Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive
- Inspektion (Betrachtung) im Seitenvergleich
- Inspektion des Verlaufs der Achillessehne und der Fersenregion [Konturunterbrechung bzw. Dellenbildung im Rupturbereich (Bereich des Sehnenrisses)]
- Beurteilung der spontanen Fußstellung in Bauchlage [verminderte physiologische (normale) Plantarflexionsstellung (Fußstellung mit abgesenktem Vorfuß) des betroffenen Fußes im Seitenvergleich]
- Palpation (Abtasten) der Achillessehne über den gesamten Sehnenverlauf einschließlich Ansatz am Calcaneus (Fersenbein) [tastbare Kontinuitätsunterbrechung (Unterbrechung des Sehnenverlaufs) bzw. Lücke im Rupturbereich]
- Eine tastbare Lücke kann bei ausgeprägter lokaler Schwellung schwer nachweisbar sein.
- Prüfung der Funktion
- Aktive Plantarflexion (Absenken des Fußes in Richtung Fußsohle) gegen Widerstand im Seitenvergleich [deutlich verminderte Plantarflexionskraft (Kraft beim Absenken des Fußes)]
- Prüfung des einbeinigen Zehenstands, soweit akut schmerzbedingt durchführbar [einbeiniger Zehenstand nicht möglich]
- Beurteilung des Abstoßens über den Vorfuß beim Gehen, soweit belastbar [fehlender bzw. deutlich verminderter Vorfußabstoß]
- Eine erhaltene aktive Plantarflexion schließt eine Achillessehnenruptur (Riss der Achillessehne) nicht aus, da eine Restbewegung durch andere plantarflexorisch wirkende Muskeln (Muskeln, die den Fuß nach unten bewegen) möglich ist.
- Simmonds-Thompson-Test (Wadenkompressionstest)
- Durchführung: Untersuchung in Bauchlage bei frei über die Liegenkante hinausragenden Füßen; Kompression (Zusammendrücken) der Wadenmuskulatur im Seitenvergleich.
- [Ausbleibende oder deutlich verminderte Plantarflexion des Fußes bei Kompression der Wade; positiver Simmonds-Thompson-Test]
- Der Test besitzt insbesondere für die komplette akute Achillessehnenruptur eine hohe diagnostische Aussagekraft; bei Partialrupturen (Teilrissen) kann eine Plantarflexion erhalten bleiben.
- Matles-Test (Knieflexionstest)
- Durchführung: Untersuchung in Bauchlage; beide Knie werden auf etwa 90° flektiert (gebeugt) und die Fußstellung wird im Seitenvergleich beurteilt.
- [fehlende physiologische Plantarflexionsstellung bzw. Absinken des betroffenen Fußes in Richtung Neutralstellung oder Dorsalflexion (Anheben des Fußes in Richtung Schienbein)]
- Beurteilung von Durchblutung, Motorik (Bewegungsfähigkeit) und Sensibilität (Gefühlsempfinden) des betroffenen Beines und Fußes im Seitenvergleich
- Palpation der peripheren Fußpulse (Pulse an den Fußarterien)
- Orientierende Prüfung der Motorik
- Orientierende Prüfung der Sensibilität
- Inspektion (Betrachtung) im Seitenvergleich
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.