Fieberkrampf – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur; bei fortbestehender Bewusstseinsstörung (Störung des Wachheits- und Reaktionszustands) oder laufendem Krampfanfall (Anfall mit unwillkürlichen Muskelverkrampfungen) zusätzlich Puls, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung (Sauerstoffgehalt des Blutes); des Weiteren:
    • Beurteilung von Allgemein-, Bewusstseins- und Kreislaufzustand [erhöhte Körpertemperatur/Fieber im zeitlichen Zusammenhang mit dem Krampfanfall]
    • Beurteilung des Kindes nach Sistieren des Anfalls hinsichtlich Rückkehr zum altersentsprechenden Bewusstseins- und Verhaltenszustand
    • Systematische Untersuchung auf einen klinisch erkennbaren Fokus (Ausgangspunkt) der fieberhaften Erkrankung
  • Haut und Schleimhäute
    • Inspektion auf Exanthem (Hautausschlag), Petechien (punktförmige Hautblutungen) bzw. Purpura (flächenhafte Hautblutungen) sowie Beurteilung von Hautkolorit, Hautturgor (Hautspannung) und Rekapillarisierungszeit (Zeit bis zur Wiederauffüllung kleiner Blutgefäße)
  • Kopf und Hals
    • Inspektion von Mundhöhle und Pharynx (Rachen) sowie Untersuchung der Ohren zur Erfassung eines möglichen Infektfokus
    • Bei noch offener Fontanelle (Schädellücke bei Säuglingen) Beurteilung von Spannung und Vorwölbung
    • Prüfung auf meningeale Reizzeichen (Zeichen einer Hirnhautreizung) bei entsprechendem klinischen Verdacht
  • Herz und Lunge
    • Auskultation von Herz und Lunge sowie Beurteilung der Atemarbeit zur Erfassung eines möglichen Infektfokus bzw. einer akuten respiratorischen Beeinträchtigung (Störung der Atmung)
  • Abdomen (Bauchraum)
    • Inspektion, Auskultation und Palpation des Abdomens zur Erfassung eines möglichen Infektfokus bzw. weiterer klinisch relevanter Begleitbefunde
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems)
    • Beurteilung von Vigilanz (Wachheitsgrad), Orientierung bzw. altersentsprechender Reagibilität (Reaktionsfähigkeit) und Kontaktfähigkeit
    • Beurteilung von Pupillenreaktion (Reaktion der Augenpupillen), Augenstellung, Hirnnervenfunktion (Funktion der vom Gehirn ausgehenden Nerven), Muskeltonus (Muskelspannung), Motorik (Bewegungsfähigkeit), Reflexstatus (Ausprägung der Reflexe) und Seitengleichheit
    • Prüfung auf persistierende fokal-neurologische Defizite (anhaltende umschriebene Ausfälle des Nervensystems)
    • Während eines beobachteten einfachen Fieberkrampfs [generalisierter tonisch-klonischer Krampfanfall (den ganzen Körper betreffender Krampfanfall mit Versteifung und rhythmischen Zuckungen) mit Bewusstseinsverlust; keine persistierende fokale neurologische Symptomatik (umschriebene Beschwerden des Nervensystems) nach Anfallsende]

Red Flags (Warnzeichen) bei Fieberkrampf

  • Fortbestehender Krampfanfall bzw. Anfallsdauer von 15 Minuten oder länger
  • Fokaler Anfallsbeginn (auf einen Körperbereich begrenzter Anfallsbeginn) oder fokale Anfallssemiologie (umschriebene Erscheinungsform des Anfalls)
  • Mehrere Krampfanfälle innerhalb von 24 Stunden
  • Persistierende Bewusstseinsstörung bzw. fehlende Rückkehr zum neurologischen Ausgangszustand nach der postiktalen Phase (Phase nach dem Krampfanfall)
  • Persistierendes fokal-neurologisches Defizit, insbesondere postiktale Parese (vorübergehende Lähmung nach dem Krampfanfall)
  • Meningeale Reizzeichen, vorgewölbte bzw. gespannte Fontanelle oder andere klinische Hinweise auf eine Infektion des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark)
  • Petechien bzw. Purpura, ausgeprägte Kreislaufbeeinträchtigung, verlängerte Rekapillarisierungszeit, Zyanose (bläuliche Verfärbung von Haut oder Schleimhäuten) oder schwer beeinträchtigter Allgemeinzustand
  • Erstmaliger fieberassoziierter Krampfanfall außerhalb des typischen Altersbereichs von etwa 6 Monaten bis 5 Jahren
  • Vorbestehende neurologische Auffälligkeiten, Entwicklungsstörung oder anamnestisch bereits afebrile Krampfanfälle (Krampfanfälle ohne Fieber)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.