Hepatitis A (Hepatitis epidemica) – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Anti-HAV-IgM
    • Serologisches Verfahren der ersten Wahl zur Bestätigung einer akuten Hepatitis-A-Infektion (Leberentzündung durch Hepatitis-A-Virus)
    • Typischerweise nachweisbar ab 5-10 Tagen vor Symptombeginn (Beginn der Beschwerden) bis in der Regel etwa 6 Monate danach
    • Nur bei klinischem Verdacht (begründeter Krankheitsverdacht) auf akute Hepatitis A sinnvoll; nicht als Screeningparameter (Suchtest) oder als Bestandteil unspezifischer Hepatitis-Panels (kombinierte Testreihen auf Leberentzündungen) einsetzen
  • Anti-HAV-IgG beziehungsweise Gesamt-Anti-HAV
    • Nachweis einer zurückliegenden Infektion (durchgemachte Erkrankung) oder einer Impfimmunität (Impfschutz)
    • IgG persistiert in der Regel lebenslang
    • Nicht zur Akutdiagnostik (Diagnostik einer frischen Erkrankung) geeignet
  • HAV-RNA (PCR) aus Serum (Blutflüssigkeit) und/oder Stuhl
    • Fakultativ ergänzend bei sehr früher Krankheitsphase (frühes Krankheitsstadium), unklarer oder widersprüchlicher Serologie (Antikörperdiagnostik), bei Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem) sowie im Rahmen von Ausbruchsuntersuchungen (Abklärung von Infektionshäufungen) beziehungsweise Public-Health-Analysen (bevölkerungsbezogene Gesundheitsanalysen)
    • Ein positiver Nachweis beweist eine frische HAV-Infektion (Infektion mit Hepatitis-A-Virus)
    • Die Nachweisbarkeit beginnt vor Symptombeginn (Beginn der Beschwerden); die Dauer der Nachweisbarkeit variiert je nach Material und Krankheitsphase (Krankheitsstadium)
  • Sequenzierung des HAV-Genoms (Erbgut des Hepatitis-A-Virus)
    • Spezialindikation zur Genotypisierung (Bestimmung von Virusvarianten) und zur Klärung epidemiologischer Zusammenhänge (Ausbreitungszusammenhänge) bei Ausbrüchen
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin
    • Typischerweise ausgeprägte Transaminasenerhöhung (Erhöhung von Leberenzymen), häufig ALT > AST
    • Bilirubinanstieg je nach klinischer Ausprägung (Schweregrad der Erkrankung)
  • Gerinnungsparameter – Quick/INR
    • Zur Abschätzung des Schweregrades (Erkrankungsschwere) und zum Erkennen eines akuten Leberversagens (schwerer Funktionsausfall der Leber)

Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz: Krankheitsverdacht (Verdacht auf Erkrankung), Erkrankung und Tod an akuter Virushepatitis (Leberentzündung durch Viren) sind meldepflichtig.

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

Andere Hepatitis-Viren

  • Hepatitis-Virus B – HBsAg, Anti-HBc-IgM, gegebenenfalls HBV-DNA
  • Hepatitis-Virus C – Anti-HCV, gegebenenfalls HCV-RNA
  • Hepatitis-Virus E – Anti-HEV-IgM/IgG, gegebenenfalls HEV-RNA
  • Hepatitis-Virus D – Nur bei Hepatitis-B-Konstellation (gleichzeitige Infektion mit Hepatitis B) relevant; Anti-HDV, gegebenenfalls HDV-RNA

Andere virale Ursachen einer akuten Hepatitis

  • Epstein-Barr-Virus (EBV) – Bei passender Klinik (typische Krankheitszeichen), zum Beispiel Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) oder atypischen Lymphozyten (veränderte weiße Blutkörperchen)
  • Cytomegalie-Virus (CMV) – Insbesondere bei Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem) oder unklarer Hepatitis
  • Herpes-simplex-Virus (HSV) – Vor allem bei schwerem Verlauf (schwerer Krankheitsverlauf), Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem) oder Schwangerschaft

Autoimmundiagnostik

  • Antinukleäre Antikörper (ANA)
  • Anti-Smooth-Muscle-Antikörper (ASMA)
  • Anti-LKM
  • Gesamt-IgG
  • Bei Verdacht auf autoimmune Hepatitis (durch das Immunsystem verursachte Leberentzündung) in geeigneter klinischer Konstellation (passende Krankheitszeichen)

Stoffwechselerkrankungen

  • Coeruloplasmin, gegebenenfalls Serum-/Urinkupfer – Bei Verdacht auf Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit), insbesondere bei jüngeren Patienten oder schwerem Verlauf (schwerer Krankheitsverlauf)
  • Transferrinsättigung, Ferritin – Bei Verdacht auf Eisenüberladung (Eisenspeicherkrankheit) als Differentialdiagnose (mögliche andere Ursache) erhöhter Leberwerte

Toxisch-/medikamentös bedingte Leberschädigung

  • Sorgfältige Medikamenten-, Phytotherapeutika- (pflanzliche Arzneimittel) und Supplementanamnese (Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln)
  • Gezielte Zusatzdiagnostik in Abhängigkeit von Exposition (Kontakt mit schädigenden Stoffen) und Verlauf
  • Alkoholassoziierte Konstellation (durch Alkohol bedingte Situation) laborchemisch nur ergänzend beurteilbar; isolierte Marker beweisen keine alkoholtoxische Hepatitis (durch Alkohol verursachte Leberentzündung)

Weitere infektiöse Differentialdiagnosen

  • Gezielte Diagnostik nur bei entsprechender Exposition (Kontakt mit Erregern), Reiseanamnese (Reiseanamnese), Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem) oder klinischem Hinweis (Krankheitszeichen).
  • Insbesondere Leptospirose (bakterielle Infektionskrankheit), seltener andere systemische bakterielle (den ganzen Körper betreffende bakterielle Erkrankungen) oder parasitäre Infektionen (Erkrankungen durch Parasiten)

Impfstatus

  • Eine routinemäßige Kontrolle von HAV-Impftitern (Antikörperwerten nach Impfung) nach Standardimpfung wird nicht empfohlen.
  • Serologische Kontrollen (Antikörperuntersuchungen) kommen nur in speziellen Einzelfällen in Betracht, zum Beispiel bei ausgewählten Patienten mit Immundefizienz (angeborene oder erworbene Schwäche des Immunsystems).

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001), Oktober 2021 Langfassung
  2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Hepatitis A Surveillance Guidance https://www.cdc.gov/hepatitis/php/surveillance-guidance/hepatitis-a.html