Pneumokokken – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Eliminierung von Streptococcus pneumoniae am jeweiligen Infektionsort
- Vermeidung beziehungsweise Behandlung invasiver Komplikationen (Komplikationen, bei denen sich die Infektion im Körper ausbreitet), insbesondere Bakteriämie (Bakterien im Blut), Sepsis (lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion), Meningitis (Hirnhautentzündung) und Pleuraempyem (Eiteransammlung im Brustfellraum)
- Vermeidung neurologischer Folgeschäden (Schäden am Nervensystem) bei Pneumokokken-Meningitis
- Begrenzung von Nebenwirkungen und Resistenzselektion (Auswahl widerstandsfähiger Bakterien) durch angemessene Antibiotikawahl, Dosierung und Therapiedauer
Therapieempfehlungen
Die Behandlung richtet sich nach dem Infektionsort, dem Schweregrad, Begleiterkrankungen und dem Antibiogramm (Ergebnis der Untersuchung, welche Antibiotika gegen den Erreger wirken). Die nachfolgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene mit normaler Organfunktion. Für Kinder, Neugeborene, Schwangere und Patienten mit eingeschränkter Organfunktion sind gesonderte Dosierungs- und Anwendungsvorgaben zu beachten.
- Kalkulierte Initialtherapie bei ambulant erworbener Pneumonie (Lungenentzündung, die außerhalb des Krankenhauses entstanden ist):
- Leichte Pneumonie ohne relevante Komorbidität (Begleiterkrankung): vorzugsweise Amoxicillin p.o. [LL1].
- Leichte Pneumonie mit definierten Begleiterkrankungen und erweitertem Erregerrisiko: Amoxicillin/Clavulansäure p.o.; die Erweiterung richtet sich gegen mögliche zusätzliche Erreger, nicht gegen einen pneumokokkeneigenen β-Laktamase-Mechanismus [LL1].
- Stationär behandelte mittelschwere Pneumonie: beispielsweise Ampicillin/Sulbactam, Ceftriaxon oder Cefotaxim i.v.; abhängig von der klinischen Situation initial zusätzlich ein Makrolid [LL1].
- Schwere Pneumonie: zunächst ein geeignetes β-Laktam-Antibiotikum i.v. plus ein Makrolid. Bei zusätzlichem Risiko für resistente gramnegative Erreger ist eine entsprechend erweiterte kalkulierte Therapie erforderlich [LL1].
- Gezielte Therapie bei nachgewiesenen Pneumokokken:
- Nach Erregernachweis und Empfindlichkeitsprüfung bei klinischer Stabilität auf ein möglichst eng wirksames Antibiotikum umstellen, insbesondere auf Amoxicillin p.o., Ampicillin i.v. oder Penicillin G i.v. [LL1].
- Penicillin G kommt als gezielte Therapie infrage, wenn die Erreger ausreichend empfindlich sind. Penicillin V ist keine bevorzugte Standardbehandlung bei Pneumokokken-Pneumonie oder invasiven Pneumokokkeninfektionen [LL1].
- Bei schwerer Pneumokokken-Pneumonie mit Bakteriämie (Bakterien im Blut) wird das zunächst zusätzlich gegebene Makrolid in der Regel etwa 3 Tage lang weitergegeben [LL1].
- Eine Penicillinresistenz bedeutet nicht automatisch, dass die Pneumokokken auch gegen Ceftriaxon oder Cefotaxim resistent sind. Die Wahl richtet sich nach der minimalen Hemmkonzentration (geringste Antibiotikamenge, die das Bakterienwachstum hemmt), dem Infektionsort und der erreichbaren Wirkstoffmenge am Infektionsort [LL2].
- Pneumokokken-Meningitis:
- Bei klinischem Verdacht ist unverzüglich eine stationäre, zunächst in der Regel intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Blutkulturen möglichst vor Therapiebeginn abnehmen. Antibiotika und Dexamethason dürfen nicht durch eine verzögerte Bildgebung oder Lumbalpunktion aufgeschoben werden [LL2].
- Solange der Erreger noch unbekannt ist: Ceftriaxon oder Cefotaxim in der für eine Meningitis vorgesehenen Dosierung plus Ampicillin zur zusätzlichen Behandlung einer möglichen Listerieninfektion. Wenn Pneumokokken als Erreger bestätigt sind, kann Ampicillin abgesetzt werden [LL2].
- Wenn die Pneumokokken nachweislich empfindlich gegen Cephalosporine sind: Ceftriaxon oder Cefotaxim in der für eine Meningitis vorgesehenen Dosierung [LL2].
- Bei relevantem Risiko für Cephalosporinresistenz, beispielsweise nach einer entsprechenden Reise, zunächst zusätzlich Vancomycin oder Rifampicin geben. Nach dem Resistenznachweis die Kombination oder eine alternative Behandlung fachärztlich festlegen [LL2].
- Dexamethason unmittelbar vor oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikagabe beginnen und bei bestätigter oder klinisch wahrscheinlicher Pneumokokken-Meningitis 4 Tage lang weitergeben [LL2].
- Therapiedauer:
- Unkomplizierte Pneumokokken-Pneumonie: üblicherweise 5 Tage, wenn die Behandlung ausreichend wirkt und der Zustand klinisch stabil ist; bei verzögerter Stabilisierung länger behandeln [LL1].
- Die neuere Leitlinie der American Thoracic Society erlaubt bei ausgewählten klinisch stabilen Erwachsenen mit nicht schwerer ambulant erworbener Pneumonie eine kürzere Behandlung von mindestens 3 Tagen. Das ist keine allgemeine Empfehlung für invasive, komplizierte oder schwere Pneumokokkeninfektionen [1].
- Schwere Pneumonie: mindestens 5 Tage; die weitere Dauer richtet sich nach dem Krankheitsverlauf und möglichen Komplikationen [1].
- Unkomplizierte Pneumokokken-Meningitis: in der Regel 10-14 Tage [LL2].
- Pleuraempyem, Lungenabszess (abgekapselte Eiteransammlung in der Lunge), Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), Knochen- oder Gelenkinfektion: längere, auf den Infektionsort abgestimmte Behandlung und gegebenenfalls Beseitigung des Infektionsherds. Eine einheitliche Behandlungsdauer von 5-10 Tagen ist hierfür ungeeignet.
- Unterstützende und ergänzende Behandlung:
- Bedarfsgerechte Schmerzbehandlung und Fiebersenkung sowie Behandlung eines Sauerstoffmangels, Flüssigkeitsmangels und von Störungen der Organfunktion.
- Hustenstillende Mittel nur ausnahmsweise bei ausgeprägtem trockenem Reizhusten; bei relevantem Sekretstau den Husten nicht routinemäßig unterdrücken.
- Bei schwerer, stationär behandelter ambulant erworbener Pneumonie kann eine zusätzliche Behandlung mit systemischen Glukocorticoiden (entzündungshemmenden Hormonen) erwogen werden. Bei nicht schwerer Pneumonie werden sie nicht routinemäßig angewendet. Die Empfehlung für schwere Pneumonie gilt nicht gleichermaßen bei einer Influenza-Pneumonie [1, 2].
- Bei Sepsis oder septischem Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen infolge einer Sepsis) ergänzende Behandlung entsprechend dem Artikel „Sepsis/Pharmakotherapie“.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Die angegebenen Behandlungen sind Alternativen oder ausdrücklich genannte Kombinationen. Nierenfunktion, Körpergewicht, Infektionsort, Antibiogramm und Fachinformation bestimmen die individuelle Dosierung.
Aminopenicilline
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Amoxicillin | Bevorzugte Behandlung zum Einnehmen bei leichter Pneumonie und zur gezielten Behandlung empfindlicher Pneumokokken. Keine starre Dosisaufteilung nach einem Körpergewicht von 70 kg. Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosis beziehungsweise Einnahmeabstand anpassen [LL1, F1]. |
| Ampicillin | Gezielte Behandlung empfindlicher Pneumokokken außerhalb des Nervensystems; bei Meningitis zunächst zusätzlich zum Cephalosporin zur Behandlung einer möglichen Listerieninfektion. Dosis an die Nierenfunktion anpassen [LL1, LL2]. |
- Wirkweise: Hemmung des Aufbaus der bakteriellen Zellwand; wirkt bakterientötend, solange sich die Bakterien vermehren.
- Indikationen: Pneumokokken-Pneumonie und andere geeignete Infektionen mit empfindlichen Erregern; Ampicillin zusätzlich zur zunächst angenommenen Behandlung einer möglichen Listerieninfektion bei Meningitis.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Penicilline oder eine vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere β-Laktam-Antibiotika.
- Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Hautausschlag und allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock (schwere, plötzlich auftretende allergische Reaktion); selten eine Darmentzündung durch Clostridioides difficile, eine Entzündung des Nierenzwischengewebes oder Veränderungen des Blutbilds. Bei hoher Wirkstoffmenge, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion, sind Nebenwirkungen am Nervensystem möglich [F1].
Aminopenicilline mit β-Laktamasehemmer
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Amoxicillin/Clavulansäure | Für die zunächst gewählte Behandlung einer Pneumonie bei erweitertem Risiko für weitere Erreger. Bei ausschließlich empfindlichen Pneumokokken besteht gegenüber Amoxicillin meist kein zusätzlicher Nutzen. Die 875/125-mg-Tablette wird bei einer Kreatinin-Clearance (Maß für die Filterleistung der Nieren) unter 30 ml/min nicht empfohlen [LL1, F2]. |
| Ampicillin/Sulbactam | Zunächst gewählte Behandlung einer stationär behandelten Pneumonie; Einnahmeabstand bei eingeschränkter Nierenfunktion anpassen. Sultamicillin zum Einnehmen ist kein gleichwertiger Ersatz für diese intravenöse Behandlung und keine bevorzugte Erstbehandlung einer Pneumonie [LL1, F3]. |
- Wirkweise: Das Aminopenicillin hemmt den Aufbau der Zellwand; der zusätzliche Wirkstoff hemmt bestimmte β-Laktamasen (bakterielle Enzyme, die einige Antibiotika unwirksam machen). Die typische β-Laktamresistenz der Pneumokokken durch veränderte penicillinbindende Proteine (Zielstrukturen der Antibiotika) wird dadurch nicht aufgehoben.
- Indikationen: Zunächst gewählte Behandlung einer Pneumonie, wenn zusätzlich weitere Erreger erfasst werden müssen, die möglicherweise β-Laktamase bilden.
- Kontraindikationen: Schwere Überempfindlichkeit gegen β-Laktam-Antibiotika; bei Amoxicillin/Clavulansäure zusätzlich eine dadurch früher verursachte Gelbsucht oder Leberfunktionsstörung. Eine Leberfunktionsstörung erfordert Vorsicht und Kontrollen, ist aber nicht grundsätzlich ein absolutes Verbot [F2, F3].
- Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen und eine Darmentzündung durch Clostridioides difficile; insbesondere bei Amoxicillin/Clavulansäure auch eine Gallenstauung oder andere Leberschädigung [F2, F3].
Benzylpenicillin
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Penicillin G | Gezielte Behandlung empfindlicher Pneumokokken, insbesondere bei stationär behandelter Pneumonie oder Bakterien im Blut. Nierenfunktion und Salzbelastung des verwendeten Präparats berücksichtigen. Keine undifferenzierte Erstbehandlung bei Meningitis [LL1, F4]. |
- Wirkweise: Hemmung des Aufbaus der Zellwand; wirkt bakterientötend, solange sich die Bakterien vermehren.
- Indikationen: Gezielte Behandlung von Pneumokokkeninfektionen, wenn die Erreger ausreichend empfindlich gegen Penicillin sind.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Penicillin oder eine vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere β-Laktam-Antibiotika.
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Durchfall, Veränderungen des Blutbilds und eine Entzündung des Nierenzwischengewebes; bei hoher Dosierung oder Anreicherung im Körper Krampfanfälle sowie je nach Präparat Störungen des Salzhaushalts [F4].
Cephalosporine
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ceftriaxon | Geeignet für stationär behandelte Pneumonie und Meningitis. Bei einer alleinigen Leber- oder Nierenfunktionsstörung ist meist keine pauschale Dosisverringerung erforderlich; eine schwere Nierenfunktionsstörung und schwere Einschränkungen von Leber und Nieren gemeinsam erfordern eine besondere Prüfung und Überwachung [LL1, LL2, F5]. |
| Cefotaxim | Bei Meningitis ist eine höhere Tagesdosis erforderlich als bei unkomplizierter Pneumonie. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung die Erhaltungsdosis anpassen [LL1, LL2, F6]. |
- Wirkweise: Hemmung des Aufbaus der bakteriellen Zellwand; wirkt bakterientötend.
- Indikationen: Stationär behandelte Pneumokokken-Pneumonie, Infektionen mit Erregern im Blut oder anderen Körperbereichen und Pneumokokken-Meningitis, wenn die Erreger ausreichend empfindlich sind. Ceftriaxon und Cefotaxim wirken nicht zuverlässig gegen Pseudomonas aeruginosa.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine oder eine vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen andere β-Laktam-Antibiotika. Für Ceftriaxon gelten zusätzliche Gegenanzeigen bei Neugeborenen, insbesondere bei bestimmten Formen einer Gelbsucht und wenn Calcium intravenös gegeben werden muss [F5, F6].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Durchfall, Darmentzündung durch Clostridioides difficile, Veränderungen des Blutbilds und Nebenwirkungen am Nervensystem; bei Ceftriaxon zusätzlich Ausfällungen in der Gallenblase [F5, F6].
Cefuroximaxetil und Cefpodoxim zum Einnehmen werden nicht als bevorzugte Erstbehandlung der ambulant erworbenen Pneumonie aufgeführt. Eine Schwangerschaft oder das Kindesalter sind keine pauschalen Gegenanzeigen für alle Cephalosporine; maßgeblich sind das jeweilige Arzneimittel, das Alter und die klinische Situation [LL1].
Makrolide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Azithromycin | Zusätzlicher Bestandteil der Antibiotikakombination bei schwerer Pneumonie; im Vergleich zu Clarithromycin geringeres Risiko für Wechselwirkungen über CYP3A4. Das Risiko einer QT-Verlängerung ist weiterhin zu beachten [LL1]. |
| Clarithromycin | Alternative als zusätzlicher Bestandteil einer Antibiotikakombination; zahlreiche Wechselwirkungen über CYP3A4. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung die Dosis anpassen. Keine gezielte Einzelbehandlung ohne nachgewiesene Empfindlichkeit der Pneumokokken [LL1, F7]. |
- Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Eiweißherstellung an der 50S-Untereinheit; überwiegend wachstumshemmend.
- Indikationen: Ergänzung eines β-Laktam-Antibiotikums bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie. Die zusätzliche Gabe eines Makrolids dient nicht zur Behandlung einer Infektion mit Pseudomonas aeruginosa.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, deutliche QT-Verlängerung, bestimmte Herzrhythmusstörungen und bestimmte gleichzeitig eingenommene Arzneimittel gemäß Fachinformation. Bei Clarithromycin besonders auf Arzneimittel achten, die nicht gemeinsam eingenommen werden dürfen [F7].
- Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden, QT-Verlängerung und gefährliche Herzrhythmusstörungen, Leberfunktionsstörungen und meist vorübergehende Hörstörungen [F7].
Tetracycline
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Doxycyclin | Alternative zur Behandlung einer leichten Pneumonie ohne relevante Begleiterkrankungen, wenn Amoxicillin nicht geeignet ist. Bei gesicherter Pneumokokkeninfektion die Empfindlichkeit prüfen. Keine Standardbehandlung invasiver Infektionen oder einer Meningitis. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist in der Regel keine Dosisanpassung erforderlich [LL1, F8]. |
- Wirkweise: Hemmung der Eiweißherstellung an der 30S-Untereinheit; wachstumshemmend.
- Indikationen: Alternative Behandlung geeigneter leichter Pneumonien zum Einnehmen.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Tetracycline, Schwangerschaft, Stillzeit und schwere Leberfunktionsstörung entsprechend der Fachinformation. Für Kinder unter 8 Jahren ist Doxycyclin keine reguläre Behandlungsmöglichkeit bei Pneumonie [F8].
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Entzündung der Speiseröhre und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht; während der Zahnentwicklung Zahnverfärbungen und Schäden am Zahnschmelz. Mit ausreichend Wasser und nicht unmittelbar vor dem Hinlegen einnehmen [F8].
Fluorchinolone zur Behandlung von Atemwegsinfektionen
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Levofloxacin | Ausweichmöglichkeit, wenn die üblicherweise empfohlenen Antibiotika ungeeignet sind. Bei einer Kreatinin-Clearance bis einschließlich 50 ml/min Dosis oder Einnahmeabstand anpassen [F9, F11]. |
| Moxifloxacin | Ausweichmöglichkeit; bei eingeschränkter Nierenfunktion einschließlich Dialyse ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei schwerer Leberfunktionsstörung und bestimmten Risiken für Herzrhythmusstörungen darf es nicht angewendet werden. Wirkt nicht zuverlässig gegen Pseudomonas aeruginosa [F10, F11]. |
- Wirkweise: Hemmung zweier bakterieller Enzyme, die für die Vervielfältigung der Erbinformation notwendig sind; wirkt bakterientötend.
- Indikationen: Behandlung einer Pneumonie, wenn keine geeignete übliche Behandlungsmöglichkeit verfügbar ist. Bei schwerer Pneumonie mit septischem Schock nicht als einziges Antibiotikum einsetzen [LL1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, Schwangerschaft, Stillzeit, Anwendung bei Kindern und Jugendlichen während des Wachstums sowie frühere Sehnenschädigung im Zusammenhang mit einem Chinolon-Antibiotikum. Weitere Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff, zum Beispiel Epilepsie bei Levofloxacin und bestimmte Risiken für Herzrhythmusstörungen bei Moxifloxacin [F9, F10].
- Nebenwirkungen: Sehnenentzündung und Sehnenriss, Nervenschädigung an Armen oder Beinen, psychische und neurologische Beschwerden, Störungen des Blutzuckers, Herzrhythmusstörungen, Leberschäden und Darmentzündung durch Clostridioides difficile. Selten treten lang anhaltende und möglicherweise bleibende Beeinträchtigungen auf. Auch Risiken für Aussackungen oder Einrisse der Hauptschlagader und für Undichtigkeiten von Herzklappen sind zu beachten. Eine gleichzeitige Behandlung mit systemischen Glukocorticoiden erhöht das Risiko einer Sehnenschädigung und sollte möglichst vermieden werden [F9-F11].
Glykopeptidantibiotika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Vancomycin | Die Erhaltungsdosis und der zeitliche Abstand zwischen den Gaben müssen nach Nierenfunktion und Messungen des Wirkstoffspiegels individuell festgelegt werden. Bei einer Meningitis durch Cephalosporin-resistente Pneumokokken als Teil einer Kombinationstherapie; nicht routinemäßig allein wegen einer Penicillinresistenz geben. Langsam als Infusion verabreichen [LL2, F12]. |
- Wirkweise: Hemmung des Aufbaus der Zellwand grampositiver Bakterien; wirkt bakterientötend.
- Indikationen: Ausweichbehandlung bei bestimmten resistenten Pneumokokkeninfektionen, die sich im Körper ausgebreitet haben; bei Meningitis in einer fachärztlich festgelegten Kombination.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind eine individuelle Dosierung und engmaschige Kontrollen erforderlich; sie ist nicht grundsätzlich ein Grund, Vancomycin auszuschließen.
- Nebenwirkungen: Nierenschädigung, Reaktionen bei der Infusion, Venenentzündung, Veränderungen des Blutbilds und selten Hörschädigung [F12].
Rifamycine
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Rifampicin | Nur als zusätzlicher Bestandteil einer Kombination bei ausgewählten Meningitiden durch resistente Pneumokokken und nach Prüfung der Empfindlichkeit. Nicht allein anwenden, da sich rasch Resistenzen entwickeln können [LL2]. |
- Wirkweise: Hemmung eines bakteriellen Enzyms, das für die Herstellung von RNA benötigt wird; wirkt bakterientötend.
- Indikationen: Fachärztlich überwachte Kombinationstherapie bei einer Meningitis durch Cephalosporin-resistente oder entsprechend verdächtige Pneumokokken [LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, schwere Leberfunktionsstörungen und bestimmte Kombinationen mit anderen Arzneimitteln gemäß Fachinformation. Rifampicin beeinflusst den Abbau zahlreicher Arzneimittel und kann dadurch Wechselwirkungen verursachen.
- Nebenwirkungen: Leberschädigung, Magen-Darm-Beschwerden, Überempfindlichkeitsreaktionen und Veränderungen des Blutbilds; Körperflüssigkeiten können sich orange-rot verfärben.
Glukocorticoide – ergänzende Behandlung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dexamethason | Bei Erwachsenen mit bestätigter oder klinisch wahrscheinlicher Pneumokokken-Meningitis. Erste Gabe unmittelbar vor oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikagabe [LL2]. |
| Hydrocortison | Möglichkeit bei ausgewählten intensivmedizinisch behandelten Patienten mit schwerer ambulant erworbener Pneumonie. Dieses Behandlungsschema stammt aus der CAPE-COD-Studie. Wirkstoff, Behandlungsdauer und Verringerung der Dosis werden individuell festgelegt. Keine pauschale Behandlung aller Pneumokokkeninfektionen [1, 2]. |
- Wirkweise: Abschwächung einer überschießenden Entzündungsreaktion; keine Wirkung gegen Bakterien.
- Indikationen: Dexamethason bei Pneumokokken-Meningitis; systemische Glukocorticoide nach individueller Prüfung bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie [1, LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; weitere Gegenanzeigen und Risiken richten sich nach Arzneimittel und klinischer Situation. Bei nicht schwerer Pneumonie besteht keine routinemäßige Behandlungsindikation [1].
- Nebenwirkungen: Erhöhter Blutzucker, Verwirrtheit oder andere psychische Veränderungen, Wassereinlagerungen, Magen-Darm-Komplikationen und erhöhte Anfälligkeit für Infektionen [2].
Beachte
- Infektionsort beachten: Bei einer Meningitis gelten andere Empfindlichkeitsgrenzen und höhere Anforderungen an die Dosierung als bei einer Pneumokokkeninfektion außerhalb der Hirnhäute. Eine Behandlung, die bei einer Pneumonie wirksam ist, eignet sich nicht automatisch für eine Meningitis [LL2].
- Behandlung überprüfen: Ansprechen, Organfunktion und Ergebnisse der Erregeruntersuchungen regelmäßig beurteilen. Wenn sich der Zustand innerhalb von 48-72 Stunden nicht bessert, mögliche Komplikationen, eine unzureichende Wirkstoffmenge, Resistenzen oder eine andere Diagnose prüfen [LL1].
- Vancomycin und Dexamethason: Dexamethason kann die Menge von Vancomycin im Nervenwasser verringern. Wenn wegen einer Resistenz eine besondere Behandlung nötig ist, müssen Kombination und Wirkstoffmessungen besonders sorgfältig festgelegt werden. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie bevorzugt bei gleichzeitiger Dexamethasongabe unter geeigneten Voraussetzungen Ceftriaxon plus Rifampicin, sofern die Pneumokokken empfindlich gegen Rifampicin sind [LL2].
- Stand der Leitlinien: Die deutsche S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie von 2021 wird als nationale Grundlage verwendet; ihre ursprüngliche Gültigkeit endete 2025. Neuere Empfehlungen zur Behandlungsdauer und zu Glukocorticoiden werden ergänzend aus der Leitlinie der American Thoracic Society übernommen [1, LL1].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- ATS: American Thoracic Society
- CAPE-COD: Studienname einer Untersuchung zur Behandlung schwerer Pneumonie mit Hydrocortison
- CYP3A4: Enzym, das am Abbau zahlreicher Arzneimittel beteiligt ist
- DHA: Docosahexaensäure
- DGN: Deutsche Gesellschaft für Neurologie
- EPA: Eicosapentaensäure
- F: Fachinformation
- i.v.: intravenös, Gabe in eine Vene
- IE: Internationale Einheiten
- LL: Leitlinie
- p.o.: oral, Einnahme über den Mund
- RNA: Ribonukleinsäure
Literatur
- Dequin PF, Meziani F, Quenot JP et al.: Hydrocortisone in Severe Community-Acquired Pneumonia. N Engl J Med. 2023;388(21):1931-1941. doi: 10.1056/NEJMoa2215145.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – Update 2021. (AWMF-Registernummer: 020 - 020), April 2021, Version 4.0 Langfassung. Ursprüngliche Gültigkeit bis April 2025; Aktualisierung angemeldet [LL1]
- S2k-Leitlinie: Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. (AWMF-Registernummer: 030 - 089), April 2023, Version 6.0 Langfassung [LL2]
- Jones BE, Ramirez JA, Oren E et al.: Diagnosis and Management of Community-acquired Pneumonia: An Official American Thoracic Society Clinical Practice Guideline. Am J Respir Crit Care Med. 2026;212(1):24-44. Online publiziert 2025. doi: 10.1164/rccm.202507-1692ST [LL3]
Fachinformationen
- Amoxicillin-ratiopharm 500/750/1000 mg Filmtabletten. Stand Mai 2026. Fachinformation [F1]
- Amoxiclav-CT 875 mg/125 mg Filmtabletten. Fachinformation [F2]
- Unacid 2.000 mg/1.000 mg. Fachinformation [F3]
- Penicillin G Kabi 1/2/5/10 Millionen IE. Stand Juli 2025. Fachinformation [F4]
- Ceftriaxon-saar zur Infusion 1 g/2 g. Fachinformation [F5]
- Cefotaxim Fresenius 2 g. Stand Oktober 2025. Fachinformation [F6]
- Klacid 500 mg, Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Fachinformation [F7]
- Doxycyclin AbZ 200 mg Tabletten. Fachinformation [F8]
- Levofloxacin-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. Fachinformation [F9]
- Moxifloxacin AbZ 400 mg Filmtabletten. Stand April 2026. Fachinformation [F10]
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika – Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. 7. Juni 2023. Sicherheitsinformation [F11]
- Vancomycin „Lederle“ 500 mg. Fachinformation [F12]