzlicher Indikation, insbesondere gesichertem Asthma. Keine routinemäßige CF-Therapie und kein Ersatz für die spezifische ABPA-Behandlung [LL3, LL5].
  • Wirkweise: Salbutamol erweitert die Bronchien; ICS wirken lokal antiinflammatorisch.
  • Indikation: zusätzliche reversible Atemwegsobstruktion beziehungsweise Asthma; regelmäßige Überprüfung des Behandlungseffekts.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Salbutamol relevante Tachyarrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag) berücksichtigen. Azolantimykotika können die systemische Steroidexposition, insbesondere unter Fluticason, stark erhöhen.
  • Nebenwirkungen: Salbutamol kann Tremor, Tachykardie (zu schneller Herzschlag) und Hypokaliämie (zu niedriger Kaliumspiegel im Blut) verursachen. ICS können Dysphonie, orale Candidose (eine Hefepilzinfektion im Mund) und bei hoher systemischer Exposition Nebennierenrindensuppression (eine verminderte körpereigene Hormonproduktion der Nebenniere) oder Wachstumsbeeinträchtigung auslösen; nach Inhalation Mund ausspülen.

Therapie der aktiven allergischen bronchopulmonalen Aspergillose

Wirkstoff Besonderheiten
Prednisolon; systemisches Glukokortikoid CF-spezifisch individualisieren; Blutzucker, Infektionsrisiko und Knochenstoffwechsel berücksichtigen [LL5].
Itraconazol; Azolantimykotikum Alternative bei geeigneter Konstellation oder Bestandteil der Rezidivtherapie. Ausgeprägte Wechselwirkungen mit CFTR-Modulatoren und Steroiden; Leberfunktion überwachen [LL5].
  • Wirkweise: Prednisolon unterdrückt die allergische Entzündung; Itraconazol vermindert die Pilzlast.
  • Indikation: behandlungsbedürftige aktive ABPA; ein isolierter Aspergillus-Nachweis begründet keine automatische systemische Therapie [LL5].
  • Kontraindikationen: substanzspezifisch; bei Itraconazol insbesondere relevante Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und problematische Arzneimittelinteraktionen beachten.
  • Nebenwirkungen: Prednisolon unter anderem Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker), Infektionen, Osteoporose (eine verminderte Festigkeit der Knochen) und Nebennierenrindensuppression; Itraconazol unter anderem Hepatotoxizität (eine schädigende Wirkung auf die Leber) und kardiale Nebenwirkungen.

Pankreasenzympräparate bei exokriner Pankreasinsuffizienz

Wirkstoff Besonderheiten
Pankreatin mit magensaftresistenten Mikropellets Mit den Mahlzeiten einnehmen, nicht zerkauen; Anpassung an Nahrungsmenge, Stuhlbefund, Wachstum und Gewicht. Unter CFTR-Modulation Bedarf gegebenenfalls neu beurteilen [LL6].
  • Wirkweise: Ersatz fehlender Verdauungsenzyme.
  • Indikation: nachgewiesene exokrine Pankreasinsuffizienz; nicht allein die CF-Diagnose [LL6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Bestandteile beziehungsweise Schweineproteine; akute abdominale Beschwerden vor Dosiserhöhung abklären.
  • Nebenwirkungen: Bauchbeschwerden, Obstipation (Verstopfung) oder Diarrhoe (Durchfall); bei hohen Dosen Risiko einer fibrosierenden Kolonopathie (einer Vernarbung und Verengung des Dickdarms) [LL6].

Insuline bei CF-assoziiertem Diabetes

Wirkstoff Besonderheiten
Insulin; prandiales Insulin und gegebenenfalls Basalinsulin Standardtherapie des CFRD. Orale Antidiabetika ersetzen Insulin nicht regelhaft; gemeinsame Betreuung durch CF-Zentrum und Diabetologie [LL7].
  • Wirkweise: Ersatz der unzureichenden Insulinsekretion.
  • Indikation: diagnostizierter CFRD; nach Beginn hochwirksamer CFTR-Modulation Insulinbedarf erneut prüfen [LL7].
  • Kontraindikationen: aktuelle Hypoglykämie (zu niedriger Blutzucker) für eine zusätzliche blutzuckersenkende Dosis; Dosis an Nahrungszufuhr und Verlauf anpassen.
  • Nebenwirkungen: insbesondere Hypoglykämien und lokale Injektionsreaktionen.

Weitere Organmanifestationen

  • Ursodesoxycholsäure nicht routinemäßig zur Prävention einer fortgeschrittenen CF-Lebererkrankung verordnen; bestehende hepatobiliäre Erkrankungen (Erkrankungen der Leber und der Gallenwege) individuell hepatologisch behandeln [LL8].
  • Theophyllin ist keine Standardtherapie eines Cor pulmonale (Belastung und Vergrößerung der rechten Herzhälfte infolge einer Lungenerkrankung) bei CF. Diuretika ausschließlich bei entsprechender kardialer beziehungsweise hepatischer Indikation, unter Kontrolle von Volumenstatus, Nierenfunktion und Elektrolyten [LL1].
  • Bei distal-intestinalem Obstruktionssyndrom (Verstopfung des unteren Dünndarms durch zähen Darminhalt) zunächst Schweregrad und mechanische Obstruktion (eine körperliche Blockierung, zum Beispiel im Darm) abklären; Rehydratation und geeignete osmotische Therapie im spezialisierten Behandlungskonzept. Keine pauschale Empfehlung für Einläufe bei jeder akuten Darmobstruktion [LL1].
  • Vitamin- und Elektrolytersatz richtet sich nach klinischem Bedarf, Ernährungszustand und nachgewiesenen Defiziten; keine generelle Indikation für monatliche Vitamin-B12-Injektionen, Eisen oder Calcium bei sämtlichen CF-Patienten [LL1].

Weitere Hinweise

  • Die COMBAT-CF-Studie zeigte unter Azithromycin bei sehr jungen Kindern weniger bestimmte entzündliche und klinische Ereignisse, jedoch keine Verminderung der strukturellen Lungenschädigung im Alter von 36 Monaten. Daraus folgt keine allgemeine Empfehlung zur prophylaktischen Azithromycinbehandlung aller Säuglinge mit CF [4].
  • Multiresistente nichttuberkulöse Mykobakterien, insbesondere Mycobacterium abscessus, erfordern ein spezialisiertes, resistenzorientiertes Mehrfachregime. Übertragbare Erregerlinien unterstreichen die Bedeutung der Infektionsprävention [1].
  • Die Behandlung mit teils genetisch modifizierten Bakteriophagen wurde bei einer schwer erkrankten Patientin beschrieben. Sie ist weiterhin keine etablierte CF-Standardtherapie und bleibt spezialisierten Einzelfallkonzepten beziehungsweise klinischer Forschung vorbehalten [2].

Abkürzungsverzeichnis

  • CF: Mukoviszidose
  • CFTR: Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator; Eiweiß, dessen Veränderung Mukoviszidose verursacht
  • ABPA: allergische bronchopulmonale Aspergillose
  • ICS: inhalative Corticosteroide
  • NTM: nichttuberkulöse Mykobakterien
  • MSSA: Methicillin-empfindlicher Staphylococcus aureus
  • MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
  • CFRD: CF-bedingter Diabetes
  • CYP3A: Enzymgruppe, die am Abbau von Arzneimitteln beteiligt ist
  • DNA: Erbsubstanz
  • DNase: Enzym, das DNA abbaut
  • ALT: Alanin-Aminotransferase
  • AST: Aspartat-Aminotransferase
  • I.E.: Internationale Einheiten
  • i.v.: in eine Vene verabreicht
  • p.o.: über den Mund eingenommen
  • kg: Kilogramm
  • µg: Mikrogramm

Literatur

  1. Bryant JM et al.: Emergence and spread of a human-transmissible multidrug-resistant nontuberculous mycobacterium. Science. 2016;354:751-757. doi: 10.1126/science.aaf8156
  2. Dedrick RM et al.: Engineered bacteriophages for treatment of a patient with a disseminated drug-resistant Mycobacterium abscessus. Nat Med. 2019;25:730-733. doi: 10.1038/s41591-019-0437-z
  3. Middleton PG, Mall MA, Dřevínek P et al.: Elexacaftor-Tezacaftor-Ivacaftor for Cystic Fibrosis with a Single Phe508del Allele. N Engl J Med. 2019;381:1809-1819. doi: 10.1056/nejmoa1908639
  4. Stick SM, Foti A, Ware RS et al.: The effect of azithromycin on structural lung disease in infants with cystic fibrosis (COMBAT CF): a phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Lancet Respir Med. 2022;10:776-784. doi: 10.1016/s2213-2600(22)00165-5
  5. Keating C et al.: Vanzacaftor-tezacaftor-deutivacaftor versus elexacaftor-tezacaftor-ivacaftor in individuals with cystic fibrosis aged 12 years and older (SKYLINE Trials VX20-121-102 and VX20-121-103): results from two randomised, active-controlled, phase 3 trials. Lancet Respir Med. 2025;13:256-271. doi: 10.1016/s2213-2600(24)00411-9

Leitlinien und Konsensusempfehlungen

  1. European Cystic Fibrosis Society: Standards for the care of people with cystic fibrosis; establishing and maintaining health. J Cyst Fibros. 2024;23:12-28. Publikation; ergänzend: recognising and addressing CF health issues. J Cyst Fibros. 2024;23:187-202. doi: 10.1016/j.jcf.2024.01.005 [LL1]
  2. S3-Leitlinie: Lungenerkrankung bei Mukoviszidose: Pseudomonas aeruginosa. AWMF-Registernummer: 026 - 022, aktualisierte Fassung Februar 2023. Langfassung [LL2]
  3. Cystic Fibrosis Foundation: Chronic Medications to Maintain Lung Health Clinical Care Guidelines. Empfehlungen und Evidenzbewertung [LL3]
  4. Cystic Fibrosis Foundation: Pulmonary Exacerbations Clinical Care Guidelines. Empfehlungen [LL4]
  5. Agarwal R et al.: Revised ISHAM-ABPA working group clinical practice guidelines for diagnosing, classifying and treating allergic bronchopulmonary aspergillosis/mycoses. Eur Respir J. 2024;63:2400061. doi: 10.1183/13993003.00061-2024 [LL5]
  6. Cystic Fibrosis Foundation: Pancreatic Enzymes Clinical Care Guidelines. Empfehlungen [LL6]
  7. Cystic Fibrosis Foundation: Cystic Fibrosis-Related Diabetes Clinical Care Guidelines. Empfehlungen [LL7]
  8. Cystic Fibrosis Foundation: Cystic Fibrosis Screening, Evaluation, and Management of Hepatobiliary Disease. 2024. Konsensusempfehlungen; doi: 10.1097/hep.0000000000000646 [LL8]

Fachinformationen

  1. Kaftrio: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI1]
  2. Alyftrek: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI2]
  3. Kalydeco: Europäische Produktinformation. Produktinformation und Zulassungsangaben [FI3]
  4. Orkambi: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI4]
  5. Symkevi: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI5]
  6. Pulmozyme: Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI6]
  7. Bronchitol: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI7]
  8. TOBI und TOBI Podhaler: Produktinformationen. TOBI; TOBI Podhaler [FI8]
  9. Cayston: Europäische Produktinformation. Produktinformation [FI9]
  10. Colobreathe: Europäische Produktinformation für das Trockenpulver. Produktinformation [FI10]
  11. Quinsair: Europäische Produktinformation. Fachinformation [FI11]