Handgelenkschmerzen (Handgelenkarthralgie) – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Madelung-Deformität (angeborene Fehlstellung des Handgelenks) – Wachstumsstörung (gestörtes Knochenwachstum) des distalen Radius (körperferne Speiche) mit Fehlstellung des Handgelenks; typisch sind belastungsabhängige Schmerzen, Bewegungseinschränkung und ulnarseitige Beschwerden.
- Ulnare Varianzstörung (Längenabweichung der Elle gegenüber der Speiche) – Ulna-Plusvariante beziehungsweise Ulna-Minusvariante; prädisponiert je nach Konstellation zu ulnokarpalem Impaktionssyndrom (Einklemmungssyndrom an der kleinfingerseitigen Handwurzel), TFCC-Läsion (Verletzung des dreieckigen Faserknorpelkomplexes) oder karpaler Fehlbelastung (Fehlbelastung der Handwurzel).
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Disseminierte Gonokokkeninfektion (ausgebreitete Gonokokkeninfektion) – akute migratorische Polyarthralgie (wandernde Gelenkschmerzen), Tenosynovitis (Sehnenscheidenentzündung) und Dermatitis (Hautentzündung); Handgelenks- und Sehnenscheidenbeteiligung möglich.
- Septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung) des Handgelenks – akute bakterielle Gelenkinfektion; Notfall bei Monarthritis (Entzündung eines einzelnen Gelenks) mit Schwellung, Überwärmung, Ruheschmerz, Fieber oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems).
- Virale Arthritis (virusbedingte Gelenkentzündung) – insbesondere bei Parvovirus B19, Hepatitis B, Hepatitis C, HIV oder Chikungunya; häufig akute Polyarthralgie mit Handgelenksbeteiligung.
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Arthrose (Gelenkverschleiß) des Handgelenks – degenerative Gelenkerkrankung, z. B. radiokarpale Arthrose, STT-Arthrose, SLAC-Wrist oder SNAC-Wrist; belastungsabhängige Schmerzen, Kraftminderung und Bewegungseinschränkung.
- Chondrokalzinose (Knorpelverkalkung)/Calciumpyrophosphat-Arthropathie (Calciumpyrophosphat-Gelenkerkrankung) – kristallinduzierte Arthritis (kristallbedingte Gelenkentzündung) durch Ablagerung von Calciumpyrophosphat; am Handgelenk akute pseudogichtartige Attacke oder chronisch-degeneratives Bild möglich.
- De-Quervain-Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung am Daumenstrecksehnenfach) – Tendovaginitis des ersten Strecksehnenfachs; radialseitige Handgelenkschmerzen, verstärkt bei Daumenbewegung, Greifen und Ulnardeviation.
- Extensor-carpi-ulnaris-Tendinopathie/Tenosynovitis (Sehnenerkrankung/Sehnenscheidenentzündung des kleinfingerseitigen Handgelenksstreckers) – ulnarseitiger Handgelenkschmerz, häufig belastungsabhängig und verstärkt bei Supination, Pronation oder Griffbelastung.
- Ganglion (Überbein) – zystische Raumforderung (flüssigkeitsgefüllte Gewebeschwellung) ausgehend von Gelenkkapsel oder Sehnenscheide; häufig dorsal oder volar am Handgelenk, mit Druckgefühl, Bewegungseinschränkung oder belastungsabhängigem Schmerz.
- Gicht (Harnsäuregicht) – Mononatriumuratkristallarthritis (Gelenkentzündung durch Harnsäurekristalle); Handgelenksbefall möglich, vor allem bei chronischer, polyartikulärer oder tophischer Gicht.
- Morbus Kienböck (Mondbeinnekrose) – aseptische Osteonekrose (nichtinfektiöses Absterben von Knochengewebe) des Os lunatum (Mondbein); belastungsabhängiger dorsaler Handgelenkschmerz, Kraftverlust und progrediente Bewegungseinschränkung.
- Piso-Triquetralarthrose/Pisiformitis (Gelenkverschleiß/Reizung am Erbsenbein-Dreiecksbein-Gelenk) – ulnarseitiger palmarer Handgelenkschmerz über dem Os pisiforme (Erbsenbein), verstärkt bei Druckbelastung und Handgelenksextension.
- Psoriasis-Arthritis (Schuppenflechten-Gelenkentzündung) – entzündliche Arthritis bei Psoriasis (Schuppenflechte); möglich sind Handgelenksarthritis, Daktylitis (Entzündung eines ganzen Fingers), Enthesitis (Sehnenansatzentzündung) und asymmetrische Oligoarthritis (Entzündung weniger Gelenke).
- Reaktive Arthritis (Gelenkentzündung nach Infekt) – sterile Arthritis nach gastrointestinalem oder urogenitalem Infekt; Handgelenksbeteiligung möglich, meistens im Rahmen einer Oligoarthritis.
- Rheumatoide Arthritis (RA; chronisch-entzündliches Gelenkrheuma) – chronisch-entzündliche Systemerkrankung mit typischer symmetrischer Synovitis (Gelenkinnenhautentzündung) der Hand- und Handgelenke; Morgensteifigkeit, Schwellung und Funktionsverlust.
- Ulnokarpales Impaktionssyndrom – mechanische Überlastung zwischen Ulna (Elle), Discus articularis (Gelenkscheibe) und ulnaren Handwurzelknochen; ulnarseitige Schmerzen, verstärkt bei Pronation und Ulnardeviation.
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Enchondrom (gutartiger Knorpeltumor) – gutartiger knorpelbildender Knochentumor; im Handbereich häufig, am Handgelenk selten symptomatisch, Schmerzen insbesondere bei Fraktur oder Expansion.
- Tenosynovialer Riesenzelltumor (Sehnenscheiden-Riesenzelltumor) – synovialer Weichteiltumor (Weichteilgeschwulst der Gelenkinnenhaut) an Gelenken oder Sehnenscheiden; lokale Schwellung, Druckschmerz und Bewegungseinschränkung möglich.
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Karpaltunnelsyndrom (KTS; Nerveneinklemmung am Handgelenk) – Kompressionsneuropathie (Druckschädigung eines Nervs) des Nervus medianus (Mittelnerv) im Karpaltunnel; häufiger Schmerz-/Parästhesie-Mimiker (Missempfindungs-Nachahmer) mit nächtlichen Beschwerden, Taubheit und Kribbeln radialer Finger.
- Komplexes regionales Schmerzsyndrom (regional begrenztes chronisches Schmerzsyndrom) – disproportionaler regionaler Schmerz nach Trauma oder Operation mit Ödem (Schwellung), Temperatur-/Farbveränderung, Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit) und Bewegungseinschränkung.
- Ulnarisneuropathie in der Guyon-Loge (Nervenschädigung des Ellennervs in der Guyon-Loge) – Kompression des Nervus ulnaris (Ellennerv) am Handgelenk; ulnarseitige Parästhesien (Missempfindungen), Schmerzen und gegebenenfalls intrinsische Muskelschwäche.
- Zervikale Radikulopathie (Nervenwurzelreizung der Halswirbelsäule) – ausstrahlender Schmerz aus der Halswirbelsäule in Unterarm, Handgelenk oder Hand; häufig mit neurologischen Begleitsymptomen.
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Distorsion/Überlastung des Handgelenks (Verstauchung/Überlastung des Handgelenks) – sehr häufige Ursache akuter oder subakuter Schmerzen nach Sturz, Sport, repetitiver Belastung oder ungewohnter Beanspruchung; strukturelle Band-, Kapsel- oder Sehnenläsion (Schädigung von Band, Gelenkkapsel oder Sehne) muss bei Persistenz ausgeschlossen werden.
- Distale Radiusfraktur (körperferner Speichenbruch) – häufige Fraktur (Knochenbruch) nach Sturz auf die ausgestreckte Hand; Schmerz, Schwellung, Bewegungseinschränkung und gegebenenfalls Fehlstellung.
- Skaphoidfraktur (Kahnbeinbruch) – wichtige Differentialdiagnose nach Sturz auf die ausgestreckte Hand; Tabatière-Druckschmerz (Druckschmerz in der Daumengrube), radialseitiger Handgelenkschmerz und Risiko von Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) oder SNAC-Wrist bei verzögerter Diagnose.
- Skapholunäre Bandläsion (Bandverletzung zwischen Kahnbein und Mondbein) – zentrale Ursache posttraumatischer karpaler Instabilität (Instabilität der Handwurzel); dorsoradialer Schmerz, Kraftverlust und Risiko einer sekundären SLAC-Arthrose.
- TFCC-Läsion – Läsion des triangulären fibrokartilaginären Komplexes (TFCC); ulnarseitiger Handgelenkschmerz, Klickphänomene und Beschwerden bei Pronation, Supination oder axialer Belastung.
- Triquetrumfraktur (Dreiecksbeinbruch) – häufige Handwurzelfraktur mit dorsoulnarem Handgelenkschmerz nach Sturz oder Hyperextensionstrauma.
Medikamente
- Aromatasehemmer-induzierte Arthralgie – häufige Ursache von Hand-, Finger- und Handgelenksarthralgien unter endokriner Therapie beim Mammakarzinom (Brustkrebs).
- Fluorchinolon-assoziierte Tendinopathie/Tenosynovitis – medikamentös getriggerte Sehnenbeschwerden, selten mit Sehnenruptur (Sehnenriss); Risiko erhöht bei höherem Alter, Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) und gleichzeitiger Glukokortikoidtherapie.
- Immuncheckpoint-Inhibitor-induzierte Arthritis – immunvermittelte entzündliche Arthralgie oder Arthritis, auch mit Hand- und Handgelenksbefall.
Fettdruck: Die fünf häufigsten beziehungsweise klinisch häufigsten Differentialdiagnosen sind durch Fettdruck der Diagnosebezeichnung markiert.