Ornithose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Ornithose (Papageienkrankheit) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Atypische Pneumonie (ungewöhnliche Lungenentzündung) – wichtigste Organmanifestation der Ornithose; in einer aktuellen Metaanalyse von Ausbruchsgeschehen lag bei 59,7 % der erfassten Erkrankten eine Pneumonie vor [1, LL1, LL2]
  • Akutes Atemnotsyndrom (schweres Lungenversagen) (Acute Respiratory Distress Syndrome; ARDS)/akute respiratorische Insuffizienz (akutes Atemversagen) – mögliche Folge einer schweren, rasch progredienten Pneumonie; respiratorisches Versagen (Versagen der Atmung) gehört zu den wesentlichen Ursachen tödlicher Verläufe [2, LL1]
  • Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustfellraum) – insbesondere bei schwerer pulmonaler Beteiligung; in der Individualpatienten-Metaanalyse hospitalisierter Patienten wurde ein Pleuraerguss bei etwa 45 % beschrieben und bei schweren Verläufen häufiger beobachtet [2]

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Disseminierte intravasale Gerinnung (schwere Gerinnungsstörung mit Gerinnselbildung und Blutungsneigung) – schwere Gerinnungskomplikation bei fulminanten Verläufen, besonders bei gestationsassoziierter Ornithose; in der systematischen Übersicht zur Ornithose in der Schwangerschaft bei 47 % der publizierten Fälle beschrieben [3]
  • Sekundäre hämophagozytische Lymphohistiozytose (schwere überschießende Immunreaktion) – sehr seltene hyperinflammatorische Komplikation; sowohl bei pulmonaler als auch bei gestationsassoziierter Ornithose beschrieben [2, 3]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut) – seltene extrapulmonale Manifestation einer disseminierten Chlamydia-psittaci-Infektion [4, LL1, LL2]
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)/Myoperikarditis (Entzündung von Herzmuskel und Herzbeutel) – seltene kardiale Komplikation; schwere Verläufe können mit kardialer Dysfunktion (Funktionsstörung des Herzens) bis hin zum kardiogenen Schock (Kreislaufschock durch Herzversagen) einhergehen [2, 4, LL1, LL2]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (Blutvergiftung)/septischer Schock (Kreislaufschock bei Blutvergiftung) – mögliche Komplikation schwerer systemischer Verläufe; neben respiratorischem Versagen eine wesentliche Ursache tödlicher Verläufe bei schwerer Ornithose [2, LL1]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Hepatitis (Leberentzündung) – anerkannte extrapulmonale Organmanifestation; eine hepatische Beteiligung (Leberbeteiligung) kann insbesondere bei schweren systemischen und gestationsassoziierten Verläufen ausgeprägt sein [3, 4, LL1, LL2]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthritis (Gelenkentzündung) – seltene extrapulmonale Komplikation der Ornithose [4, LL1]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)/Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) – seltene neurologische Komplikation einer systemischen Chlamydia-psittaci-Infektion [2, 4, LL1, LL2]
  • Meningitis (Hirnhautentzündung) – sehr seltene neurologische Manifestation, die insbesondere bei schweren Verläufen beschrieben wurde [2]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Akute Plazentitis (Entzündung des Mutterkuchens) – placentare Erregervermehrung mit Intervillositis (Entzündung der Zwischenzottenräume), Trophoblastnekrose (Absterben von Zellen des äußeren embryonalen Zellgewebes) und uteroplazentarer Minderperfusion (verminderter Blutversorgung von Gebärmutter und Mutterkuchen) kann zum fetalen Tod führen [3]
  • Spontanabort (Fehlgeburt)/intrauteriner Fruchttod (Tod des Kindes im Mutterleib)/Totgeburt – charakteristische schwerwiegende fetale Komplikationen der gestationsassoziierten Ornithose; in einer systematischen Übersicht von 32 publizierten Fällen betrug die kombinierte fetale bzw. neonatale Mortalität 68 %; wegen des ausgeprägten Publikations- und Selektionsbias ist dieser Wert nicht als populationsbezogenes Risiko zu interpretieren [3]
  • Schwerer maternaler Verlauf – gestationsassoziierte Ornithose kann mit schwerer Pneumonie, ARDS, disseminierter intravasaler Gerinnung, septischem Schock und Multiorgandysfunktion (Funktionsstörung mehrerer Organe) einhergehen; in der systematischen Übersicht benötigten 66 % der publizierten Fälle eine intensivmedizinische Behandlung, die maternale Mortalität betrug 13 %; auch diese Raten sind wegen Publikationsbias wahrscheinlich überschätzt [3, LL1]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (akute Schädigung der Nieren)/akutes Nierenversagen – mögliche Komplikation schwerer systemischer Verläufe; eine kontinuierliche Nierenersatztherapie (Blutreinigungsverfahren bei Nierenversagen) war in der Individualpatienten-Metaanalyse bei 4,9 % der hospitalisierten Patienten erforderlich; bei gestationsassoziierten Verläufen wurde eine Nierenfunktionsstörung (Störung der Nierenfunktion) besonders häufig beschrieben [2, 3]

Prognosefaktoren

  • Chronische kardiovaskuläre Erkrankung (chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung) – unabhängig mit schwerer Chlamydia-psittaci-Pneumonie assoziiert; adjustierte Odds-Ratio 2,63 (95-%-Konfidenzintervall 1,05-6,59) [2]
  • Dyspnoe (Atemnot) bei Aufnahme – starker Prädiktor eines schweren Verlaufs; adjustierte Odds-Ratio 4,88 (95-%-Konfidenzintervall 3,19-7,46) [2]
  • Neuropsychiatrische Symptome (Beschwerden des Nervensystems und der Psyche) bei Aufnahme – mit einem erhöhten Risiko für schwere Pneumonie assoziiert; adjustierte Odds-Ratio 3,58 (95-%-Konfidenzintervall 2,05-6,28) [2]
  • Gastrointestinale Symptome (Magen-Darm-Beschwerden) bei Aufnahme – mit einem erhöhten Risiko für schwere Pneumonie assoziiert; adjustierte Odds-Ratio 1,76 (95-%-Konfidenzintervall 1,10-2,80) [2]
  • Multilobäre pulmonale Infiltrate (krankhafte Verdichtungen in mehreren Lungenlappen) – unabhängig mit schwerer Pneumonie assoziiert; adjustierte Odds-Ratio 3,27 (95-%-Konfidenzintervall 2,11-5,06) [2]
  • Schwangerschaft – Risikokonstellation für fulminante maternale Verläufe und insbesondere für fetalen Verlust; die verfügbaren Risikoschätzungen beruhen jedoch fast ausschließlich auf Fallberichten und kleinen Fallserien und unterliegen einem erheblichen Publikationsbias [3, LL1]
  • Zeitnahe adäquate antibiotische Therapie – prognostisch günstig; nach aktueller CDC-Angabe liegt die Letalität bei korrekt behandelten Patienten unter 1 %, während die Metaanalyse dokumentierter Ausbruchsgeschehen eine gepoolte Letalität von 1,8 % (95-%-Konfidenzintervall 0-6,9 %) ergab [1, LL1]

Hinweis: Die quantitativen prognostischen Faktoren stammen aus einer Individualpatienten-Metaanalyse, die überwiegend publizierte hospitalisierte Fälle und Fallserien einschloss. Eine Übertragung der Effektstärken auf unselektierte ambulante Patienten ist daher nur eingeschränkt möglich [2].

Literatur

  1. Sheng Y, Jin LY, Li N et al.: Global prevalence of psittacosis in outbreaks: a systematic review and meta-analysis. BMC Public Health. 2025;25:2010. doi: 10.1186/s12889-025-21612-y.
  2. Jia Q, Sun J, Wang D et al.: Clinical features and prognostic predictors of C. Psittaci Pneumonia: a systematic review and individual patient meta-analysis. BMC Pulm Med. 2025;25:55. doi: 10.1186/s12890-025-03511-5.
  3. Feng J, Wang Y, Han J et al.: Gestational psittacosis: a systematic review of clinical manifestations and outcomes. BMC Infect Dis. 2026;26:1297. doi: 10.1186/s12879-026-13575-1.
  4. Stewardson AJ, Grayson ML: Psittacosis. Infect Dis Clin North Am. 2010;24(1):7-25. doi: 10.1016/j.idc.2009.10.003.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Clinical Overview of Psittacosis. Aktualisiert August 2026. [LL1]
  2. Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 2): Erkrankungen durch Chlamydia psittaci, Chlamydia pneumoniae und Simkania negevensis. Aktuelle Online-Fassung. [LL2]