Hypermenorrhoe – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Hypermenorrhoe (starke Regelblutung) mitbedingt sein können:

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangel (Mangel an Eisen) ohne Anämie (Blutarmut) – häufigste und frühe Folge chronisch erhöhter menstrueller Blutverluste; Ferritin kann bereits erniedrigt sein, bevor Hämoglobin abfällt [4, 6].
  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – klinisch wichtigste Folgeerkrankung der Hypermenorrhoe; sie ist mit Fatigue (anhaltender Erschöpfung), Belastungsintoleranz (verminderter körperlicher Belastbarkeit), kognitiver Einschränkung (Beeinträchtigung von Denken und Konzentration) und verminderter Lebensqualität assoziiert [4, 6].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angst- und depressive Symptomatik (Zeichen von Angst und Niedergeschlagenheit) – insbesondere bei Jugendlichen mit starker Menstruationsblutung beschrieben; die Evidenz ist überwiegend observational, eine eigenständige Kausalität (Ursächlichkeit) ist deshalb zurückhaltend zu bewerten [3].
  • Kognitive Leistungsminderung (verminderte geistige Leistungsfähigkeit) und Konzentrationsstörungen – vor allem vermittelt über Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie [4].

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Anämie in der Schwangerschaft – kann bei nicht korrigiertem präkonzeptionellem Eisenmangel (Eisenmangel vor der Empfängnis) bzw. nicht korrigierter Eisenmangelanämie mitbedingt sein; maternale Anämie (Blutarmut der Mutter) ist in Metaanalysen (zusammenfassenden Auswertungen mehrerer Studien) mit erhöhtem Risiko für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und postpartale Blutung (Blutung nach der Geburt) assoziiert [7].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung), Palpitationen (Herzklopfen), Schwindel, Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht) oder Synkope (Ohnmacht) – insbesondere bei ausgeprägter Eisenmangelanämie bzw. akuter Blutungsdekompensation (plötzlicher Verschlechterung durch Blutverlust) [4, 6].
  • Fatigue, Leistungsabfall und reduzierte Belastbarkeit – häufige funktionelle Folgen von Hypermenorrhoe-assoziiertem Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie [4, 6].
  • Pathologische Laborbefunde (krankhaft veränderte Laborwerte) – erniedrigtes Ferritin, erniedrigtes Hämoglobin, mikrozytäre bzw. hypochrome Erythrozytenindizes (Hinweise auf kleine bzw. blasse rote Blutkörperchen) [4, 6].

Weiteres

  • Eingeschränkte gesundheitsbezogene Lebensqualität – Leitsymptom der klinisch relevanten Hypermenorrhoe; aktuelle systematische Reviews (systematische Übersichtsarbeiten) bestätigen den erheblichen Einfluss auf Alltag, Aktivität und subjektive Krankheitslast [2, 3, 4].
  • Schul- und Arbeitsabsentismus (Fehlzeiten in Schule und Beruf) sowie Präsentismus (Anwesenheit trotz eingeschränkter Leistungsfähigkeit) – vor allem vermittelt durch Blutungsintensität, Eisenmangel, Fatigue und kognitive Einschränkung [4].
  • Notfallbehandlung, Hospitalisation (Krankenhausaufnahme) oder Transfusionsbedarf (Bedarf an Blutübertragung) – selten, aber bei akuter schwerer Blutung bzw. schwerer Eisenmangelanämie möglich [5, 6].

Prognosefaktoren

  • Ausmaß und Dauer der Blutung – zunehmender Blutverlust, verlängerte Blutungsdauer und Koagelabgang (Abgang von Blutklumpen) erhöhen das Risiko für Eisenmangel und Eisenmangelanämie [4, 6].
  • Adoleszenz (Jugendalter) bzw. Blutungsbeginn seit Menarche (erster Regelblutung) – erhöht die Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung) und damit persistierender bzw. rezidivierender Hypermenorrhoe [1].
  • Ausgangs-Ferritin und Ausgangs-Hämoglobin – niedrige Werte sind die wichtigsten Prädiktoren (Vorhersagefaktoren) für Fatigue, Belastungsintoleranz und Anämieprogression (Fortschreiten der Blutarmut) [4, 6].
  • Ursache der Hypermenorrhoe – Gerinnungsstörungen, Myome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter), Adenomyose (Einwachsen von Gebärmutterschleimhaut in die Gebärmutterwand), Endometriumpolypen (Schleimhautwucherungen in der Gebärmutter) und ovulatorische Dysfunktion (Störung des Eisprungs) beeinflussen Persistenz (Fortbestehen), Rezidivrisiko (Rückfallrisiko) und Therapieansprechen [1, 8].
  • Therapieansprechen (Wirkung der Behandlung) – wirksame Reduktion des menstruellen Blutverlusts senkt das Risiko für fortbestehenden Eisenmangel, Eisenmangelanämie und Lebensqualitätsverlust [5, 8].
  • Ernährungsstatus, vegetarische bzw. vegane Ernährung und Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen im Darm) – können die Rekompensation der Eisenspeicher (Wiederauffüllung der Eisenreserven) verzögern.
  • Kinderwunsch bzw. geplante Schwangerschaft – relevant, weil ein nicht korrigierter Eisenmangel vor Konzeption (Empfängnis) bzw. in der Frühschwangerschaft die Schwangerschaftsanämie (Blutarmut in der Schwangerschaft) mitbedingen kann [7].

Literatur

  1. Comishen KJ, Bhatt M, Yeung K et al.: Etiology and diagnosis of heavy menstrual bleeding among adolescent and adult patients: a systematic review and meta-analysis of the literature. J Thromb Haemost. 2025;23(3):863-876. doi: 10.1016/j.jtha.2024.11.014.
  2. Al Wattar BH, Schofield S, Minns V, Khan KS: Quality of life measurement tools for heavy menstrual bleeding: A systematic review and critical appraisal. Sex Reprod Healthc. 2025;44:101102. doi: 10.1016/j.srhc.2025.101102.
  3. Pouraliroudbaneh S, Marino J, Riggs E et al.: Heavy menstrual bleeding and dysmenorrhea in adolescents: A systematic review of self-management strategies, quality of life, and unmet needs. Int J Gynaecol Obstet. 2024;167(1):16-41. doi: 10.1002/ijgo.15554.
  4. Munro MG, Mast AE, Powers JM et al.: The relationship between heavy menstrual bleeding, iron deficiency, and iron deficiency anemia. Am J Obstet Gynecol. 2023;229(1):1-9. doi: 10.1016/j.ajog.2023.01.017.
  5. Bofill Rodriguez M, Dias S, Jordan V et al.: Interventions for heavy menstrual bleeding; overview of Cochrane reviews and network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2022;5:CD013180. doi: 10.1002/14651858.CD013180.pub2.
  6. Mansour D, Hofmann A, Gemzell-Danielsson K: A Review of Clinical Guidelines on the Management of Iron Deficiency and Iron-Deficiency Anemia in Women with Heavy Menstrual Bleeding. Adv Ther. 2021;38(1):201-225. doi: 10.1007/s12325-020-01564-y.
  7. Wang R, Xu S, Hao X et al.: Anemia during pregnancy and adverse pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. Front Glob Womens Health. 2025;6:1502585. doi: 10.3389/fgwh.2025.1502585.

Leitlinien

  1. NICE Guideline: Heavy menstrual bleeding: assessment and management (NG88) Published: 14 March 2018; Last updated: 24 May 2021; Last reviewed: 19 December 2024.
  2. ACOG Committee Opinion No. 785: Screening and Management of Bleeding Disorders in Adolescents With Heavy Menstrual Bleeding (ACOG Clinical Guidance) September 2019; Reaffirmed 2023.