Gelenkinnenhautentzündung (Synovialitis) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verbesserung der Symptomatik durch Verminderung von Schmerzen, Schwellung und Entzündungsaktivität sowie Erhaltung der Gelenkfunktion.
- Bei bakterieller Synovialitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut): rasche Erregerelimination und Verhinderung von Gelenkdestruktion (Gelenkzerstörung), Sepsis (lebensbedrohliche Organschädigung durch eine fehlregulierte Reaktion auf eine Infektion) und bleibenden Funktionseinschränkungen [LL1].
- Bei kristallbedingter Synovialitis: Behandlung des akuten Entzündungsschubs und gegebenenfalls Verhinderung weiterer Schübe; bei Gicht zusätzlich langfristige Reduktion der Uratablagerungen (Ablagerungen von Harnsäuresalzen) [LL2, LL3].
- Bei entzündlich-rheumatischer Synovialitis: Kontrolle der Grunderkrankung mit dem Ziel einer Remission (weitgehendes oder vollständiges Nachlassen der Krankheitszeichen) beziehungsweise niedrigen Krankheitsaktivität [LL4].
Therapieempfehlungen
Eine Synovialitis bezeichnet die Entzündung der Gelenkinnenhaut und ist keine eigenständige ätiologische Diagnose. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der Ursache. Eine ausschließlich symptomatische Analgesie (Schmerzlinderung) reicht bei einer bakteriellen oder persistierenden entzündlich-rheumatischen Erkrankung nicht aus [LL1, LL4].
| Form | Akuttherapie | Weiterführende Behandlung und Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bakterielle beziehungsweise septische Arthritis (durch Krankheitserreger verursachte Gelenkentzündung) | Unverzügliche klinische Abklärung, mikrobiologische Probengewinnung, empirische Antibiotikatherapie und Gelenkdrainage beziehungsweise operative Infektsanierung. | Antibiotika anschließend nach Erregernachweis und Antibiogramm anpassen. Keine intraartikulären Glukokortikoide bei bestehendem Infektionsverdacht [LL1]. |
| Gichtarthritis (Gelenkentzündung durch Harnsäurekristalle) | Zeitnah Colchicin, ein NSAR oder ein Glukokortikoid; Auswahl nach Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen. | Indikation zur Harnsäuresenkung prüfen. Eine bereits bestehende harnsäuresenkende Behandlung im Anfall grundsätzlich fortführen [LL2]. |
| Akute Calcium-Pyrophosphat-Kristallarthritis (Gelenkentzündung durch Calcium-Pyrophosphat-Kristalle) bei CPPD (Erkrankung durch Ablagerung von Calcium-Pyrophosphat-Kristallen) | Gelenkentlastung, gegebenenfalls Punktion und nach Infektionsausschluss intraartikuläres Glukokortikoid; alternativ NSAR, Colchicin oder kurzzeitig systemisches Glukokortikoid. | Colchicin bei CPPD ist eine Off-Label-Anwendung. Eine harnsäuresenkende Therapie beseitigt Calcium-Pyrophosphat-Kristalle nicht und ist bei isolierter CPPD nicht indiziert [1, LL3, FI3]. |
| Entzündlich-rheumatische Synovialitis, beispielsweise bei rheumatoider Arthritis (chronische entzündliche Gelenkerkrankung) | NSAR zur symptomatischen Linderung; gegebenenfalls kurzzeitige Glukokortikoidbehandlung nach Infektionsausschluss. | Frühzeitige rheumatologische Diagnosesicherung und krankheitsmodifizierende Therapie. NSAR und wiederholte Glukokortikoidgaben ersetzen keine erforderliche DMARD-Therapie [LL4]. |
| Nichtinfektiöse Synovialitis bei mechanischer Reizung oder aktivierter Arthrose (Gelenkverschleiß mit zusätzlicher Entzündung) | Ursachenbezogene Entlastung und gegebenenfalls zeitlich begrenzte analgetische beziehungsweise antiphlogistische Behandlung. | Keine Antibiotikatherapie ohne Infektionsindikation. Persistierende oder rezidivierende Beschwerden erfordern eine erneute Ursachenprüfung. |
Bakterielle Synovialitis: Infektionsdringlichkeit und Antibiotikastrategie
- Infektionsverdacht ist ein Notfall: Ein akut schmerzhaftes, überwärmtes, geschwollenes Gelenk mit Bewegungseinschränkung muss unverzüglich auf eine Gelenkinfektion untersucht werden. Fehlendes Fieber, normale Entzündungsparameter oder nachgewiesene Kristalle schließen eine Infektion nicht zuverlässig aus [LL1].
- Proben vor Antibiotika: Bei klinisch stabilem Zustand möglichst vor Therapiebeginn Gelenkpunktion mit bakterieller Kultur, Grampräparat, Zellzahl und Kristallanalyse; Blutkulturen insbesondere bei Fieber oder Verdacht auf Bakteriämie (Bakterien im Blut). Danach bei begründetem Infektionsverdacht unverzüglich antibiotisch behandeln, ohne die Kulturergebnisse abzuwarten [LL1].
- Sepsis oder septischer Schock (Kreislaufversagen infolge einer Sepsis): Antibiotika und weitere Notfallmaßnahmen sofort einleiten. Die Probengewinnung darf den Therapiebeginn nicht relevant verzögern [LL1].
- Empirische Behandlung: Abdeckung insbesondere von Staphylococcus aureus und Streptokokken; zusätzliche Abdeckung gramnegativer Erreger nach klinischer Situation. Bei negativem Grampräparat und fehlenden Risikofaktoren für resistente Erreger ist beispielsweise Cefazolin plus Ceftriaxon eine von der SANJO-Leitlinie vorgeschlagene Kombination [LL1].
- Resistenzrisiken berücksichtigen: Bei MRSA-Risiko muss eine MRSA-wirksame Substanz eingesetzt werden; bei Risiko für Pseudomonas aeruginosa oder multiresistente gramnegative Erreger ist die gramnegative Abdeckung entsprechend anzupassen. Cefazolin plus Ceftriaxon deckt diese Konstellationen nicht ausreichend ab. Die Auswahl erfolgt nach lokalen Resistenzdaten und infektiologischer Mitbeurteilung [LL1].
- Gezielte Behandlung: Sobald Erreger und Empfindlichkeit bekannt sind, auf das wirksamste geeignete Antibiotikum mit möglichst schmalem Spektrum umstellen. Bei empfindlichem Staphylococcus aureus kann Cefazolin als gezielte Monotherapie geeignet sein [LL1, FI7].
- Infektsanierung: Antibiotika allein ersetzen die erforderliche Drainage beziehungsweise operative Gelenksanierung nicht; insbesondere große Gelenke benötigen häufig eine arthroskopische Spülung und gegebenenfalls ein Débridement [LL1].
- Behandlungsdauer: Die SANJO-Leitlinie schlägt bei Erwachsenen zunächst etwa 1 bis 2 Wochen intravenöse Therapie und bei ausreichendem klinischem Ansprechen anschließend 2 bis 4 Wochen orale Therapie vor. Dauer und Umstellung richten sich nach Erreger, Gelenk, Infektsanierung, Verlauf und Begleitkomplikationen; die Evidenz für diese Zeitangaben ist begrenzt [LL1].
- Keine pauschale Kurztherapie: Eine randomisierte Studie unterstützt eine zweiwöchige Gesamttherapie nach chirurgischer Drainage insbesondere bei ausgewählten Hand- und Handgelenkinfektionen. Dies darf nicht generell auf große Gelenke, unzureichend sanierte Infektionen oder begleitende Osteomyelitis (Knochenentzündung) übertragen werden [2].
Die folgenden Antibiotikadosierungen betreffen beispielhaft Erwachsene mit nativen Gelenken und ohne relevante Organfunktionsstörung. Gelenkprotheseninfektionen benötigen eine gesonderte Behandlungsstrategie [LL1].
Kristallbedingte Synovialitis
- Gichtarthritis: Den akuten Anfall möglichst früh mit Colchicin, NSAR oder Glukokortikoid behandeln. Bei fehlender Besserung innerhalb von 24 bis 72 Stunden Diagnose und Behandlung erneut prüfen, insbesondere eine Gelenkinfektion ausschließen [LL2].
- Langzeittherapie bei Gicht: Eine Harnsäuresenkung soll nicht lediglich zur kurzfristigen Analgesie eingesetzt werden. Nach der S3-Leitlinie sollte sie unter anderem bei beeinträchtigendem Anfall, mehr als einem Gichtanfall pro Jahr oder tophöser Gicht (Gicht mit knotigen Harnsäureablagerungen im Gewebe) begonnen werden. Unter Xanthinoxidasehemmern wird ein Serumharnsäurewert unter 6 mg/dl beziehungsweise 360 µmol/l angestrebt. Das DEGAM-Sondervotum betont ein an individueller Gichtlast und Patientenpräferenzen orientiertes Vorgehen [LL2].
- Akute CPP-Kristallarthritis: Bei Befall eines einzelnen oder weniger Gelenke kann eine Punktion mit anschließender intraartikulärer Glukokortikoidgabe nach ausreichendem Infektionsausschluss besonders sinnvoll sein. Systemische Alternativen sind NSAR, niedrig dosiertes Colchicin oder ein kurzzeitiges Glukokortikoid [LL3].
- Evidenz bei CPPD: Die COLCHICORT-Studie zeigte bei älteren stationären Patienten eine vergleichbare kurzfristige Schmerzlinderung durch niedrig dosiertes Colchicin und Prednison, jedoch unterschiedliche Nebenwirkungsprofile. Daraus ergibt sich keine generelle Überlegenheit eines der beiden Wirkstoffe [1].
- Rezidivierende oder chronische CPPD: Gegebenenfalls niedrig dosiertes Colchicin zur Schubprophylaxe unter rheumatologischer Betreuung. Für eine medikamentöse Auflösung der CPP-Kristallablagerungen besteht keine etablierte Therapie. Konventionelle DMARDs sind keine Standardbehandlung des akuten CPPD-Schubs [LL3].
Entzündlich-rheumatische Synovialitis
- Grunderkrankung behandeln: Bei rheumatoider Arthritis frühzeitig eine DMARD-Therapie beginnen; Methotrexat ist ein zentraler Bestandteil der initialen Behandlungsstrategie. Die hier dargestellte Behandlung darf nicht undifferenziert auf andere rheumatische Erkrankungen übertragen werden [LL4].
- Glukokortikoide begrenzen: Bei Beginn oder Anpassung einer konventionellen DMARD-Therapie gegebenenfalls kurzfristig als Überbrückung einsetzen und rasch reduzieren beziehungsweise absetzen. Eine dauerhafte Glukokortikoidtherapie soll nicht die notwendige Optimierung der Basistherapie ersetzen [LL4].
- Therapieziel überprüfen: Bei unzureichendem Ansprechen nach 3 bis 6 Monaten die krankheitsmodifizierende Therapie rheumatologisch anpassen; gegebenenfalls ein biologisches DMARD ergänzen. JAK-Inhibitoren erfordern eine gesonderte Nutzen-Risiko-Abwägung insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse, Malignomen (bösartige Tumorerkrankungen) und thromboembolischer Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) [LL4].
- Infektion vor Eskalation bedenken: Eine neu aufgetretene ausgeprägte Monarthritis (Entzündung eines einzelnen Gelenks) bei bereits bekannter rheumatischer Erkrankung darf nicht ohne weitere Abklärung als Krankheitsschub behandelt werden [LL1].
Wirkstoffe: nichtsaure Analgetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Analgetisch und antipyretisch, jedoch keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung. Bei entzündlicher Synovialitis allenfalls ergänzend beziehungsweise bei ungeeigneten antiphlogistischen Alternativen. Bei Lebererkrankung, chronischem Alkoholkonsum, Mangelernährung oder eingeschränkter Nierenfunktion individuell anpassen. Paracetamol aus allen gleichzeitig angewendeten Präparaten berücksichtigen [FI1]. |
- Wirkweise: Überwiegend zentrale analgetische und antipyretische Wirkung; der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt [FI1].
- Indikationen: Symptomatische Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen; keine ursächliche Behandlung der Synovialitis [FI1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei schwerer Leberfunktionsstörung die präparatespezifischen Anwendungseinschränkungen beachten [FI1].
- Nebenwirkungen: Insbesondere schwere Leberschädigung bei Überdosierung; selten Überempfindlichkeitsreaktionen und Blutbildveränderungen [FI1].
Wirkstoffe: nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Symptomatische Behandlung nichtinfektiöser entzündlicher Synovialitiden; bei bakterieller Arthritis nur gegebenenfalls ergänzend zur Infektionsbehandlung. Keine gleichzeitige Einnahme weiterer NSAR. Bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko Gastroprotektion prüfen; diese verhindert keine renalen oder kardiovaskulären Nebenwirkungen [LL2, LL3, FI2]. |
- Wirkweise: Reversible Hemmung der Cyclooxygenasen mit verminderter Prostaglandinsynthese; analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch [FI2].
- Indikationen: Kurzzeitige symptomatische Behandlung entzündlicher Gelenkschmerzen, insbesondere bei Gicht, CPP-Kristallarthritis oder rheumatischer Synovialitis [LL2, LL3, FI2].
- Kontraindikationen: Aktive oder rezidivierende gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) beziehungsweise Blutungen, frühere NSAR-bedingte Blutung oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung, schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche), entsprechende Überempfindlichkeitsreaktionen und drittes Schwangerschaftstrimester. Ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender Indikation, möglichst kurz und unter Beachtung der fetalen Risiken [FI2].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulzera und Blutungen, akute Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention, Blutdruckanstieg, kardiovaskuläre Ereignisse, Bronchospasmus (Verkrampfung der Atemwege) und selten schwere Hautreaktionen. Besondere Vorsicht bei Antikoagulation, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) sowie Kombination mit Diuretika und Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems [FI2].
Wirkstoffe: Colchicin
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Colchicin | Präparatespezifische Dosierung beachten; keine Hochdosisbehandlung bis zum Auftreten von Durchfall. Bei CPPD Off-Label-Anwendung und individuelle Dosierung. Bei Durchfall oder Erbrechen sofort absetzen und eine Intoxikation (Vergiftung) abklären. Bei fehlender Besserung nach 2 bis 3 Tagen Behandlung beenden und Diagnose beziehungsweise Therapie überprüfen [LL2, LL3, FI3]. |
- Wirkweise: Bindung an Tubulin und Hemmung mikrotubulusabhängiger Prozesse; dadurch Verminderung der neutrophilen Entzündungsreaktion auf Kristalle [FI3].
- Indikationen: Akuter Gichtanfall und Anfallsprophylaxe bei Einleitung einer harnsäuresenkenden Therapie; bei akuter beziehungsweise rezidivierender CPP-Kristallarthritis gegebenenfalls Off-Label-Anwendung [LL2, LL3, FI3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung sowie Blutbildstörungen gemäß der aufgeführten Fachinformation. Wechselwirkungen mit CYP3A4- beziehungsweise P-Glykoprotein-Inhibitoren sorgfältig prüfen; insbesondere bei Organfunktionsstörungen können lebensbedrohliche Intoxikationen auftreten. Schwangerschaft, Stillzeit und Kontrazeption präparat- und indikationsbezogen berücksichtigen [FI3].
- Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit und Erbrechen; bei erhöhter Exposition unter anderem Knochenmarksschädigung, Neuromyopathie (Schädigung von Nerven und Muskeln), Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe) und Multiorganversagen (gleichzeitiges Versagen mehrerer Organe). Enge therapeutische Breite [FI3].
Wirkstoffe: Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prednisolon | Alternative bei ungeeigneten NSAR beziehungsweise Colchicin. Bei CPPD kurzzeitige systemische Anwendung möglich. Vor Beginn Infektion ausreichend ausschließen; keine schematische Übertragung der Gichtdosierung auf eine längerfristige rheumatische Behandlung [LL2, LL3, FI4]. |
| Triamcinolonacetonid | Bei nichtinfektiöser Mono- oder Oligoarthritis (Entzündung weniger Gelenke) nach ausreichendem Infektionsausschluss. Streng aseptische Anwendung durch entsprechend erfahrene Ärzte. Geeignete Konzentration und Gesamtmenge nach Fachinformation auswählen; keine routinemäßigen Serieninjektionen [LL2, LL3, FI5]. |
- Wirkweise: Aktivierung des Glukokortikoidrezeptors mit Hemmung entzündungsfördernder Signalwege und immunmodulierender Wirkung [FI4, FI5].
- Indikationen: Nichtinfektiöse kristallbedingte Synovialitis sowie ausgewählte rheumatische Synovialitiden; bei rheumatoider Arthritis systemisch insbesondere als zeitlich begrenzte Überbrückung zur DMARD-Wirkung [LL2, LL3, LL4].
- Kontraindikationen: Intraartikuläre Gabe bei vermuteter oder gesicherter Gelenkinfektion sowie bei Infektion im Punktionsgebiet; weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten. Systemische Anwendung bei Infektionen nur bei gesonderter Indikation und geeigneter antiinfektiver Behandlung [FI4, FI5].
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg, psychische Veränderungen und erhöhte Infektanfälligkeit; bei längerer Anwendung Osteoporose (Knochenschwund) und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der körpereigenen Hormonbildung in der Nebennierenrinde). Nach intraartikulärer Anwendung unter anderem vorübergehende Schmerzreaktion, Haut- beziehungsweise Fettgewebsatrophie (Gewebeschwund), systemische Effekte und selten Gelenkinfektion [FI4, FI5].
Wirkstoffe: harnsäuresenkende Therapie bei Gicht
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Allopurinol | Langzeittherapie der Gicht, keine unmittelbare antiphlogistische Anfallsbehandlung. Zu Beginn Schubprophylaxe erwägen. Keine Indikation bei isolierter CPPD. Bei Hautausschlag sofort absetzen und ärztlich abklären. Relevante Wechselwirkung mit Azathioprin und Mercaptopurin; gemeinsame Anwendung erfordert eine spezialisierte Dosisanpassung beziehungsweise eine Alternative [LL2, FI6]. |
- Wirkweise: Hemmung der Xanthinoxidase und dadurch Verminderung der Harnsäurebildung [FI6].
- Indikationen: Harnsäuresenkung bei gesicherter Gicht und entsprechender Therapieindikation; nicht als unspezifische Behandlung einer Synovialitis [LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; nach schwerer allopurinolbedingter Überempfindlichkeitsreaktion keine erneute Exposition. Vor Therapiebeginn bei erhöhtem genetischem Risiko ein HLA-B*58:01-Screening erwägen [FI6].
- Nebenwirkungen: Hautreaktionen, gastrointestinale Beschwerden, Leberfunktionsstörungen und selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich DRESS (schwere Arzneimittelreaktion mit Hautausschlag und möglicher Organbeteiligung), Stevens-Johnson-Syndrom (schwere Haut- und Schleimhautreaktion) und toxischer epidermaler Nekrolyse (lebensbedrohliche Hautreaktion mit großflächiger Ablösung der Oberhaut) [FI6].
Wirkstoffe: Antibiotika bei bakterieller Gelenkinfektion
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Cefazolin | Cephalosporin der ersten Generation. Geeignet gegen empfindliche Staphylokokken und Streptokokken; keine ausreichende Wirksamkeit gegen MRSA. Empirisch gegebenenfalls zusammen mit Ceftriaxon, später nach Antibiogramm gegebenenfalls allein [LL1, FI7]. |
| Ceftriaxon | Cephalosporin der dritten Generation zur zusätzlichen Abdeckung empfindlicher gramnegativer Erreger. Keine zuverlässige Abdeckung von MRSA, Enterokokken oder Pseudomonas aeruginosa. Bei gleichzeitig schwerer Nieren- und Leberfunktionsstörung engmaschig überwachen [LL1, FI8]. |
- Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an penicillinbindende Proteine [FI7, FI8].
- Indikationen: Vermutete beziehungsweise gesicherte bakterielle Gelenkinfektion im Rahmen einer empirischen oder erregerspezifischen Strategie; keine Behandlung steriler kristallbedingter oder rheumatischer Synovialitis [LL1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen das jeweilige Cephalosporin; schwere frühere Überempfindlichkeitsreaktionen gegen andere Betalaktamantibiotika präparatespezifisch berücksichtigen. Ceftriaxon nicht mit calciumhaltigen Lösungen mischen oder gleichzeitig über denselben Infusionszugang verabreichen [FI7, FI8].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (lebensbedrohliche allergische Reaktion), Diarrhoe (Durchfall) einschließlich Clostridioides-difficile-assoziierter Kolitis (durch ein bestimmtes Bakterium verursachte Dickdarmentzündung), Blutbild- und Leberwertveränderungen; bei Ceftriaxon unter anderem biliäre Präzipitate. Bei Betalaktamakkumulation, insbesondere bei Nierenfunktionsstörung, sind neurotoxische Reaktionen möglich [FI7, FI8].
Wirkstoffe: konventionelle krankheitsmodifizierende Antirheumatika
Die folgende Tabelle zeigt eine zentrale Therapieoption bei rheumatoider Arthritis. Weitere konventionelle, biologische und gezielt synthetische DMARDs werden nach gesicherter Grunderkrankung, Krankheitsaktivität und individuellem Risikoprofil ausgewählt [LL4].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Methotrexat | Niemals täglich anwenden. Wirkungseintritt verzögert. Blutbild, Leberwerte und Nierenfunktion vor und während der Therapie kontrollieren; bei Nierenfunktionsstörung Dosisanpassung beziehungsweise Anwendungsausschluss nach Fachinformation. Keine Standardtherapie eines akuten Gicht- oder CPPD-Anfalls [LL4, FI9]. |
- Wirkweise: Bei niedriger wöchentlicher Dosierung immunmodulierend und entzündungshemmend, unter anderem über adenosinvermittelte Mechanismen [FI9].
- Indikationen: Aktive rheumatoide Arthritis und weitere präparatespezifisch zugelassene entzündliche Erkrankungen; keine empirische Therapie einer ätiologisch ungeklärten Synovialitis [LL4, FI9].
- Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, schwere aktive Infektionen, relevante Leberfunktionsstörung, schwere Nierenfunktionsstörung, ausgeprägte Blutbildveränderungen und weitere Gegenanzeigen gemäß Fachinformation. Kontrazeptions- und Karenzvorgaben beachten [FI9].
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut), Transaminasenanstieg, Knochenmarkssuppression (Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark), erhöhte Infektanfälligkeit und selten Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes). Wechselwirkungen, insbesondere mit Trimethoprim beziehungsweise Cotrimoxazol, sowie Veränderungen der renalen Elimination beachten [FI9].
Beachte
- Keine intraartikuläre Glukokortikoidgabe bei ungeklärtem Infektionsverdacht: Auch ein Kristallnachweis oder eine negative Gramfärbung reicht allein nicht zum Infektionsausschluss [LL1].
- Keine routinemäßige Opioidtherapie: Eine Paracetamol-Codein-Kombination ist keine Standardbehandlung der Synovialitis; im Vordergrund stehen die ursachenbezogene Therapie und gegebenenfalls eine geeignete antiphlogistische Behandlung.
- Keine bevorzugte Acetylsalicylsäuretherapie: Acetylsalicylsäure ist wegen ihres Nebenwirkungsprofils und der dosisabhängigen Beeinflussung der Harnsäureausscheidung keine bevorzugte antiphlogistische Option bei Gicht. Eine bestehende kardiovaskulär indizierte niedrig dosierte Behandlung nicht eigenständig absetzen [LL2].
- Kontrollen nach Risiko: Bei NSAR Nierenfunktion, Blutdruck und Blutungsrisiko berücksichtigen; bei systemischen Glukokortikoiden insbesondere Glukosestoffwechsel und Infektionszeichen; bei DMARDs die substanzspezifischen Sicherheitskontrollen durchführen [FI2, FI4, FI9].
- Alters- und situationsbezogene Anwendung: Die Dosierungsangaben betreffen Erwachsene. Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit, höheres Lebensalter und Organfunktionsstörungen erfordern eine gesonderte Beurteilung.
- Weitere Therapie: Ursachenbezogene Entlastung, Kühlung, Gelenkpunktion, operative Maßnahmen und anschließend angepasste Mobilisation beziehungsweise Physiotherapie ergänzen die medikamentöse Behandlung [LL1, LL2, LL3].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
- Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- CPP: Calcium-Pyrophosphat.
- CPPD: Calcium pyrophosphate deposition disease; Erkrankung durch Ablagerung von Calcium-Pyrophosphat-Kristallen.
- CYP3A4: Cytochrom P450 3A4, ein Enzym des Arzneimittelstoffwechsels.
- DEGAM: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.
- DMARD: Disease-modifying antirheumatic drug; krankheitsmodifizierendes Antirheumatikum.
- DRESS: Drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms; schwere Arzneimittelreaktion mit Blutbildveränderungen und möglicher Organbeteiligung.
- JAK: Januskinase.
- MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.
- NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika.
- SANJO: Septic arthritis in native joints; septische Arthritis nativer Gelenke.
- i.v.: intravenös, in eine Vene.
- p.o.: per os, Einnahme über den Mund.
- mg: Milligramm.
- g: Gramm.
- kg: Kilogramm.
- ml: Milliliter.
- dl: Deziliter.
- µmol/l: Mikromol pro Liter.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- DGRh: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie.
- EBJIS: European Bone and Joint Infection Society.
- EULAR: European Alliance of Associations for Rheumatology.
- FI: Fachinformation.
- LL: Leitlinie beziehungsweise fachgesellschaftliche Empfehlung.
- doi: Digital Object Identifier; dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung.
Literatur
- Pascart T, Robinet P, Ottaviani S et al.: Evaluating the safety and short-term equivalence of colchicine versus prednisone in older patients with acute calcium pyrophosphate crystal arthritis (COLCHICORT): an open-label, multicentre, randomised trial. Lancet Rheumatol. 2023;5(9):e523 bis e531. doi:10.1016/S2665-9913(23)00165-0.
- Gjika E, Beaulieu JY, Vakalopoulos K et al.: Two weeks versus four weeks of antibiotic therapy after surgical drainage for native joint bacterial arthritis: a prospective, randomised, non-inferiority trial. Ann Rheum Dis. 2019;78(8):1114 bis 1121. doi:10.1136/annrheumdis-2019-215116.
Leitlinien
- EBJIS-Leitlinie: Ravn C, Neyt J, Benito N et al.: Guideline for management of septic arthritis in native joints (SANJO). J Bone Jt Infect. 2023;8:29 bis 37. Januar 2023. doi:10.5194/jbji-8-29-2023. Leitlinienfassung. PDF-Volltext [LL1]
- S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Gicht. (AWMF-Registernummer: 060-005). Version 2.1, August 2024. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie und beteiligte Fachgesellschaften. Langfassung [LL2]
- EULAR-Empfehlungen: Zhang W, Doherty M, Pascual E et al.: EULAR recommendations for calcium pyrophosphate deposition. Part II: management. Ann Rheum Dis. 2011;70(4):571 bis 575. doi:10.1136/ard.2010.139360. PubMed [LL3]
- EULAR-Empfehlungen: Smolen JS, Edwards CJ, Konzett V et al.: EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 update. Ann Rheum Dis. 2026;85(6):991 bis 1009. Veröffentlicht März 2026. doi:10.1016/j.ard.2026.01.023. PubMed [LL4]
Fachinformationen
- Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Fachinformation [FI1]
- Ibu-ratiopharm 400 mg/600 mg/800 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI2]
- Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. Fachinformation [FI3]
- Prednisolon acis. Fachinformation [FI4]
- Volon A 10/A 10-5 ml, Triamcinolonacetonid. Fachinformation [FI5]
- Allopurinol-ratiopharm 100 mg/300 mg Tabletten. Fachinformation [FI6]
- Cefazolin Hikma. Fachinformation [FI7]
- Ceftriaxon Kabi 2 g Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation [FI8]
- metex 50 mg/ml Injektionslösung, Fertigspritze, Methotrexat. Fachinformation [FI9]