Husten – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Behandlung der zugrunde liegenden Ursache des Hustens.
- Linderung eines belastenden Hustenreizes sowie Verbesserung von Nachtschlaf und Lebensqualität.
- Erhalt einer ausreichenden mukoziliären Sekretclearance (Selbstreinigung der Atemwege durch den Abtransport von Schleim) bei produktivem Husten (Husten mit Auswurf).
- Vermeidung von Komplikationen, Chronifizierung (Übergang in einen dauerhaften Verlauf) sowie unnötiger oder potenziell schädlicher Pharmakotherapie.
Grundsätze der Pharmakotherapie
- Einteilung nach Dauer: akuter Husten bis 3 Wochen, subakuter Husten 3-8 Wochen und chronischer Husten länger als 8 Wochen.
- Ursachenbezogene Therapie: Husten ist ein Symptom. Vorrangig ist die Behandlung der auslösenden Erkrankung; eine rein symptomatische Therapie soll zeitlich begrenzt und an der individuellen Belastung ausgerichtet werden [LL1-LL3].
- Akuter und subakuter Husten ohne Red Flags: Bei typischem Verlauf reichen im Regelfall Anamnese und körperliche Untersuchung aus. Eine medikamentöse Therapie ist häufig nicht erforderlich [LL1].
- Antibiotika: Bei unkompliziertem akutem Husten beziehungsweise akuter Bronchitis (akuter Entzündung der Bronchien) sind Antibiotika nicht indiziert. Sie kommen nur bei gesicherter oder hinreichend wahrscheinlicher bakterieller Ursache beziehungsweise definierter krankheitsspezifischer Indikation in Betracht [LL1].
- Produktiver Husten: Die Sekretclearance darf nicht relevant beeinträchtigt werden. Antitussiva und Expektorantien sollen nicht routinemäßig gleichzeitig angewendet werden; eine ausnahmsweise zeitlich getrennte Kurzzeitanwendung setzt eine gesicherte Sekretmobilisation voraus.
- Flüssigkeitszufuhr: Empfohlen wird eine bedarfsgerechte Hydratation. Eine forcierte Flüssigkeitszufuhr von mehr als 1,5 l/Tag ist nicht regelhaft erforderlich und bei Herz- oder Niereninsuffizienz (Herz- oder Nierenschwäche) potenziell nachteilig.
- Dosierungsangaben: Die nachfolgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Zulassungsstatus, Fachinformation, Alter, Schwangerschaft und Stillzeit, Organfunktion, Komedikation sowie Wechselwirkungen sind stets zu berücksichtigen.
Therapieempfehlungen nach Dauer und klinischem Phänotyp
- Akuter Husten bis 3 Wochen: Bei viraler Infektion der oberen Atemwege oder unkomplizierter akuter Bronchitis stehen Aufklärung über den selbstlimitierenden Verlauf und eine bedarfsorientierte Symptomkontrolle im Vordergrund. Bei Fieber, Kopf-, Hals- oder Gliederschmerzen können Paracetamol oder Ibuprofen entsprechend Fachinformation eingesetzt werden. Bei stark belastendem trockenem Reizhusten ist eine kurzzeitige antitussive Therapie, vorzugsweise für wenige Tage, vertretbar. Bei produktivem Husten können Sekretolytika im Einzelfall versucht werden; der durchschnittliche Nutzen ist begrenzt und heterogen [LL1].
- Subakuter Husten von 3-8 Wochen: Häufig liegt ein postinfektiöser Husten (Husten nach einer Infektion) vor, der spontan abklingt. Eine routinemäßige Behandlung mit inhalativen Glucocorticosteroiden, Bronchodilatatoren, Montelukast oder Antibiotika verkürzt den Verlauf nicht verlässlich [6]. Bei klinischem Verdacht auf eine vorübergehende bronchiale Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit der Bronchien) beziehungsweise ein infektgetriggertes Asthma (durch einen Infekt ausgelöste anfallsartige Atemwegserkrankung) kann ein zeitlich begrenzter Therapieversuch mit einem inhalativen Glucocorticosteroid, gegebenenfalls kombiniert mit einem langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum, erfolgen; das Ansprechen ist nach 10-14 Tagen zu prüfen [LL1]. Bei rhinitischer oder rhinosinusitischer Symptomatik kommen nasale Glucocorticosteroide in Betracht. Eine antibiotische Pertussistherapie beeinflusst die Hustendauer vor allem bei sehr frühem Beginn; im späteren Verlauf dient sie primär der Reduktion der Erregerübertragung.
- Chronischer Husten länger als 8 Wochen: Eine unspezifische Langzeittherapie soll vermieden werden. Erforderlich sind eine strukturierte Ursachenabklärung und anschließend eine phänotyp- beziehungsweise erkrankungsspezifische Therapie. Zur Basisdiagnostik gehören in der Regel Röntgen-Thorax und Lungenfunktionsprüfung; weiterführende Untersuchungen werden nach klinischem Verdacht veranlasst [LL1-LL3].
Ursachenbezogene Pharmakotherapie des chronischen Hustens
- ACE-Hemmer-induzierter Husten: Umstellung auf eine andere Wirkstoffklasse, im Regelfall einen Angiotensin-II-Rezeptorblocker. Persistiert der Husten länger als etwa 3 Wochen nach Absetzen beziehungsweise Umstellung, ist eine weitere Ursachenabklärung erforderlich [LL1].
- Asthma bronchiale, Cough-Variant-Asthma (Asthma mit Husten als Hauptsymptom) oder nichtasthmatische eosinophile Bronchitis (Entzündung der Bronchien mit bestimmten weißen Blutkörperchen ohne Asthma): Bei begründetem Verdacht ist ein kontrollierter Therapieversuch mit einem inhalativen Glucocorticosteroid oder einer Kombination aus inhalativem Glucocorticosteroid und langwirksamem Beta-2-Sympathomimetikum für etwa 4 Wochen möglich. Nur bei objektivierbarem klinischem Ansprechen soll die Therapie diagnosespezifisch fortgeführt und anschließend auf die niedrigste wirksame Intensität angepasst werden [LL1-LL3].
- Erkrankungen der oberen Atemwege: Bei allergischer Rhinitis (allergischer Entzündung der Nasenschleimhaut) sind nasale Glucocorticosteroide und nicht sedierende H1-Antihistaminika, bei chronischer Rhinosinusitis (chronischer Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) nasale Glucocorticosteroide und Nasenspülungen mit isotoner Kochsalzlösung angezeigt. Eine systemische Glucocorticosteroidtherapie bleibt ausgewählten, fachärztlich begründeten Konstellationen vorbehalten.
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre): Eine empirische Protonenpumpenhemmertherapie bei isoliertem Husten ohne typische Refluxsymptome wird nicht empfohlen. Bei Sodbrennen, Regurgitation (Zurückfließen von Mageninhalt) oder objektiv gesicherter Refluxkrankheit kann ein zeitlich begrenzter, ausreichend dosierter Therapieversuch über 8-12 Wochen erfolgen; ohne relevante Besserung ist die Indikation zu revidieren [LL1-LL3].
- COPD (dauerhafte Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen), Bronchiektasen (dauerhafte Erweiterungen der Bronchien), interstitielle Lungenerkrankungen (Erkrankungen des Lungenstützgewebes), Infektionen, Herzinsuffizienz oder Neoplasien (Gewebeneubildungen): Behandlung entsprechend der jeweiligen Diagnose und krankheitsspezifischen Leitlinie; eine reine Hustenunterdrückung darf notwendige Diagnostik und kausale Therapie nicht verzögern.
Sekretolytika und Expektorantien
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| N-Acetylcystein | Mukolytikum; Nutzen bei unkompliziertem akutem Husten nur begrenzt belegt. Ausreichende Husten- und Sekretclearance erforderlich; Dosierung präparatespezifisch [LL1]. |
| Ambroxol | Sekretolytisch und sekretomotorisch; ohne ärztliche Kontrolle nur kurzzeitig. Bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung (eingeschränkte Funktion von Leber oder Nieren) Dosis beziehungsweise Dosierungsintervall anpassen; bei neu auftretenden Haut- oder Schleimhautläsionen (Schädigungen der Haut oder Schleimhaut) sofort absetzen [LL1, FI5]. |
- Wirkweise: N-Acetylcystein spaltet Disulfidbrücken in Mukoproteinen und vermindert die Viskosität des Bronchialsekrets; Ambroxol wirkt sekretolytisch, sekretomotorisch und fördert die Surfactantbildung.
- Indikationen: Kurzzeitiger Therapieversuch bei produktivem Husten mit zähem, schwer mobilisierbarem Sekret und subjektivem Behandlungswunsch; bei chronischen bronchopulmonalen Erkrankungen (Erkrankungen der Bronchien und der Lunge) nur diagnosespezifisch.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff beziehungsweise weitere präparatespezifische Gegenanzeigen. Bei eingeschränktem Hustenstoß oder unzureichender Sekretclearance, Asthma bronchiale, Ulkusanamnese (Vorgeschichte mit Magen- oder Darmgeschwüren) sowie schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung.
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen; selten Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Bronchien). Unter Ambroxol sehr selten schwere kutane Arzneimittelreaktionen (schwere Hautreaktionen auf Arzneimittel); bei N-Acetylcystein charakteristischer Schwefelgeruch sowie selten anaphylaktoide Reaktionen (schwere allergieähnliche Reaktionen).
Beachte: Die regelhafte Kombination mit Antitussiva ist zu vermeiden, da ein Sekretstau (Ansammlung von Schleim in den Atemwegen) entstehen kann.
Antitussiva bei akutem oder subakutem trockenem Reizhusten
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Dextromethorphan | Zentral wirksames nichtopioides Antitussivum. Relevante serotonerge und zentralnervöse Wechselwirkungen; Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial, besonders bei hohen Dosen [LL1, FI3]. |
| Levodropropizin | Peripher wirksames Antitussivum. Nicht bei ausgeprägter Bronchorrhoe (übermäßige Bildung von Bronchialsekret) oder eingeschränkter mukoziliärer Funktion; Vorsicht bei schwerer Niereninsuffizienz und älteren Patienten [FI2]. |
| Pentoxyverin | Zentral und peripher antitussiv; sedierende und anticholinerge Effekte möglich. Die Dosierung ist von Darreichungsform und Konzentration abhängig [FI4]. |
- Wirkweise: Dextromethorphan hemmt den zentralen Hustenreflex; Levodropropizin reduziert die Aktivierung peripherer afferenter C-Fasern; Pentoxyverin wirkt zentral antitussiv und besitzt zusätzliche periphere beziehungsweise spasmolytische Eigenschaften.
- Indikationen: Stark belastender, unproduktiver Reizhusten, insbesondere bei relevant gestörtem Nachtschlaf; niedrigste wirksame Dosis und kürzestmögliche Behandlungsdauer.
- Kontraindikationen: Produktiver Husten mit erheblicher Sekretretention (Zurückhalten von Schleim in den Atemwegen), relevante Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung) und jeweilige präparatespezifische Gegenanzeigen. Dextromethorphan darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern beziehungsweise innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen eingesetzt werden; weitere serotonerge Komedikation erfordert besondere Vorsicht. Levodropropizin ist unter anderem bei schwerer Leberfunktionsstörung und in der Stillzeit kontraindiziert; Pentoxyverin unter anderem bei Ateminsuffizienz, ausgeprägter ZNS-Depression (Dämpfung des zentralen Nervensystems), Leberinsuffizienz (unzureichende Leberfunktion) sowie in Schwangerschaft und Stillzeit [FI2-FI4].
- Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit und gastrointestinale Beschwerden; Überempfindlichkeitsreaktionen. Dextromethorphan kann bei Überdosierung oder Interaktionen ein Serotoninsyndrom (gefährliche Überstimulation durch Serotonin), schwere neurologische Symptome, Atemdepression (Abflachung oder Verlangsamung der Atmung) sowie ein Abhängigkeitssyndrom (Abhängigkeitserkrankung) verursachen; Pentoxyverin kann anticholinerge Effekte hervorrufen.
Beachte: Codein und Dihydrocodein sind bei akutem Husten wegen begrenzter Evidenz, Sedierung (Dämpfung und Schläfrigkeit), Atemdepression, Obstipation (Verstopfung), Abhängigkeitspotenzial und interindividuell variabler metabolischer Aktivierung keine Routineoption. Dihydrocodein wird in der aktuellen DGP-Leitlinie nicht empfohlen [LL1].
Therapierefraktärer oder ungeklärter chronischer Husten
Ein therapierefraktärer chronischer Husten (trotz Behandlung fortbestehender dauerhafter Husten) liegt vor, wenn der Husten trotz adäquater Behandlung einer identifizierten Grunderkrankung persistiert. Ein ungeklärter chronischer Husten (dauerhafter Husten ohne feststellbare Ursache) besteht trotz strukturierter Diagnostik ohne hinreichende Ursache. Vor beziehungsweise parallel zu einer medikamentösen Neuromodulation soll eine multimodale Husten-Kontroll-Therapie, insbesondere eine spezialisierte logopädische beziehungsweise physiotherapeutische Intervention, angeboten werden [LL1-LL3].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Gefapixant | P2X3-Rezeptorantagonist; zugelassen für Erwachsene mit therapierefraktärem oder ungeklärtem chronischem Husten. Für Dialysepatienten besteht keine Dosierungsempfehlung. Der mittlere Zusatznutzen gegenüber Placebo ist moderat; geschmacksbezogene Nebenwirkungen sind sehr häufig. Aktuelle Verfügbarkeit und Erstattungsstatus vor Verordnung prüfen [1, 2, LL1, FI1]. |
| Gabapentin | Off-Label-Use. Nierenfunktionsabhängige Dosisanpassung; nach längerer Anwendung ausschleichen. Wirkung und Verträglichkeit früh kontrollieren [3, LL1-LL3]. |
| Pregabalin | Off-Label-Use. Evidenz insbesondere in Kombination mit Husten-Kontroll-Therapie; nierenfunktionsabhängige Dosisanpassung und ausschleichendes Absetzen [4, LL1-LL3]. |
| Morphin retard | Off-Label-Use und Betäubungsmittel. Nur bei schwerem therapierefraktärem Husten nach fachärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung. Bei fehlendem raschem klinischem Nutzen keine Dosissteigerung, sondern Absetzen [5, LL1-LL3]. |
- Wirkweise: Gefapixant blockiert ATP-abhängige P2X3-Rezeptoren an vagalen sensorischen Fasern; Gabapentin und Pregabalin vermindern die neuronale Erregbarkeit über die Alpha-2-delta-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle; Morphin moduliert die zentrale Verarbeitung des Hustenreizes.
- Indikationen: Klinisch relevanter therapierefraktärer oder ungeklärter chronischer Husten nach vollständiger strukturierter Abklärung, Ausschluss behandelbarer Ursachen und dokumentierter Beeinträchtigung von Lebensqualität beziehungsweise Alltag.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und jeweilige präparatespezifische Gegenanzeigen. Bei Gabapentinoiden sind Nierenfunktion, Sturzrisiko, Suchterkrankungen und zentral dämpfende Komedikation zu beachten. Morphin ist unter anderem bei relevanter Atemdepression, akutem schwerem Asthmaanfall, paralytischem Ileus (Darmlähmung) sowie unkontrollierter gleichzeitiger Einnahme zentral dämpfender Substanzen kontraindiziert. Gefapixant ist in Schwangerschaft möglichst zu vermeiden; bei Sulfonamidüberempfindlichkeit (Allergie gegen Sulfonamide) und unbehandelter mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe (nächtlichen Atemaussetzern durch Verengung der oberen Atemwege) ist besondere Vorsicht erforderlich [FI1].
- Nebenwirkungen: Gefapixant: sehr häufig Dysgeusie (veränderter Geschmackssinn), Ageusie (Verlust des Geschmackssinns) und Hypogeusie (verminderter Geschmackssinn), außerdem Schwindel, gastrointestinale Beschwerden und Mundtrockenheit. Gabapentin/Pregabalin: Schwindel, Somnolenz (starke Schläfrigkeit), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), periphere Ödeme (Wassereinlagerungen in Armen oder Beinen), Gewichtszunahme, kognitive Beeinträchtigung (Beeinträchtigung von Denken und Gedächtnis) sowie Entzugs- und Missbrauchsrisiko. Morphin: Obstipation, Übelkeit, Sedierung, Pruritus (Juckreiz), Atemdepression, Toleranz und Abhängigkeit.
Therapiekontrolle: Vor Therapiebeginn sind ein messbares Therapieziel und ein definierter Kontrollzeitpunkt festzulegen, beispielsweise Hustenfrequenz, visuelle Analogskala und Leicester Cough Questionnaire. Ohne klinisch relevante Besserung ist die Behandlung zu beenden; Gabapentinoide und Opioide sind nach längerer Einnahme ausschleichend abzusetzen. Bei Wirkung ist regelmäßig zu prüfen, ob eine Dosisreduktion oder ein Absetzversuch möglich ist.
Phytotherapeutika
- Standardisierte Thymian-Efeu- und Thymian-Primelwurzel-Präparate: Bei akutem Husten beziehungsweise akuter Bronchitis ist eine geringe bis moderate symptomatische Besserung möglich. Die Evidenz ist präparatespezifisch und nicht auf beliebige Tees, Extrakte oder Kombinationen übertragbar [LL1].
- Standardisiertes Myrtol und Cineol: Können bei ausgewählten Patienten mit akutem oder chronischem produktivem Husten die Sekretmobilisation und Beschwerden verbessern; Gegenanzeigen und Interaktionen der jeweiligen Fachinformation beachten.
- Pelargonium-sidoides-Extrakt: Kann die Symptomdauer bei akuten Atemwegsinfekten geringfügig reduzieren; der durchschnittliche Nutzen ist begrenzt. Bei Zeichen einer Leberfunktionsstörung ist das Präparat abzusetzen.
- Ätherische Öle zur Inhalation: Eine robuste Evidenz für eine relevante Verkürzung der Hustendauer fehlt. Menthol-, Kampfer- und stark ätherisch-ölhaltige Präparate dürfen bei Säuglingen und jungen Kindern wegen des Risikos von Laryngospasmus (krampfartige Verengung des Kehlkopfs) beziehungsweise reflektorischer Apnoe (Atemstillstand infolge eines Reflexes) nicht im Gesichts- oder Nasenbereich angewendet werden.
Weitere Hinweise
- Bei subakutem Erkältungshusten konnte in einer systematischen Übersicht für die untersuchten Arzneimittel insgesamt keine verlässliche klinisch relevante Beschleunigung der Genesung nachgewiesen werden; die Evidenz war heterogen und vielfach von niedriger Qualität [6].
- Gelbes oder grünes Sputum (Auswurf) allein beweist keine bakterielle Infektion und rechtfertigt keine Antibiotikatherapie.
- Gefapixant 45 mg 2-mal täglich vermindert Hustenhäufigkeit und -schwere im Mittel nur moderat. Eine Metaanalyse zeigte gegenüber Placebo eine relative Reduktion der Hustenfrequenz im Wachzustand um etwa 17,6 %, eine Verminderung der Hustenstärke auf der visuellen Analogskala um etwa 6,2 mm und eine Verbesserung des Leicester Cough Questionnaire um etwa 1 Punkt; geschmacksbezogene Nebenwirkungen nahmen deutlich zu [2].
- Bei Frauen mit chronisch refraktärem oder ungeklärtem Husten und husteninduzierter Belastungsinkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust bei körperlicher Belastung oder Husten) reduzierte Gefapixant die Inkontinenzepisoden stärker als Placebo; daraus ergibt sich keine eigenständige urogynäkologische Zulassung [7].
- Bilaterale Botulinumtoxin-A-Injektionen in den Musculus thyroarytaenoideus wurden nur in kleinen retrospektiven Fallserien bei refraktärem vermutlich neurogenem Husten (durch eine Fehlsteuerung von Nerven bedingtem Husten) untersucht. Das Verfahren ist experimentell und keine Standardtherapie [8].
Red Flags (Warnzeichen) bei Husten
Bei folgenden Befunden ist eine unverzügliche, gegebenenfalls notfallmäßige Abklärung erforderlich; eine alleinige symptomatische Pharmakotherapie ist nicht ausreichend:
- Akute oder progrediente Dyspnoe (Atemnot), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Zyanose (Blaufärbung von Haut oder Schleimhäuten), Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), relevante Hypoxämie (zu niedriger Sauerstoffgehalt im Blut) oder Erschöpfungszeichen.
- Hämoptysen beziehungsweise Bluthusten.
- Akuter Thoraxschmerz (Brustschmerz), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), ausgeprägte Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck) oder sonstige Kreislaufinstabilität.
- Hohes oder persistierendes Fieber, Schüttelfrost, Sepsiszeichen (Hinweise auf eine Blutvergiftung) oder schwer reduzierter Allgemeinzustand.
- Plötzlicher Hustenbeginn mit Verdacht auf Aspiration (Eindringen von Fremdmaterial in die Atemwege), Fremdkörper, Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) oder toxische Inhalation.
- Schwere Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) oder relevante Multimorbidität (gleichzeitiges Bestehen mehrerer Erkrankungen) mit rascher klinischer Verschlechterung.
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, persistierende Heiserkeit, Dysphagie (Schluckstörung) oder rezidivierende Aspiration.
- Neu aufgetretener oder veränderter Husten bei langjährigem Tabakkonsum, bekannter Tumorerkrankung oder pathologischem Untersuchungs- beziehungsweise Bildgebungsbefund.
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- ACE: Angiotensin-Converting-Enzyme
- ATP: Adenosintriphosphat
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- COPD: chronisch obstruktive Lungenerkrankung
- DGP: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin
- DHA: Docosahexaensäure
- EPA: Eicosapentaensäure
- ERS: European Respiratory Society
- FI: Fachinformation
- H1: Histamin-H1-Rezeptor
- LL: Leitlinie
- MAO: Monoaminoxidase
- P2X3: purinerger P2X3-Rezeptor
- S2k: konsensbasierte Leitlinie der Entwicklungsstufe 2k
- ZNS: zentrales Nervensystem
Literatur
- McGarvey LP, Birring SS, Morice AH et al.: Efficacy and safety of gefapixant, a P2X3 receptor antagonist, in refractory chronic cough and unexplained chronic cough (COUGH-1 and COUGH-2): results from two double-blind, randomised, parallel-group, placebo-controlled, phase 3 trials. Lancet 2022; 399: 909-923. doi:10.1016/S0140-6736(21)02348-5
- Kum E, Patel M, Diab N et al.: Efficacy and Tolerability of Gefapixant for Treatment of Refractory or Unexplained Chronic Cough: A Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis. JAMA 2023; 330: 1359-1369. doi:10.1001/jama.2023.18035
- Ryan NM, Birring SS, Gibson PG: Gabapentin for refractory chronic cough: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2012; 380: 1583-1589. doi:10.1016/S0140-6736(12)60776-4
- Vertigan AE, Kapela SL, Ryan NM, Birring SS, McElduff P, Gibson PG: Pregabalin and Speech Pathology Combination Therapy for Refractory Chronic Cough: A Randomized Controlled Trial. Chest 2016; 149: 639-648. doi:10.1378/chest.15-1271
- Morice AH, Menon MS, Mulrennan SA et al.: Opiate therapy in chronic cough. Am J Respir Crit Care Med 2007; 175: 312-315. doi:10.1164/rccm.200607-892OC
- Speich B, Thomer A, Aghlmandi S et al.: Treatments for subacute cough in primary care: systematic review and meta-analyses of randomised clinical trials. Br J Gen Pract 2018; 68: e694-e702. doi:10.3399/bjgp18X698885
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Fachinformation
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