Asthma bronchiale – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Erreichen und Erhalten einer guten Asthmakontrolle (Kontrolle der Asthmaerkrankung) mit möglichst weitgehender Symptomfreiheit, uneingeschränkter körperlicher Aktivität und normaler bzw. bestmöglicher Lungenfunktion (Funktion der Lunge) [LL1-LL4]
  • Vermeidung von Asthmaexazerbationen (akute Verschlechterungen des Asthmas), Notfallbehandlungen und Hospitalisationen (Krankenhausaufnahmen); wiederholte Exazerbationen sind mit einem beschleunigten Verlust der Lungenfunktion assoziiert [9, LL1, LL3, LL4]
  • Reduktion des Risikos einer asthmabedingten Mortalität (Sterblichkeit) durch konsequente antiinflammatorische (entzündungshemmende) Behandlung und Vermeidung einer Untertherapie [LL1, LL3, LL4]
  • Minimierung therapiebedingter Nebenwirkungen, insbesondere Vermeidung wiederholter bzw. dauerhafter systemischer Glucocorticoidexposition (Belastung durch Glucocorticoide) [LL1, LL3-LL5]
  • Vermeidung krankheitsbedingter Beeinträchtigungen der körperlichen und sozialen Aktivitäten sowie bei Kindern und Jugendlichen der körperlichen und psychosozialen Entwicklung [LL1-LL4]
  • Normalisierung bzw. Optimierung der Lebensqualität [LL1-LL4]
  • Asthma-Remission (Nachlassen oder Verschwinden der Krankheitszeichen) als weiterführendes Therapieziel: Bei geeigneten Patienten kann eine klinische Remission angestrebt werden. Als wesentliche Domänen gelten über mindestens 12 Monate das Fehlen relevanter Asthmasymptome und schwerer Exazerbationen bzw. eines hierfür erforderlichen Einsatzes systemischer Glucocorticoide sowie eine stabile bzw. optimierte Lungenfunktion [1-3].

Das Konzept der „disease-modifying anti-asthmatic drugs“ (DMAAD) beschreibt Behandlungsstrategien, die über eine reine Symptomkontrolle hinaus den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen sollen. Hierzu zählen insbesondere eine konsequente Therapie mit inhalativen Glucocorticoiden (ICS), phänotyp- bzw. endotypspezifische Biologika und bei entsprechender Indikation die spezifische Allergen-Immuntherapie [1].

Form der Asthma-Remission Beschreibung
Spontane Remission Remission ohne vorausgehende krankheitsmodifizierende Therapie, z. B. bei einem Teil der Asthmaformen des Kindes- und Jugendalters [2, 3]
Off-Treatment-Remission Remission ohne laufende Asthmamedikation über mindestens 12 Monate [2]
On-Treatment-Remission Klinische Remission unter fortgesetzter antiinflammatorischer Therapie bzw. Biologikatherapie [2, 3]

Therapieempfehlungen

  • ICS-haltige Therapie: Inhalative Glucocorticoide (ICS) bilden die Grundlage der antiinflammatorischen Asthmatherapie. Erwachsene, Jugendliche und Kinder sollen entsprechend Alter und Therapiestufe eine ICS-haltige Behandlungsstrategie erhalten [LL1-LL4].
  • Keine LABA-Monotherapie: Lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika (LABA) dürfen beim Asthma nicht ohne gleichzeitige ICS-Therapie eingesetzt werden [LL1-LL4].
  • Stufentherapie: Die Intensität der Behandlung richtet sich nach Asthmakontrolle, Exazerbationsrisiko (Risiko akuter Asthmaverschlechterungen), Lungenfunktion, Begleiterkrankungen und bisherigem Therapieansprechen [LL1-LL4].
  • Vor jeder Therapieintensivierung sollen Diagnose, Inhalationstechnik, Therapieadhärenz (zuverlässige Anwendung der verordneten Therapie), Allergen- bzw. Schadstoffexposition und relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) überprüft werden [LL1-LL5].
  • Therapiereduktion: Bei über mindestens etwa 2-3 Monate stabil guter Asthmakontrolle kann eine schrittweise Reduktion der Therapie erwogen werden. Bei Erwachsenen und Jugendlichen soll eine ICS-haltige Therapie bei gesicherter Asthmadiagnose grundsätzlich nicht vollständig abgesetzt werden [LL3, LL4].
  • Inhalationstechnik: Die korrekte Anwendung des individuell geeigneten Inhalationssystems muss demonstriert und regelmäßig kontrolliert werden [LL1, LL4].
  • Asthma-Aktionsplan: Patienten sollen einen individuellen schriftlichen Aktionsplan einschließlich des Vorgehens bei Verschlechterung bzw. Exazerbation erhalten [LL1, LL4].
  • Peak-Expiratory-Flow-Messung (PEF-Messung): Eine Peak-Flow-Selbstmessung kann bei entsprechend geschulten Patienten zur Verlaufskontrolle und zum Selbstmanagement eingesetzt werden [LL1].
  • Allergisches Asthma: Bei nachgewiesener klinisch relevanter Sensibilisierung (allergische Empfindlichkeit) soll die Indikation zu einer spezifischen Allergen-Immuntherapie geprüft werden [LL1, LL2, LL4].
  • Antibiotika: Eine Asthmaexazerbation allein stellt keine Indikation für eine Antibiotikatherapie dar. Antibiotika sollen nur bei hinreichendem Hinweis auf eine bakterielle Infektion eingesetzt werden [LL1, LL4].

Medikamentöses Stufenschema für Erwachsene – Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024

Stufe Therapie
1 Bedarfstherapie mit einer Fixkombination aus niedrig dosiertem inhalativem Glucocorticoid (ICS) und Formoterol oder mit einem kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (SABA). Alternative in begründeten Fällen: niedrig dosiertes ICS als Langzeittherapie plus SABA bei Bedarf [LL1].
2 Niedrig dosiertes ICS als Langzeittherapie plus SABA bei Bedarf oder ausschließlich bedarfsorientierte Anwendung einer Fixkombination aus niedrig dosiertem ICS und Formoterol. Alternative in begründeten Fällen: Leukotrienrezeptorantagonist (LTRA) als Langzeittherapie plus SABA bei Bedarf [LL1].
3 Niedrig dosiertes ICS plus lang wirksames Beta-2-Sympathomimetikum (LABA), bevorzugt, oder ICS in mittlerer Dosis. Begründete Alternativen sind niedrig dosiertes ICS plus lang wirksamer Muscarinrezeptorantagonist (LAMA) bzw. niedrig dosiertes ICS plus LTRA [LL1].
4 ICS in mittlerer bis hoher Dosis plus LABA, bevorzugt, oder ICS in mittlerer bis hoher Dosis plus LABA plus LAMA. Begründete Alternativen sind ICS/LABA plus LTRA bzw. ICS in mittlerer bis hoher Dosis plus LAMA [LL1].
5 ICS in hoher Dosis plus LABA plus LAMA; Vorstellung bei einem in der Behandlung des schweren Asthmas erfahrenen Pneumologen (Lungenfacharzt) und Prüfung einer phänotyp-/endotypspezifischen Biologikatherapie. Orale Glucocorticoide (OCS) als Dauertherapie nur bei fehlender Indikation für bzw. Versagen einer geeigneten Biologikatherapie [LL1].

Beachte: Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma Version 5.0 kennzeichnete die ausschließlich bedarfsorientierte Anwendung einer Fixkombination aus niedrig dosiertem ICS und Formoterol in den Stufen 1 und 2 zum Stand Juli 2024 als nicht zugelassen. Der jeweils aktuelle Zulassungsstatus des konkreten Präparates und Anwendungsschemas ist anhand der Fachinformation zu prüfen [LL1].

Ab Stufe 3 kann als Bedarfstherapie entweder ein SABA oder – wenn eine ICS/Formoterol-Fixkombination gleichzeitig die Langzeittherapie darstellt – dieselbe ICS/Formoterol-Kombination eingesetzt werden [LL1].

GINA 2026 – bevorzugte Behandlungsstrategie für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren

Die Global Initiative for Asthma (GINA) bevorzugt international eine antiinflammatorische Bedarfsstrategie mit einer Kombination aus inhalativem Glucocorticoid (ICS) und Formoterol („Track 1“), da diese gegenüber einer SABA-basierten Bedarfsstrategie das Risiko schwerer Exazerbationen vermindert [4-6, LL3, LL4].

GINA-Stufe Bevorzugter Track 1
1-2 Niedrig dosiertes ICS/Formoterol ausschließlich bei Bedarf als antiinflammatorische Bedarfstherapie („anti-inflammatory reliever“, AIR) [4-6, LL3, LL4]
3 Niedrig dosiertes ICS/Formoterol als Erhaltungs- und Bedarfstherapie („maintenance-and-reliever therapy“, MART) [LL3, LL4]
4 ICS/Formoterol in mittlerer Erhaltungsdosis als MART [LL3, LL4]
5 Phänotypisierung/Endotypisierung; ggf. zusätzlich LAMA und/oder Biologikatherapie; eine Hochdosis-ICS/LABA-Therapie ist nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung einzusetzen [LL3-LL5]

Nur Formoterol-haltige ICS/LABA-Fixkombinationen mit raschem Wirkungseintritt können für eine AIR- bzw. MART-Strategie eingesetzt werden. Salmeterol-haltige Kombinationen sind hierfür nicht geeignet [LL3, LL4].

GINA 2026 führt als alternativen „Track 2“ eine Bedarfstherapie mit niedrig dosiertem ICS/SABA bzw. – falls nicht verfügbar – SABA bei gleichzeitig sichergestellter ICS-Langzeittherapie auf. Eine isolierte SABA-Behandlung ohne antiinflammatorische ICS-Exposition soll möglichst vermieden werden [LL3, LL4].

Medikamentöses Stufenschema für Kinder und Jugendliche – Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024

Stufe Langzeittherapie Bedarfstherapie
1 Keine regelhafte Langzeittherapie [LL1] Kurz wirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA); ab 12 Jahren alternativ Fixkombination aus niedrig dosiertem inhalativem Glucocorticoid (ICS) und Formoterol entsprechend Zulassungsstatus [LL1]
2 Niedrig dosiertes ICS bevorzugt oder Leukotrienrezeptorantagonist (LTRA); ab 12 Jahren in begründeten Fällen ausschließlich bedarfsorientiertes niedrig dosiertes ICS/Formoterol [LL1] SABA; bei bedarfsorientierter ICS/Formoterol-Therapie kein zusätzliches SABA erforderlich [LL1]
3 ICS in mittlerer Dosis [LL1] SABA [LL1]
4 ICS in mittlerer Dosis plus lang wirksames Beta-2-Sympathomimetikum (LABA) oder LTRA oder ICS plus LABA plus LTRA; bei unzureichender Kontrolle ggf. zusätzlich lang wirksamer Muscarinrezeptorantagonist (LAMA) [LL1] SABA; ab 12 Jahren ggf. ICS/Formoterol, wenn diese Kombination gleichzeitig als Langzeittherapie eingesetzt wird [LL1]
5 Hoch dosiertes ICS in Kombination mit LABA und/oder LTRA bzw. LAMA; kinderpneumologische Mitbehandlung (Mitbehandlung durch einen Kinderlungenfacharzt) erforderlich [LL1, LL6] Entsprechend dem eingesetzten Controller-Konzept [LL1]
6 Zusätzlich zu Stufe 5 nach Phänotypisierung/Endotypisierung ein altersentsprechend zugelassenes Biologikum; orale Glucocorticoide nur als begründete Alternative bzw. Ultima Ratio [LL1, LL6] Entsprechend dem eingesetzten Controller-Konzept [LL1]

Beachte: Bei Kindern und Jugendlichen ab Stufe 4 bestehen Überweisungsindikationen zur pädiatrisch-pneumologischen Mitbehandlung; bei schwierigem bzw. schwerem Asthma soll frühzeitig ein kinderpneumologisch erfahrenes Zentrum einbezogen werden [LL1, LL6].

GINA 2026 – Therapie bei Kindern von 6-11 Jahren

  • Stufe 1: Bedarfsorientiert niedrig dosiertes ICS/Formoterol oder niedrig dosiertes ICS/SABA; bei fehlender Verfügbarkeit einer antiinflammatorischen Bedarfsmedikation SABA unter Sicherstellung einer ICS-Exposition [LL4].
  • Stufe 2: Täglich niedrig dosiertes ICS; weitere Optionen sind in ausgewählten Fällen bedarfsorientierte antiinflammatorische Strategien bzw. LTRA [LL4].
  • Stufe 3: ICS in mittlerer Dosis oder niedrig dosiertes ICS/LABA oder niedrig dosiertes ICS/Formoterol als MART [LL4].
  • Stufe 4: ICS/LABA in mittlerer Dosis oder niedrig dosiertes ICS/Formoterol als MART; bei unzureichender Kontrolle fachärztliche Reevaluation und ggf. Add-on-Therapie [LL4].
  • Stufe 5: Fachärztliche Phänotypisierung; ggf. höher dosiertes ICS/LABA, LAMA bzw. altersentsprechend zugelassenes Biologikum [LL4, LL6].

Die Anwendung von AIR- bzw. MART-Schemata im Kindesalter setzt voraus, dass Wirkstoffkombination, Alter, Inhalationssystem und Dosierung mit der jeweiligen Zulassung und Fachinformation vereinbar sind [LL4].

Bedarfsmedikation (Reliever)

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe/Strategie Stellenwert
ICS/Formoterol Fixkombination aus inhalativem Glucocorticoid (ICS) und Formoterol Antiinflammatorische Bedarfstherapie; nach GINA 2026 bevorzugter Reliever für Erwachsene und Jugendliche sowie Bestandteil der MART-Therapie [4-6, LL3, LL4]
SABA (kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika) Insbesondere Salbutamol Rasche Bronchodilatation (Erweiterung der Bronchien); Bestandteil der NVL-Bedarfstherapie sowie zentrale Akuttherapie des Asthmaanfalls (akuten starken Verschlechterung des Asthmas) [LL1]
SAMA (kurz wirksame Muscarinrezeptorantagonisten) Ipratropiumbromid Nicht als reguläre Asthma-Bedarfstherapie; Add-on zu SABA insbesondere beim schweren bzw. lebensbedrohlichen Asthmaanfall [LL1, LL4]
  • Häufiger SABA-Bedarf: Ein zunehmender bzw. häufiger SABA-Gebrauch ist ein Hinweis auf unzureichende Asthmakontrolle und erfordert eine Überprüfung der antiinflammatorischen Therapie [LL3, LL4].
  • Orale Beta-2-Sympathomimetika: Aufgrund ungünstigerer Wirksamkeit und höherer systemischer Nebenwirkungsrate nicht zur regulären Asthmatherapie empfohlen [LL4].

Kontrollmedikation (Controller)

Wirkstoffgruppe Stellenwert
ICS (inhalative Glucocorticoide) Basis der antiinflammatorischen Asthmatherapie; Reduktion von Symptomen, Exazerbationen, Hospitalisationen und asthmabedingter Mortalität [LL1, LL3, LL4]
ICS/LABA (inhalatives Glucocorticoid plus lang wirksames Beta-2-Sympathomimetikum) Ab höheren Therapiestufen; Formoterol-haltige Kombinationen können bei geeigneter Indikation als MART eingesetzt werden [LL1, LL3, LL4]
LAMA (lang wirksame Muscarinrezeptorantagonisten) Add-on bei unzureichender Kontrolle unter ICS/LABA; insbesondere Tiotropium [8, LL1, LL4]
LTRA (Leukotrienrezeptorantagonisten) Alternative bzw. Add-on-Therapie in ausgewählten Fällen; insgesamt weniger wirksam als ICS, insbesondere hinsichtlich der Exazerbationsprävention [LL1, LL4]
Systemische Glucocorticoide Kurzzeitig bei relevanter Exazerbation; Dauertherapie bei schwerem Asthma nur als Ultima Ratio [LL1, LL3-LL5]
Biologika Add-on bei schwerem Asthma nach Sicherung der Diagnose, Optimierung der inhalativen Therapie und Phänotypisierung/Endotypisierung [LL1, LL5, LL6]

Inhalative Glucocorticoide

  • Wirkweise: Inhalative Glucocorticoide (ICS) sind die wirksamsten antiinflammatorischen Arzneimittel der Asthmatherapie und vermindern Symptome, bronchiale Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit der Bronchien), Exazerbationen, Hospitalisationen und asthmabedingte Mortalität [LL1, LL3, LL4].
  • Dosis: Die niedrigste Dosis verwenden, mit der eine stabile Asthmakontrolle erreicht wird. Ein großer Teil des klinischen Nutzens wird bereits mit niedrigen Dosen erreicht [LL1, LL4].
  • Lokale Nebenwirkungen: Oropharyngeale Candidose (Pilzinfektion im Mund-Rachen-Raum) und Dysphonie (Stimmstörung); nach der Inhalation Mund mit Wasser ausspülen und das Wasser ausspucken. Bei Dosieraerosolen kann ein Spacer das Risiko lokaler Nebenwirkungen reduzieren [LL4].
  • Systemische Nebenwirkungen: Das Risiko nimmt insbesondere bei langfristiger Hochdosistherapie zu; möglich sind u. a. Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der Nebennierenrindenfunktion), Osteoporose (Knochenschwund), Katarakt (Grauer Star) und Glaukom (Grüner Star) [LL1, LL4].
  • Kinder: Eine geringe Beeinflussung der Wachstumsgeschwindigkeit ist möglich; deshalb ist auch im Kindesalter die niedrigste wirksame Dosis anzustreben. Ein unzureichend kontrolliertes Asthma stellt selbst ein relevantes Gesundheits- und Entwicklungsrisiko dar [LL1].
  • Temporäre Dosissteigerung: Eine einfache Verdopplung der ICS-Dosis bei beginnender Verschlechterung ist nicht ausreichend evidenzbasiert. Eine frühzeitige deutliche Dosissteigerung kann bei ausgewählten Erwachsenen als Bestandteil eines schriftlichen Asthma-Aktionsplans einen begrenzten Nutzen haben [7, LL3].

Orientierende ICS-Tagesdosen bei Erwachsenen gemäß NVL Asthma 2024 [LL1]

Inhalatives Glucocorticoid
Beclometasondipropionat, Standardpartikelgröße
Beclometasondipropionat, feine Partikelgröße
Budesonid
Ciclesonid
Fluticasonfuroat
Fluticasonpropionat
Mometasonfuroat, Monopräparat

Die Dosisbereiche sind Orientierungswerte und keine Dosieranleitung. Präparat, Partikelgröße, Inhalationssystem, Fixkombination und jeweilige Fachinformation sind zu berücksichtigen [LL1].

Orientierende ICS-Tagesdosen bei Kindern und Jugendlichen gemäß NVL Asthma 2024 [LL1]

Inhalatives Glucocorticoid
Beclometasondipropionat, Standardpartikelgröße
Beclometasondipropionat, feine Partikelgröße
Budesonid
Ciclesonid
Fluticasonfuroat
Fluticasonpropionat
Mometasonfuroat

Die NVL weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tabelle der klinischen Orientierung und nicht als Dosieranleitung dient und dass Dosisangaben teilweise von Fachinformationen abweichen können [LL1].

Lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika

  • Wirkstoffe: Insbesondere Formoterol und Salmeterol.
  • Wirkweise: Aktivierung bronchialer Beta-2-Adrenozeptoren mit lang anhaltender Bronchodilatation.
  • Formoterol: Rascher Wirkungseintritt; deshalb in geeigneten ICS/Formoterol-Fixkombinationen für Erhaltungs- und Bedarfstherapie im AIR-/MART-Konzept einsetzbar [LL3, LL4].
  • Salmeterol: Langsamerer Wirkungseintritt; ausschließlich zur Erhaltungstherapie zusammen mit ICS, nicht als Akut- bzw. Bedarfstherapie [LL3, LL4].
  • Cave: Lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika (LABA) dürfen beim Asthma nicht als Monotherapie eingesetzt werden [LL1-LL4].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Tremor (Zittern), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Palpitationen (Herzklopfen), Kopfschmerzen und bei höheren Dosen Hypokaliämie [LL4].

Lang wirksame Muscarinrezeptorantagonisten

  • Tiotropium: Etablierte Add-on-Therapie bei unzureichender Kontrolle trotz ICS bzw. ICS/LABA; in höheren Therapiestufen einsetzbar [8, LL1, LL4].
  • Wirkweise: Lang anhaltende Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren mit Bronchodilatation.
  • Nutzen: Verbesserung der Lungenfunktion und bei geeigneten Patienten Reduktion des Exazerbationsrisikos; der zusätzliche Effekt auf die Symptomkontrolle ist im Mittel begrenzt [8, LL4].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Mundtrockenheit; selten Harnverhalt (Unfähigkeit, die Harnblase vollständig zu entleeren) bzw. Verschlechterung eines Engwinkelglaukoms bei okulärer Exposition [LL4].

Leukotrienrezeptorantagonisten

Wirkstoff Stellenwert
Montelukast Alternative bzw. Add-on-Therapie in ausgewählten Fällen [LL1]
Montelukast Alternative bzw. Add-on-Therapie entsprechend Zulassung und Stufenschema [LL1]
Montelukast Alternative bzw. Add-on-Therapie entsprechend Zulassung und Stufenschema [LL1]
  • Wirkweise: Montelukast blockiert den Cysteinyl-Leukotrien-Rezeptor CysLT1 und vermindert leukotrienvermittelte Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien) und Entzündung.
  • Wirksamkeit: Leukotrienrezeptorantagonisten (LTRA) sind hinsichtlich der Exazerbationsprävention im Allgemeinen weniger wirksam als inhalative Glucocorticoide [LL1, LL4].
  • Besonderer Stellenwert: Möglich bei gleichzeitigem allergischem Asthma und allergischer Rhinitis (allergischem Schnupfen) sowie bei Aspirin-/NSAR-exazerbierter Atemwegserkrankung [LL4, LL5].
  • Neuropsychiatrische Nebenwirkungen: Unter Montelukast wurden u. a. Schlafstörungen, Agitiertheit, depressive Symptome und selten schwerwiegende neuropsychiatrische Ereignisse (psychische und neurologische Beschwerden) beschrieben; Nutzen und Risiken sind insbesondere bei leichter Erkrankung sorgfältig abzuwägen [LL1, LL4].

Systemische Glucocorticoide

  • Indikationen: Zeitlich begrenzte Therapie einer relevanten Asthmaexazerbation; eine Dauertherapie soll bei schwerem Asthma nur als Ultima Ratio nach Ausschöpfung steroid-sparender Strategien einschließlich geeigneter Biologika erfolgen [LL1, LL3-LL5].
  • Kurzzeittherapie nach GINA 2026: Bei Erwachsenen üblicherweise Prednisolon 40-50 mg/Tag für 5-7 Tage; bei Kindern Prednisolon 1-2 mg/kg Körpergewicht/Tag bis maximal 40 mg/Tag für 3-5 Tage [LL4].
  • Ausschleichen: Bei einer Behandlungsdauer unter zwei Wochen ist in der Regel kein Ausschleichen erforderlich [LL4].
  • Nebenwirkungen einer Kurzzeittherapie: Hyperglykämie, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden) und Blutdruckanstieg [LL4].
  • Risiken wiederholter bzw. langfristiger Anwendung: U. a. Osteoporose, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Katarakt, Glaukom, Infektionsrisiko, Nebennierenrindensuppression, Hautatrophie, Myopathie (Muskelerkrankung) und psychiatrische Nebenwirkungen [LL1, LL4].

Management des schwierigen und schweren Asthma bronchiale

  • Diagnosesicherung: Vor Einstufung als schweres Asthma müssen Asthmadiagnose bestätigt, relevante Differentialdiagnosen (andere mögliche Diagnosen) ausgeschlossen sowie Inhalationstechnik und Therapieadhärenz überprüft werden [LL1, LL5, LL6].
  • Modifizierbare Faktoren: Rauchen und andere Expositionen, relevante Allergene und Begleiterkrankungen sollen identifiziert und soweit möglich behandelt bzw. reduziert werden [LL1, LL5, LL6].
  • Basistherapie: Hoch dosierte bzw. maximal optimierte ICS/LABA-Therapie, ggf. ergänzt durch LAMA und entsprechend dem individuellen Therapiekonzept MART mit ICS/Formoterol [LL1, LL5].
  • Phänotypisierung/Endotypisierung: Insbesondere allergischer Status, Bluteosinophile, fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid (FeNO), Immunglobulin E (IgE), Exazerbationshistorie (Vorgeschichte akuter Asthmaverschlechterungen), systemischer Glucocorticoidbedarf und Typ-2-Komorbiditäten berücksichtigen [LL5, LL6].
  • Biologikatherapie: Bei entsprechender Indikation gezielt nach Phänotyp/Endotyp, Alter, Zulassung, Exazerbationshistorie, Biomarkern und Komorbiditäten auswählen [LL1, LL5, LL6, Z1-Z7].
  • Therapieansprechen: Nach Einleitung einer Biologikatherapie strukturiert anhand von Exazerbationen, Asthmakontrolle, Lungenfunktion, systemischem Glucocorticoidbedarf, Lebensqualität und Nebenwirkungen beurteilen; bei unzureichendem Ansprechen nach Reevaluation ggf. Wechsel des Biologikums erwägen [LL5].
  • Therapiereduktion: Bei gutem Ansprechen auf ein Biologikum sollen orale Glucocorticoide vorrangig reduziert bzw. beendet werden; nach NVL kann bei stabil guter Kontrolle anschließend auch eine Hochdosis-ICS-Therapie schrittweise reduziert werden [LL1, LL5].

Biologika bei schwerem Asthma

Wirkstoff Zielstruktur Asthma-Indikation/Phänotyp EU-Zulassung für Asthma
Omalizumab Immunglobulin E (IgE) Schweres persistierendes IgE-vermitteltes allergisches Asthma bei geeigneter Sensibilisierung und entsprechendem IgE-/Gewichtsbereich Ab 6 Jahren [Z1]
Mepolizumab Interleukin-5 (IL-5) Schweres refraktäres eosinophiles Asthma (Asthma mit Beteiligung eosinophiler Entzündungszellen) Ab 6 Jahren [Z2]
Benralizumab Interleukin-5-Rezeptor-alpha (IL-5Rα) Schweres eosinophiles Asthma Erwachsene [Z3]
Reslizumab Interleukin-5 (IL-5) Schweres eosinophiles Asthma Erwachsene [Z4]
Dupilumab Interleukin-4-Rezeptor-alpha (IL-4Rα); dadurch Hemmung der IL-4-/IL-13-Signalwege Schweres Asthma mit Typ-2-Inflammation (bestimmte Form der Atemwegsentzündung) Ab 6 Jahren [Z5]
Tezepelumab Thymic Stromal Lymphopoietin (TSLP) Schweres Asthma, das trotz hoch dosierter inhalativer Glucocorticoide plus weiterer Erhaltungstherapie unzureichend kontrolliert ist Ab 12 Jahren [Z6]
Depemokimab Interleukin-5 (IL-5) Schweres Asthma mit Typ-2-Inflammation, charakterisiert durch erhöhte Bluteosinophile Ab 12 Jahren [12, Z7]
  • Anti-IL-5-/Anti-IL-5Rα-Therapie: Die Wahrscheinlichkeit eines guten Ansprechens steigt insbesondere mit höherer Bluteosinophilenzahl, höherer Zahl vorausgegangener schwerer Exazerbationen, adult-onset Asthma und Nasenpolypen (gutartige Schleimhautwucherungen in der Nase) [LL5].
  • Dupilumab: Höhere Bluteosinophile und höheres FeNO sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines guten Ansprechens assoziiert; die Therapie ist auch bei systemischem Glucocorticoidbedarf von besonderem Interesse [LL5, Z5].
  • Tezepelumab: Eine erhöhte Bluteosinophilenzahl ist keine obligate Zulassungsvoraussetzung; höhere Bluteosinophile und höheres FeNO sind jedoch mit einem stärkeren Therapieansprechen assoziiert [LL5, Z6].
  • Depemokimab: In den Phase-III-Studien SWIFT-1 und SWIFT-2 reduzierte Depemokimab 100 mg subkutan in Woche 0 und 26 die annualisierte Rate schwerer Exazerbationen gegenüber Placebo signifikant. Die Europäische Union erteilte am 12. Februar 2026 die Zulassung; die Anwendung bei Asthma erfolgt alle sechs Monate [12, LL5, Z7].

Weitere Add-on-Therapie bei schwerem Asthma

  • Azithromycin: Bei ausgewählten Erwachsenen mit persistierend unkontrolliertem Asthma kann nach spezialärztlicher Beurteilung eine längerfristige niedrig dosierte Azithromycintherapie erwogen werden [13, LL5].
  • AMAZES-Regime: In der randomisierten AMAZES-Studie reduzierte Azithromycin 500 mg dreimal wöchentlich über 48 Wochen bei Erwachsenen mit persistierend symptomatischem Asthma trotz inhalativer Erhaltungstherapie Exazerbationen und verbesserte die asthmabezogene Lebensqualität [13].
  • Sicherheitsaspekte: Vor einer längerfristigen Makrolidtherapie sind insbesondere QT-Zeit, Arzneimittelinteraktionen, Hörvermögen und das Risiko für antimikrobielle Resistenz (Unempfindlichkeit von Krankheitserregern gegenüber antimikrobiellen Arzneimitteln) zu berücksichtigen [13, LL5].
  • Erhaltungs-OCS: Eine Dauertherapie mit oralen Glucocorticoiden (OCS) nur als letzte Behandlungsoption, wenn trotz optimierter inhalativer Therapie und geeigneter Add-on-/Biologikatherapie keine ausreichende Kontrolle erzielt wird [LL1, LL4, LL5].

Nicht bzw. nicht routinemäßig empfohlene Asthmamedikamente

  • Theophyllin: Aufgrund geringer therapeutischer Breite (Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis), relevanter Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen keine reguläre Controller- oder Bedarfstherapie. Intravenös allenfalls als Ultima Ratio unter fachärztlicher bzw. intensivmedizinischer Überwachung bei schwerem, therapierefraktärem (auf die Behandlung nicht ausreichend ansprechendem) Asthmaanfall [LL1].
  • Orale Beta-2-Sympathomimetika: Nicht zur regulären Asthmatherapie empfohlen [LL4].
  • LABA-Monotherapie: Bei Asthma nicht leitliniengerecht [LL1-LL4].
  • Cromoglicinsäure und Nedocromil: Aufgrund geringerer Wirksamkeit bzw. begrenzter Evidenz kein relevanter Stellenwert im aktuellen regulären Stufenschema [LL1, LL4].
  • Ketotifen und systemische Antihistaminika: Keine Controller-Therapie des Asthma bronchiale; ggf. Indikation bei gleichzeitig bestehenden allergischen Erkrankungen.

Spezifische Allergen-Immuntherapie

  • Indikation: Bei allergischem Asthma soll die Indikation geprüft werden, wenn eine spezifische Sensibilisierung nachgewiesen ist und eine eindeutige klinische Beziehung zwischen Allergenexposition und asthmatischen Beschwerden besteht [LL1, LL2].
  • Voraussetzung: Das Asthma soll unter Kontrolle bzw. stabil sein; eine Allergen-Immuntherapie soll bei unkontrolliertem Asthma nicht begonnen werden [LL1, LL4].
  • Hausstaubmilbenallergie: Nach GINA kann bei Erwachsenen und Jugendlichen mit Hausstaubmilbenallergie und trotz ICS bestehendem Asthma eine sublinguale Immuntherapie erwogen werden; bei deutlich eingeschränkter Lungenfunktion ist besondere Vorsicht erforderlich [LL4].

Akuter Asthmaanfall – Erwachsene

Schweregrad Initiale Pharmakotherapie nach NVL Asthma 2024
Leichter bis mittelschwerer Asthmaanfall 2-4 Hübe eines kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetikums (SABA), ggf. nach 10-15 Minuten wiederholen; Prednisolonäquivalent 20-50 mg oral [LL1]
Schwerer Asthmaanfall Sauerstoff mit Zielsättigung 92-96 %, bei Hyperkapnierisiko 88-92 %; 2-4 Hübe SABA, ggf. nach 10-15 Minuten wiederholen; Prednisolonäquivalent 40-50 mg oral oder i.v.; ggf. Ipratropiumbromid 0,5 mg vernebelt oder 80 µg über Dosieraerosol mit Spacer [LL1]
Lebensbedrohlicher Asthmaanfall Umgehende Krankenhausbehandlung mit Notarztbegleitung; Sauerstoff mit Zielsättigung 92-96 %, bei Hyperkapnierisiko 88-92 %; Prednisolonäquivalent 50-100 mg oral oder i.v.; wiederholtes SABA; ggf. Ipratropiumbromid [LL1]
  • Keine ausreichende Besserung: Bei fehlender nachhaltiger Besserung innerhalb von 30-60 Minuten umgehende stationäre bzw. notfallmedizinische Weiterbehandlung [LL1].
  • Magnesiumsulfat: Bei schwerem, auf die Initialtherapie unzureichend ansprechendem Asthmaanfall kann Magnesiumsulfat 2 g i.v. über etwa 20 Minuten erwogen werden; die Evidenz zeigt insbesondere eine Reduktion des Hospitalisationsrisikos bei entsprechend schwerer Exazerbation [10, LL1].
  • Adrenalin: Keine routinemäßige Asthmatherapie; bei gleichzeitig bestehender Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) intramuskulär entsprechend dem Anaphylaxiealgorithmus [LL4].
  • Antibiotika: Ohne Hinweis auf bakterielle Infektion nicht routinemäßig einsetzen [LL1, LL4].
  • Sedativa: Bei akuter Asthmaexazerbation vermeiden [LL4].
  • Parenterale Beta-2-Sympathomimetika bzw. Theophyllin: Allenfalls als Ultima Ratio unter fachärztlicher bzw. intensivmedizinischer Überwachung [LL1].
  • Nachsorge: Nach einer Exazerbation Controller-Therapie, Inhalationstechnik, Therapieadhärenz, Risikofaktoren und Asthma-Aktionsplan überprüfen; GINA empfiehlt eine Kontrolle bei Erwachsenen innerhalb von etwa 2-7 Tagen [LL4].

Akuter Asthmaanfall – Kinder und Jugendliche

Therapie Empfehlung
Kurz wirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA) 2-4 Hübe alle 10-20 Minuten; bei schwerem bzw. lebensbedrohlichem Asthmaanfall wiederholte Anwendung und ggf. Dauerverneblung unter Überwachung [LL1]
Ipratropiumbromid Bei schwerem bzw. lebensbedrohlichem Anfall als Add-on zu SABA; nicht regelhaft beim leichten bis mittelschweren Anfall [LL1]
Prednisolon Bei fehlendem ausreichendem Ansprechen bzw. schwerem Anfall 1-2 mg/kg Körpergewicht oral oder i.v.; GINA 2026 empfiehlt maximal 40 mg/Tag für gewöhnlich 3-5 Tage [LL1, LL4]
Sauerstoff Bei respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche); bei schwerem bzw. lebensbedrohlichem Anfall Zielsättigung gemäß NVL > 94 % [LL1]
Magnesium Bei schwerem, auf die Initialtherapie unzureichend ansprechendem Asthmaanfall 25-50 mg/kg Körpergewicht i.v., maximal 2 g, über 20-30 Minuten [11, LL1]
  • Ultima Ratio: Intravenöse Beta-2-Sympathomimetika und/oder Theophyllin können nur individualisiert unter fachärztlicher bzw. intensivmedizinischer Überwachung erwogen werden [LL1].
  • Antibiotika: Ohne Hinweis auf bakterielle Infektion nicht routinemäßig einsetzen [LL1, LL4].
  • Nachsorge: GINA empfiehlt nach einer Exazerbation bei Kindern eine zeitnahe Kontrolle innerhalb von etwa 2-5 Tagen [LL4].

Schwangerschaft

  • Asthmakontrolle: Eine gute Asthmakontrolle ist für Mutter und Fetus (ungeborenes Kind) wesentlich; eine wirksame Asthmatherapie soll wegen der Schwangerschaft nicht abgesetzt werden [LL1, LL2, LL4].
  • Inhalative Glucocorticoide: Eine ICS-haltige Therapie soll fortgeführt werden. Für Budesonid liegen besonders umfangreiche Schwangerschaftserfahrungen vor [LL1, LL2, LL4].
  • Kontrollen: Asthmakontrolle während der Schwangerschaft regelmäßig überprüfen; GINA empfiehlt Intervalle von etwa 4-6 Wochen [LL4].
  • Asthmaanfall: Exazerbationen konsequent behandeln, um maternale und fetale Hypoxämie (zu niedriger Sauerstoffgehalt im Blut) zu vermeiden. Nach NVL soll Sauerstoff frühzeitig mit einer Zielsättigung von 92-96 %, bei Hyperkapnierisiko 88-92 %, eingesetzt und der Fetus überwacht werden [LL1].

Gastroösophagealer Reflux und Asthma

  • Asymptomatischer gastroösophagealer Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre): Eine empirische Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren allein zur Verbesserung der Asthmakontrolle wird nicht empfohlen [LL4].
  • Symptomatischer gastroösophagealer Reflux: Entsprechend der gastroenterologischen Indikation behandeln; eine Protonenpumpeninhibitor-Therapie ist jedoch keine spezifische Asthmatherapie [LL4].

Weitere Hinweise

  • Exazerbationsprävention: Wiederholte Asthmaexazerbationen sind mit einem stärkeren langfristigen Verlust der Lungenfunktion assoziiert; eine konsequente antiinflammatorische Therapie und Exazerbationsprävention haben deshalb prognostische Bedeutung [9].
  • Therapieadhärenz: Vor der Klassifikation eines Asthmas als schwer bzw. therapierefraktär müssen insbesondere unzureichende Therapieadhärenz und fehlerhafte Inhalationstechnik ausgeschlossen bzw. korrigiert werden [LL1, LL5, LL6].
  • Komorbiditäten: Rhinosinusitis (Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen), Adipositas (starkes Übergewicht), obstruktive Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf durch verengte Atemwege), gastroösophagealer Reflux, psychische Erkrankungen und induzierbare laryngeale Obstruktion (anfallsweise Verengung des Kehlkopfs) können Asthmakontrolle bzw. Symptomlast relevant beeinflussen und sollen gezielt berücksichtigt werden [LL1, LL4, LL5].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für den Energiestoffwechsel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Biotin)
  • Mineralstoffe (Kalium, Magnesium)
  • Spurenelemente (Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), L-Carnitin, Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesiumcitrat und Kaliumcitrat))

Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge von Asthma s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Lommatzsch M, Brusselle GG, Canonica GW et al.: Disease-modifying anti-asthmatic drugs. Lancet. 2022;399(10335):1664-1668. doi: 10.1016/S0140-6736(22)00331-2
  2. Menzies-Gow A, Bafadhel M, Busse WW et al.: An expert consensus framework for asthma remission as a treatment goal. J Allergy Clin Immunol. 2020;145(3):757-765. doi: 10.1016/j.jaci.2019.12.006
  3. Blaiss M, Oppenheimer J, Corbett M et al.: Consensus of an American College of Allergy, Asthma, and Immunology, American Academy of Allergy, Asthma, and Immunology, and American Thoracic Society workgroup on definition of clinical remission in asthma on treatment. Ann Allergy Asthma Immunol. 2023;131(6):782-785. doi: 10.1016/j.anai.2023.08.609
  4. Beasley R, Holliday M, Reddel HK et al.: Controlled Trial of Budesonide-Formoterol as Needed for Mild Asthma. N Engl J Med. 2019;380(21):2020-2030. doi: 10.1056/NEJMoa1901963
  5. O'Byrne PM, FitzGerald JM, Bateman ED et al.: Inhaled Combined Budesonide-Formoterol as Needed in Mild Asthma. N Engl J Med. 2018;378(20):1865-1876. doi: 10.1056/NEJMoa1715274
  6. Bateman ED, Reddel HK, O'Byrne PM et al.: As-Needed Budesonide-Formoterol versus Maintenance Budesonide in Mild Asthma. N Engl J Med. 2018;378(20):1877-1887. doi: 10.1056/NEJMoa1715275
  7. McKeever T, Mortimer K, Wilson A et al.: Quadrupling Inhaled Glucocorticoid Dose to Abort Asthma Exacerbations. N Engl J Med. 2018;378(10):902-910. doi: 10.1056/NEJMoa1714257
  8. Befekadu E, Onofrei C, Colice GL: Tiotropium in asthma: a systematic review. J Asthma Allergy. 2014;7:11-21. doi: 10.2147/JAA.S38841
  9. Soremekun SS, Heaney LG, Skinner D et al.: Asthma exacerbations are associated with a decline in lung function: a longitudinal population-based study. Thorax. 2023;78(7):643-652. doi: 10.1136/thorax-2021-217032
  10. Kew KM, Kirtchuk L, Michell CI: Intravenous magnesium sulfate for treating adults with acute asthma in the emergency department. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(5):CD010909. doi: 10.1002/14651858.CD010909.pub2
  11. Griffiths B, Kew KM: Intravenous magnesium sulfate for treating children with acute asthma in the emergency department. Cochrane Database Syst Rev. 2016;4(4):CD011050. doi: 10.1002/14651858.CD011050.pub2
  12. Jackson DJ et al.: Twice-Yearly Depemokimab in Severe Asthma with an Eosinophilic Phenotype. N Engl J Med. 2024;391(24):2337-2349. doi: 10.1056/NEJMoa2406673
  13. Gibson PG, Yang IA, Upham JW et al.: Effect of azithromycin on asthma exacerbations and quality of life in adults with persistent uncontrolled asthma (AMAZES): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet. 2017;390(10095):659-668. doi: 10.1016/S0140-6736(17)31281-3

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5.0. (AWMF-Registernummer nvl-002) August 2024. Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Fachärztliche Diagnostik und Therapie von Asthma. (AWMF-Registernummer 020-009) März 2023. Langfassung [LL2]
  3. Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2026 Update. Report [LL3]
  4. Global Initiative for Asthma: Asthma Management and Prevention for Adults, Adolescents and Children 6-11 Years. A Summary Guide for Health Professionals. Updated 2026. Summary Guide [LL4]
  5. Global Initiative for Asthma: Difficult-to-Treat & Severe Asthma in Adolescent and Adult Patients. Diagnosis and Management. Version 7.0, May 2026. Severe Asthma Guide [LL5]
  6. S1-Leitlinie: Management von schwierigem und schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer 026-027) 2025. Langfassung [LL6]

Zulassungsinformationen

  1. European Medicines Agency: Xolair (Omalizumab), European Public Assessment Report. EMA [Z1]
  2. European Medicines Agency: Nucala (Mepolizumab), European Public Assessment Report. EMA [Z2]
  3. European Medicines Agency: Fasenra (Benralizumab), European Public Assessment Report. EMA [Z3]
  4. European Medicines Agency: Cinqaero (Reslizumab), European Public Assessment Report. EMA [Z4]
  5. European Medicines Agency: Dupixent (Dupilumab), European Public Assessment Report. EMA [Z5]
  6. European Medicines Agency: Tezspire (Tezepelumab), European Public Assessment Report. EMA [Z6]
  7. European Medicines Agency: Exdensur (Depemokimab), European Public Assessment Report. EMA [Z7]