Haemophilus influenzae – Labordiagnostik

Haemophilus influenzae ist ein gramnegatives (rot anfärbbares), unbewegliches, fakultativ anaerobes (ohne Sauerstoff wachsendes) Stäbchenbakterium aus der Familie der Pasteurellaceae. Es wird in bekapselte Stämme (Serotypen a–f, insbesondere Typ b = Hib) und unverkapselte, nicht typisierbare Stämme (NTHi) unterteilt. Bekapselte Stämme, vor allem Haemophilus influenzae Typ b, sind hoch virulent (krankheitserregend) und können invasive Erkrankungen wie Meningitis (Hirnhautentzündung), Epiglottitis (Kehldeckelentzündung), Sepsis (Blutvergiftung) und Pneumonie (Lungenentzündung) verursachen. Unverkapselte Stämme sind häufige Erreger von Atemwegsinfektionen wie Otitis media (Mittelohrentzündung), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) und Exazerbationen (Verschlechterungen) einer chronischen Bronchitis.

Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Ansteckung und Krankheitsbeginn) beträgt meist 2-4 Tage.

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Mikrobiologische Diagnostik – kultureller Nachweis aus Blut, Liquor (Nervenwasser), Eiter oder respiratorischen Sekreten (z. B. Rachenabstrich, Sputum) auf Kochblut- oder Schokoladenagar unter Zusatz von X- (Hämin) und V-Faktor (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid)
  • Erregerkultur aus Blut, Liquor (Nervenwasser), Eiter etc. – schnelle Bearbeitung erforderlich, da geringe Umweltresistenz
  • Grampräparat – Nachweis kleiner, gramnegativer (rot anfärbbarer) Stäbchen in Direktpräparaten aus klinischem Material
  • Antigen-Nachweis – ggf. direkter Nachweis von Kapselpolysaccharid-Antigenen im Liquor (Nervenwasser) oder Urin (Harn) (v. a. bei bereits begonnener Antibiotikatherapie)
  • Molekularbiologische Diagnostik – PCR-Nachweis (Polymerase-Kettenreaktion) aus Liquor (Nervenwasser), Blut oder respiratorischen Sekreten mit Differenzierung nach Kapseltyp
  • Blutkulturen – bei Verdacht auf Bakteriämie (Bakterien im Blut) oder Sepsis (Blutvergiftung)
  • Liquoruntersuchung – bei Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung): Zellzahl, Eiweiß, Glucose (Traubenzucker), Lactat (Milchsäure)

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein), BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit), ggf. Procalcitonin (PCT) bei Verdacht auf schwere bakterielle Infektion oder Sepsis (Blutvergiftung)
  • Blutbild – Leukozytose (erhöhte weiße Blutkörperchen) oder Leukopenie (verminderte weiße Blutkörperchen), ggf. Linksverschiebung (vermehrt junge neutrophile Granulozyten)
  • Resistenztestung – Bestimmung der Empfindlichkeit gegenüber β-Lactam-Antibiotika (Nachweis von β-Lactamasen oder veränderten Penicillin-Bindeproteinen)

Weitere Hinweise

  • Arterielle Blutgasanalyse (BGA) – bei schwerer Pneumonie (Lungenentzündung) oder respiratorischer Insuffizienz (Atemschwäche)
  • Röntgen-Thorax (Röntgenaufnahme des Brustkorbs) – bei Verdacht auf Pneumonie (Lungenentzündung) oder Empyem (Eiteransammlung im Brustraum)
  • Sonographie (Ultraschalluntersuchung)/Pleurapunktion (Flüssigkeitsentnahme aus dem Brustraum) – bei Verdacht auf Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung im Brustraum)

Beachte: Der direkte Erregernachweis aus sterilen Körperflüssigkeiten (z. B. Blut, Liquor/Nervenwasser) ist nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) namentlich meldepflichtig.