Knieschmerzen (Gonalgie) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verminderung der Schmerzen und Verbesserung der Bewegungsfähigkeit, Belastbarkeit und Lebensqualität.
- Klärung der Schmerzursache und Einleitung einer ursachenbezogenen Behandlung.
- Behandlung einer bestehenden Entzündung sowie Vermeidung von Gelenkschäden und therapiebedingten Komplikationen.
Therapieempfehlungen
- Ursachenbezogene Analgesie (Schmerzlinderung): Die Arzneimittelwahl richtet sich nach Diagnose, Entzündungsaktivität, Schmerzintensität und individuellen Risiken. Eine schematische Eskalation von Paracetamol über Tramadol zu Morphin nach dem WHO-Stufenschema ist für Knieschmerzen nicht angemessen. Insbesondere bei Gonarthrose (Kniegelenkverschleiß) rechtfertigt eine unzureichende Wirkung eines Analgetikums keine automatische Steigerung der Opioidpotenz [1, 2, LL1, LL2].
- Begleitende Maßnahmen: Analgetika sollen eine angemessene Bewegungstherapie und Rehabilitation ermöglichen. Bei Arthrose (Gelenkverschleiß) gehören angepasstes Training und gegebenenfalls Gewichtsreduktion zur Basisbehandlung; bei Verletzungen richten sich Entlastung und Mobilisation nach dem strukturellen Befund [LL1, LL2, LL6].
- Arzneimittelsicherheit: Möglichst niedrige wirksame Dosis und möglichst kurze Behandlungsdauer wählen. Vor einer systemischen Therapie insbesondere Nierenfunktion, Leberfunktion, gastrointestinale und kardiovaskuläre Risiken, Schwangerschaft sowie Begleitmedikation berücksichtigen [LL1, LL2, FI2, FI3].
Behandlung nach Ursache
| Ursache | Medikamentöse Behandlung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Gonarthrose | Zunächst topisches nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR). Bei unzureichender Wirkung oder ungeeigneter lokaler Anwendung zeitlich begrenzte Behandlung mit einem oralen NSAR nach individueller Risikoabwägung. Paracetamol nicht routinemäßig einsetzen. Metamizol nur bei starken Schmerzen, wenn andere Maßnahmen nicht geeignet sind. Intraartikuläres Glukokortikoid bei ausgewählter entzündlicher Aktivierung erwägen [1, LL1, LL2, FI1, FI5, FI7]. | Die Behandlung ist symptomatisch. Analgetika reparieren den Gelenkknorpel nicht. Eine anhaltend unzureichende Schmerz- und Funktionskontrolle erfordert die Überprüfung der Diagnose und des gesamten Behandlungskonzepts [LL1, LL2]. |
| Entzündlich-rheumatische Arthritis (rheumatische Gelenkentzündung), beispielsweise rheumatoide Arthritis (chronische autoimmune Gelenkentzündung) | NSAR zur vorübergehenden Symptomkontrolle; entscheidend ist die frühzeitige krankheitsmodifizierende Behandlung mit DMARD unter rheumatologischer Betreuung. Glukokortikoide gegebenenfalls kurzfristig als Überbrückung oder lokal bei verbleibender Entzündung einzelner Gelenke [LL5, FI7]. | Analgetika und NSAR ersetzen keine Basistherapie. Systemische Glukokortikoide sollen rasch reduziert und bei rheumatoider Arthritis in der Regel innerhalb von drei Monaten beendet werden [LL5]. |
| Akute Gichtarthritis (Gelenkentzündung durch Harnsäurekristalle) | Zeitnahe antientzündliche Behandlung mit einem NSAR, niedrig dosiertem Colchicin oder einem Glukokortikoid. Auswahl nach Komorbiditäten, Wechselwirkungen und Kontraindikationen; bei isoliertem Kniebefall gegebenenfalls intraartikuläres Glukokortikoid nach Infektionsausschluss [LL4, FI6, FI7, FI8]. | Eine bestehende harnsäuresenkende Dauertherapie grundsätzlich weiterführen. Die Entscheidung über eine langfristige Harnsäuresenkung erfolgt gesondert; sie ersetzt nicht die Behandlung des akuten Anfalls [LL4]. |
| Akute CPP-Kristallarthritis (Gelenkentzündung durch Calcium-Pyrophosphat-Kristalle) bei Calcium-Pyrophosphat-Ablagerung (CPPD) | Nach diagnostischer Sicherung und Infektionsausschluss gegebenenfalls Gelenkpunktion (Entnahme von Gelenkflüssigkeit mit einer Nadel) und intraartikuläres Glukokortikoid; alternativ NSAR oder kurzzeitiges systemisches Glukokortikoid. Colchicin kann fachärztlich erwogen werden; die Anwendung bei CPP-Kristallarthritis erfolgt außerhalb der zugelassenen Gichtindikation [LL7, FI7, FI8]. | Ein Kristallnachweis schließt eine gleichzeitige bakterielle Gelenkinfektion nicht aus [LL3]. |
| Septische Arthritis (bakterielle Gelenkinfektion) | Unverzügliche stationäre orthopädisch-unfallchirurgische und infektiologische Behandlung: mikrobiologische Probengewinnung, systemische Antibiotikatherapie und rasche Gelenksanierung (Beseitigung des Infektionsherdes im Gelenk) beziehungsweise Drainage (Ableitung infizierter Gelenkflüssigkeit) [LL3]. | Notfall! Keine alleinige ambulante Analgetika- oder Antibiotikabehandlung und keine intraartikulären Glukokortikoide bei Infektionsverdacht [LL3, FI7]. |
| Akutes Trauma (Verletzung): Prellung, Zerrung oder Verstauchung | Bei intakter Haut bevorzugt topisches NSAR; bei Bedarf kurzfristig orales NSAR oder Paracetamol. Metamizol bei starken Schmerzen innerhalb der zugelassenen Indikation. Opioide nur ausnahmsweise bei schweren Verletzungen mit unzureichender anderweitiger Schmerzkontrolle [LL6, FI1, FI2, FI4, FI5]. | Analgesie begleitet die Abklärung von Fraktur (Knochenbruch), Bandverletzung oder Meniskusverletzung (Verletzung einer Knorpelscheibe im Knie). Eine ausreichende Schmerzreduktion erlaubt keine vorzeitige Belastung einer instabilen oder nicht versorgten Verletzung. |
| Überlastung, patellofemoraler Schmerz (Schmerz im Bereich zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen), Tendinopathie (Sehnenerkrankung) oder nichtinfektiöse Bursitis (Schleimbeutelentzündung) | Gegebenenfalls zeitlich begrenzte symptomatische Behandlung mit topischem oder oralem NSAR; Schwerpunkt auf Belastungsanpassung und gezielter Rehabilitation. | Keine routinemäßige Opioidbehandlung. Glukokortikoide nicht in Sehnen injizieren; lokale Injektionen nur bei gesicherter geeigneter Indikation und unter Beachtung des Risikos einer Sehnenschädigung [FI7]. |
| Hämarthros (Blutung in das Gelenk), Antikoagulanzien-assoziierte Blutung oder Gerinnungsstörung | Blutungsursache und Gerinnungstherapie fachärztlich überprüfen; geeignete Analgesie individuell auswählen. NSAR wegen zusätzlicher Blutungsrisiken möglichst vermeiden [FI2, FI3]. | Antikoagulanzien nicht eigenständig absetzen. Ein ausgeprägter oder wiederkehrender blutiger Erguss erfordert eine gezielte Abklärung. |
| Ausstrahlende, neuropathische (durch eine Nervenschädigung verursachte) oder anderweitig verursachte Schmerzen | Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, beispielsweise einer Hüfterkrankung oder Radikulopathie (Erkrankung einer Nervenwurzel). Eine spezifische neuropathische Schmerztherapie setzt eine entsprechende Diagnose voraus. | Keine empirische Dauerbehandlung mit Opioiden oder Medikamenten gegen neuropathische Schmerzen allein aufgrund der Lokalisation am Knie. |
Gonarthrose: praktische Arzneimittelwahl
- Topische NSAR bevorzugen: Bei lokalisierten Arthroseschmerzen am Knie bieten sie eine wirksame Behandlungsoption mit geringerer systemischer Belastung als orale NSAR. Die Zulassung des konkreten Präparats beachten [1, LL1, LL2, FI1].
- Orale NSAR gezielt einsetzen: Bei unzureichender lokaler Wirkung Nutzen und Risiken abwägen. Keine Kombination mehrerer systemischer NSAR. Ein Protonenpumpenhemmer vermindert das Risiko gastrointestinaler Komplikationen; NICE empfiehlt bei oralem NSAR eine begleitende Gastroprotektion (Schutz von Magen und Darm). Nieren- und kardiovaskuläre Risiken werden dadurch nicht vermindert [LL2, FI2, FI3].
- Paracetamol zurückhaltend einsetzen: Keine pauschale Empfehlung als Mittel der ersten Wahl bei Gonarthrose. Allenfalls gelegentlich zur kurzfristigen Schmerzlinderung, wenn andere pharmakologische Optionen kontraindiziert, nicht vertragen oder unwirksam sind [LL1, LL2].
- Metamizol indikationsgerecht einsetzen: Eine Arthrose allein begründet keine Verordnung. Ein Einsatz kommt bei starken Schmerzen infrage, wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht geeignet sind; eine klinisch relevante antientzündliche Wirkung ist nicht zu erwarten [LL1, FI5].
- Intraartikuläre Glukokortikoide selektiv einsetzen: Bei entzündlicher Aktivierung und unzureichender anderweitiger Behandlung können sie kurzfristig entlasten. Keine planmäßigen Serieninjektionen; wiederholte Injektionen erfordern eine erneute Nutzen-Risiko-Abwägung. In einer Studie führte die Gabe von Triamcinolon alle drei Monate über zwei Jahre zu stärkerem Knorpelverlust ohne anhaltenden Schmerzvorteil gegenüber Kochsalzlösung [3, LL1, FI7].
- Weitere Injektionen kritisch einordnen: Die deutsche S3-Leitlinie gibt aufgrund widersprüchlicher Evidenz keine Empfehlung für oder gegen intraartikuläre Hyaluronsäure ab; NICE empfiehlt, sie nicht anzubieten. Sie ist keine allgemeine Standardbehandlung ungeklärter Knieschmerzen [LL1, LL2].
- Opioide nicht routinemäßig einsetzen: Eine langfristige Opioidbehandlung bietet bei chronischen Arthroseschmerzen keinen gesicherten funktionellen Vorteil gegenüber einer Nichtopioidstrategie. Ausnahmeentscheidungen erfordern dokumentierte Therapieziele, regelmäßige Wirksamkeitskontrollen und einen Absetzplan [1, 2, LL1, LL2].
Septisches Kniegelenk: therapeutische Dringlichkeit
- Verdacht als Notfall behandeln: Ein akut stark schmerzhaftes, überwärmtes und geschwollenes Knie mit erheblicher Bewegungseinschränkung muss unverzüglich auf eine Gelenkinfektion untersucht werden; fehlendes Fieber schließt diese nicht aus [LL3].
- Proben vor Antibiotikabeginn gewinnen: Bei klinisch stabilem Zustand möglichst zuerst Gelenkpunktat und gegebenenfalls Blutkulturen entnehmen. Bei Sepsis (lebensbedrohlicher Organfunktionsstörung durch eine Infektion) darf die Antibiotikatherapie dadurch nicht relevant verzögert werden [LL3].
- Antibiotikatherapie gezielt steuern: Initiale Auswahl nach wahrscheinlichen Erregern, Grampräparat, lokalen Resistenzdaten sowie individuellen Risiken für resistente Staphylokokken oder gramnegative Erreger; anschließend Anpassung an Kultur und Empfindlichkeit. Gelenksanierung, Verlauf und Erreger bestimmen Behandlungsdauer und Zeitpunkt einer möglichen oralen Weiterbehandlung [LL3].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Bei älteren oder gebrechlichen Menschen, Organfunktionsstörungen und relevanten Wechselwirkungen sind individuelle Anpassungen erforderlich. Die Dosierungstabellen ersetzen nicht die Fachinformation des eingesetzten Präparats.
Topische nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac, Gel mit 11,6 mg/g Diclofenac-Diethylamin | Für Schmerzen gelenknaher Weichteile bei Kniearthrose und bei stumpfen Verletzungen zugelassen. Nur auf intakter Haut anwenden; keine luftdichten Verbände [FI1]. |
- Wirkweise: Lokale Hemmung der Prostaglandinsynthese; schmerzlindernd und antientzündlich [FI1].
- Indikationen: Lokalisierte Schmerzen bei Gonarthrose sowie geeigneten stumpfen Verletzungen; präparatespezifische Zulassung beachten [LL1, LL6, FI1].
- Kontraindikationen: NSAR-Überempfindlichkeit, offene oder erkrankte Haut im Anwendungsgebiet und letztes Schwangerschaftsdrittel [FI1].
- Nebenwirkungen: Hautreizungen und Überempfindlichkeitsreaktionen; bei großflächiger oder längerer Anwendung sind systemische Nebenwirkungen möglich [FI1].
Systemische nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Niedrigste wirksame Dosis wählen. Nierenfunktion, Blutdruck, Blutungsrisiko und Begleitmedikation berücksichtigen [FI2]. |
| Celecoxib | Selektiver COX-2-Hemmer. Trotz möglicher gastrointestinaler Vorteile bestehen renale und kardiovaskuläre Risiken; keine Kombination mit anderen NSAR [FI3]. |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenase und Prostaglandinsynthese; analgetisch und antientzündlich [FI2, FI3].
- Indikationen: Symptomatische Behandlung geeigneter degenerativer oder entzündlicher Gelenkerkrankungen; bei Verletzungen zeitlich begrenzter Einsatz entsprechend der Präparatezulassung [LL1, LL4, LL6, FI2, FI3].
- Kontraindikationen: Unter anderem aktive gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) oder Blutungen, schwere Nieren- oder Leberinsuffizienz (schwere Einschränkung der Nieren- oder Leberfunktion) und relevante NSAR-Überempfindlichkeit. Bei Ibuprofen letztes Schwangerschaftsdrittel; bei Celecoxib Schwangerschaft, Stillzeit, etablierte koronare, zerebrovaskuläre oder periphere arterielle Erkrankung und Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ab NYHA II. Präparatespezifische Gegenanzeigen beachten [FI2, FI3].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Blutung, Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung), Blutdruckanstieg und kardiovaskuläre Ereignisse. Antikoagulanzien und Glukokortikoide können das Blutungsrisiko erhöhen; besondere Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika und Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems [FI2, FI3].
Nichtsaure Nichtopioidanalgetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Keine antientzündliche Wirkung; bei Gonarthrose keine Routinebehandlung. Gesamtdosis aus allen paracetamolhaltigen Präparaten berücksichtigen [LL1, FI4]. |
| Metamizol | Für starke Schmerzen innerhalb der zugelassenen Indikationen. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion wiederholte hohe Dosen vermeiden [FI5]. |
- Wirkweise: Schmerzlindernd und fiebersenkend; keine für die Behandlung einer Gelenkentzündung ausreichende antiphlogistische Wirkung [FI4, FI5].
- Indikationen: Paracetamol für geeignete leichte bis mäßig starke Schmerzen; Metamizol für starke Schmerzen, beispielsweise nach Verletzungen, oder wenn andere therapeutische Maßnahmen nicht geeignet sind [FI4, FI5].
- Kontraindikationen: Paracetamol bei schwerer hepatozellulärer Insuffizienz (schwerem Versagen der Leberzellfunktion). Metamizol unter anderem bei früherer Agranulozytose (starkem Abfall bestimmter weißer Blutkörperchen) durch Metamizol oder verwandte Wirkstoffe, relevanten Knochenmark- beziehungsweise Blutbildungsstörungen und entsprechender Überempfindlichkeit [FI4, FI5].
- Nebenwirkungen: Paracetamol kann insbesondere bei Überdosierung schwere Leberschäden verursachen. Metamizol kann Agranulozytose, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und Hypotonie (niedrigen Blutdruck) auslösen [FI4, FI5].
Bei Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautveränderungen unter Metamizol beziehungsweise kurz nach dem Absetzen: Einnahme sofort beenden, unverzüglich ärztliche Abklärung und Differenzialblutbild veranlassen. Nicht auf Laborergebnisse warten, bevor Metamizol abgesetzt wird. Die Agranulozytose ist nicht dosisabhängig und kann auch nach früher problemloser Einnahme auftreten; routinemäßige Blutbildkontrollen ersetzen die Symptomaufklärung nicht [4].
Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prednisolon | Bei Gicht Alternative zu NSAR oder Colchicin. Keine routinemäßige systemische Therapie von Arthrose oder ungeklärten Knieschmerzen [LL4, FI6]. |
| Triamcinolonacetonid | Nur nach Infektionsausschluss und unter streng aseptischen Bedingungen. Bei Erguss gegebenenfalls vorherige Punktion; keine automatische Wiederholung [3, FI7]. |
- Wirkweise: Hemmung entzündlicher und immunologischer Reaktionen [FI6, FI7].
- Indikationen: Akute Kristallarthritis, ausgewählte aktivierte Arthrose und entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen; Anwendung und Dauer nach Ursache festlegen [LL1, LL4, LL5, LL7, FI6, FI7].
- Kontraindikationen: Intraartikuläre Anwendung bei Gelenkinfektion oder Infektion im Punktionsgebiet. Bei systemischer Behandlung Infektionsstatus und Begleiterkrankungen berücksichtigen; keine empirische Gabe bei ungeklärtem akutem Gelenkerguss (Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) [FI6, FI7].
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg, psychische und Schlafstörungen sowie erhöhte Infektanfälligkeit; lokal unter anderem Infektion und Gewebeatrophie (Gewebeschwund). Wiederholte intraartikuläre Anwendung kann den Gelenkknorpel schädigen [3, FI6, FI7].
Colchicin bei Kristallarthritis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Colchicin | Enge therapeutische Breite. Bei Durchfall oder Erbrechen sofort absetzen; bei fehlender Besserung nach zwei bis drei Tagen Behandlung überprüfen. Einsatz bei CPP-Kristallarthritis außerhalb der Zulassung [LL4, LL7, FI8]. |
- Wirkweise: Hemmung mikrotubulusabhängiger Funktionen und der entzündlichen Aktivität neutrophiler Granulozyten [FI8].
- Indikationen: Akuter Gichtanfall; bei CPP-Kristallarthritis ausgewählter fachärztlicher Einsatz. Keine Behandlung unspezifischer Knieschmerzen [LL4, LL7, FI8].
- Kontraindikationen: Schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung und Blutbildstörungen. Wechselwirkungen mit CYP3A4- und P-Glykoprotein-Hemmern können schwere Vergiftungen verursachen; Kombinationen vor Verordnung prüfen [FI8].
- Nebenwirkungen: Besonders Durchfall, Übelkeit und Erbrechen; bei Toxizität unter anderem Knochenmarksuppression (Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark), Myopathie (Muskelerkrankung) und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) [FI8].
Opioidanalgetika: Ausnahmebehandlung
Opioide sind keine regelhafte nächste Stufe bei Knieschmerzen. Bei schweren akuten Verletzungen können sie kurzfristig erforderlich sein; starke Opioide gehören bei notwendiger parenteraler Gabe in ein überwachtes notfallmedizinisches oder stationäres Behandlungskonzept. Eine längerfristige Behandlung chronischer Knieschmerzen erfordert eine gesonderte schmerzmedizinische Indikationsstellung [1, 2, LL6].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Tramadol, unretardiert | Nur bei begründeter Ausnahmeindikation und möglichst kurz. Risiken eines Serotoninsyndroms (gefährliche Überaktivierung des Serotoninsystems) und von Krampfanfällen; bei akuten muskuloskelettalen Verletzungen nicht routinemäßig empfohlen [LL6, FI9]. |
- Wirkweise: Opioidrezeptorwirkung; Tramadol hemmt zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin [FI9].
- Indikationen: Ausgewählte mäßig starke bis starke Schmerzen bei unzureichender oder ungeeigneter anderweitiger Behandlung; keine automatische Eskalation bei Arthrose [1, 2, FI9].
- Kontraindikationen: Unter anderem akute Intoxikation (Vergiftung) mit Alkohol oder zentral dämpfenden Substanzen, gleichzeitige beziehungsweise kürzlich erfolgte Behandlung mit MAO-Hemmern und unzureichend kontrollierte Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden Krampfanfällen) [FI9].
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Sedierung, Obstipation (Verstopfung), Atemdepression (gefährliche Abschwächung der Atmung) und Abhängigkeit; zusätzlich Krampfanfälle und Serotoninsyndrom. Kombinationen mit zentral dämpfenden oder serotonergen Arzneimitteln besonders kritisch prüfen [FI9].
Beachte
- Diagnose erneut prüfen: Zunehmende Beschwerden, neue Schwellung, mechanische Blockierung, fehlende Belastbarkeit oder unzureichende Wirkung der Behandlung erfordern eine erneute Untersuchung; eine reine Analgetikasteigerung ist nicht ausreichend.
- Infektion vor Injektion ausschließen: Bei neuem oder unklarem Erguss keine intraartikuläre Glukokortikoidgabe ohne ausreichende Abklärung. Kristallarthritis und septische Arthritis können gleichzeitig vorliegen [LL3, FI7].
- Schwangerschaft berücksichtigen: NSAR nicht pauschal empfehlen; ab der 20. Schwangerschaftswoche bestehen zusätzliche fetale Risiken. Präparatespezifische Vorgaben beachten [FI1, FI2, FI3].
- Weiterführende Behandlung: Siehe auch „Weitere Therapie“ sowie die Pharmakotherapie der jeweils gesicherten Grunderkrankung.
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sowie Gelenken sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, B3, B5, B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Aminosäuren (Tryptophan)
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
- Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene, Baldrianwurzel-Extrakt, Melissenkraut-Extrakt, Schlafbeerenwurzel-Extrakt)
Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge von Knieschmerzen s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- AAFP: American Academy of Family Physicians; amerikanische Fachgesellschaft für Allgemeinmedizin.
- ACP: American College of Physicians; amerikanische Fachgesellschaft für Innere Medizin.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- COX-2: Cyclooxygenase-2.
- CPP: Calcium-Pyrophosphat.
- CPPD: Calcium-Pyrophosphat-Ablagerungserkrankung.
- CYP3A4: Cytochrom P450 3A4; Enzym des Arzneimittelstoffwechsels.
- DHA: Docosahexaensäure.
- DMARD: krankheitsmodifizierende antirheumatische Arzneimittel.
- EBJIS: European Bone and Joint Infection Society; europäische Fachgesellschaft für Knochen- und Gelenkinfektionen.
- EPA: Eicosapentaensäure.
- EULAR: European Alliance of Associations for Rheumatology; europäischer Zusammenschluss rheumatologischer Fachgesellschaften.
- FI: Fachinformation.
- LL: Leitlinie.
- MAO: Monoaminoxidase.
- NICE: National Institute for Health and Care Excellence; britische Einrichtung für evidenzbasierte Versorgungsempfehlungen.
- NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika.
- NYHA: New York Heart Association; Einteilung der funktionellen Einschränkung bei Herzinsuffizienz.
- SANJO: Septic Arthritis in Native Joints; septische Arthritis natürlicher Gelenke.
- WHO: World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation.
Literatur
- da Costa BR et al.: Effectiveness and safety of non-steroidal anti-inflammatory drugs and opioid treatment for knee and hip osteoarthritis: network meta-analysis. BMJ. 2021;375:n2321. doi: 10.1136/bmj.n2321.
- Krebs EE et al.: Effect of Opioid vs Nonopioid Medications on Pain-Related Function in Patients With Chronic Back Pain or Hip or Knee Osteoarthritis Pain: The SPACE Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018;319(9):872 bis 882. doi: 10.1001/jama.2018.0899.
- McAlindon TE et al.: Effect of Intra-articular Triamcinolone vs Saline on Knee Cartilage Volume and Pain in Patients With Knee Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017;317(19):1967 bis 1975. doi: 10.1001/jama.2017.5283.
- European Medicines Agency: Metamizole-containing medicinal products: measures to minimise serious outcomes of agranulocytosis. Europäisches Risikobewertungsverfahren, 2024. Sicherheitsinformationen.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Gonarthrose. (AWMF-Registernummer: 187-050). Version 5.0, Juli 2024. Langfassung [LL1].
- NICE Guideline NG226: Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. Oktober 2022. Leitlinie; Vollständige Empfehlungen [LL2].
- EBJIS-Leitlinie: Ravn C et al.: Guideline for management of septic arthritis in native joints (SANJO). J Bone Jt Infect. 2023;8:29 bis 37. doi: 10.5194/jbji-8-29-2023; Langfassung [LL3].
- S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Gicht. (AWMF-Registernummer: 060-005). Version 2.1, Leitlinienfassung 2024. Langfassung [LL4].
- S3-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. (AWMF-Registernummer: 060-004). Version 3.0, August 2026. Langfassung [LL5].
- ACP/AAFP Clinical Practice Guideline: Qaseem A et al.: Nonpharmacologic and Pharmacologic Management of Acute Pain From Non-Low Back, Musculoskeletal Injuries in Adults. Ann Intern Med. 2020;173:739 bis 748. doi: 10.7326/M19-3602; PubMed [LL6].
- EULAR-Empfehlungen: Zhang W et al.: EULAR recommendations for calcium pyrophosphate deposition. Part II: management. Ann Rheum Dis. 2011;70:571 bis 575. PubMed [LL7].
Fachinformationen
- Haleon Germany GmbH: Voltaren Schmerzgel 11,6 mg/g Gel. Stand Dezember 2024. Fachinformation [FI1].
- AbZ-Pharma GmbH: Ibuprofen AbZ 600 mg/800 mg Filmtabletten. Stand November 2024. Fachinformation [FI2].
- Pfizer Pharma GmbH: Celebrex Hartkapseln. Stand September 2025. Fachinformation [FI3].
- ratiopharm GmbH: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024. Fachinformation [FI4].
- A. Nattermann & Cie. GmbH: Novalgin Filmtabletten. Stand November 2024; ergänzend aktualisierte europäische Sicherheitsinformationen zu Agranulozytose beachten. Fachinformation [FI5].
- acis Arzneimittel GmbH: Prednisolon acis. Stand Januar 2026. Fachinformation [FI6].
- Dermapharm AG: Volon A 40/A 40-5 ml. Stand Januar 2025. Fachinformation [FI7].
- ratiopharm GmbH: Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. Stand Juli 2025. Fachinformation [FI8].
- Grünenthal GmbH: Tramal Kapseln, 50 mg, Hartkapseln. Fachinformation [FI9].