Fußdeformitäten – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Linderung von Schmerzen und gegebenenfalls entzündlichen Begleitbeschwerden.
- Verbesserung der schmerzbedingt eingeschränkten Gehfähigkeit und Alltagsfunktion als Ergänzung zur orthopädischen Behandlung [LL1].
Eine medikamentöse Korrektur der Fußdeformität (Fehlstellung des Fußes) ist nicht möglich. Arzneimittel dienen ausschließlich der symptomatischen (beschwerdelindernden) Begleitbehandlung [LL1].
Therapieempfehlungen
- Asymptomatische (beschwerdefreie) Fußdeformitäten: keine medikamentöse Behandlung; dies gilt insbesondere für den beschwerdefreien flexiblen kindlichen Knick-Senkfuß [LL2].
- Schmerzhafte Fußdeformitäten: gegebenenfalls zeitlich begrenzte, altersgerechte Analgesie (Schmerzlinderung) ergänzend zur orthopädischen Behandlung [LL1].
- Evidenz: Studien zu topischen (äußerlich angewendeten) NSAR bei akuten Zerrungen und Verstauchungen Erwachsener belegen keine deformitätsspezifische Wirksamkeit; ihre Ergebnisse sind nicht unkritisch übertragbar [1].
- Spezielle Pharmakotherapie: bei begleitender Arthrose (Gelenkverschleiß), rheumatoider Arthritis (entzündlichem Gelenkrheuma) oder Gicht siehe die jeweils gleichnamigen Erkrankungen/Pharmakotherapie.
Wirkstoffe (Hauptindikationen)
Systemische (im gesamten Körper wirkende) nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen, p.o. | 400-mg-Tabletten des Referenzpräparats erst ab 20 kg/6 Jahren; Kinderdosierung präparatspezifisch [FI1]. |
- Wirkweise: Prostaglandinsynthesehemmung; analgetisch (schmerzlindernd), antiphlogistisch (entzündungshemmend) [FI1].
- Indikation: kurzfristige Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen [FI1].
- Kontraindikationen (Auswahl): NSAR-Überempfindlichkeit, relevante Ulkus-/Blutungsanamnese (Vorgeschichte mit Geschwüren oder Blutungen), schwere Organfunktionsstörungen, schwere Dehydratation (Austrocknung), drittes Schwangerschaftstrimenon (Schwangerschaftsdrittel) [FI1].
- Nebenwirkungen: gastrointestinale (Magen und Darm betreffende) Beschwerden/Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, Überempfindlichkeitsreaktionen [FI1].
Topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac-Natrium, 10 mg/g Gel | Nur bei zugelassener Begleitindikation; mechanischer Fehlstellungsschmerz allein genügt nicht [FI2]. |
- Wirkweise: lokale Prostaglandinsynthesehemmung; analgetisch, antiphlogistisch [FI2].
- Indikation: bei Erwachsenen beispielsweise Sehnen-/Sehnenscheidenentzündung, Bursitis (Schleimbeutelentzündung) oder degenerative Extremitätengelenkerkrankung (verschleißbedingte Erkrankung der Arm- oder Beingelenke) [FI2].
- Kontraindikationen (Auswahl): Überempfindlichkeit einschließlich NSAR-Reaktionen, geschädigte Haut, drittes Schwangerschaftstrimenon; beim Referenzpräparat zusätzlich Soja-/Erdnussallergie [FI2].
- Nebenwirkungen: vorwiegend Hautreaktionen; großflächig beziehungsweise längerfristig auch systemische Nebenwirkungen möglich [FI2].
Nichtopioidanalgetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol, p.o. | Unter 50 kg, bei Alkoholismus, Dehydratation oder Mangelernährung ohne ärztliche Anweisung maximal 60 mg/kg/d, bei Erwachsenen höchstens 2.000 mg/d. Referenztabletten ab 17 kg/4 Jahren; Kinderdosierung präparatspezifisch [FI3]. |
- Wirkweise: analgetisch, antipyretisch (fiebersenkend) [FI3].
- Indikation: leichte bis mäßig starke Schmerzen [FI3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Leber-/Nierenfunktionsstörungen Vorsicht und Dosisanpassung [FI3].
- Nebenwirkungen: selten Leberenzymanstieg; sehr selten Blutbildveränderungen/schwere Hautreaktionen. Überdosierung: schwere Leberschäden [FI3].
Beachte
- Ibuprofen ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender Indikation und ärztlicher Begleitung; im dritten Schwangerschaftstrimenon kontraindiziert (darf nicht angewendet werden) [2].
- Ärztliche Neubewertung bei weiterem Analgetikabedarf: Ibuprofen nach 4 Tagen bei Erwachsenen beziehungsweise 3 Tagen bei Kindern/Jugendlichen; Paracetamol nach 3 Tagen. Bei Verschlechterung früher [FI1, FI3].
- Keine Kombination mehrerer systemischer NSAR; keine Mehrfachgabe paracetamolhaltiger Präparate [FI1, FI3].
- Vollständige Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und präparatspezifische Dosierungen beachten [FI1, FI2, FI3].
Abkürzungsverzeichnis
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- d: Tag
- doi: dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
- FI: Fachinformation
- g: Gramm
- kg: Kilogramm
- LL: Leitlinie
- mg: Milligramm
- mg/d: Milligramm pro Tag
- mg/g: Milligramm pro Gramm
- mg/kg/d: Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag
- NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika; entzündungshemmende Schmerzmittel
- NSAID: englische Abkürzung für nichtsteroidales entzündungshemmendes Arzneimittel
- p.o.: per os; zum Einnehmen
- S2e: Leitlinienklasse mit systematischer Recherche und Bewertung der wissenschaftlichen Belege
- S2k: Leitlinienklasse mit strukturierter Konsensfindung
Literatur
- Derry S, Moore RA, Gaskell H, McIntyre M, Wiffen PJ: Topical NSAIDs for acute musculoskeletal pain in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015;(6):CD007402. doi: 10.1002/14651858.cd007402.pub3.
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: NSAID-haltige Arzneimittel zur systemischen Anwendung während der Schwangerschaft: Textänderungen der Produktinformation.
Leitlinien
- S2e-Leitlinie: Hallux valgus. (AWMF-Registernummer: 187 - 051), Version 5.2, redaktionelle Aktualisierung Januar 2026. Langfassung [LL1]
- S2k-Leitlinie: Kindlicher Knick-Senkfuß. (AWMF-Registernummer: 187 - 053), Version 4.0, Stand 02.06.2022. Langfassung [LL2]
Fachinformationen
- ratiopharm GmbH: IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Fachinformation, Stand Juni 2026 [FI1]
- ratiopharm GmbH: Diclo-ratiopharm Schmerzgel, 10 mg/g. Fachinformation, Stand Januar 2026 [FI2]
- ratiopharm GmbH: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Fachinformation, Stand Dezember 2024 [FI3]