Schwitzen (Hyperhidrose) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Körpergewicht; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung) und Palpation (Abtasten) der Haut
      • Beurteilung der Schweißsekretion hinsichtlich Lokalisation, Ausdehnung, Symmetrie und Intensität [sichtbar gesteigerte Hautfeuchtigkeit, Schweißperlen bzw. abtropfender Schweiß]
      • Systematische Untersuchung der Prädilektionsstellen (bevorzugten Körperstellen): Axillen (Achselhöhlen), Handflächen, Fußsohlen, Stirn bzw. kraniofazialer Bereich (Kopf- und Gesichtsbereich) und ggf. Inguinalregion (Leistengegend) [primäre fokale Hyperhidrose (primäres örtlich begrenztes übermäßiges Schwitzen): fokale, typischerweise beidseitige und symmetrische gesteigerte Schweißsekretion in einer oder mehreren Prädilektionsregionen]
      • Beurteilung auf eine generalisierte Hyperhidrose (am ganzen Körper verbreitetes übermäßiges Schwitzen) [generalisierte Hyperhidrose: gesteigerte Schweißsekretion an großen Teilen bzw. am gesamten Körper]
      • Klinische Schweregradeinteilung bei axillärer (die Achselhöhle betreffender) bzw. palmoplantarer Hyperhidrose (die Handflächen und Fußsohlen betreffendem übermäßigem Schwitzen):
        • [Grad I – leichte Hyperhidrose: deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit; axillär Schweißflecken von circa 5-10 cm Durchmesser]
        • [Grad II – mäßig starke Hyperhidrose: Bildung von Schweißperlen; axillär Schweißflecken von circa 10-20 cm Durchmesser; palmoplantar auf Handflächen bzw. Fußsohlen begrenztes Schwitzen]
        • [Grad III – starke Hyperhidrose: Schweiß tropft ab; axillär Schweißflecken von mehr als 20 cm Durchmesser; palmoplantar Ausdehnung des Schwitzens auf dorsale Finger bzw. Zehen sowie die seitlichen Ränder von Hand bzw. Fuß]
      • Beurteilung der betroffenen Hautareale auf Folgeerscheinungen der chronischen Durchfeuchtung, insbesondere Mazeration (Aufweichung der Haut), Intertrigo (Wundsein in Hautfalten) und sekundäre bakterielle bzw. mykotische Infektionen (Pilzinfektionen); an den Füßen insbesondere Tinea pedis (Fußpilz) und Keratoma sulcatum (bakterielle Hautveränderung der Fußsohle)
    • Palpation der Lymphknotenstationen, insbesondere bei generalisierter Hyperhidrose, Nachtschweiß oder konstitutionellen Symptomen (Allgemeinsymptomen)
    • Auskultation (Abhören) des Herzens bei Verdacht auf eine sekundäre Hyperhidrose (durch eine andere Erkrankung verursachtes übermäßiges Schwitzen)
    • Auskultation der Lunge bei Verdacht auf eine systemische (den gesamten Körper betreffende) bzw. infektiöse Ursache
    • Palpation des Abdomens (Bauches), insbesondere auf Organomegalie (Organvergrößerung) bzw. abdominelle Raumforderungen (Gewebevermehrungen im Bauchraum) bei klinischem Verdacht auf eine sekundäre Ursache
    • Inspektion und Palpation der Schilddrüse bei klinischem Verdacht auf eine endokrine Ursache (hormonell bedingte Ursache)
  • Ggf. neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – insbesondere bei einseitiger, asymmetrischer oder segmentaler Hyperhidrose (auf einen Körperabschnitt begrenztem übermäßigem Schwitzen) sowie bei begleitenden neurologischen Symptomen; inklusive Prüfung von Hirnnerven, Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsfähigkeit), Reflexstatus und Zeichen einer autonomen Dysfunktion (Funktionsstörung des unwillkürlichen Nervensystems)
  • Ggf. endokrinologische bzw. internistische Untersuchung (Untersuchung auf hormonelle bzw. innere Erkrankungen) – insbesondere bei generalisierter oder neu aufgetretener Hyperhidrose, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, Palpitationen (Herzklopfen) oder sonstigen Hinweisen auf eine sekundäre Ursache; klinische Untersuchung gezielt entsprechend der Verdachtsdiagnose
  • Ggf. dermatologische Untersuchung (Hautuntersuchung) der gesamten Haut bei ausgeprägter oder multifokaler Hyperhidrose (an mehreren Körperstellen auftretendem übermäßigem Schwitzen) sowie bei Verdacht auf hyperhidroseassoziierte Hautkomplikationen (durch übermäßiges Schwitzen bedingte Hautprobleme)
  • Gesundheitscheck

Red Flags (Warnzeichen) bei Hyperhidrose

  • Neu aufgetretene generalisierte Hyperhidrose, insbesondere ohne typische Merkmale einer primären fokalen Hyperhidrose
  • Ausgeprägter Nachtschweiß
  • Einseitiges, deutlich asymmetrisches oder segmentales Schwitzen
  • Fieber, ungeklärter Gewichtsverlust oder Lymphadenopathie (krankhafte Veränderung bzw. Vergrößerung von Lymphknoten)
  • Neurologische Defizite (Ausfälle von Funktionen des Nervensystems) oder andere Zeichen einer zentralen bzw. peripheren neurologischen Erkrankung
  • Ausgeprägte Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Herzrhythmusstörungen oder anfallsartige deutliche Blutdruckerhöhungen
  • Klinische Zeichen einer schweren systemischen Erkrankung

Eine zum Untersuchungszeitpunkt unauffällige Schweißsekretion schließt eine Hyperhidrose nicht aus, da das übermäßige Schwitzen episodisch (anfallsweise) auftreten kann. Bei typischer primärer fokaler Hyperhidrose ist die Diagnose in der Regel anhand von Anamnese (Krankengeschichte) und klinischem Befund möglich.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.