Wadenschwellung – Differentialdiagnosen

Einseitige Wadenschwellung

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Hereditäres Lymphödem (erblich bedingte Gewebeschwellung durch Lymphstau) – primäres Lymphödem mit häufig frühem Beginn; kann initial einseitig oder deutlich asymmetrisch ausgeprägt sein

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Cellulitis (bakterielle Entzündung von Haut und Unterhaut) – akut schmerzhafte, überwärmte und gerötete Schwellung von Dermis (Lederhaut) und Subkutis (Unterhaut)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Chronische Veneninsuffizienz (chronische Venenschwäche) – chronische oder rezidivierende Schwellung mit Varikosis (Krampfadern), Hyperpigmentierung (verstärkter Hautfärbung) bzw. weiteren venösen Stauungszeichen
  • Lymphödem, erworben (erworbene Gewebeschwellung durch Lymphstau) – chronische, häufig asymmetrische Schwellung, z. B. nach Lymphknotenoperation, Bestrahlung, Tumorerkrankung oder rezidivierenden Entzündungen
  • Postthrombotisches Syndrom (Folgezustand nach einer tiefen Venenthrombose) – chronische venöse Abflussstörung nach tiefer Beinvenenthrombose
  • Superfizielle Thrombophlebitis (oberflächliche Venenentzündung mit Blutgerinnsel) – lokalisierte schmerzhafte Induration (Verhärtung) und Rötung entlang einer oberflächlichen Vene; begleitende Schwellung möglich
  • Tiefe Beinvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene) (TBVT) – wichtigste akut auszuschließende Ursache einer einseitigen Wadenschwellung; typischerweise mit Umfangsdifferenz, Schmerz, Spannungsgefühl und gegebenenfalls Überwärmung

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Erysipel (Wundrose) – akut einsetzende, schmerzhafte, überwärmte und meist scharf begrenzte Hautrötung mit Ödem (Wassereinlagerung im Gewebe) und häufig systemischen Infektionszeichen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Baker-Zyste (Kniekehlenzyste), rupturiert (gerissen) – kann durch Flüssigkeitsaustritt in die Wade eine akute diffuse Schwellung und Schmerzen verursachen und eine tiefe Beinvenenthrombose imitieren
  • Nekrotisierende Fasziitis (schwere gewebezerstörende Entzündung der Muskelhüllen) – rasch progrediente Schwellung mit ausgeprägten, häufig zum Lokalbefund disproportionalen Schmerzen und systemischer Toxizität (schwerer Vergiftungsreaktion des gesamten Körpers)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Pelvine oder retroperitoneale Tumormasse (Tumormasse im Becken oder hinter dem Bauchfell) – venöse oder lymphatische Abflussbehinderung mit persistierender, häufig progredienter einseitiger Beinschwellung
  • Weichteiltumor des Unterschenkels (Tumor des Muskel-, Fett- oder Bindegewebes des Unterschenkels) – persistierende lokalisierte bzw. progrediente Umfangsvermehrung, insbesondere bei tastbarer Raumforderung (Gewebevermehrung)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Achillessehnenruptur (Riss der Achillessehne) – akute Schwellung und Hämatombildung (Blutergussbildung) im distalen Unterschenkel nach typischem Verletzungsmechanismus
  • Akutes Kompartmentsyndrom des Unterschenkels (akuter gefährlicher Druckanstieg in einem abgeschlossenen Muskelraum des Unterschenkels) – zunehmende pralle Schwellung mit starken Schmerzen, insbesondere nach Trauma (Verletzung), Fraktur (Knochenbruch) oder Einblutung; zeitkritischer Notfall
  • Gastrocnemius- oder Soleusverletzung (Verletzung des Zwillingswadenmuskels oder Schollenmuskels) – Muskelzerrung (Überdehnung des Muskels), Muskelfaserriss (Riss einzelner Muskelfasern) oder Muskelruptur (Muskelriss) mit akutem Schmerz, Schwellung und gegebenenfalls Hämatom (Bluterguss)
  • Weichteilhämatom des Unterschenkels (Bluterguss im Weichteilgewebe des Unterschenkels) – insbesondere nach Trauma oder unter Antikoagulation (Blutverdünnung); kann eine tiefe Beinvenenthrombose klinisch imitieren

Beidseitige Wadenschwellung

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Hereditäres Lymphödem – primäre lymphatische Abflussstörung mit chronischer, häufig beidseitiger, teilweise asymmetrischer Beinschwellung

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – Myxödem (teigige Gewebeschwellung bei Schilddrüsenunterfunktion) mit typischerweise nicht eindrückbarer Gewebeschwellung bei ausgeprägter Erkrankung
  • Lipödem (schmerzhafte Fettverteilungsstörung) – chronische, schmerzhafte und symmetrische disproportionale Fettgewebsvermehrung der Beine mit Neigung zu Ödem und Hämatomen; Füße typischerweise ausgespart

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Chronische Veneninsuffizienz – häufige Ursache chronischer beidseitiger, meist distal betonter eindrückbarer Ödeme mit venösen Hautveränderungen
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche), insbesondere Rechts- oder Globalherzinsuffizienz (Rechtsherz- oder Gesamtherzschwäche) – symmetrische abhängige Unterschenkelödeme, häufig mit weiteren Zeichen der systemischen Stauung
  • Iliokavale Venenthrombose (Blutgerinnsel in den Beckenvenen bzw. der unteren Hohlvene) bzw. zentrale venöse Abflussobstruktion (Behinderung des zentralen venösen Blutabflusses) – mögliche Ursache einer akut oder subakut auftretenden ausgeprägten beidseitigen Beinschwellung
  • Lymphödem, erworben – chronische beidseitige Schwellung bei Schädigung oder Überlastung des lymphatischen Abflusses

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Lymphatische Filariose (Fadenwurmerkrankung der Lymphgefäße) – chronisches Lymphödem bis zur Elephantiasis (massiven Schwellung eines Körperteils) bei entsprechender Tropen- bzw. Expositionsanamnese (Vorgeschichte möglicher Kontakte mit Krankheitserregern)

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Leberzirrhose (narbiger Umbau der Leber) bzw. fortgeschrittene Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) – beidseitige periphere Ödeme insbesondere bei portaler Hypertension (erhöhtem Druck in der Pfortader) und Hypalbuminämie (zu niedrigem Albumingehalt im Blut)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Proteinverlustenteropathie (Eiweißverlust über den Darm) – Hypoproteinämie (Eiweißmangel im Blut) bzw. Hypalbuminämie mit symmetrischen peripheren Ödemen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Muskelhypertrophie (Muskelvergrößerung) bzw. Muskelpseudohypertrophie (scheinbare Muskelvergrößerung) – symmetrische Umfangszunahme der Waden ohne echtes Ödem

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Pelvine oder retroperitoneale Tumormasse – Kompression der Vena cava inferior (unteren Hohlvene), der Beckenvenen oder zentraler Lymphbahnen mit beidseitiger Beinschwellung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Gestationsödem (schwangerschaftsbedingte Wassereinlagerung) – physiologisch mitbedingtes symmetrisches abhängiges Ödem, insbesondere im fortgeschrittenen Schwangerschaftsverlauf
  • Präeklampsie (Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck und Organbeteiligung) – Ödeme können begleitend auftreten; differentialdiagnostisch relevant insbesondere bei Hypertonie (Bluthochdruck), Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin) bzw. maternaler Organdysfunktion (mütterlicher Organfunktionsstörung)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Idiopathisches Ödem (Wassereinlagerung ohne erkennbare Ursache) – rezidivierendes bzw. persistierendes Ödem nach Ausschluss kardialer, renaler, hepatischer, venöser, lymphatischer und medikamentöser Ursachen
  • Orthostatisches bzw. dependentes Ödem (lage- bzw. schwerkraftabhängige Wassereinlagerung) – lage- und belastungsabhängige symmetrische Schwellung, typischerweise im Tagesverlauf zunehmend

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) bzw. nephritisches Syndrom (Beschwerdebild bei entzündlicher Nierenerkrankung) – renale Natrium- und Wasserretention (Zurückhaltung von Salz und Wasser durch die Niere) mit peripheren Ödemen
  • Nephrotisches Syndrom (Beschwerdebild durch starken Eiweißverlust über die Niere) – ausgeprägte Proteinurie und Hypalbuminämie mit häufig deutlichen symmetrischen peripheren Ödemen
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), akut oder chronisch – Volumenretention (Flüssigkeitsansammlung im Körper) mit beidseitigen abhängigen Ödemen bei fortgeschrittener Einschränkung der Nierenfunktion

Medikamente

  • Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, insbesondere Amlodipin und Nifedipin – häufige Ursache dosisabhängiger peripherer Ödeme
  • Gabapentinoide – periphere Ödeme insbesondere unter Pregabalin oder Gabapentin möglich
  • Glukokortikoide – Flüssigkeitsretention (Zurückhaltung von Flüssigkeit im Körper) mit peripheren Ödemen insbesondere bei höherer Dosierung bzw. längerer Anwendung
  • Minoxidil – Natrium- und Wasserretention mit peripheren Ödemen
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) – Natrium- und Wasserretention mit peripheren Ödemen
  • Thiazolidindione – ausgeprägte Flüssigkeitsretention und periphere Ödeme; insbesondere bei kardialer Vorerkrankung relevant