Reaktive Arthritis – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Entzündung und Beschwerden kontrollieren: Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen und Funktionsbeeinträchtigungen vermindern und die Beweglichkeit erhalten.
- Eine aktive auslösende Infektion behandeln: Erregerbezogene Therapie bei entsprechender infektiologischer Indikation; bei sexuell übertragbaren Infektionen zusätzlich Reinfektionen (erneute Ansteckungen) und weitere Übertragungen verhindern.
- Persistierende Verläufe behandeln: Anhaltende entzündliche Krankheitsaktivität und strukturelle Gelenkschäden durch eine angemessene rheumatologische Therapie verhindern [LL1, LL6].
Therapieempfehlungen
Die reaktive Arthritis (durch eine vorausgegangene Infektion ausgelöste Gelenkentzündung) ist eine entzündliche Gelenkerkrankung nach einer Infektion außerhalb des Gelenks. Die Behandlung der Arthritis (Gelenkentzündung) und die Behandlung einer gegebenenfalls noch aktiven Infektion sind getrennt zu beurteilen. Eine antibiotische Behandlung der Infektion führt nicht zuverlässig zur Besserung einer bereits manifesten Arthritis [LL1, LL4].
- Vor Beginn einer immunsuppressiven Behandlung: Eine septische Arthritis (durch eine Infektion im Gelenk verursachte Gelenkentzündung) ausschließen. Bei einem akut stark schmerzhaften, geschwollenen Gelenk, insbesondere mit Fieber oder deutlicher Allgemeinzustandsverschlechterung, ist eine zeitnahe Gelenkpunktion mit mikrobiologischer Untersuchung erforderlich. Eine Gonokokkeninfektion (Infektion mit den Erregern des Trippers) kann auch eine disseminierte Infektion (im Körper ausgebreitete Infektion) mit septischer Arthritis verursachen und erfordert dann ein anderes Behandlungskonzept [LL1].
- Therapie nach Manifestation und Verlauf: Akute Beschwerden, persistierende periphere Arthritis (anhaltende Entzündung der Gelenke außerhalb der Wirbelsäule), axiale Beteiligung (Beteiligung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Gelenke) und extraartikuläre Manifestationen (Beschwerden außerhalb der Gelenke) benötigen unterschiedliche Behandlungsschritte [LL1, LL6].
- Begleitende Maßnahmen: Vorübergehende Entlastung stark entzündeter Gelenke, lokale Kühlung und eine dem Entzündungszustand angepasste Physiotherapie unterstützen die medikamentöse Behandlung. Eine längerfristige vollständige Immobilisation (Ruhigstellung) sollte vermieden werden [LL1].
Akuter Verlauf – symptomatische Therapie
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Schmerzen und Entzündung, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Ein ausreichend dosierter, zeitlich begrenzter Therapieversuch ist sinnvoll. Bei unzureichender Wirkung kann auf ein anderes NSAR gewechselt werden; mehrere NSAR sollen nicht gleichzeitig eingesetzt werden [LL1].
- Glucocorticoide:
- Bei einem oder wenigen anhaltend entzündeten Gelenken kann nach Ausschluss einer Gelenkinfektion eine intraartikuläre Behandlung bevorzugt werden [LL1].
- Eine systemische Behandlung kommt bei ausgeprägter Polyarthritis (Entzündung vieler Gelenke), schweren Allgemeinsymptomen oder unzureichender Wirkung beziehungsweise Unverträglichkeit von NSAR infrage. Sie sollte möglichst kurz erfolgen; anschließend Dosisreduktion nach klinischem Ansprechen. Eine routinemäßige niedrig dosierte Langzeittherapie ist nicht das bevorzugte Behandlungskonzept [LL1, FI2].
- Glucocorticoide nicht direkt in Sehnen injizieren; insbesondere an tragenden Sehnen ist wegen des Rupturrisikos (Risikos eines Sehnenrisses) besondere Zurückhaltung erforderlich [LL1].
- Augenbeteiligung: Bei Augenschmerzen, Photophobie (Lichtscheu) oder Visusminderung (Verschlechterung des Sehvermögens) unverzügliche augenärztliche Untersuchung zum Ausschluss beziehungsweise zur Behandlung einer Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut). Glucocorticoidhaltige Augentropfen und gegebenenfalls weitere Arzneimittel werden augenärztlich verordnet [LL1].
Persistierender Verlauf – krankheitsmodifizierende Therapie
- Indikation zur Therapieeskalation: Bei anhaltender objektiver Entzündung und relevanter Funktionsbeeinträchtigung trotz NSAR beziehungsweise lokaler oder kurzfristiger systemischer Glucocorticoidtherapie ist eine rheumatologische Therapieeskalation erforderlich. Bei Beschwerden über mehr als drei Monate, schwerem Verlauf oder erosiven Veränderungen (entzündungsbedingten Schäden an der Knochenoberfläche) sollte eine Basistherapie geprüft werden; bei schwerer Erkrankung gegebenenfalls früher [LL1, LL6].
- Sulfasalazin: Bevorzugtes konventionelles synthetisches DMARD bei persistierender peripherer Arthritis. Die Wirksamkeit ist durch randomisierte Studien gestützt, der Nutzen jedoch nicht bei allen Patienten gleich ausgeprägt. Der 2026 veröffentlichte iberoamerikanische Konsensus bevorzugt ebenfalls Sulfasalazin nach Versagen der initialen entzündungshemmenden Behandlung. Die Anwendung bei reaktiver Arthritis erfolgt außerhalb der spezifischen Zulassung [1, LL6, FI3].
- Methotrexat: Alternative bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit von Sulfasalazin beziehungsweise bei entsprechend schwerem peripheren Verlauf. Die Evidenz bei reaktiver Arthritis ist schwächer als für Sulfasalazin; belastbare randomisierte Studien fehlen. Anwendung außerhalb der spezifischen Zulassung [LL1, FI4].
- Axiale Beteiligung: Sulfasalazin und Methotrexat sind keine ausreichend wirksame Behandlung einer überwiegend axialen Erkrankung. Bei persistierenden entzündlichen Wirbelsäulenbeschwerden ist die Diagnose einer axialen Spondyloarthritis (entzündlich-rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule und der Kreuz-Darmbein-Gelenke) erneut zu prüfen und gegebenenfalls nach deren Behandlungsempfehlungen vorzugehen [LL1, LL4].
- Biologika: TNF-Inhibitoren können bei schwerer, therapierefraktärer Erkrankung in einem rheumatologischen Zentrum erwogen werden. Für die reaktive Arthritis besteht keine spezifische Zulassung; die Evidenz beruht überwiegend auf kleinen Fallserien. Vor Anwendung sind insbesondere aktive Infektionen, Tuberkulose (bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lunge betreffen kann) und Hepatitis B (durch das Hepatitis-B-Virus verursachte Leberentzündung) zu berücksichtigen. Eine regelhafte Empfehlung für Tocilizumab lässt sich aus der verfügbaren Evidenz nicht ableiten [LL1].
Antibiotika – Behandlung einer aktiven auslösenden Infektion
Antibiotika werden nach Erreger, Infektionslokalisation, Erkrankungsschwere, Resistenzlage und individuellen Risiken ausgewählt. Weder persistierende Gelenkbeschwerden noch ein isoliert positiver Antikörperbefund begründen für sich eine Antibiotikatherapie [LL1, LL2, LL3].
- Chlamydia trachomatis:
- Eine nachgewiesene aktive Infektion wird auch bei fehlenden urogenitalen Beschwerden behandelt. Bei unkomplizierter Infektion ist Doxycyclin die bevorzugte Therapie; dies gilt insbesondere auch bei rektaler Infektion [LL2, LL3].
- Azithromycin ist eine situationsabhängige Alternative, beispielsweise in der Schwangerschaft oder wenn Doxycyclin nicht eingesetzt werden kann. Einmalgabe und mehrtägige Schemata sind nicht beliebig austauschbar; die Wahl richtet sich nach der jeweiligen Leitlinie, Infektionslokalisation und möglicher Koinfektion (gleichzeitig bestehender weiterer Infektion) [LL2, LL3].
- Bei Lymphogranuloma venereum (sexuell übertragbarer Chlamydieninfektion, die unter anderem Lymphknoten oder Enddarm betreffen kann) oder komplizierten Infektionen, beispielsweise einer entzündlichen Beckenerkrankung, gelten andere Therapiedauern beziehungsweise Kombinationen als bei unkomplizierter Chlamydieninfektion [LL3].
- Sexualpartner müssen informiert, untersucht und nach den Empfehlungen zum Partnermanagement behandelt werden. Geschlechtsverkehr soll bis zum Abschluss der Behandlung und bis zur Behandlung der Partner vermieden werden; nach Einmaltherapie mindestens sieben Tage. Eine erneute Testung zum Erkennen einer Reinfektion wird innerhalb von drei bis zwölf Monaten empfohlen [LL3].
- Andere urogenitale Erreger: Bei Gonokokkennachweis ist eine gonorrhoegerechte, in der Regel ceftriaxonbasierte Therapie erforderlich. Mycoplasma genitalium wird resistenzgeleitet behandelt. Doxycyclin oder eine Azithromycin-Einmalgabe sind keine universell geeignete Behandlung aller Urethritiden (Harnröhrenentzündungen) [LL2].
- Enterale Auslöser:
- Nach abgeklungener Enteritis (Darmentzündung) durch Salmonellen, Campylobacter, Shigellen oder Yersinien werden keine Antibiotika allein zur Behandlung der reaktiven Arthritis gegeben [LL4].
- Bei noch aktiver Enteritis besteht keine pauschale Antibiotikaindikation. Eine Behandlung wird erregerbezogen insbesondere bei schweren Verläufen, invasiver Infektion (über den ursprünglichen Infektionsort hinaus vorgedrungener Infektion) oder besonderen Risikokonstellationen geprüft. Unkomplizierte Infektionen mit nichttyphoidalen Salmonellen benötigen meist keine Antibiotika; bei Campylobacter- und Shigelleninfektionen können sie bei entsprechender Indikation sinnvoll sein. Bei Shigellen ist die aktuelle Resistenzlage besonders zu beachten [LL5].
- Bei Infektion mit Shigatoxin-bildenden Escherichia coli, insbesondere bei Shigatoxin 2 oder unbekanntem Toxintyp, sollen Antibiotika wegen möglicher Schäden vermieden werden [LL5].
- Respiratorische Auslöser: Eine noch aktive behandlungsbedürftige bakterielle Atemwegsinfektion wird nach der jeweiligen Infektionsleitlinie behandelt. Eine vermutete zurückliegende Infektion oder persistierende Arthritis rechtfertigt keine pauschale Behandlung mit Erythromycin, Clarithromycin oder Azithromycin [LL1, LL4].
Antibiotika – keine routinemäßige Langzeittherapie der Arthritis
Nach Behandlung der initialen Infektion sollen Antibiotika nicht über vier Wochen oder länger allein zur Behandlung einer reaktiven Arthritis nach gastrointestinaler oder urogenitaler Infektion eingesetzt werden. Eine Metaanalyse zeigte keinen gesicherten allgemeinen Nutzen für Gelenkbeschwerden, bei gleichzeitig häufiger auftretenden gastrointestinalen Nebenwirkungen [2, LL4].
In einer kleinen randomisierten Studie mit 42 Patienten mit chronischer, durch molekularbiologischen Erregernachweis ausgewählter Chlamydien-assoziierter Arthritis wurden über sechs Monate Doxycyclin plus Rifampicin oder Azithromycin plus Rifampicin untersucht. Die Kombinationen verbesserten den primären Studienendpunkt häufiger als Placebo. Rifampicin war Bestandteil beider aktiven Behandlungsarme; Azithromycin wurde nicht als alleinige Alternative zur Kombination Doxycyclin plus Rifampicin eingesetzt. Diese Ergebnisse begründen keine allgemeine Routineempfehlung und sind nicht auf postenteritische Arthritis (Gelenkentzündung nach einer Darminfektion) oder lediglich serologisch vermutete Chlamydieninfektionen übertragbar [3].
Eine solche Langzeitbehandlung ist kein etabliertes Standardschema. Falls sie in einer besonders ausgewählten Situation überhaupt diskutiert wird, gehört die Entscheidung in ein rheumatologisch-infektiologisches Zentrum unter Berücksichtigung der begrenzten Evidenz, des Off-Label-Use, der Resistenzentwicklung sowie der ausgeprägten Interaktionen und Hepatotoxizität (leberschädigenden Wirkung) von Rifampicin [2, 3, LL1, LL4].
Wirkstoffe – nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Anwendung in der niedrigsten wirksamen Dosis und für die kürzest erforderliche Dauer; Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen und die jeweilige Fachinformation berücksichtigen.
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Keine Kombination mit weiteren NSAR. Gastrointestinales, renales und kardiovaskuläres Risiko beachten; Gastroprotektion bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko prüfen [LL1, FI1]. |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen mit Verminderung der Prostaglandinsynthese; analgetisch und antiphlogistisch.
- Indikationen: Symptomatische Behandlung entzündlicher Gelenkbeschwerden bei reaktiver Arthritis [LL1].
- Kontraindikationen: Unter anderem aktive oder wiederholte gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) beziehungsweise Blutungen, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Herz), NSAR-Überempfindlichkeit und drittes Schwangerschaftstrimester. Ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender Indikation und unter Beachtung der fetalen Risiken [FI1].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulzera und Blutungen, Flüssigkeitsretention (Einlagerung von Flüssigkeit im Körper), Blutdruckanstieg und Nierenfunktionsverschlechterung; bei hoher Dosierung erhöhtes Risiko arterieller thrombotischer Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel in Schlagadern) [FI1].
Wirkstoffe – systemische Glucocorticoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prednisolon | Kurzfristige Behandlung bevorzugen. Eine starre Dauertherapie mit 7,5 bis 10 mg täglich ist keine allgemeine Empfehlung. Aktive Infektionen und additive Risiken bei gleichzeitiger NSAR-Anwendung berücksichtigen [LL1, FI2]. |
- Wirkweise: Hemmung entzündlicher und immunologischer Signalwege.
- Indikationen: Schwere entzündliche Verläufe, insbesondere bei Beteiligung mehrerer Gelenke oder fehlender ausreichender Behandlungsmöglichkeit mit NSAR [LL1, FI2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei unbehandelten Infektionen besonders strenge Nutzen-Risiko-Abwägung und gegebenenfalls spezifische antiinfektive Begleittherapie. Lebendimpfungen unter relevanter Immunsuppression vermeiden [FI2].
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg, Infektneigung, Schlaf- und Stimmungstörungen; bei längerer Anwendung Osteoporose (Knochenschwund), Myopathie (Muskelerkrankung) und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion in der Nebennierenrinde) [FI2].
Wirkstoffe – konventionelle synthetische DMARDs: Sulfasalazin
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Sulfasalazin | Bevorzugte Basistherapie bei persistierender peripherer Arthritis; Off-Label-Use. Wirkung verzögert. Blutbild, Leber- und Nierenfunktion überwachen [1, LL6, FI3]. |
- Wirkweise: Immunmodulierend und entzündungshemmend; die antirheumatische Wirkung ist nicht mit einer Eradikation des auslösenden Erregers gleichzusetzen.
- Indikationen: Persistierende aktive periphere Arthritis trotz initialer entzündungshemmender Therapie [1, LL6].
- Kontraindikationen: Unter anderem Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide oder Salicylate, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung sowie relevante vorbestehende Blutbildveränderungen [FI3].
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Bauchbeschwerden, Exanthem (Hautausschlag); selten Agranulozytose (starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen), Hepatotoxizität und schwere Hautreaktionen. Reversible Oligospermie (vorübergehend verminderte Anzahl von Spermien) möglich [FI3].
Kontrollen vor Beginn, in den ersten drei Monaten alle zwei Wochen, im vierten bis sechsten Monat monatlich, anschließend alle drei Monate; bei Auffälligkeiten häufiger. Fieber, Halsschmerzen, Schleimhautläsionen (Schäden an den Schleimhäuten) oder Gelbsucht erfordern unverzügliche Abklärung und gegebenenfalls Therapieunterbrechung [FI3].
Wirkstoffe – konventionelle synthetische DMARDs: Methotrexat
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Methotrexat | Off-Label-Use bei reaktiver Arthritis. Ausschließlich einmal wöchentlich, niemals täglich. Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion; bei Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min kontraindiziert [LL1, FI4]. |
- Wirkweise: Folatantagonist; in niedriger Dosierung vor allem immunmodulierend und entzündungshemmend.
- Indikationen: Persistierende periphere Arthritis bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit von Sulfasalazin; eingeschränkte Evidenz [LL1].
- Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung, relevante Blutbildveränderungen und schwere aktive Infektionen [FI4].
- Nebenwirkungen: Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut), Übelkeit, Zytopenien (Verminderung von Blutzellen), Hepatotoxizität und Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes) [FI4].
Blutbild, Leber- und Nierenfunktion vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung kontrollieren. Neue Dyspnoe (Atemnot) oder trockener Husten erfordern zeitnahe Abklärung. Trimethoprim beziehungsweise Cotrimoxazol wegen additiver Knochenmarktoxizität (verstärkter schädigender Wirkung auf die Blutbildung im Knochenmark) vermeiden [FI4].
Wirkstoffe – Tetracycline bei aktiver Chlamydieninfektion
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Doxycyclin | Bevorzugte Therapie einschließlich rektaler Infektion. Behandlung der Infektion, keine gesicherte Therapie einer bereits bestehenden Arthritis. Partnerbehandlung beachten. Mit ausreichend Wasser im Sitzen oder Stehen einnehmen; Abstand zu polyvalenten Kationen [LL2, LL3, FI5]. |
- Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 30S-Untereinheit der Ribosomen; überwiegend bakteriostatisch.
- Indikationen: Aktive unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion; bei komplizierter Infektion abweichende Schemata [LL2, LL3].
- Kontraindikationen: Tetracyclin-Überempfindlichkeit und schwere Leberfunktionsstörung; in Schwangerschaft und Stillzeit für diese Indikation nicht einsetzen [FI5].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung), Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) und Überempfindlichkeitsreaktionen [FI5].
Wirkstoffe – Makrolide als Alternative bei aktiver Chlamydieninfektion
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Azithromycin | Außerhalb der Schwangerschaft Doxycyclin bevorzugen. Bei rektaler Infektion ist die Einmalgabe weniger zuverlässig. Mögliche Mycoplasma-genitalium-Koinfektion und Resistenzselektion berücksichtigen. Keine routinemäßige Dosisreduktion bei leichter bis mäßiger Nierenfunktionsstörung [LL2, LL3, FI6]. |
- Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit der Ribosomen; überwiegend bakteriostatisch.
- Indikationen: Aktive Chlamydieninfektion bei geeigneter Alternativindikation, insbesondere Schwangerschaft; keine Routinebehandlung persistierender Arthritis [LL2, LL3, LL4].
- Kontraindikationen: Makrolid-Überempfindlichkeit; besondere Vorsicht bei relevanter QT-Verlängerung, Elektrolytstörungen, gleichzeitiger Einnahme weiterer QT-verlängernder Arzneimittel oder schwerer Lebererkrankung [FI6].
- Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit, Bauchschmerzen; selten Hepatotoxizität und Herzrhythmusstörungen [FI6].
Beachte
- Antibiotika ersetzen keine antirheumatische Behandlung: Eine fortbestehende Arthritis nach regelrechter Infektionsbehandlung ist kein Beleg für eine fortbestehende antibiotikapflichtige Infektion [LL1, LL4].
- Therapieentscheidung anhand objektiver Entzündung: Persistierende Schmerzen ohne Synovitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut) oder andere entzündliche Befunde erfordern eine erneute Ursachenklärung; sie rechtfertigen nicht automatisch eine Intensivierung der Immunsuppression [LL6].
- Familienplanung: Methotrexat ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Vor Beginn sind Schwangerschaftsausschluss, zuverlässige Kontrazeption und die geschlechtsspezifischen Fristen nach Therapieende gemäß Fachinformation zu besprechen. Sulfasalazin kann die männliche Fertilität vorübergehend vermindern [FI3, FI4].
- Verlaufskontrolle: Gelenkstatus, Funktionsfähigkeit, extraartikuläre Beschwerden, Entzündungsaktivität und Arzneimittelverträglichkeit regelmäßig prüfen. Bei anhaltender oder rezidivierender Erkrankung die Diagnose und mögliche alternative Formen der Spondyloarthritis (entzündlich-rheumatische Erkrankung mit möglicher Beteiligung von Wirbelsäule, Gelenken und Sehnenansätzen) erneut beurteilen [LL1, LL6].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sowie Gelenken sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
- Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- BASHH: British Association for Sexual Health and HIV; britische Fachgesellschaft für sexuelle Gesundheit und HIV.
- DMARD: Disease-modifying antirheumatic drug; krankheitsmodifizierendes antirheumatisches Arzneimittel.
- FI: Fachinformation.
- HIV: Humanes Immundefizienzvirus.
- IDSA: Infectious Diseases Society of America; amerikanische Fachgesellschaft für Infektionskrankheiten.
- IUSTI: International Union against Sexually Transmitted Infections; internationale Fachgesellschaft für sexuell übertragbare Infektionen.
- LL: Leitlinie.
- NICE: National Institute for Health and Care Excellence; britisches Institut für Empfehlungen zur Gesundheitsversorgung.
- NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika.
- p.o.: Per os; Einnahme über den Mund.
- QT: Abschnitt der elektrischen Herzerregung im Elektrokardiogramm.
- TNF: Tumornekrosefaktor.
Literatur
- Clegg DO, Reda DJ, Weisman MH et al.: Comparison of sulfasalazine and placebo in the treatment of reactive arthritis (Reiter's syndrome). A Department of Veterans Affairs Cooperative Study. Arthritis Rheum. 1996;39(12):2021 bis 2027. doi: 10.1002/art.1780391211.
- Barber CE, Kim J, Inman RD et al.: Antibiotics for treatment of reactive arthritis: a systematic review and metaanalysis. J Rheumatol. 2013;40(6):916 bis 928. doi: 10.3899/jrheum.121192.
- Carter JD, Espinoza LR, Inman RD et al.: Combination antibiotics as a treatment for chronic Chlamydia-induced reactive arthritis: a double-blind, placebo-controlled, prospective trial. Arthritis Rheum. 2010;62(5):1298 bis 1307. doi: 10.1002/art.27394.
Leitlinien
- BASHH-Leitlinie: British Association for Sexual Health and HIV national guideline on the management of sexually acquired reactive arthritis 2021. Carlin E, Marzo-Ortega H, Flew S. Int J STD AIDS. 2021;32(11):986 bis 997. doi: 10.1177/09564624211020266. Langfassung [LL1].
- S3-Leitlinie: Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen. (AWMF-Registernummer: 013-099). Version 1.0, Oktober 2024. Langfassung [LL2].
- Europäische IUSTI-Leitlinie: 2025 European guideline on the management of Chlamydia trachomatis infections. White JA, Dukers-Muijrers NHTM, Hoebe CJPA et al.: 2025. doi: 10.1177/09564624251323678. Langfassung [LL3].
- NICE-Leitlinie NG65: Spondyloarthritis in over 16s: diagnosis and management. 2017; aktualisiert Juni 2017. Leitlinienseite. Empfehlungen; insbesondere Empfehlung 1.4.17 zur Antibiotikatherapie der reaktiven Arthritis [LL4].
- IDSA-Leitlinie: 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Shane AL, Mody RK, Crump JA et al.: Clin Infect Dis. 2017;65(12):e45 bis e80. doi: 10.1093/cid/cix669. Langfassung [LL5].
- Iberoamerikanische Konsensusempfehlungen: Ibero-American consensus on reactive arthritis: definition, diagnosis, and management. Benegas M, Zamora N, Martire MV et al.: Clin Rheumatol. Online veröffentlicht am 5. September 2026. doi: 10.1007/s10067-026-08400-8 [LL6].
Fachinformationen
- ALIUD PHARMA: Ibuprofen AL, Filmtabletten und Retardtabletten. Fachinformation [FI1].
- acis Arzneimittel: Prednisolon acis. Fachinformation [FI2].
- medac: Sulfasalazin medac 500 mg magensaftresistente Filmtabletten. Fachinformation [FI3].
- medac: metex 2,5 mg Tabletten. Stand August 2026. Fachinformation [FI4].
- ratiopharm: Doxy-M-ratiopharm 100 mg/200 mg Tabletten. Stand Juni 2025. Fachinformation [FI5].
- PFIZER PHARMA: Zithromax 250/500 mg Filmtabletten. Stand November 2023. Fachinformation [FI6].