Japanische Enzephalitis – Differentialdiagnosen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakterielle Meningitis (bakterielle Hirnhautentzündung)/Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) – wichtige akut behandelbare Differentialdiagnose (mögliche andere Erkrankung mit ähnlichen Beschwerden) bei Fieber, Meningismus (Zeichen einer Hirnhautreizung), Bewusstseinsstörung (Störung des Wachheits- und Wahrnehmungszustands) und Krampfanfällen; eine ausgeprägte neutrophile Liquorpleozytose (erhöhte Zahl neutrophiler Entzündungszellen im Nervenwasser), erniedrigte Liquorglucose (erniedrigter Zuckergehalt im Nervenwasser) und erhöhtes Liquorlactat (erhöhter Milchsäurewert im Nervenwasser) sprechen eher für eine bakterielle Genese (bakterielle Ursache)
  • Cerebrale Malaria (Malaria cerebralis) (Malaria mit Befall des Gehirns) – bei Aufenthalt in Malariagebieten zwingend auszuschließen; Fieber, Bewusstseinsstörung und Krampfanfälle können eine virale Enzephalitis (virusbedingte Gehirnentzündung) imitieren
  • Chandipura-Virus-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch das Chandipura-Virus) – insbesondere bei Kindern nach Aufenthalt in Indien relevante Ursache eines rasch progredienten akuten Enzephalitis-Syndroms (rasch fortschreitendes Krankheitsbild einer akuten Gehirnentzündung)
  • Dengue mit Enzephalitis (Gehirnentzündung) – bei entsprechender Exposition in Asien klinisch und serologisch abzugrenzen; systemische Manifestationen (den ganzen Körper betreffende Krankheitszeichen) wie Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen), Exanthem (Hautausschlag) oder Blutungsneigung können wegweisend sein
  • Enterovirus-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch Enteroviren) – insbesondere im Kindesalter; Enterovirus A71 kann eine Hirnstammenzephalitis (Entzündung des Hirnstamms) mit Myoklonien (plötzlichen Muskelzuckungen), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und vegetativer Dysregulation (Störung unwillkürlicher Körperfunktionen) verursachen
  • Herpes-simplex-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch Herpes-simplex-Viren) – zentrale akut behandelbare Differentialdiagnose; fokale Krampfanfälle (auf einen Gehirnbereich begrenzte Krampfanfälle), Aphasie (Sprachstörung), Persönlichkeitsveränderungen und temporale MRT-Veränderungen (Veränderungen im Schläfenlappen in der Magnetresonanztomographie) sprechen eher für eine Herpes-simplex-Enzephalitis
  • Leptospirose (bakterielle Infektionskrankheit durch Leptospiren) mit Meningoenzephalitis – bei entsprechender Wasser-, Tier- oder beruflicher Exposition; Ikterus (Gelbsucht), Nierenfunktionsstörung, Konjunktivalsuffusion (Rötung der Augenbindehaut) oder Myalgien (Muskelschmerzen) unterstützen die Abgrenzung
  • Murray-Valley-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch das Murray-Valley-Enzephalitis-Virus) – bei Exposition in Australien oder Papua-Neuguinea relevante Flavivirus-Differentialdiagnose; auch wegen möglicher serologischer Kreuzreaktionen (Antikörperreaktionen mit verwandten Viren) zu beachten
  • Nipah-Virus-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch das Nipah-Virus) – insbesondere bei epidemiologischer Exposition in Süd- oder Südostasien; respiratorische Symptome (Beschwerden der Atemwege), Kontakt zu Erkrankten beziehungsweise typische zoonotische Exposition (Kontakt mit einer vom Tier auf den Menschen übertragbaren Infektionsquelle) können hinweisend sein
  • Rabies (Tollwut) – bei vorausgegangenem Säugetierkontakt; Hydrophobie (krankhafte Angst vor beziehungsweise Vermeidung von Wasser), Aerophobie (krankhafte Reaktion auf Luftzug), Dysphagie (Schluckstörung) und ausgeprägte autonome Dysregulation (Störung unwillkürlicher Körperfunktionen) sprechen für die enzephalitische Form (Form mit Gehirnentzündung) der Rabies
  • Tsutsugamushi-Fieber (Scrub Typhus) (durch Milben übertragene bakterielle Infektionskrankheit) mit Meningoenzephalitis – wichtige behandelbare Differentialdiagnose in weiten Teilen Asiens; Eschar (schwarze Schorfstelle an der Eintrittspforte), Exanthem, Thrombozytopenie und Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe) sind diagnostisch wegweisend
  • Tuberkulöse Meningitis (tuberkulöse Hirnhautentzündung)/Meningoenzephalitis – meist subakuter Verlauf mit anhaltendem Fieber, Bewusstseinsstörung und Hirnnervenausfällen (Funktionsstörungen der Hirnnerven); basale Meningitis (Hirnhautentzündung an der Gehirnbasis), Hydrocephalus (Wasserkopf) oder Infarkte (Gewebeschäden durch Durchblutungsstörungen) sind typische Bildgebungsbefunde
  • Varizella-Zoster-Virus-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch Varizella-Zoster-Viren) – insbesondere bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder begleitendem beziehungsweise vorausgegangenem Herpes zoster (Gürtelrose); ein Exanthem kann fehlen
  • West-Nil-Virus-Enzephalitis (Gehirnentzündung durch das West-Nil-Virus) – klinisch eng verwandte Flavivirus-Erkrankung mit Enzephalitis, Bewegungsstörungen oder akuter schlaffer Lähmung; serologische Kreuzreaktionen mit dem Japanische-Enzephalitis-Virus sind zu berücksichtigen
  • Zeckenenzephalitis (Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME) (durch Zecken übertragene Gehirn- und Hirnhautentzündung) – bei Zeckenexposition in Endemiegebieten Europas und Asiens; häufig biphasischer Verlauf (Krankheitsverlauf in zwei Phasen) mit Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis (Rückenmarksentzündung)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) (akute entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark) – insbesondere bei Kindern nach vorausgegangenem Infekt; multifokale neurologische Defizite (Funktionsausfälle aus mehreren Bereichen des Nervensystems) und disseminierte demyelinisierende MRT-Läsionen (verstreute Schädigungen der Nervenisolierung in der Magnetresonanztomographie) sprechen gegen eine Japanische Enzephalitis
  • Akute nekrotisierende Enzephalopathie (akute Erkrankung des Gehirns mit Gewebeuntergang) – vor allem bei Kindern nach fieberhaftem Infekt; rasche Bewusstseinsstörung und symmetrische thalamische Läsionen (beidseitige Schädigungen im Bereich des Thalamus) können eine Japanische Enzephalitis imitieren, typischerweise ohne ausgeprägte entzündliche Liquorpleozytose
  • Autoimmune Enzephalitis (durch eine fehlgeleitete Immunreaktion verursachte Gehirnentzündung) – insbesondere Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis (Autoimmunentzündung des Gehirns gegen NMDA-Rezeptoren); subakute psychiatrische beziehungsweise kognitive Symptome (psychische beziehungsweise geistige Beschwerden), Krampfanfälle, Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungsstörungen) und autonome Störungen (Störungen unwillkürlicher Körperfunktionen) bei fehlendem Erregernachweis sind wegweisend