Typhus abdominalis – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Erregerelimination (Beseitigung der Krankheitserreger) und Verkürzung des Krankheitsverlaufs
  • Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten (Verlusten von Wasser und Mineralsalzen)
  • Vermeidung von Komplikationen (zusätzlichen Krankheitsfolgen), insbesondere gastrointestinalen Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt), Darmperforation (Durchbruch der Darmwand), Enzephalopathie (Erkrankung des Gehirns) und septischem Schock (lebensbedrohlichem Kreislaufversagen durch eine Infektion)
  • Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen) und chronischer Erregerausscheidung (länger andauernder Ausscheidung der Krankheitserreger)

Therapieempfehlungen

  • Antibiotikatherapie: Typhus abdominalis (Bauchtyphus) erfordert eine antibiotische Behandlung. Möglichst vor Therapiebeginn mehrere Blutkulturen (Untersuchungen auf Bakterien im Blut) abnehmen und eine Resistenztestung (Untersuchung der Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika) veranlassen. Bei schwerem Verlauf darf die Behandlung durch die Diagnostik nicht verzögert werden [LL1, LL2, LL3].
  • Empirische Wirkstoffwahl: Maßgeblich sind das wahrscheinliche Infektionsland einschließlich der konkreten Reiseregion, aktuelle Resistenz- und Ausbruchsdaten, vorausgegangene Antibiotikatherapien und der klinische Schweregrad. Die pauschale Empfehlung „Ciprofloxacin bei Herkunft aus Afrika, Ceftriaxon bei Herkunft aus anderen Regionen“ ist nicht ausreichend [LL1, LL2, LL3].
  • Unkomplizierter Verlauf mit zuverlässiger oraler Einnahme: Azithromycin ist eine geeignete empirische Option, sofern keine konkreten Hinweise auf eine entsprechende Resistenz vorliegen [LL1, LL2, LL3].
  • Schwerer Verlauf oder fehlende Möglichkeit einer oralen Behandlung: Ceftriaxon i.v. (über eine Vene) ist geeignet, sofern eine Empfindlichkeit wahrscheinlich ist. Bei erhöhtem Risiko für Ceftriaxonresistenz, insbesondere nach Aufenthalt in Pakistan oder Irak bzw. bei bekanntem Kontakt zu einem entsprechend resistenten Stamm, ist bei kompliziertem Verlauf empirisch ein Carbapenem, z. B. Meropenem, angezeigt. Bei vermutetem oder bestätigtem extensiv resistentem Typhus kann eine Kombination mit Azithromycin nach infektiologischer Rücksprache sinnvoll sein [LL1, LL2].
  • Fluorchinolone: Ciprofloxacin erst nach Nachweis ausreichender Empfindlichkeit unter Anwendung der aktuellen, für Salmonella geeigneten Bewertungsgrenzen einsetzen. Eine Herkunft aus Afrika begründet keine empirische Fluorchinolontherapie. Auch dort treten relevante Resistenzen auf [LL1, LL2, LL3].
  • Gezielte Behandlung: Nach Vorliegen des Antibiogramms (Ergebnis der Empfindlichkeitsprüfung) die Therapie anpassen und möglichst auf einen schmaler wirksamen bzw. oral verfügbaren Wirkstoff umstellen. Amoxicillin und Cotrimoxazol sind Alternativen bei nachgewiesener Empfindlichkeit; sie eignen sich nicht als allgemeine empirische Ersttherapie [LL2, LL3].
  • Resistenzentwicklung: Auch Resistenzen gegen Azithromycin, Cephalosporine der dritten Generation und Carbapeneme wurden beschrieben. Bei Therapieversagen sind erneute Kulturen, eine erweiterte Resistenzprüfung und die frühzeitige Einbindung eines infektiologischen bzw. tropenmedizinischen Zentrums erforderlich [LL3, B1].
  • Behandlungsdauer: Wirkstoff, klinisches Ansprechen und Komplikationen berücksichtigen. Die unten angegebenen Regime gelten für eine akute Infektion ohne zusätzlichen persistierenden Fokus (fortbestehenden Infektionsherd). Bei Abszessen (abgekapselten Eiteransammlungen), osteoartikulärer Infektion (Infektion von Knochen und Gelenken) oder anderen fokalen Komplikationen ist eine längere Behandlung erforderlich [LL1, LL2].
  • Flüssigkeits- und Elektrolytersatz: Bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und erhaltener oraler Aufnahmefähigkeit eine niedrigosmolare orale Rehydrationslösung (Trinklösung zum Ersatz von Flüssigkeit und Mineralsalzen) einsetzen. Bei Schock (Kreislaufversagen), schwerer Dehydratation, anhaltendem Erbrechen oder Bewusstseinsstörung ist eine intravenöse Flüssigkeitstherapie mit engmaschiger klinischer und laborchemischer Kontrolle erforderlich. Eine Nahrungskarenz mit „Teepausen“ ist keine regelhafte Therapiemaßnahme [LL4, LL5].
  • Verlaufskontrolle: Fieber kann unter wirksamer Behandlung zunächst mehrere Tage persistieren (anhalten). Bei fehlender Besserung bzw. fehlender Entfieberung nach etwa 5 Tagen Resistenz, unzureichender Wirkstoffexposition und einem persistierenden Infektionsfokus prüfen; bei klinischer Verschlechterung unverzüglich neu beurteilen [LL2].
  • Komplikationen: Bei gastrointestinaler Blutung, Peritonitis (Entzündung des Bauchfells), Darmperforation (Durchbruch der Darmwand), Enzephalopathie (Erkrankung des Gehirns) oder Kreislaufinstabilität stationäre, ggf. intensivmedizinische Behandlung. Eine Darmperforation erfordert eine unverzügliche chirurgische Beurteilung und eine Antibiotikatherapie mit zusätzlicher Abdeckung der intraabdominellen Begleitflora (Bakterien im Bauchraum) [LL1, LL5].

Glucocorticoide bei schwerem Typhus

  • Keine routinemäßige Dexamethasongabe: Die British Infection Association empfiehlt hoch dosierte Glucocorticoide (entzündungshemmende Hormone) auch bei kompliziertem enterischem Fieber nicht. Die frühere pauschale Empfehlung, Dexamethason im Schock vor der Antibiose zu geben, entfällt [LL1].
  • Historische Evidenz: Eine kleine randomisierte Studie mit 38 Patienten zeigte unter zusätzlich verabreichtem hoch dosiertem Dexamethason eine geringere Letalität (Sterblichkeit) bei schwerem Typhus mit Schock bzw. ausgeprägter Bewusstseinsstörung. Alle Patienten erhielten Chloramphenicol. Die Übertragbarkeit auf die heutige Behandlung ist begrenzt; das Ergebnis wurde nicht in einer vergleichbaren randomisierten Studie bestätigt. Daraus ergibt sich keine allgemeine Empfehlung für das damalige Hochdosisschema [1, LL1].
  • Septischer Schock mit anhaltendem Vasopressorbedarf: Bei Erwachsenen kann Hydrocortison nach der S3-Sepsis-Leitlinie erwogen werden, wenn trotz ausreichender Volumentherapie ein anhaltender Vasopressorbedarf besteht. Diese Indikation beruht auf der Behandlung des septischen Schocks (lebensbedrohliches Kreislaufversagen durch eine Infektion). Antibiotikatherapie, Kreislaufstabilisierung und Fokuskontrolle (Behandlung des Infektionsherds) dürfen dadurch nicht verzögert werden [LL5].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Angaben gelten für Erwachsene mit regelrechter Organfunktion. Nierenfunktion, Leberfunktion, Wechselwirkungen, Schwangerschaft und die Fachinformation des konkret verwendeten Präparats sind zu berücksichtigen. Kinder benötigen alters- und gewichtsangepasste Regime. Der Zulassungsstatus für Typhus abdominalis bzw. die Sanierung einer chronischen Erregerausscheidung ist präparatespezifisch zu prüfen; ggf. liegt ein Off-Label-Use vor.

Cephalosporine der dritten Generation

Wirkstoffe Besonderheiten
Ceftriaxon Bei klinischer Besserung und gesicherter oraler Aufnahme Umstellung auf einen empfindlichen oral einzunehmenden Wirkstoff möglich. Bei verzögertem Ansprechen oder kompliziertem Verlauf längere Behandlung individuell festlegen. Bei Verdacht auf Ceftriaxonresistenz keine empirische Monotherapie [LL1, LL2, FI1].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an penicillinbindende Proteine.
  • Indikationen: Akuter Typhus abdominalis bei empfindlichem Erreger, insbesondere bei erforderlicher intravenöser Behandlung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine bzw. schwere Überempfindlichkeitsreaktion auf andere Betalactamantibiotika. Besondere Kontraindikationen bei Frühgeborenen und bestimmten Neugeborenen, insbesondere bei Hyperbilirubinämie (erhöhtem Bilirubin im Blut) oder notwendiger intravenöser Calciumgabe, beachten. Nicht mit calciumhaltigen Infusionslösungen mischen.
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Exanthem (Hautausschlag), Transaminasenerhöhung, Blutbildveränderungen, biliärer Sludge bzw. Pseudolithiasis (Ablagerungen in der Gallenblase); selten Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion), schwere Hautreaktionen, hämolytische Anämie (Blutarmut durch Auflösung roter Blutkörperchen) und Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis (Darmentzündung) [FI1].

Makrolide

Wirkstoffe Besonderheiten
Azithromycin Geeignet für unkomplizierte Erkrankungen und als orale Anschlusstherapie bei Empfindlichkeit. Bei kompliziertem XDR-Typhus ggf. zusätzlich zu Meropenem. Die Sanierung einer chronischen Erregerausscheidung ist weniger gut untersucht und erfordert eine infektiologische Entscheidung; Zulassungsstatus prüfen [LL1, LL2, FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit; überwiegend bakteriostatisch, mit hoher intrazellulärer Anreicherung.
  • Indikationen: Unkomplizierter Typhus abdominalis, orale Anschlusstherapie und ausgewählte resistente Infektionen bei gesicherter bzw. wahrscheinlicher Empfindlichkeit.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Azithromycin oder andere Makrolide. Bei QT-Verlängerung (veränderter elektrischer Erholung des Herzens), relevanter Bradykardie (verlangsamtem Herzschlag), Hypokaliämie (zu niedrigem Kalium), Hypomagnesiämie (zu niedrigem Magnesium) oder gleichzeitiger Gabe weiterer QT-verlängernder Arzneimittel besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Bei schwerer Lebererkrankung besondere Vorsicht.
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Diarrhoe, Bauchschmerzen; selten schwere Leberschädigung, Hörstörungen, schwere Hautreaktionen und ventrikuläre Arrhythmien einschließlich Torsade de pointes (schwere Herzrhythmusstörung) [FI2].

Carbapeneme

Wirkstoffe Besonderheiten
Meropenem Reserveoption bei komplizierter Erkrankung mit vermuteter oder bestätigter Ceftriaxonresistenz. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Dosierung und Infusionsstrategie bei schwerer Sepsis individuell optimieren. Kombination mit Azithromycin ggf. nach infektiologischer Rücksprache. Gleichzeitige Valproattherapie vermeiden [LL1, FI3].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Schwerer bzw. komplizierter Typhus abdominalis durch ceftriaxonresistente oder extensiv resistente Erreger bei Carbapenemempfindlichkeit.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Carbapeneme oder schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auf andere Betalactamantibiotika. Die Kombination mit Valproinsäure bzw. Valproat soll wegen eines ausgeprägten Wirkspiegelabfalls vermieden werden.
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit, Exanthem (Hautausschlag), Transaminasenerhöhung, lokale Infusionsreaktionen; selten Krampfanfälle, schwere Hautreaktionen, Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion) und Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis (Darmentzündung) [FI3].

Fluorchinolone

Wirkstoffe Besonderheiten
Ciprofloxacin Ausschließlich bei nachgewiesener ausreichender Empfindlichkeit und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Einnahmeabstand zu polyvalenten Kationen, z. B. Eisen, Calcium, Magnesium und Zink, beachten [LL1, LL2, FI4].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV.
  • Indikationen: Gezielte Behandlung einer empfindlichen Salmonella-Typhi-Infektion sowie ausgewählte Fälle chronischer Erregerausscheidung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Chinolone und gleichzeitige Tizanidingabe. Nach früheren schwerwiegenden Fluorchinolonreaktionen vermeiden. Bei vorausgegangener chinolonassoziierter Sehnenschädigung, Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader) bzw. entsprechenden Risikofaktoren besonders kritische Indikationsstellung; in der Schwangerschaft grundsätzlich Alternativen bevorzugen.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, zentralnervöse und psychiatrische Reaktionen, Dysglykämien (Schwankungen des Blutzuckers) und QT‑Verlängerung (veränderte elektrische Erholung des Herzens). Selten schwerwiegende, lang anhaltende oder irreversible Nebenwirkungen, insbesondere Tendinitis (Sehnenentzündung), Sehnenruptur (Sehnenriss) und periphere Neuropathie (Nervenschädigung an Armen oder Beinen). Die gleichzeitige systemische Glucocorticoidgabe erhöht das Risiko einer Sehnenschädigung [FI4].

Aminopenicilline

Wirkstoffe Besonderheiten
Amoxicillin Alternative bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Keine allgemeine empirische Ersttherapie. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz; Zulassungsstatus für die Sanierung einer chronischen Erregerausscheidung prüfen [LL1, LL4, FI5].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Gezielte Behandlung eines amoxicillinempfindlichen Erregers; ausgewählte Fälle chronischer Erregerausscheidung.
  • Kontraindikationen: Penicillinüberempfindlichkeit oder frühere schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion auf ein anderes Betalactamantibiotikum.
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit und Exanthem (Hautausschlag); selten Anaphylaxie (schwere allergische Reaktion), schwere Hautreaktionen, interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierengewebes), Kristallurie (Kristalle im Urin) und Clostridioides-difficile-assoziierte Kolitis (Darmentzündung) [FI5].

Folsäureantagonisten

Wirkstoffe Besonderheiten
Trimethoprim/Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol) Alternative bei nachgewiesener Empfindlichkeit. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Kalium, Nierenfunktion und bei längerer Anwendung Blutbild kontrollieren; relevante Wechselwirkungen insbesondere mit Methotrexat, Vitamin-K-Antagonisten und kaliumsteigernden Arzneimitteln beachten [2, LL3, LL4, FI6].
  • Wirkweise: Sequentielle Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese durch Sulfamethoxazol und Trimethoprim.
  • Indikationen: Akuter Typhus abdominalis als gezielte Alternative bei empfindlichem Erreger.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe, schwere Leberparenchymschädigung (schwere Schädigung des Lebergewebes) und bestimmte schwere hämatologische Erkrankungen (Erkrankungen des blutbildenden Systems). Bei schwerer Niereninsuffizienz nur entsprechend den Vorgaben der Fachinformation. Altersgrenzen sowie Einschränkungen in Schwangerschaft und Stillzeit beachten; bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel besteht ein Hämolyserisiko (Risiko einer Auflösung roter Blutkörperchen).
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Exanthem (Hautausschlag) und Hyperkaliämie (erhöhtes Kalium im Blut); selten schwere Hautreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse (lebensbedrohlichen Hautreaktionen), Knochenmarkdepression, Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), Leberschädigung und akute Nierenschädigung. Trimethoprim kann zusätzlich das Serumkreatinin ohne entsprechende Abnahme der glomerulären Filtration (Filterleistung der Nieren) erhöhen [FI6].

Glucocorticoide bei septischem Schock

Wirkstoffe Besonderheiten
Hydrocortison Nur bei Erwachsenen mit septischem Schock und anhaltendem Vasopressorbedarf trotz ausreichender Volumentherapie. Dauer und Beendigung nach intensivmedizinischem Verlauf. Keine routinemäßige Zusatztherapie bei Typhus abdominalis [LL5, FI7].
  • Wirkweise: Glucocorticoidwirkung mit Verbesserung der vaskulären Katecholaminantwort; zusätzliche mineralocorticoide Aktivität.
  • Indikationen: Anhaltend vasopressorpflichtiger septischer Schock nach den Kriterien der Sepsisleitlinie.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; weitere Kontraindikationen und relative Risiken anhand der Fachinformation prüfen. Bei lebensbedrohlichem Schock ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Nur zusammen mit einer wirksamen antiinfektiven Behandlung einsetzen.
  • Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Natrium- und Flüssigkeitsretention (Zurückhalten von Salz und Wasser), Hypokaliämie (zu niedriges Kalium), neuropsychiatrische Reaktionen, Muskelschwäche und erhöhte Infektionsanfälligkeit [FI7].

Dauerausscheider – Therapieziele und Empfehlungen

  • Therapieziel: Eradikation (Beseitigung) der chronischen Erregerausscheidung und Verhinderung weiterer Übertragungen. Als chronische Erregerausscheidung gilt eine Persistenz (ein Fortbestehen) über mindestens 12 Monate [LL2, LL3].
  • Individuelle Sanierung: Wiederholte Erregernachweise und eine aktuelle Resistenztestung sind erforderlich. Die Behandlung soll infektiologisch bzw. tropenmedizinisch und mikrobiologisch abgestimmt werden. Als Optionen kommen bei Empfindlichkeit Ciprofloxacin, Amoxicillin oder Azithromycin infrage; Dosierungen siehe die jeweiligen Wirkstofftabellen. Die Evidenz ist begrenzt, insbesondere für resistente Erreger [LL1, LL3].
  • Ceftriaxon: Ein pauschales zweiwöchiges Ceftriaxonregime wird für die Sanierung chronischer Träger nicht als allgemein gesicherte Standardbehandlung angegeben. Auswahl und Dauer einer intravenösen Alternative sind bei fehlenden oralen Optionen individuell festzulegen [LL1, LL3].
  • Biliäre Persistenz: Gallensteine und Erkrankungen der Gallenwege abklären. Bei erfolgloser antibiotischer Sanierung und Gallensteinen kann eine Cholezystektomie (operative Entfernung der Gallenblase) unter begleitender wirksamer Antibiotikatherapie erwogen werden; sie garantiert keine Eradikation [LL1, LL3].
  • Erfolgskontrolle und Infektionsschutz: Kontrollkulturen und Wiederzulassung in berufliche Tätigkeiten mit dem Gesundheitsamt abstimmen. Für Ausscheider gelten die Tätigkeitsbeschränkungen nach § 42 IfSG, insbesondere beim Umgang mit bestimmten Lebensmitteln und in Küchen der Gemeinschaftsverpflegung; Ausnahmen bedürfen der Entscheidung des Gesundheitsamtes [LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • BIA: British Infection Association
  • IfSG: Infektionsschutzgesetz
  • i.v.: intravenös
  • LL: Leitlinie
  • p.o.: oral (über den Mund)
  • QT: Zeit zwischen elektrischer Erregung und Erholung des Herzens
  • XDR: extensiv resistent

Literatur

  1. Hoffman SL, Punjabi NH, Kumala S et al.: Reduction of mortality in chloramphenicol-treated severe typhoid fever by high-dose dexamethasone. N Engl J Med. 1984;310(2):82-88. doi: 10.1056/NEJM198401123100203
  2. Hajji M, el Mdaghri N, Benbachir M et al.: Prospective randomized comparative trial of pefloxacin versus cotrimoxazole in the treatment of typhoid fever in adults. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 1988;7(3):361-363. doi: 10.1007/BF01962337

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Nabarro LE, McCann N, Herdman MT et al.: British Infection Association guidelines for the diagnosis and management of enteric fever in England. J Infect. 2022;84(4):469-489. doi: 10.1016/j.jinf.2022.01.014. Langfassung [LL1]
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Typhoid and Paratyphoid Fever. CDC Yellow Book 2026; aktualisiert am 23. April 2025. Behandlungsempfehlungen [LL2]
  3. Robert Koch-Institut: Typhus abdominalis, Paratyphus. RKI-Ratgeber, Stand 16. Oktober 2025. RKI-Ratgeber [LL3]
  4. Médecins Sans Frontières: Enteric (typhoid and paratyphoid) fevers. Clinical guidelines – Diagnosis and treatment manual, Onlinefassung. Behandlungsprotokoll [LL4]
  5. S3-Leitlinie: Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge – Update 2025. (AWMF-Registernummer: 079-001), April 2025, Version 4.0, veröffentlicht Juli 2025. Publizierte Langfassung. doi: 10.1007/s00063-025-01317-1 [LL5]

Behördliche Informationen

  1. World Health Organization: Typhoid vaccines: WHO position paper, August 2026. Weekly Epidemiological Record. 2026;101(32). Abschnitte zur antimikrobiellen Resistenz und Behandlung. WHO-Veröffentlichung [B1]

Fachinformationen

Die verlinkten britischen Fachinformationen ergänzen die Angaben zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen. Für die Verordnung in Deutschland ist die aktuelle Fachinformation des verwendeten Präparats maßgeblich; der Zulassungsstatus kann abweichen.

  1. Ceftriaxone 2 g powder for solution for injection/infusion. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI1]
  2. Azithromycin 500 mg film-coated tablets. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI2]
  3. Meronem IV 1 g powder for solution for injection or infusion. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI3]
  4. Ciprofloxacin 500 mg film-coated tablets. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI4]
  5. Amoxicillin 500 mg hard capsules. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI5]
  6. Co-Trimoxazole 160 mg/800 mg Forte Tablets. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI6]
  7. Hydrocortisone 100 mg powder for solution for injection or infusion. Summary of Product Characteristics. Fachinformation [FI7]