Polymenorrhoe – Einleitung

Eine Polymenorrhoe (Synonyme: Blutungsanomalie – (Intervall < 24 Tage); Blutungsanomalie – Polymenorrhoe (Intervall < 24 Tage); Menstruationsblutung (Intervall < 24 Tage); Polymenorrhea; Polymenorrhö; Zyklusstörung – Polymenorrhoe (Intervall < 24 Tage); ICD-10-GM N92.0: Zu starke oder zu häufige Menstruation bei regelmäßigem Menstruationszyklus: Polymenorrhoe) ist eine Rhythmusstörung. Das Intervall zwischen den Blutungen ist kleiner als 24 Tage, die Blutungen treten also zu oft auf.

Die Blutungsanomalien (Blutungs- bzw. Zyklusstörungen) werden nach Rhythmusstörungen und Typusstörungen unterschieden.

Zu den Rhythmusstörungen gehören:

  • Polymenorrhoe – das Intervall zwischen den Blutungen ist < 24 Tage, d. h. die Blutungen treten zu oft auf
  • Oligomenorrhoe – das Intervall zwischen den Blutungen ist > 38 Tage und ≤ 90 Tage, d. h. die Blutungen treten zu selten auf
  • Amenorrhoe – keine Menstruationsblutung bis zum 15. Lebensjahr (primäre Amenorrhoe) oder keine Menstruationsblutung seit ≥ 6 Monate (sekundäre Amenorrhoe)

Bei einer Polymenorrhoe liegt meistens eine ovarielle Störung (Störung der Eierstockfunktion) vor, welche häufig hypothalamisch-dysfunktional bedingt ist. 
Der Hypothalamus ist Teil des Diencephalon (Zwischenhirns) und dient als oberstes Regulationszentrum für alle endokrinen und vegetativen Vorgänge.

Häufigkeitsgipfel: Das Maximum des Auftretens der Polymenorrhoe ist nach der Menarche (erste Regelblutung) und vor dem Klimakterium (weibliche Wechseljahre), da zu beiden Zeitpunkten im Körper endokrinologische (hormonelle) Veränderungen stattfinden.
Eine Polymenorrhoe kann auch postpartal (d. h. nach der Entbindung) auftreten.

Inzidenz und Prävalenz der Polymenorrhoe

Die Prävalenz und Inzidenz der Polymenorrhoe sind nicht so gut dokumentiert wie bei einigen anderen gynäkologischen Zuständen, jedoch gibt es einige allgemeine Schätzungen und Erkenntnisse:

Prävalenz (Krankheitshäufigkeit)

  • Allgemeine Bevölkerung: Schätzungen zur Prävalenz von Polymenorrhoe in der allgemeinen weiblichen Bevölkerung variieren, aber es wird angenommen, dass etwa 10-20 % der Frauen im reproduktiven Alter zeitweise von Zyklusstörungen betroffen sind, einschließlich Polymenorrhoe.
  • Jugendliche: Nach der Menarche (erste Regelblutung) sind Zyklusstörungen häufig, da der Körper sich an die neuen hormonellen Veränderungen anpasst. In dieser Gruppe liegt die Prävalenz von Polymenorrhoe höher und kann bis zu 30 % betragen.
  • Perimenopause: Vor dem Einsetzen der Menopause können ebenfalls häufig Zyklusstörungen auftreten. Auch in dieser Altersgruppe kann die Prävalenz von Polymenorrhoe bis zu 30 % betragen.

Inzidenz (Häufigkeit von neue Erkrankungen)

  • Erstmanifestation: Die Inzidenz von Polymenorrhoe ist am höchsten bei jungen Mädchen in den ersten zwei Jahren nach der Menarche und bei Frauen im perimenopausalen Alter. Spezifische Zahlen zur Inzidenz sind schwer zu bestimmen, da viele Fälle von Polymenorrhoe nicht gemeldet oder diagnostiziert werden.
  • Postpartal: Nach der Geburt kann es bei Frauen zu vorübergehenden Zyklusstörungen kommen, einschließlich Polymenorrhoe. Hier gibt es jedoch keine genauen Inzidenzraten.

Verlauf und Prognose 

Verlauf

Eine Polymenorrhoe, charakterisiert durch ein verkürztes Intervall von weniger als 24 Tagen zwischen den Menstruationsblutungen, kann unterschiedliche Verläufe zeigen, abhängig von den zugrunde liegenden Ursachen:

  • Pubertät und Klimakterium: In diesen Lebensphasen treten hormonelle Schwankungen auf, die häufig zu Zyklusstörungen wie der Polymenorrhoe führen. Nach der Menarche und vor den Wechseljahren regulieren sich die Zyklen oft von selbst, wenn die hormonellen Veränderungen stabilisiert sind.
  • Postpartale Phase: Nach der Geburt können hormonelle Umstellungen zu vorübergehenden Zyklusstörungen führen, einschließlich Polymenorrhoe. Diese regulieren sich in der Regel innerhalb weniger Monate.
  • Stress und psychische Belastungen: Psychische Faktoren wie Stress können zu einer Dysregulation der hypothalamischen Funktion führen, was häufig eine vorübergehende Polymenorrhoe zur Folge hat. Bei Wegfall der Stressoren normalisiert sich der Zyklus meist ohne medikamentöse Intervention.
  • Ovarielle Störungen (Störung der Eierstockfunktion): Bei anhaltender Polymenorrhoe über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren nach der Menarche oder in anderen Lebensphasen sollte eine gründliche Abklärung erfolgen, um zugrunde liegende ovarielle Dysfunktionen oder andere endokrinologische Probleme zu identifizieren.

Prognose

Die Prognose der Polymenorrhoe hängt weitgehend von der Ursache der Zyklusstörung ab:

  • Physiologische Ursachen: In vielen Fällen, insbesondere während der Pubertät und in der prämenopausalen Phase, reguliert sich die Polymenorrhoe von selbst, sobald sich die hormonellen Schwankungen stabilisiert haben.
  • Stress und psychische Belastungen: Bei stressbedingter Polymenorrhoe verbessert sich der Zyklus in der Regel nach Beseitigung der auslösenden Faktoren. Psychologische Unterstützung oder Stressmanagement können hilfreich sein, eine medikamentöse Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Endokrinologische Störungen: Bei hormonellen oder ovariellen Dysfunktionen (Fehlfunktionen des Eierstocks) hängt die Prognose von der erfolgreichen Behandlung der Grunderkrankung ab. Dies kann hormonelle Therapien oder andere spezifische medizinische Interventionen umfassen.
  • Postpartale Polymenorrhoe: Diese Form der Polymenorrhoe neigt dazu, sich innerhalb weniger Monate nach der Geburt zu normalisieren, wenn sich der Hormonhaushalt wieder stabilisiert.

Eine rechtzeitige und präzise Diagnose der Ursache ist entscheidend für die erfolgreiche Behandlung und langfristige Normalisierung des Menstruationszyklus. Unbehandelt können andauernde Zyklusstörungen zu weitergehenden reproduktiven und allgemeinen Gesundheitsproblemen führen.