Fußdeformitäten – Differentialdiagnosen
Hackenfuß (Pes calcaneus)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Kongenitaler Talus verticalis (Schaukelfuß) – rigide Plattfußdeformität (nicht bewegliche Plattfußfehlstellung) mit Talonavikulargelenkluxation (Ausrenkung des Gelenks zwischen Sprungbein und Kahnbein); im Gegensatz zum flexiblen angeborenen Hackenfuß nicht vollständig passiv redressierbar (durch äußere Bewegung korrigierbar)
- Posteromediale Tibiaverbiegung (Verbiegung des Schienbeins nach hinten und innen) – meist mit Hacken-Valgus-Stellung (nach außen gerichtete Fersenstellung) des Fußes kombiniert; Scheitelpunkt der Deformität an der distalen Tibia (unteren Schienbein) statt im Bereich des Sprunggelenks
Hängefuß
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Lumbale Radikulopathie L5 (Schädigung oder Reizung der fünften Lenden-Nervenwurzel) – häufige Ursache einer Fußheberparese (Lähmung der Fußhebung); Abgrenzung insbesondere gegen eine Fibularisneuropathie (Schädigung des Wadenbeinnervs)
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Fibularisneuropathie – häufige periphere Ursache einer Fußheberparese
- Ischiadikusneuropathie (Schädigung des Ischiasnervs) – Fußheberparese mit zusätzlicher Beteiligung weiterer vom Nervus ischiadicus versorgter Muskelgruppen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Schmerzbedingte Schonhaltung des Fußes – kann einen Hängefuß imitieren; keine objektivierbare neurogene Fußheberparese (durch eine Nervenschädigung verursachte Lähmung der Fußhebung)
Hohlfuß (Pes cavus, Pes excavatus)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Spina bifida (offener Rücken) – neurologisch mitbedingte Hohlfuß- bzw. Cavovarusdeformität (Hohlfuß mit nach innen gekippter Ferse) möglich
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (erbliche Erkrankung der peripheren Nerven) – wichtigste hereditäre neurologische Ursache eines progredienten Cavovarusfußes (fortschreitenden Hohlfußes mit nach innen gekippter Ferse); insbesondere bei bilateralem Hohlfuß auszuschließen
- Friedreich-Ataxie (erbliche Erkrankung des Nervensystems mit Bewegungsstörungen) – hereditäre neurodegenerative Erkrankung mit charakteristischer Hohlfußbildung
Klumpfuß (Pes equinovarus, supinatus, excavatus et adductus)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Arthrogryposis multiplex congenita (angeborene Gelenksteife mehrerer Gelenke) – syndromaler, meist besonders rigider Equinovarusfuß (Spitz-Klumpfuß)
- Kletterfuß (Pes supinatus) – angeborene Fehlhaltung mit Supinationsstellung (Einwärtsdrehung des Fußes); gegen den strukturell rigideren Klumpfuß abzugrenzen
- Klumpfußhaltung – positionelle intrauterine Fehlhaltung (durch die Lage im Mutterleib bedingte Fehlhaltung); im Gegensatz zum strukturellen Klumpfuß unmittelbar nach der Geburt weitgehend bzw. vollständig passiv redressierbar
- Metatarsus adductus (Sichelfuß) – Adduktionsfehlstellung des Vorfußes (Einwärtsstellung des Vorfußes) bei weitgehend regelrechter Rückfußstellung
- Spina bifida – neurogen bedingte Equinovarusdeformität (durch eine Nervenschädigung bedingte Spitz-Klumpfußfehlstellung); neurologische Begleitbefunde weisen gegen einen idiopathischen kongenitalen Klumpfuß
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Zerebralparese (frühkindliche Bewegungsstörung durch Hirnschädigung) – spastisch bedingte Equinovarusdeformität als neurogener Klumpfuß (durch eine Nervenschädigung bedingter Klumpfuß)
Plattfuß (Pes planus)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Kongenitaler Talus verticalis (Schaukelfuß) – rigider angeborener Plattfuß mit konvexer Fußsohle und Talonavikulargelenkluxation
- Tarsale Koalition (angeborene Verbindung zwischen Fußwurzelknochen) – knöcherne, knorpelige oder fibröse Verbindung zwischen Fußwurzelknochen; typische Ursache eines schmerzhaften rigiden Plattfußes im Kindes- und Jugendalter
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Posterior-Tibial-Tendon-Dysfunktion (Funktionsstörung der hinteren Schienbeinsehne) – wesentliche Ursache des erworbenen progredienten Pes planovalgus (fortschreitenden Knick-Plattfußes) im Erwachsenenalter
- Rheumatoide Arthritis (chronisch-entzündliches Gelenkrheuma) – kann durch ligamentäre und artikuläre Destruktion (Zerstörung von Bändern und Gelenken) zu einer erworbenen Planovalgusdeformität (Knick-Plattfuß-Fehlstellung) führen
Spitzfuß (Pes equinus)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Achillessehnenverkürzung bzw. Beugekontraktur des oberen Sprunggelenks (dauerhafte Beugestellung des oberen Sprunggelenks) – struktureller Spitzfuß mit eingeschränkter passiver Dorsalextension (Anhebung des Fußes nach oben)
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Muskeldystrophien (erbliche Muskelschwunderkrankungen), insbesondere Duchenne-Muskeldystrophie (schwere erbliche Muskelschwunderkrankung) – progrediente muskuläre Erkrankungen mit Entwicklung einer Spitzfußkontraktur (dauerhaften Spitzfußfehlstellung)
- Zerebralparese – spastischer Spitzfuß durch muskuläres Ungleichgewicht bzw. Kontraktur der Plantarflexoren (Verkürzung der Muskeln, die den Fuß nach unten bewegen)
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Idiopathischer Zehengang (Zehengang ohne erkennbare Ursache) – insbesondere im Kindesalter gegen einen neurologisch oder strukturell bedingten Spitzfuß abzugrenzen; initial meist freie passive Dorsalextension
Spreizfuß (Pes transversoplanus)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Rheumatoide Arthritis – entzündlich-destruktive Vorfußveränderungen mit Subluxationen der Metatarsophalangealgelenke (Teilausrenkungen der Zehengrundgelenke) und Verbreiterung des Vorfußes können einen ausgeprägten Spreizfuß imitieren bzw. mitbedingen