Cholera – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage [bei ausgeprägter Dehydratation (Austrocknung) Unruhe bzw. Reizbarkeit; bei schwerer Dehydratation Lethargie (starke Schläfrigkeit) bis hin zur Bewusstseinsstörung]
    • Hydratationsstatus (Flüssigkeitszustand des Körpers)
      • Inspektion (Betrachtung) der Augen [eingesunkene Augen]
      • Inspektion der Mundschleimhäute und Zunge [trocken bis sehr trocken]
      • Beurteilung von Durst und Trinkfähigkeit [ausgeprägter Durst mit gierigem Trinken; bei schwerer Dehydratation eingeschränkte bzw. fehlende Trinkfähigkeit]
      • Prüfung des Hautturgors (Spannungszustand der Haut) mittels Hautfaltentest [verlangsamte Rückbildung der Hautfalte; bei schwerer Dehydratation sehr langsame Rückbildung über mehr als 2 Sekunden]
    • Kreislauf- und Perfusionsstatus (Durchblutungszustand)
      • Palpation (Abtasten) des Radialispulses (Puls an der Speichenarterie) [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag); bei schwerer Dehydratation schwacher, bei hypovolämischem Schock (Kreislaufschock durch starken Flüssigkeitsmangel) kaum bzw. nicht tastbarer Radialispuls]
      • Blutdruckmessung [Hypotonie (niedriger Blutdruck) bis zu nicht messbarem Blutdruck bei hypovolämischem Schock]
      • Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung der körperfernen Gewebe) und Hauttemperatur [kalte Akren (körperferne Bereiche wie Hände und Füße), ausgeprägter peripherer Temperaturgradient (Temperaturunterschied zwischen Körperkern und körperfernen Bereichen) bei Schock]
      • Kapilläre Rekapillarisierungszeit (Zeit bis zur Wiederauffüllung kleinster Blutgefäße) [verlängerte Rekapillarisierungszeit bei ausgeprägter Hypovolämie (vermindertes zirkulierendes Blutvolumen)]
  • Untersuchung des Abdomens (Bauches) Inspektion, Auskultation (Abhören) und Palpation, insbesondere Beurteilung auf abdominelle (den Bauch betreffende) Druckschmerzen, Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur) und Hinweise auf eine andere Ursache der akuten Diarrhö (Durchfallerkrankung)
  • Untersuchung des Bewegungsapparates insbesondere Beurteilung der Muskulatur [schmerzhafte Muskelkrämpfe, insbesondere der Wadenmuskulatur, infolge ausgeprägter Flüssigkeits- und Elektrolytverluste (Verluste von Mineralsalzen)]
  • Klinische Beurteilung des Dehydratationsgrades (Ausmaßes der Austrocknung) Einteilung anhand von Bewusstseinslage, Radialispuls und peripherer Perfusion, Augen, Hautturgor sowie Durst und Trinkfähigkeit in keine, mäßige bzw. schwere Dehydratation oder Schock [bei schwerer Dehydratation typischerweise Kombination aus Lethargie, eingesunkenen Augen, schwachem Radialispuls, sehr langsam rückläufiger Hautfalte und deutlich eingeschränkter Trinkfähigkeit; bei Schock Bewusstseinsstörung, schwacher bzw. fehlender Radialispuls und ausgeprägte periphere Minderperfusion (Minderdurchblutung)]

Red Flags (Warnzeichen) bei Cholera

  • Lethargie bzw. Bewusstseinsstörung
  • Unfähigkeit zu trinken
  • Schwacher bzw. nicht tastbarer Radialispuls
  • Arterielle (die Schlagadern betreffende) Hypotonie mit Zeichen der peripheren Minderperfusion
  • Sehr langsame Rückbildung einer Hautfalte über mehr als 2 Sekunden als Zeichen schwerer Dehydratation

Beachte: Bei Cholera kann sich infolge der sehr hohen gastrointestinalen (den Magen-Darm-Trakt betreffenden) Flüssigkeitsverluste innerhalb weniger Stunden eine schwere Dehydratation bis zum hypovolämischen Schock entwickeln. Die klinische Einschätzung des Dehydratations- und Schockgrades hat daher höchste Priorität.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.