Staphylokokken – Differentialdiagnosen
Atmungssystem (J00-J99)
- Beatmungsassoziierte Pneumonie – Staphylococcus aureus einschließlich Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA; gegen bestimmte Antibiotika widerstandsfähiger Staphylococcus aureus) ist bei nosokomialem Verlauf (im Krankenhaus erworbenem Verlauf), Intensivtherapie, vorheriger Antibiotikatherapie oder bekannter MRSA-Kolonisation (Besiedlung mit MRSA) leitlinienrelevant
- Beatmungsassoziierte Tracheobronchitis (Entzündung von Luftröhre und Bronchien) – nur bei Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs), Tracheostoma (künstliche Luftröhrenöffnung) oder intensivmedizinischem/nosokomialem Kontext als staphylokokkenassoziierte Atemwegsinfektion (Infektion der Atemwege) zu berücksichtigen; keine typische Ursache einer unkomplizierten ambulanten Bronchitis (Entzündung der Bronchien)
- Empyem/Pleuraempyem (Eiteransammlung im Brustfellraum) – als Komplikation einer Staphylococcus-aureus-Pneumonie, einer hämatogenen Streuung (Ausbreitung über das Blut) oder einer thorakalen Intervention (Eingriff am Brustkorb) differenzialdiagnostisch relevant
- Influenza-assoziierte bakterielle Superinfektion/Pneumonie (zusätzliche bakterielle Infektion/Lungenentzündung nach Grippe) – Staphylococcus aureus, einschließlich Panton-Valentine-Leukozidin (PVL; bestimmter bakterieller Giftstoff)-bildender Stämme, bei schwerer Pneumonie, Hämoptysen (Bluthusten), nekrotisierendem Verlauf (gewebezerstörendem Verlauf) oder rascher respiratorischer Verschlechterung (Verschlechterung der Atmung) abzugrenzen
- Lungenabszess (Eiterhöhle in der Lunge)/nekrotisierende Pneumonie – bei kavernöser Destruktion (höhlenbildender Gewebezerstörung), septischen Embolien (infektiösen Gefäßverschlüssen) oder schwerer Staphylococcus-aureus-Pneumonie differenzialdiagnostisch relevant
- Nosokomiale Pneumonie – Staphylococcus aureus/MRSA als typischer Leitlinienerreger bei Krankenhauspneumonie, insbesondere bei Risikofaktoren für multiresistente Erreger (gegen mehrere Antibiotika widerstandsfähige Krankheitserreger)
- Rhinosinusitis (Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen), bakterielle/chronisch-rezidivierende oder postoperative Form – Staphylococcus aureus nur in ausgewählten Kontexten relevant, insbesondere bei chronischer Rhinosinusitis, postoperativem Verlauf, nasaler Kolonisation (Besiedlung der Nase) oder nosokomialem Kontext; keine eigenständige typische Ursache einer banalen Rhinitis (Schnupfen)
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Blepharitis (Lidrandentzündung) – häufige Lidrandentzündung; Staphylococcus aureus ist ein relevanter bakterieller Erreger, insbesondere bei chronisch-rezidivierendem Verlauf (dauerhaft wiederkehrendem Verlauf)
- Dakryozystitis (Tränensackentzündung) – bakterielle Entzündung des Tränensacks; Staphylokokken differenzialdiagnostisch neben Streptokokken und gramnegativen Erregern (bestimmten Bakterienarten) zu berücksichtigen
- Endophthalmitis (schwere Entzündung im Augeninneren) – postoperativ (nach einer Operation), posttraumatisch (nach einer Verletzung) oder hämatogen; Staphylokokken, insbesondere koagulase-negative Staphylokokken (bestimmte meist hautbesiedelnde Staphylokokken) und Staphylococcus aureus, sind relevante Erreger
- Hordeolum (Gerstenkorn) – akute eitrige Entzündung einer Lidranddrüse, typischerweise durch Staphylococcus aureus
- Keratitis (Hornhautentzündung) – bakterielle Hornhautinfektion; Staphylokokken insbesondere bei Kontaktlinsentragen, Hornhautdefekten oder okulärer Vorerkrankung (Vorerkrankung des Auges) differenzialdiagnostisch zu prüfen
- Konjunktivitis (Bindehautentzündung), bakterielle – Staphylococcus aureus als möglicher Erreger, insbesondere bei Erwachsenen und bei chronischer Blepharokonjunktivitis (Lidrand- und Bindehautentzündung)
- Orbitaphlegmone (bakterielle Entzündung der Augenhöhle) – bakterielle Infektion der Orbita (Augenhöhle); Staphylococcus aureus differenzialdiagnostisch neben Streptokokken und anaeroben Erregern (Bakterien, die ohne Sauerstoff wachsen) zu berücksichtigen
- Präseptale Cellulitis (Entzündung vor der Augenhöhlenscheidewand) – bakterielle Weichteilinfektion vor dem Septum orbitale (Trennwand der Augenhöhle); Staphylococcus aureus und Streptokokken sind typische Erreger
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Neonatale Omphalitis (Nabelentzündung des Neugeborenen) – bakterielle Infektion des Nabels; Staphylococcus aureus differenzialdiagnostisch neben Streptokokken und gramnegativen Erregern zu berücksichtigen
- Neonatale Sepsis (Blutvergiftung des Neugeborenen) – insbesondere bei Late-onset-Sepsis (spät beginnender Neugeborenen-Blutvergiftung), Frühgeburtlichkeit, zentralvenösem Katheter (großem Venenkatheter) oder Intensivtherapie sind Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken relevant
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Akute suppurative Thyreoiditis (akute eitrige Schilddrüsenentzündung) – seltene bakterielle Schilddrüseninfektion; Staphylococcus aureus nur bei passender Risikokonstellation differenzialdiagnostisch relevant, insbesondere bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Fistelbildung (Bildung eines krankhaften Verbindungsgangs), vorbestehender Schilddrüsenpathologie (Schilddrüsenerkrankung) oder hämatogener Streuung
- Diabetisches Fußsyndrom (Fußkomplikation bei Diabetes) mit Weichteil-/Knocheninfektion – Staphylococcus aureus ist ein typischer Erreger, insbesondere bei akuten, oberflächlichen oder zuvor nicht antibiotisch behandelten Infektionen; bei chronischen Ulzera (Geschwüren) häufig polymikrobiell (durch mehrere Erreger verursacht)
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Abszess (Eiteransammlung) der Haut und Unterhaut – eitrige, abgekapselte Weichteilinfektion; Staphylococcus aureus einschließlich MRSA ist ein Leitereger
- Botryomykose (chronisch-körnige bakterielle Entzündung) – seltene chronisch-granulomatöse bakterielle Infektion (knotig-entzündliche bakterielle Infektion), häufig durch Staphylococcus aureus; kann kutan (die Haut betreffend) oder viszeral (innere Organe betreffend) auftreten
- Bullöse Impetigo (blasige Borkenflechte) – toxinvermittelte oberflächliche Hautinfektion, typischerweise durch Staphylococcus aureus
- Ecthyma (tief reichende Borkenflechte) – ulzerierende Pyodermie (eitrige Hautinfektion); Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes differenzialdiagnostisch relevant
- Follikulitis (Haarbalgentzündung) – oberflächliche Entzündung des Haarfollikels, häufig staphylokokkenbedingt
- Furunkel (tiefe Haarbalgentzündung) – tiefe eitrige Follikelinfektion, meist durch Staphylococcus aureus
- Impetigo contagiosa (Borkenflechte) – hochkontagiöse (hochansteckende) oberflächliche bakterielle Hautinfektion; Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes sind typische Erreger
- Karbunkel (zusammenfließende Furunkel) – konfluierende tiefe Follikelinfektion mit mehreren Eiterherden, meist durch Staphylococcus aureus
- Paronychie (Nagelwallentzündung) – akute bakterielle Nagelwallentzündung; Staphylococcus aureus typischer Erreger, insbesondere nach Mikrotrauma (kleiner Verletzung)
- Phlegmone/Zellulitis (diffuse Weichteilentzündung) – diffuse bakterielle Weichteilinfektion; Staphylococcus aureus vor allem bei purulentem Verlauf (eitrigem Verlauf), Wunde, Abszessnähe oder MRSA-Risikofaktoren abzugrenzen
- Pyodermie – Sammelbegriff für eitrige bakterielle Hautinfektionen; staphylokokkenbedingte Formen sind insbesondere Follikulitis, Furunkel, Karbunkel und Impetigo
- Staphylococcal scalded skin syndrome (SSSS; durch Staphylokokken verursachte Hautablösungserkrankung) – toxinvermittelte, exfoliative Staphylococcus-aureus-Erkrankung (hautablösende Staphylococcus-aureus-Erkrankung), vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern oder Immunsuppression
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Endokarditis – Staphylococcus aureus ist ein zentraler Erreger der nativen und prothetischen Klappenendokarditis (Herzklappenentzündung an eigener oder künstlicher Herzklappe); bei Staphylococcus-aureus-Bakteriämie immer aktiv abzuklären
- Herzschrittmacher-/Defibrillator-Infektion (Infektion eines Herzschrittmachers oder Schockgebers) – Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken sind typische Erreger kardialer Fremdmaterialinfektionen (Infektionen an Fremdmaterial im Herzen)
- Perikarditis (Herzbeutelentzündung), purulente – seltene, schwere bakterielle Infektion des Perikards (Herzbeutels); Staphylococcus aureus bei hämatogener Streuung, Thoraxchirurgie (Brustkorboperation), Endokarditis oder Immunsuppression differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen
- Septische Thrombophlebitis (infizierte Venenentzündung mit Blutgerinnsel) – insbesondere bei peripheren oder zentralvenösen Kathetern, intravenösem Drogenkonsum (Drogenkonsum über die Vene) oder Staphylococcus-aureus-Bakteriämie relevant
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Bakteriämie durch Staphylococcus aureus – klinisch relevante Blutstrominfektion (Infektion der Blutbahn) mit hohem Risiko für Endokarditis und metastatische Infektionsherde (verschleppte Infektionsherde); Kontamination (Verunreinigung) ist deutlich seltener als bei koagulase-negativen Staphylokokken
- Katheterassoziierte Blutstrominfektion (Blutbahninfektion durch einen Katheter) – häufig durch Staphylococcus aureus oder koagulase-negative Staphylokokken; bei zentralvenösen Kathetern, Portsystemen (unter der Haut liegenden Zugangssystemen) und Hämodialysezugängen (Blutwäschezugängen) differenzialdiagnostisch zentral
- Sepsis – Staphylococcus aureus als relevanter Erreger bei ambulant erworbener und nosokomialer Sepsis, insbesondere bei Haut-/Weichteilfokus (Ausgangspunkt in Haut oder Weichteilen), Katheter, Fremdmaterial oder hämatogener Streuung
- Toxisches Schock-Syndrom – toxinvermittelte systemische Erkrankung (den ganzen Körper betreffende Erkrankung) durch Staphylococcus aureus; typisch sind Fieber, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Exanthem (Hautausschlag), Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe) und spätere Desquamation (Hautabschuppung)
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Leberabszess (Eiteransammlung in der Leber), sekundär bei Staphylococcus-aureus-Bakteriämie – seltene septische Fernmanifestation (infektiöse Fernabsiedlung); nicht typische Primärmanifestation (Erstmanifestation) einer Staphylokokkeninfektion und nur bei positiver Blutkultur (Erregernachweis im Blut), Endokarditis, Fremdmaterialinfektion oder disseminierter Infektion (im Körper verstreuter Infektion) vorrangig zu berücksichtigen
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Perianalabszess (Eiteransammlung am After) – meist polymikrobiell; Staphylococcus aureus differenzialdiagnostisch insbesondere bei Hautfokus, Rezidiven (Rückfällen) oder MRSA-Risikofaktoren zu berücksichtigen
- Sialadenitis/eitrige Parotitis (Speicheldrüsenentzündung/eitrige Ohrspeicheldrüsenentzündung) – akute bakterielle Speicheldrüseninfektion; Staphylococcus aureus ist ein typischer Erreger, insbesondere bei Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), reduziertem Speichelfluss oder Pflegebedürftigkeit
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Arthritis (Gelenkentzündung), septische – Staphylococcus aureus ist einer der wichtigsten Erreger, insbesondere bei hämatogener Streuung, Gelenkpunktion (Gelenkspiegelung/Punktion), Immunsuppression oder vorbestehender Gelenkerkrankung
- Bursitis (Schleimbeutelentzündung), septische – häufig durch Staphylococcus aureus, insbesondere bei präpatellarer (vor der Kniescheibe gelegener) oder olekranialer Bursitis (am Ellenbogen gelegener Schleimbeutelentzündung) nach Mikrotrauma
- Infektion einer Gelenkprothese (künstliches Gelenk) – Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken sind typische Erreger; akute hämatogene und postoperative Verläufe sind zu unterscheiden
- Nekrotisierende Fasziitis (gewebezerstörende Weichteilentzündung) – lebensbedrohliche Weichteilinfektion; Staphylococcus aureus kann monomikrobiell (durch einen Erreger) oder polymikrobiell beteiligt sein, insbesondere bei purulentem oder fulminantem Verlauf (rasch schwerem Verlauf)
- Osteomyelitis – Staphylococcus aureus ist der häufigste Erreger der hämatogenen und posttraumatischen Osteomyelitis (Knochenentzündung nach Verletzung)
- Pyomyositis (eitrige Muskelentzündung) – bakterielle Infektion der Skelettmuskulatur, klassisch durch Staphylococcus aureus; bei Fieber, Muskelschmerz und intramuskulärem Abszess (Eiteransammlung im Muskel) differenzialdiagnostisch relevant
- Spondylodiszitis – vertebrale Osteomyelitis/Diszitis (Bandscheibenentzündung), meist hämatogen; Staphylococcus aureus ist ein Leitereger, insbesondere bei Bakteriämie, Rückenschmerz und erhöhten Entzündungsparametern (Entzündungswerten)
- Tenosynovitis (Sehnenscheidenentzündung), septische – bakterielle Sehnenscheideninfektion, häufig nach Stichverletzung oder Bissverletzung; Staphylococcus aureus differenzialdiagnostisch relevant
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) – bakterielle Komplikation einer Otitis media (Mittelohrentzündung); Staphylococcus aureus nur als möglicher Erreger bei kompliziertem, chronischem, postoperativem oder therapieresistentem Verlauf (nicht auf die Behandlung ansprechendem Verlauf) vorrangig zu berücksichtigen
- Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) – Staphylococcus aureus neben Pseudomonas aeruginosa typischer bakterieller Erreger; besonders relevant bei Gehörgangstrauma (Verletzung des Gehörgangs), Feuchtigkeit oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Otitis media, chronisch/rezidivierend/postoperativ oder kompliziert – Staphylococcus aureus nicht typischer Leiterrreger der unkomplizierten akuten Otitis media, aber bei chronischem, rezidivierendem, postoperativem oder kompliziertem Verlauf differenzialdiagnostisch relevant
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Bakterielle Meningitis (bakterielle Hirnhautentzündung) – Staphylococcus aureus insbesondere bei neurochirurgischem Eingriff (Operation am Nervensystem), Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung von Schädel und Gehirn), Liquorableitung (Ableitung von Nervenwasser), Endokarditis oder hämatogener Streuung differenzialdiagnostisch relevant
- Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn) – Staphylococcus aureus bei hämatogener Streuung, Endokarditis, posttraumatischem oder postoperativem Verlauf zu berücksichtigen
- Spinaler Epiduralabszess (Eiteransammlung im Wirbelkanal außerhalb der Rückenmarkshaut) – klassische metastatische Komplikation einer Staphylococcus-aureus-Bakteriämie; bei Rückenschmerz, Fieber und neurologischem Defizit (Ausfallerscheinung des Nervensystems) Notfalldiagnose
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Mastitis puerperalis (Brustentzündung im Wochenbett) – meist durch Staphylococcus aureus; Abszessbildung bei fehlendem Ansprechen, fokaler Fluktuation (umschriebener tastbarer Flüssigkeitsbewegung) oder persistierendem Fieber (anhaltendem Fieber) abzugrenzen
- Puerperalsepsis (Wochenbettsepsis) – Staphylococcus aureus differenzialdiagnostisch insbesondere bei Wundinfektion, Mastitis, Katheterinfektion oder invasiven Maßnahmen (eingreifenden Maßnahmen) zu berücksichtigen
- Wundinfektion nach Sectio caesarea (Kaiserschnitt) oder geburtshilflichem Eingriff – Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken bei postoperativer Wundrötung, Schmerz, Sekretion (Wundabsonderung) oder Fieber abzugrenzen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Harnwegsinfektion durch Staphylococcus saprophyticus – typische unkomplizierte Zystitis (Blasenentzündung) bei sexuell aktiven jüngeren Frauen; von Escherichia-coli-Infektionen abzugrenzen
- Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) bei Staphylococcus aureus – selten als primäre aufsteigende Harnwegsinfektion; Staphylococcus aureus im Urin muss insbesondere an Bakteriämie, hämatogene Streuung, Endokarditis, Nierenabszess (Eiteransammlung in der Niere) oder instrumentierte Harnwege (durch Eingriffe oder Katheter behandelte Harnwege) denken lassen
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Fremdkörperassoziierte Infektion – Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken bei Kathetern, Portsystemen, Gefäßprothesen (künstlichen Blutgefäßen), Dialysezugängen, Liquorshunts (Ableitungssystemen für Nervenwasser) und Implantaten (eingesetzten Fremdkörpern) differenzialdiagnostisch zentral
- Postoperative Wundinfektion – Staphylococcus aureus, koagulase-negative Staphylokokken und Streptokokken als relevante Erreger; bei Rötung, Überwärmung, Schmerz, Sekretion, Dehiszenz (Auseinanderweichen der Wundränder) oder Fieber abzugrenzen
- Traumatische Wundinfektion – Staphylococcus aureus bei kontaminierten Haut-/Weichteilverletzungen, Bissverletzungen, Stichverletzungen oder Fremdkörperretention (Zurückbleiben eines Fremdkörpers) zu berücksichtigen
- Verbrennungswundinfektion – Staphylococcus aureus insbesondere in frühen Phasen und bei Kolonisation relevant; später sind auch gramnegative Erreger und Pilze zu berücksichtigen
Medikamente
- Antibiotikavortherapie – keine eigenständige Differenzialdiagnose, aber relevant für Selektion resistenter Staphylokokken (Auswahl widerstandsfähiger Staphylokokken), insbesondere MRSA, und für atypische Kulturkonstellationen (ungewöhnliche Befundmuster in der Erregeranzucht)
- Biologika/JAK-Inhibitoren (biotechnologisch hergestellte Medikamente/Januskinase-Hemmer) – keine eigenständige Differenzialdiagnose, aber relevante Risikofaktoren für schwere oder atypische bakterielle Infektionen einschließlich Staphylokokkeninfektionen
- Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – keine eigenständige Differenzialdiagnose, aber relevanter Risikofaktor für schwere Haut-/Weichteilinfektionen, Bakteriämie und metastatische Infektionsherde
- Immunsuppressiva/Zytostatika (das Immunsystem unterdrückende Medikamente/Zellteilungshemmer) – keine eigenständige Differenzialdiagnose, aber wichtige Risikokonstellation für invasive, nosokomiale oder komplizierte Staphylokokkeninfektionen
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Staphylokokken-Enterotoxin-Lebensmittelintoxikation (Lebensmittelvergiftung durch Staphylokokken-Giftstoffe) – toxinvermittelte akute Gastroenteritis (akute Magen-Darm-Entzündung) nach kontaminierten Lebensmitteln; typischerweise rascher Beginn mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und gegebenenfalls Diarrhoe (Durchfall)
Weiteres
- Diagnostische Abgrenzung: Blutkulturkontamination durch koagulase-negative Staphylokokken – bei Einzelflaschennachweis (Nachweis in nur einer Blutkulturflasche), fehlender Klinik und fehlendem Fremdmaterial von echter Blutstrominfektion abzugrenzen; mehrere positive Blutkulturen, Fremdmaterial oder Sepsiszeichen (Anzeichen einer Blutvergiftung) sprechen gegen Kontamination
- Diagnostische Abgrenzung: Kolonisation mit Staphylococcus aureus/MRSA – positiver Nasen-, Rachen-, Haut- oder Wundabstrich ohne klinische Infektion; von behandlungsbedürftiger Infektion strikt abzugrenzen