Paget-Karzinom – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Beim mammären Morbus Paget (Krebserkrankung der Brustwarze) ist das Therapieziel die vollständige lokale Tumorkontrolle. Eine medikamentöse Therapie wird nicht wegen des Paget-Befunds allein verordnet, sondern gegebenenfalls nach Histologie, Stadium und Tumorbiologie eines begleitenden duktalen Carcinoma in situ (DCIS) (auf die Milchgänge begrenzter Brustkrebs) oder invasiven Mammakarzinoms (in das umliegende Gewebe eingewachsenen Brustkrebses). Bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS kann eine endokrine Therapie (Behandlung mit hormonwirksamen Medikamenten) das Risiko weiterer Brustkrebsereignisse senken; ein Vorteil für das Gesamtüberleben ist dafür nicht belegt [LL1, LL2, LL3].

Therapieempfehlungen

  • Isolierter Morbus Paget des Mamillen-Areola-Komplexes ohne Invasion: Vollständige Resektion (operative Entfernung) einschließlich Mamillen-Areola-Komplex (R0). Eine adjuvante medikamentöse Systemtherapie ist nicht indiziert. Nach R0-Resektion kann auf eine adjuvante Bestrahlung nach individueller interdisziplinärer Entscheidung verzichtet werden; die AGO bewertet diesen Verzicht 2026 mit „+/−“. Die Entscheidung zur Bestrahlung ist von der Entscheidung zur Arzneitherapie zu trennen [LL2, 1].
  • Morbus Paget mit begleitendem DCIS: Die lokale Therapie richtet sich nach Ausdehnung und Resektionsstatus des DCIS. Nach brusterhaltender Operation wird eine Bestrahlung beim DCIS in der Regel empfohlen. Bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS kann zusätzlich eine endokrine Therapie zur Senkung ipsilateraler und kontralateraler Brustkrebsereignisse angeboten werden; Nutzen, Nebenwirkungen, Menopausenstatus und Patientenpräferenz sind individuell abzuwägen. Weder eine Chemotherapie noch eine anti-HER2-Therapie ist allein aufgrund eines nichtinvasiven DCIS oder HER2-positiver Paget-Zellen angezeigt [LL1, LL2, LL3, 2, 3].
  • Morbus Paget mit invasivem Mammakarzinom: Neoadjuvante oder adjuvante endokrine, zytotoxische und/oder HER2-gerichtete Arzneitherapie richten sich ausschließlich nach Stadium, Risikoprofil sowie Hormonrezeptor- und HER2-Status des invasiven Tumors. Die Auswahl der Schemata erfolgt gemäß „Mammakarzinom/Pharmakotherapie“; die Paget-Manifestation allein ist keine Indikation für ein bestimmtes Systemtherapieregime [LL1, LL2].

Wirkstoffe bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS

Die folgenden Optionen betreffen nur ein begleitendes Östrogenrezeptor-positives DCIS nach lokaler Therapie und stellen keine Behandlung eines isolierten Paget-Karzinoms dar. Für die Entscheidung ist der Östrogenrezeptorstatus des DCIS maßgeblich, nicht die Rezeptorexpression der Paget-Zellen [LL1, LL3].

Selektiver Östrogenrezeptormodulator

Wirkstoff Besonderheiten
Tamoxifen Option bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS in Prä- und Postmenopause; die niedrigere Dosis ist eine leitliniengestützte Alternative, aber nicht als gleich wirksam gegenüber 20 mg in einem direkten Vergleich belegt. Für das konkrete Präparat und die Dosis Zulassungsstatus prüfen [LL1, LL3, 4, 5, FI1].
  • Wirkweise: Selektive Blockade des Östrogenrezeptors im Brustgewebe; Reduktion neuer ipsilateraler und kontralateraler Brustkrebsereignisse [LL1, LL3, FI1].
  • Indikationen: Individuell erwogene adjuvante Prävention bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS; bei invasivem hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom gelten dessen eigene Indikations- und Therapiedauerregeln [LL1, LL3, FI1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, Schwangerschaft und Stillzeit; frühere Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) erfordern eine besonders sorgfältige individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung. Starke CYP2D6-Hemmer wie Paroxetin und Fluoxetin möglichst vermeiden [FI1].
  • Nebenwirkungen: Hitzewallungen, vaginale Beschwerden, erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien sowie Endometriumveränderungen bis zum Endometriumkarzinom (Krebs der Gebärmutterschleimhaut); ungewöhnliche vaginale Blutungen unverzüglich abklären [FI1].

Nichtsteroidaler Aromatasehemmer

Wirkstoff Besonderheiten
Anastrozol Alternative zu Tamoxifen ausschließlich in der Postmenopause bei Östrogenrezeptor-positivem DCIS. Die Anwendung beim DCIS ist in Deutschland gemäß der hier herangezogenen Fachinformation nicht zugelassen (Off-Label-Use); Aufklärung und Verordnungsfähigkeit individuell prüfen. Knochengesundheit berücksichtigen [LL1, 2, 3, FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der Aromatase und damit Verminderung der peripheren Östrogensynthese in der Postmenopause [FI2].
  • Indikationen: Nach individueller Abwägung eine leitliniengestützte Alternative zu Tamoxifen bei postmenopausalen Patientinnen mit Östrogenrezeptor-positivem DCIS (Off-Label-Use); beim invasiven hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom bestehen gesonderte zugelassene Indikationen [LL1, 2, 3, FI2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, Schwangerschaft und Stillzeit. Bei prämenopausalen Patientinnen ohne gesicherte ovarielle Suppression nicht anwenden; Tamoxifen oder östrogenhaltige Arzneimittel nicht gleichzeitig geben [FI2].
  • Nebenwirkungen: Arthralgien (Gelenkschmerzen), Hitzewallungen, vaginale Trockenheit, Knochendichteverlust und erhöhtes Frakturrisiko; bei bestehendem Osteoporoserisiko Knochendichte und geeignete Gegenmaßnahmen prüfen [FI2].

Einordnung: Bei DCIS ersetzt die endokrine Therapie weder eine vollständige lokale Entfernung noch eine indizierte Bestrahlung. Eine adjuvante endokrine Therapie verbessert nach der verfügbaren Evidenz nicht das Gesamtüberleben beim DCIS; sie ist eine Option zur Senkung weiterer Brustkrebsereignisse [LL1, LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die weibliche Vitalität sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Linolsäure, Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Soja-Isoflavone (Daidzein, Genistein, Glycitein))
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), L-Carnitin)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • AGO: Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • ALA: Alpha-Linolensäure
  • CoQ10: Coenzym Q10
  • CYP2D6: Cytochrom-P450-Enzym 2D6
  • DCIS: duktales Carcinoma in situ
  • DHA: Docosahexaensäure
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • FI: Fachinformation
  • GLA: Gamma-Linolensäure
  • HER2: humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2
  • IBIS-II DCIS: International Breast Cancer Intervention Study II zum duktalen Carcinoma in situ
  • LL: Leitlinie
  • NSABP B-35: Studienkennung des National Surgical Adjuvant Breast and Bowel Project
  • R0: vollständige Entfernung des Tumors ohne mikroskopischen Tumor am Resektionsrand
  • S3: höchste methodische Entwicklungsstufe einer deutschen medizinischen Leitlinie
  • TAM-01: Studienkennung zur niedrig dosierten Tamoxifen-Therapie

Literatur

  1. Goh SSN, Syn NLX, Lim CJE et al.: Oncologic outcomes after breast-conserving surgery with radiotherapy versus mastectomy in patients with Paget’s disease of the breast: systematic review and meta-analysis. Br J Surg. 2023;110(11):1451-1457. doi: 10.1093/bjs/znad199 [1]
  2. Margolese RG, Cecchini RS, Julian TB et al.: Anastrozole versus tamoxifen in postmenopausal women with ductal carcinoma in situ undergoing lumpectomy plus radiotherapy (NSABP B-35): a randomised, double-blind, phase 3 clinical trial. Lancet. 2016;387(10021):849-856. doi: 10.1016/S0140-6736(15)01168-X [2]
  3. Forbes JF, Sestak I, Howell A et al.: Anastrozole versus tamoxifen for the prevention of locoregional and contralateral breast cancer in postmenopausal women with locally excised ductal carcinoma in situ (IBIS-II DCIS): a double-blind, randomised controlled trial. Lancet. 2016;387(10021):866-873. doi: 10.1016/S0140-6736(15)01129-0 [3]
  4. DeCensi A, Puntoni M, Guerrieri-Gonzaga A et al.: Randomized Placebo Controlled Trial of Low-Dose Tamoxifen to Prevent Local and Contralateral Recurrence in Breast Intraepithelial Neoplasia. J Clin Oncol. 2019;37(19):1629-1637. doi: 10.1200/JCO.18.01779 [4]
  5. Lazzeroni M, Puntoni M, Guerrieri-Gonzaga A et al.: Randomized Placebo Controlled Trial of Low-Dose Tamoxifen to Prevent Recurrence in Breast Noninvasive Neoplasia: A 10-Year Follow-Up of TAM-01 Study. J Clin Oncol. 2023;41(17):3116-3121. doi: 10.1200/JCO.22.02900 [5]

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. (AWMF-Registernummer: 032-045OL). Version 5.1, Juni 2026. Register; Langfassung [LL1]
  2. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie: Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome. Spezielle Situationen und Tumorentitäten, Morbus Paget der Mamille. Version 2026.1D. Empfehlungen mit Referenzen [LL2]
  3. Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie: Diagnostik und Therapie früher und fortgeschrittener Mammakarzinome. Duktales Carcinoma in situ. Version 2026.1D. Empfehlungen mit Referenzen [LL3]

Fachinformationen

  1. Fachinformation Tamoxifen AbZ 20 mg Tabletten. Stand April 2026. Fachinformation [FI1]
  2. Fachinformation Anablock 1 mg Filmtabletten (Anastrozol). Stand Juni 2025. Fachinformation [FI2]